Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1933-02-23 · Heft 268 (23.2.1933) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 268 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054015-3054023--3382-3058893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

' Seffe 1 DIE STIMME Nr. 26$ — 23. Februar 103$ Reform der zionistischen Organisation Van David Ben Gtsrlon Auf der letzten Konferenz der palästinens:schen Arbeiterpartei hat der Arbeiterführer Ben Q u r i o n ein Referat über Reform der Zionistischen Organisation gehalten, das auch außerhalb ckr Reihen der Arbeiterpartei stark diskutiert wurde, da (Ke Notwendigkeit einer Reform in weiten Kreisen der Bewegung empfunden wird. Wir geben nachstehend einen Auszug des Erwähnten Referates wied;r. Es besteht die Notwendigkeit für eine fundamentale Reorganisierung der Zionistischen Organisation. In ihrem jetzigen Zustand ist die Zionistische Organisation rein fiktiver Natur — in den einzelnen Ländern gibt es keine organisierten, arbeitsfähigen, alle Zionisten umfassenden Organisationen und ohne territoriale Zweigstellen ist die Zionistische Weltorganisation nicht mehr als ein un- «usgefüHter Rahmen. Die einzige wirklich existierende Institution der zionistischen Organisation ist der Z i o n i s t i s c h e K o n g r e B. Da es aber diesem Kongreß, der für kurze Zeit einmal in zwei Jahren Zusammentritt, an einem ständigen aktiven, organisierten und verantwortlichen Organ fehlt, das die Beschlüsse des Kongresses ausführt und seinen Willen dauernd verwirklicht, wird er zu einem parlamentarischen Schauplatz ohne schöpferischen Inhalt und ohne bindende Macht. Die parlamentarische «Vorführung» von Parteikonflikten, die Attacken der Opposition auf «die Regierung», die «politischen» Diskussionen, «die Kabinettskrise» und die Zusammensetzung der «Regierung», sowie die Abstimmungen über das Budget — all das befriedigt die «Staatsleidenschaft» des reinen, geläuterten Zionismus. Wie dem auch sei — aBe diese parlamentarischen Kunststücke, ausgeübt im luftleeren Raum, werden uns kaum der Realisierung des Zionismus näherbringen. Hinter dem Kongreß gibt es keine organisierte Kraft, die ihm zur Verfügung steht Es genügt nicht, daß es eine vom Kongreß gewählte Exekutive gibt Die Arbeit der zionistischen Weltbewegung kann nicht von der Exekutive vollendet werden, sondern von den Trägern der Bewegung der Diaspora. Die Organisierung dieser Träger des Zionismus in jedem einzelnen Lande ist oberste Bedingung für die Aktivierung und Gesundung der Bewegung. Ais die Zionistische Organisation gegründet wurde, war «e eine einheitliche Organisation mit einheitlichen Landesorganisationen in den einzelnen Ländern. Inzwischen haben sich Parteien gebildet; die Landesverbände haben auch nach Entstehung der Parteien die Grundlage der Organisation gebildet Im Laufe der Zeit ist jtdoeb die Zersplitterung gewachsen. Die Flügelparteien haben die Landesverbände beinahe verschlungen, und so hat sich inzwischen der Charakter dieser Verbände geändert. Diese territorialen Organisationen, die ursprünglich einen Teil der Zionistischen Weltorganisation bildeten, sind in vielen Ländern, besonders in Osteuropa, zu politischen Parteien der zionistischen bürgerlichen Klasse geworden. Die Zionistische Bewegung ist zum Sprungbrett für Leute geworden, die Karriere machen wollen und deren wirkliche Arbeit Überhaupt nicht mit der Tätigkeit der Weltorganisation verbunden ist. Die Wahlen zum Parlament, Sejm, städtischen und jüdischen Gemeinden nehmen ihr Interesse und ihre Arbeit in erster Linie in Anspruch und wirkliche zionistische Arbeit Ist eine Angelegenheit von sekundärer Bedeutung. Die Einführung des einheitlichen Schekels beseitigte eine große Ungerechtigkeit. Kongreßmandate hörten auf, Privateigentum derjenigen Gruppen zu sein, die viel Geld für Schekolim zahlen konnten. Jetzt werden die Mandat« durch die Wahl der Schekelzahier bestimmt. Diese Reform des einheitlichen Sch.kels muß sich auf die ganze Struktur der Zionistischen Organisation ausdehnen. In jedem Lande muß eine einheitliche, gemeinsame Organisation geschaffen werden. Zionistische Parteien werden selbst1 .-rständlich aucn in der Zukunft weiterb.stehen, aber di« territorialen Zellen der Zionistischen Weltorganisation werden nicht aus Parteien (Sonderverband, Landesverband) bestehen, sondern aus alten Schekelzahlern des betreffenden Landes, ohne Unterschied der Partei. Ebtinso wie jeder Schekelzahler direkt zum Zlonistervkongreß wählt, wird jeder Schekelzahier in der gemeinsamen Landesorganisation einen Delegierten zu der gemeinsamen Zionistischen Landeskonferenz wählen. Diese Konferenz wird über den Charakter der in Ihrem betreffenden Lande auszuführenden zionistischen Arbeit entscheiden und wird einen Landesvorstand wählen. Ob dieser Vorstand eine Koall- Matfdo Ha|6a (Violine) lola l'rlbach (Gesang) konzertieren am 18. März, %8 Uhr abends, im Konzerthaus (Kleiner Saal). Karten von S 1.— bis ö.— bei Konzertdvrektion Dr. Hohenberg, I., Kärntnerring 3. tions- oder homogene Körperschaft sein soll, wird — ebenso wie beim Zionistischen Kongreß — von der Verteilung der Kräfte auf der Konferenz abhängen, und dieser Vorstand wird die zionistische und palästinensische Tätigkeit in seinem Lande, selbstverständlich in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Kongresses und unter der Kontrolle der zionistischen Weltexekutive, ausführen, und zwar: zionistische Propaganda, Palästinaämter, Zionistische Fonds usw. Die territoriale, aus allen Parteien zusammengesetzte Organisation darf sich natürlich nicht mit «Gegenwartsarbeit* befassen, die auch weiterhin die Domäne der einzelnen Parteien im Zionismus bleibt. Die Kompetenz und das Arbeitsgebiet der ge- Purim In Baden 111. März, halb 9 Uhr abends I Hotel Stadt Wien meänsaflien Zionistischen Landesorganisation ist mit der Kompetenz und dem Arbeitsgebiet des Zionistischen Kongresses identisch. ... Der Kongreß und die Zionistische Weltorganisation haben augenblicklich keinen Apparat zur tatsächlichen Ausführung der Arbeit und keine richtige Organisationsmaschinerie in den Ländern. An Stelle von Landesorganisationen gibt es nur noch Parteien, die ihre Energie und Kraft auf permanenten Streit untereinander und im beston Falle auf lokal-politische Arbeit verschwenden, während die zionistische und palästinensische Arbeit beinahe keine Beachtung findet. Um ein Instrument zu schaffen, das kl der Läge ist, dl« gespaltenen zionistischen Lager aufzunehmen, muß in jedem Lande eine gemeinsame zionistische Landesorganisation geschaffen werden, in der jeder zionistische Schekelzahier — ungeachtet seiner Partei oder Richtung — direkten und persönlichen Anteil nimmt. Diese gemeinsame einheitl^hi Organisation und ihr LandeSvorstand, der auf einer Konferenz sämtlicher Schekelzahier des betreffenden Landes gewählt wird, wird sich mit den Tätigkeitsgebieten befassen, (und nur mit diesen Gebieten), die in die Kompetenz des zionistischen Kongresses gehören, d. h. also: Zionistische Propaganda, Zionistische Fonds, AHjäh, Hachscharah, Mobilisierung von Kapital und Menschen für Palästina usw. Die gesamte Gegenwartsarbeit wird wie bisher ganz und gar die Domäne der verschiedenen zionistischen Parteien bleiben und die einheitliche Landesorganisation, die sich aus Mitgliedern aller dieser Parteien zusammensetzt, wird sich in diese Arbeit nicht etomengen. Vorschläge zur Reorganisierung der Jewish Agency Berlin. Unter dem Vorsitz von Herrn B. Locker, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, fand am 16. und 17. Februar in Berlin eine Konferenz der vom Administrative Committee der Jewish Agency eingesetzten Kommission statt, die die Aufgabe hatte, die Vorschläge für den Umbau und die Festigung der Jewish Agency zu prüfen. An der Konferenz nahmen teil: Rabbiner Dr. Leo Baeck-Berlin, Kurt Blumenfeld-Berlin, Rabbiner Dr. S. Federbusch-Helsingfors, Dr. Nahum Goldmann-Berlin, Dr. Georg Halpern-Berlln, Dr. Arthur Hantke-Jerusaiem, Dr. Bernhard Kahn*Ber!ln, Leo Motzkin-Paris, Ing. A. Reiß-Warschau, Dr. Werner Senator-Jerusalem^ Direktor Oscar Wassermann-Berlin, B. Zudkermarin, Ne#'York. In einer zweitägigen De-1 batte, die durch ein Referat von Herrn B. Locker eingeleitet wurde, wurden mehrere Vorschläge erörtert, die B Oie Revisionisten am Scheidewege Blue Konferenz ln Kattowltz Der Psrteirat des Weltverbandes der Zionisten-Revisionlsten Ist für den 5. und 6. März nach Kattowltz einberufen worden. Zwei Hauptfragen werden die Konferenz beschäftigen: l. Uebertragung des Sitzes der revisionistischen Exekutive von London und Paris nach Genf; 2. Teilnahme oder Nichtteilnahme der. Revisionisten an dem 18. Zionistenkongreß. Von der Beantwortung dieser beiden Fragen hängt die Entscheidung ab, ob in der Zukunft eine unabhängige revisionistische Tätigkeit auf politischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiete stattfinden soll, ferner, ob, falls die revisionistischen Schekelzahier von der zionistischen Exekutive zur D'szipHn aufgerufen werden, die Priorität der Zionistischen Organisation oder die der Revisionistischen Union zu gelten habe. Diese Fragen — so wird in revisionistischen Kreisen betont —■ sind nicht etwa durch den jüngsten Spruch des zionistischen Kongreßgerichtes aktuell geworden, sondern sie entstanden als Folge der Meinungsdifferenzen, die unter den revisionistischen Führern selbst Uber die Bedeutung des Zionistenkongresses bestehen. Die Kattowitzer Konferenz wird das Kräfteverhältnis zwischen der mit Jabotinsky gehenden Gruppe und der Gruppe um Großmann, Stricker und Lichtheim abzeichnen. Jabotinsky vertritt die Meinung, der kommende Zionistenkongreß habe kein Interesse für die Revisionistische Union, die auf ihrer Wiener Weltkonferenz «sich als die eigentliche Nachfolgerin der von Theodor Herzl geschaffenen Zionistischen Organisation proklamiert hat». In revisionistischen Kreisen spricht man von in Kattowltz bevorstehenden Aenderungen in der Zusammensetzung der Revisionistischen Exekutive. ES bestehe der Plan, außer Jabotinsky, der jetzt der einzige Nichtschekelzahler in der Exekutive Ist, auch andere Nlcntschekelzahler auf2unehmen. Diese Frage kann Anlaß zu Heftigen Konflikten geben. Die Tatsachen der Errichtung eines politischen Büros in Palästina durch Großmann und der Gründung einer neuen revisionistischen Wochenschrift als Opposition zu der maximalistischen revisionistischen Wochenschrift «Chasith Ha'am» sind nicht weniger dazu angetan, die Spannung in Kattowitz zu erhöhen. Die Palästinadelegation für die Kattowitzer Konferenz wird »ich ausschließlich aus Nichtschekelzahlern zusammensetzen. Die Mehrheit der palästinensischen Revisionisten bereitet sich zu einem entschlossenen Kampfe gegen die Richtung Großmann-Strickor-Uchtheim vor. Auch die Pariser Revisionisten, die ebenfalls Maximalsten Sind, wollen es in Kattowitz nötigenfalls angeblich zu einer Spaltung der Bewegung kommen lassen. Alle anderen revislo* mstischen Ländergruppen aber betrachten die erwähnten Differenzen nur als taktischer und nicht prinzipieller Natur darauf hinausllefen, dem nlchtzionlstfschen Teil der Je* wlsh Agency einen festen Unterbau zu geben. Vor allem standen 2ur Diskussion die Anregungen, das Wahlrecht zum nichtzionistischen Teil des Council der Jewish Agency den Keren Häjessod-Zahlern ln einzelnen Ländern, bezw. ln anderen Ländern den bestehenden jüdischen Organisationen öffentlich-rechtlichen und anderen Charakters zu gewähren. Die Debatte, an der sich sämtliche Anwesenden beteiligten, endete mit dem Beschluß, sämtliche vorgelegten Lösungsvorschläge den Organen der Jewish Agency, sowie einer breiteren jüdischen Öffentlichkeit als Diskussionsmaterial vorzulegen und atjf diese Weise die Beratungen der im Sommer sfattr flridienderi f aguhg des Council der jewish Agency vorzubereiten. und wollet!, alles aufwenden, um die endgültigen Entschließungen auf ein »päteres Datum zu verschieben, damit die Organisation intakt bleibe. Organisation unil Propaganda Vom 12. bis 15. d. M. tagte in Berlin die «Ständige Kommission für Organisation und Propaganda» unter dem Vorsitze B. Lockers und Dr. Lauterbach von der zionistischen Exekutive. An den Beratungen nahmen u. a. teil: Doktor Kollenscher, Dr. Halpem, Dr. RosenblUth, M. Neustadt, A. Reiß, Dr. A. Tartakower, Dr. Federbusch, Dr. N. Ooldmann, Hanna Steiner, Motzkin, Gronemann, Dr. A. Bart, Hantkc und Ad. Pollak. Die Kommission behandelte eingehend Fragen der Zusammenfassung aller Zionisten In den einzelnen Ländern, Zwei-Jahresschekel, Reform der Jewish Agency, Jugendarbeit und die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Assimilation. Die Tagung, die erfüllt war von einem Geist der gemeinsamen Verantwortung und Arbeit, erstattete ausführliche Vorschläge an die Londoner Exekutive. E «Dn-Ho» Schuhe sind anerkannt wegen ihrer beste« Qualität, guten Paßform und billigen Preisen. Erhältlich Schuhnledcrlage David Höfowitz, 11., Taboratraße 11 b, Eck« Gredlerstraße 31. ralisiiii-rrolüie miiiiir Jaffa-Orangen, per Paket 6 kg.S 5.80 [affa-Grape Fruit, groß, per Stück.. S —.40 Schemen-Olivenöl, per kg S 3.70, per % kg . . S 1.00 Toiletteseife (6 Sorten) pro Stück aufwärts von S —.55 Chedera-Honig per % kg S I.—, pu* kg . . . S 2.20 Karme‘-Weine (0 Sorten), 1 Flasche aufwärts von S 2.80 Franko Haus g»gen Kassa bej Uebcrnahme «ArailEIH/llPERl Wien» II.9 fOrileraoise 6 Telephon A 40-4-12 Zur Komplettierung des Chajes-Waldes fehlen noch 1.207 Bäume! Juden Wiens! Stiftet Bäume und Gärten im „CHAJES-WALDE“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.