Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 268 (23.2.1933)
- Date
- 1933-02-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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v. b. b. Preis 35g BEZUGS. BEOINGl INGEN Oesterreich monatlich S! 50, vierteljährl S 4 20, ganx jShrl. . . . S 16 — DeutachM viertel jihrt.. . . RM V- Tschechoslotaakei viartalj . Kc 24 — luiioafawten viertel jahrl. . Om 40 — Po en vieneljlhr lieh . . Zloty ft 50 Ungarn vierteljlhr lieh . . Pengö 4 20 Runtlnien viertel jahrl. . . I ei 120 — Uehriges Ausland vtarteljXhrl. Schw. Franken 4 50 Jüdisdte Zeitung £ rcdi eint je len Donnerstag Redaktion und Administration Wien, ln Klrntner straft« 2« Tel R-27 4-85 Postsparkassen* konti: Oeaterr. D 113 546 Polen . . 19M99 lachecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 6. jahrgang Wien, Donnerstag, 23. Februar 1933 (27. Schabet 5693) Nummer 26S „Hart ist das Los dev deutschen Juden** Ein Aufsatz von Georg Bernhard New York, 20. Februar. Die mit der Associated Press verbundenen Zeitungen veröffentlichen einen Artikel von Professor Georg Bernhard, früheren Chefredakteur der «Vossischen Zeitung» und jetzigen Leitartikler des «8 Uhr Abendblatt», über die Lage der Juden in Deutschland. Der Artikel, der in der amerikanischen Oeffentlichkeit große Beachtung gefunden hat, enthält einen der Situation der deutschen Juden gewidmeten Abschnitt. Georg Bernhard führt den Erfolg der HHlerschen Angriffe gegen die Juden in der Hauptsache darauf zurück, daß große Teile des deutschen Volkes Juden gar nicht kennen. Die Juden bilden in Deutschland kaum 1 Prozent der Bevölkerung und leben meist in großen Städten. Der bäuerliche Bewohner des Dorfes oder der kleinen Landstadt, der nie Gelegenheit hat, Juden in ihrem wahren Tun zu beobachten, ist geneigt, alles, was ihm über die Juden erzählt wird, zu glauben. Hart ist das Los der deutschen Juden, fährt Georg Bernhard fort; wirtschaftlicher Boykott, Ausschaltung jüdischer Arbeiter und Angestellter, Boykott jüdischen Berlin, 20. Februar. American Jewish Congress sandte an das in Berlin tagende Exekutivkomitee zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses eine Kundgebung, die im wesentlichen besagt: American Jewish Congress entbietet der historischen Tagung der Exekutive für. den Jüdischen Weltkongreß seine brüderlichen Grüße. Unsere Sorge um das Schicksal und um die Zukunft der deutschen Judenheit ist gemildert durch unser Vertrauen in Deutschland, das nicht von der hohen Stufe bürgerlicher Gleichheit auf ein Niveau der Ungleichheit und der Ungerechtigkeit wird herabsinken wollen. Im Bewußtsein jüdischer Solidarität steht die amerikanische Judenheit mit ihren Sympathien einmütig hinter den deutschen Juden, ebenso wie sie stets willens ist, für die Rechte jedes Teils der Judenheit einzutreten. Die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten würde jede Verletzung der Rechte der jüdischen Bevölkerung in Deutschland scharf mißbilligen. Unterschrieben ist die Kundgebung vom Präsidenten des Congress Bernard S. Deutsch, dem Ehrenpräsidenten Dr. Stephen S. W i s e und dem Vizepräsidenten Cohen. Ein Gespräch mit Rabbi Abba Hillel Silver Berlin. Rabbi Abba Hillel Silver von der Liberal Synagogue in Cleveland, ein führender amerikanischer Jude, weifte in Berlin gerade in den Tagen, als die Regierung des Reichskanzlers Hitler die Macht übernahm. Handwerks, systematische Verdrängung jüdischer Aerzte und Anwälte, besonders in den kleinen Provinzstädten, machen dieses Los des jüdischen Bürgers in Deutschland immer unerträglicher. Deutsche jüdischer Abstammung und Religion, deren Ahnen viele Jahrhunderte lang in Deutschland lebten, die stets unter Deutschlands Fahne gekämpft und von denen während des letzten Krieges 12.000 ihr Leben auf den Schlachtfeldern gelassen haben, werden in Tausenden von Versammlungen, in Millionen Zeitungsexemplaren als Menschen niederer Klasse, die nicht berechtigt seien, im öffentlichen Leben Deutschlands zu wirken, diffamiert. Von einer höheren Warte gesehen, schließt Georg Bernhard, wandelt sich das Leid der deutschen Juden, verursacht; durch antisemitische Unterdrückung, zu ihrem Segen: eine immer größere Zahl deutscher Juden wird ihrer Tradition und ihrer großen Vergangenheit wieder eingedenk. Besonders die jüdische Jugend befreit sich immer mehr von den Minderwertigkeitskomplexen früherer Generationen. Er kam mit prominenten jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten in Berührung und berichtete in der amerikanischen Presse über seine Eindrücke in Deutschland. In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter sprach Rabbi Silver seine Meinung dahin aus, daß auch die neue deutsche Regierung mit der Meinung im Auslande wird rechnen wollen und die Rechte und die Betätigungsfreiheit der jüdischen Bürger, die treue Söhne Deutschlands sind, nicht beschränken wird; ebensowenig wird sie den Nutzen einer Depossedierung der ausländischen Juden einsehen, wo doch Millionen Deutsche in fast allen Ländern der Welt als gern gesehene und geachtete Gäste leben. Ueber die Position des deutschen Judentums führte Rabbi Silver aus: Es ist ein tragisches Erlebnis, zu beobachten, wie dieses deutsche Judentum teils aus Mißverständnis, teils aus bösem Willen verdächtigt, verleumdet und aus der Mitarbeit am Staate allmählich hinausgedrängt wird. Ich beobachtete ein tiefes Gedrücktsein unter den deutschen Juden, aber keine Mutlosigkeit, keine Verzweiflung. Auch haben sie keineswegs den Glauben verloren an den künftigen Aufschwung des deutschen Volkes und das Wiederaufblühen des Deutschen Reiches. Nahum Sokotow bei Mussolini Rom. Der Chef der italienischen Regierung Benito Mussolini empfing am 16. Februar den Präsidenten der Jewish Agency Nahum Sokolow, der auf seiner Rückreise von Palästina nach London in Aegypten und Italien kurzen Aufenthalt genommen hat Mussolini unterhielt sich mit Sokolow eine halbe Stunde lang über Prägen des Zionismus und des Palästina-Aufbaues, wobei Mussolini ein lebhaftes Interesse für die jüdischen Leistungen im Aufbau Palästinas an den Tag legte. Mussolini und das Palästina-Werk Die vorstehend gemeldete Unterredung zwischen Mussolini und Sokolow trug einen recht herzlichen Charakter. Mussolini, der sich übrigens über das Palästina-Werk gut Informiert zeigte, nahm unbeschadet dessen die Gelegenheit wahr, sich durch Sokolow über die neuesten Fortschritte des jüdischen Aufbaues, insbesondere über neue Formen und Methoden der jüdischen Kolonisation in Palästina, näher zu informieren. Mussolini gab zu verstehen, daß er die Lage in Palästina und das gesamte zionistische Werk dauernd mit Interesse verfolgt. Die Oel-Rohrenleltung stach Kalla Eine Anfrage im Unterhaus London. Auf eine Anfrage von Captain Peter MacDonald. (kons.) im Unterhaus erklärte der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister, er wisse nicht, wann die Oelieitungen nach Haifa und Beirut in Betrieb genommen werden würden. In dem zwischen der Irak-Regierung und der Irak-Petroleum-Gesellschaft am 24. März 1931 getroffenen Abkommen ist vorgesehen, daß beide Leitungen am 31. Dezember 1935 fertiggestellt sein müssen und daß —* wenn nicht beide gleichzeitig in Betrieb genommen werden können — die nach Haifa führende P.pe Line jedenfalls nicht später als sechs Monate nach Inbetriebnahme der Leitung in Beirut in Betrieb genommen werden müsse. Inbetriebsetzung des Hafens von Haifa im Herbst 1933 Die Regierung gibt Haifa-Boden in Dauerpacht Jerusalem. Das Haifa-Hafen-Komitee hat dem High Commissioner empfohlen, die Eröffnung des Hafens zwischen 15. Oktober und 15. November vorzunehmen. Wie die JTA erfährt, wird demnächst in der «Palestme Gazette» eine offizielle Mitteilung der Regierung erscheinen, in der ein großer Teil des dem Meere abgewonnenen Bodens parzelliert in Pacht für 49 Jahre, mit Optionsrecht für weitere 49 Jahre, vergeben wird. Britische Staatsangehörige sollen bei der Pacht bevorzugt werden. Immerhin haben auch Juden in anderen Ländern Gelegenheit erhalten, Boden für Industrieanlagen zu pachten. Auf einem anderen Teil des Bodens werden Zollamt und Speicher erbaut. Radau-Antisemitismus In Manchester Manchester, 19. Februar. Auf einer Tagung jüdischer Führer Manchesters wurde über Maßnahmen gegen sich häufende radau-antisemitische Akte, die von einer kleinen, aber um so lärmender auftretenden Gruppe ausg^hen, beraten. ln der letzten Zeit wurden durch die F» ister der Talmud-Thora-Schule und des talmudischen Kollegs sowie in die Privatwohnung einer jüdischen Familie, in der eine Frau schwer krank darniederliegt, in Papier gewickelte Ziegelsteine geschleudert; die Papierhüllen trugen die Aufschriften: «Nieder mit den Juden!» «Die Juden sollen verrecken!» Zettel ähnlichen Inhaltes wurden an die Wände jüdischer Häuser, auch an das Haus des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Nathan Lasky, geklebt, ln der Tagung wurde beschlossen, gegen die antisemitische Gruppe alle gesetzlichen Maßnahmen zu ergreifen. Die Presse in Manchester widmet diesen Zwischenfällen große Aufmerksamkeit und verurteilt einmütig das Treiben einer verantwortungslosen Gruppe. Führende amerikanische Juden über die jüdische Situation in Deutschland Sympathiekundgebung des American Jewish Congreß für das deutsche Judentum Zlg^MiQeJLandeUionMwjarOaw^d» Zum zweitenmal in Wien: „DIE EINZIGE LOSUNG" PronaeandaaufflHiriina am 7« NNrz d. J>. viertel 9 Wir abend« Im Bayrischen Hof Karten zu 8 1—, 150 und 8 2— im Landeskomitee (K 27*4-^6). in der Bücherstube Rath, Taborstrabe 20a, im Helme der Sektion II., Praterstrabe IS und bei allen Bezlrkaaektlonen