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Die Stimme · 1933-02-16 · Heft 267 (16.2.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 267 (16.2.1933)
Date
1933-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 267 — 16.. Februar 1933 DTE SUMME Seife f Warum verlangen alle weil scui-n MMZZIIII in Geschmack und Qualität unübertroffen sind! werden unter streng orthodoxer Aufsicht des srsn ded ornnn trm wi* mn hergestellt Die Mazzotli werden aot feinstem Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die «Schmidt» Mazzoth» das beste Renommee und werden von allen bevorzugt Auf die Extraqualität meiner Fabrikate «Marke Schmidt N. B.» auf Mazzoth, Grieß und Farn , wird besonders aufmerksam gemacht Zeoraie: I brodeizkv 2., Leopoldsgasse 43 und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich Telephon-Nummern A-46-1-90, A-60-2-63 und A-41-9-5? Sitten tmd Gebräuche im Zeitalter der Technik Ein Besuch ln der Schmldl-Mazzoth-Fabrlk Als ich beschloß, die Mazzothfabrik Schmidt in Floridsdorf zu besuchen, sthgen ln mir Erinnerungen aus einer Zeit auf, die weit hinter uns liegt. Ich erinnerte mich an das ostfildische Städtchen, wie es dort zur Zeit zwischen Purim und Pessach aussah; an die kleinen Bäckereien, in welchen die Mazzoth hergestellt wurden. Da gab es oft einen einzigen, engen Raum, wo gesiebt, geknetet und gebacken wurde. Alles mit Menschenhand. Im Schweiße des Angesichtes backten diese Arbeiter das Brot, das für das Befreiungsfest bestimmt war. Und als dieses fertig war, packte man die Mazzoth in einen Riesenkorb, breitete darüber ein weißes Linnen und schickte sie durch einen Träger den Kunden ins Haus. So war es einstma's. Wie wesentlich anders ist es heute, im Zeitalter der Maschinen und in der Großstadt. Technische Errungenschaften verdrängten allmählich hier wie überall die menschliche! Handarbeit. Und will man heute noch an Sitten und Gebräuchen unverändert festha'ten, muß man sich diese modernen Errungenschaften zunutze machen. Wie sehr verläßlichste Kaschruth, peinlichste Sauberkeit, vollstes Ausnützen der modernsten Errungenschaften auf maschinellem Gebiete in Güte und Qualität der hiererzeugten Mazzoth ihren Ausdruck finden, überzeugt uns ein kurzer Besuch in der seit über 40 Jahren bestehenden Mazzothfabrik Schmidl des Herrn Natan Brodetzky. Wir sind erst im Februar, zwei Monate trennen uns noch von Pessach, und schon ist die Arbeit in vol'stenr Gange. Der Fabriksleiter führt mich durch helle, saubere Räume; Maschinen rasseln. Nichts wird mit der Hand, alles maschinell gemacht. Al’es blitzbank. Mehrere Maschgichim überwachen abwechselnd den ganzen Prozeß, den jede einzelne Mazzah durchzumachen hat — von dem Gesiebtwerden des Mehles bis zur Verpackung des Fertigfabrikates. So sehen wir ein Festhalten an Tradition, trotz oder vielmehr erst recht mit Hilfe moderner Errungenschaften, ein Vor einiger Zeit erschien im arabischen «Marat al Scharak» ein Aufsatz, der eine resignierte Bilanz der arabischen Politik der letzten zehn Jahre zog und in eine vernichtende Kritik ihrer Führer auslief. Ich gebe nachstehend die Ausführungen des Blattes.kurz wieder, bei deren Lektüre die Tendenz nicht übersehen werden darf, daß hier die Aufzählung der zionistischen Erfolge lediglich als Kampfmittel im innerarabischen politischen Kampfe dienen soll, denn in der Stellungnahme gegen den Zionismus gibt es, wenigstens nach außen hin, unter den verschiedenen Gruppen fast keinen Unterschied. Der Artikel beginnt mit der Frage, ob die arabische Bewegung in Palästina Fortschritte gemacht habe. Er beantwortet sie mit Nein und beweist es folgendermaßen: Zu Beginn der Eroberung des Landes betrug die Zahl der Juden im Lande 65.000. Heute leben darin 200.000 und ihre Zahl wäre wahrscheinlich schon auf 300.000 gestiegen, wenn die Krise dieser Entwicklung nicht Hindernisse in den Weg gelegt hätte. Sie würden dann ein Drittel der Bevölkerung bilden anstatt früher ein Zehntel. Der Einwanderungsstrom wurde also nicht durch die arabische Bewegung, sondern durch die finanzielle Weltkrise gehemmt. Der Bodenbesitz der Juden betrug damals 200.000 Dunam gegen nahezu 1,300.000 Dunam heute. Auch hier steht dem weiteren Wachstum des jüdischen Bodenbesitzes nur der Mangel an Geld entgegen. Najv sei derjenige, der sich einredet, daß die Regierung ein Bodenverkaufsverbot erlassen würde, solange aie Balfour-Deklaration und das Mandat in Kraft hleiben. Der große jüdische Einfluß im Völkerbund verhindere, daß England in der Bodenfrage im Sinne der Araber etwas tun könne. Es ist derselbe Einfluß, der England, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Italien «dem Befehle des auserwählten Volkes Allahs unterworfen hat*. Das Blatt folgert nun, daß die Araber nicht auf die Regierung, sondern nur auf sich selbst etwas setzen könnten und geht dann Unsere Pessach- Palästina-Reise geht von Wien am 28. Mürz ab. Es ist dies — abgesehen von einer Studcntenreise im Sommer — die letzte Gesellschaftsreise, welche wir vor Herbst J933 nach Palästina führen. Wir haben auf dem großen Ueberseedampfer «Martha Washington» (12.500 t) 2-, 3-, 4- und 6bettige Kabinen zur Verfügung. Wollen Sie bequem und billig nach Palästina relsan! inn wenden $.'■? sich sofort an uns! Sichern Sie sich einen der wenigen noch freien Plätze, die in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben werden. Anmeldungen in der Veiwaltung der «Stimme» und bei der «Pag*. Festhalten an Gebräuchen, wie es den Forderungen und Ansprüchen der frömmsten jüdischen Gemeinde des Ostens nicht wünschenswerter erscheinen könnte. Man verläßt die Fabrik des freundlichen und zuvorkommenden Besitzers, Herrn Brodetzky mit dem Gefühl: Sitten und Gebräuche im Zeitalter der Technik. Wed über 6000 Aerzte bestätigen die hervorragende schmerzstillende und heilende Wirkung des Togal bei rheumatischen und gichtischen Beschwerden aller Art. Auch bei Erkältungskrankheiten sind Togaltabletten altbewährt. Die Wirkung tritt unmittelbar ein. Togal ist in jeder Apotheke zu haben. zu einem scharfen Angriff gegen die bisherigen Führer über, denen es die ganze Schuld an dieser unbefriedigenden Lage zuschiebt. «Sie, die gar keine politische- Tradition hatten, haben sich die ganze Zeit als schwächlich und unfähig . erwiesen. Sie meinten es noch mit den Türken zu tun zu haben und verstanden nicht, die englische Mentalität in Rechnung zu ziehen, auf die weder Reden noch Proteste, sondern wirkliche Opferbereitschaft und Selbstverleugnung zu Wirken vermögen. Diese Führer, die weder englisch, noch die Engländer verstehen, sind dieselben Leute, die seinerzeit das politische Spiel in Damaskus, zur Zeit einer einzigartigen, und vielleicht erst nach hundert Jahren wiederkehrenden Gelegenheit, Arabien zu einigen, spielten, bis sie damit Schiffbruch erlitten und dann nach Palästina kamen, um es hier in neuer Auflage gegenüber England fortzusetzen.» In dieser Phalanx von Vorwürfen hat das Blatt vielleicht in dem einen Punkte recht, daß es den arabischen Führern nicht gelungen ist, unter den Arabern eine wirkliche Volksbewegung gegen das jüdische Werk hervorzurufen. Aber die Schuld liegt sicherlich nicht an ihnen, was die Unruhen von 1929 bewiesen haben. Auch diesen gefälschten «Volkszorn» konnten sie nur durch die Erregung des religiösen Fanatismus über die angebliche Gefährdung der Omar-Moschee und das Versprechen, daß die Regierung auf ihrer Seite sei, herbeiführen. Sie konnten es aber über einen Zustand der Verhetzung nicht bringen, dem die Realität des Lebens im Lande mit der ihr eigenen Logik ununterbrochen entgegenarbeitet. Es ist eben schwer, eine tiefgehende Volksbewegung gegen den jüdischen Aufbau bei ständiger Zunahme der Verdienstmöglichkeiten, bei steigendem Produktenabsatz, bei Verbesserung aller Lebensbedingungen zu schaffen, und es ist schwer, trotz allem zu verhindern, daß der Araber aus dem Volk alle diese Dinge mit der jüdischen Arbeit in Zusammenhang bringt. Es ist verständlich, daß die in einer unfruchtbaren Ablehnungspolitik verstrickten und einem verstiegenen Panarabismus huldigenden Araber diese Dinge nicht sehen wollen, ebenso wenn sie sich weigern werden, anzuerkennen, daß auch der große geistig-politische Fortschritt des arab:schen Palästina, mit dem es ihren Stammesbrüdern jenseits der Grenzen um so viel voraus ist, dem {üd'schcn Impuls zu verdanken ist. Ihre Klage entspringt im Grunde einem Gefühl der Unzufriedenheit, daß sie mit ihrer negativen Politik hinter der Entwicklung der Dinge zurück- und in der Luft hängen bleiben. sind gegen die jüdische Heimstätte, aber die westlichkulturellen Lebensbedingungen, die sie im Lande schafft, lassen sie sich gefallen. Aber diese Gegnerschaft gegen das jüdische Werk, so sehr sie noch in der palästinensisch-arabischen Politik eine zentrale Stelle einnimmt, beherrscht doch nicht mehr die Gemüter mit der früheren Ausschließlichkeit. Es spielen ln die Politik neben der starken inneren Parteiung Interessen hinein, die außerhalb des Landes ihre Zentren haben. In die Strategie der um die Hegemonie kämpfenden führenden Familien, in die Differenzen zwischen christlichen und mohammedanischen Arabern spielen die Parteinahme für oder gegen Ibn- Saud, für oder gegen das gegenwärtige ägyptische Regime und eine Reihe anderer Faktoren hinein. Als eines der Zeichen dieser einander widerstreitenden Bestrebungen sowie dafür, daß die Dinge in der arabischen Welt nicht stille stehen, sind die durch die arabische Presse letzthin verbreiteten Nachrichten über bevorstehende neue Zeitungsgründungen anzusehen. Hiernach sollen mit Beginn des Jahres 1933 nicht weniger als vier neue Tageszeitungen zu erscheinen beginnen.. So heißt es, daß das Organ; 4er panarabischen «Istiklalb-Partei, die Wochenzeitung «El-Arab», in eine Tageszeitung unter der Leitung des bekannten Rechtsanwaltes und Politikers A u m i B ey abd el Hadi, der der arabische Hauptvertreter vor der Shaw-Kommission war, umgewandelt werden und zugleich als Sprachrohr des Königs F a i s $ a I v o m Irak dienen soll. Ferner plant die Opposition in der Arabischen Exekutive, die von dem Jerusalemer Bürgermeister Rahib Nashashibi geführte «Palästinensische Volkspartei», die Herausgabe einer Tageszeitung unter dem Namen «El Uma» (Das Volk). Nashashibi unterstützt die heutige ägyptische Politik und so vermutet man hinter dem Plane die finanzielle Unterstützung des ägyptischen Premiers Z i d k i Pascha. Hinter diesen Plänen kann die Gruppe des Mufti, die g e g e n Z i d k i und für den «Wafd» arbeitet, schon deshalb nicht Zurückbleiben, weil er außerdem darauf bedacht sein muß, daß die Familieninteressen der Husseimiten gegenüber denjenigen der Nashashibis nicht ins Hintertreffen geraten. Sein Organ «Al James al Arabia» soll sonach als Tageszeitung in verstärktem Umfang erscheinen unter Mitarbeit des bekannten syrischen Dichters Kajar Sarkali und des Journalisten Saamj Sarag, eines Wafdisten, der letzthin aus Aegypten ausgewiesen wurde. — In diesem neuen journalistischen Chor soll aber noch eine Stimme nicht fehlen. Der frühere Khedive von Aegypten, A b b a s H i 1 m i, der bekanntlich vor kurzem den Juden den gutgemeinten Rat gegeben hat, sich den Arabern zu assimilieren, wodurch sie mit einem Schlage die jüdisch-arabische Frage aus der Welt schaffen könnten, hat in der arabischen Politik seine Sonderinteressen. Die in Beth-lechem von Issa al Bandak herausgegebene «Saawat al Gchaab* soll ihm von nun an als ein in eine Tageszeitung umgewandeltes Leiborgan dienen und die Politik darin von seinem Freunde Chalad Hassan Saldi, dem früheren Ministerpräsidenten Transjordaniens, gemacht werden. Gegen Hilmi, der angeblich Palästina in nächster Zeit wieder besuchen wird, steht der christlich-arabische «Falastin* im ununterbrochenen Angriff. Er sieht hinter seinen Absichten jüdischen Einfluß und jüdisches Geld und ln ihnen eine Gefahr für das ganze arabische Volk. Neue Entwicklungen In welchem Grade wir das Land nicht nur für uns, sondern auch für die arabische Welt als einen anziehenden Punkt kulturellen und politischen Lebens entwickeln, zeigt die Tatsache, daß es $ich zunehmend zu einem der wichtigsten Mittelpunkte der gesamt Wandv«rklc)l€lunä «n Htuntn«, Oden. HcriV« Dod nofllcatidee rwnqft* und lU« 1« da* f'aeb eInsf>hl1c'«*o Arbeiten und Beperetnrae Franz HaiItelc nainermcw er Wien, tu, l.ud»t«*6« Ul Telephon >’ tt-O-T» arabischen Politik gestaltet. Die führenden Arabern* *er*iT*r.r«tun* <t*r rar«* E»torb*»y»ebw Staber« Aus der arabischen Welt Die arabisch« Bewegung und ihre Führer Von unserem Tel Awitv-Korrespondenfen CH. Haller

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