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Die Stimme · 1933-02-16 · Heft 267 (16.2.1933) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 267 (16.2.1933)
Date
1933-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 DTE STIMME Nr. 267 — 16. Februar 1933 des Falles erwähnen: die Haltung der Juden zu Wagner und zu seiner Musik. Und hier mutt zur Ehre der Juden und ihres Kunstsinnes gesagt werden, daß sic nicht einen Augenblick — auch zu einer Zeit, da Wagner noch lange nicht der große Wagner war — sich durch den Menschen Wagner irritieren ließen und immer nur den Künstler Wagner und dessen schlackenlose Größe mit Begeisterung anerkannten. Es ist eine allgemein bekannte und überdies nicht vereinzelt dastehende Tatsache, daß Richard Wagner zum größten Teil — wenn nicht gar ausschließlich — die Verbreitung seines musikalisch unbestreitbar gerechtfertigten Ruhmes gerade Juden verdankt. Von dem vielgehaßten und verunglimpften Giacomo Meyerbeer über die zahlreichen und bedeutenden jüdischen Wagner-Dirigenten, Sänger und Sängerinnen bis zur Kunstbegeisterung des letzten 4.-Galerie-Stehplatzbesuchers waren es Juden, die ihm zum siegreichen Durchbruch verhalten, und schließlich Juden, Künstler und Publikum, die die treuesten Bewahrer seines großen künstlerischen Erbes bis auf den heutigen Tag geblieben sind. Hermann Levy, der Rabbinersohn, wurde von Wagner dazu bestimmt, sein christlich-germanisches Weihespiel «Parsifal» in der ersten Bayreuther Aufführung zu dirigieren. Neben Frau Cosima wurde Levy der künstlerische Sachwalter des Wagnerschen Bayreuther Erbes. Und ebenso war es das Verdienst des Juden Angelo Neumann, den noch heiß umstrittenen Richard Wagner in entscheidender Darstellung mit durchgesetzt zu haben. Die Liste der jüdischen Sänger und Sängerinnen, die in Bayreuth auftraten, ist eine ganz große. Um nur einige zu nennen, die wohl zu den bekanntesten gehörten, seien hier nur Pauline Rebekka- Mailhac und Lilli Lehmann-Kallsch erwähnt. Juden, die Wagner nahestanden, waren auch Professor Richard Sternfeld, der mit Bayreuth so eng verknüpft war und der während des Krieges zu nationalen Zwecken eine Auswahl aus Wagners Schriften und Dichtungen herausgab, ferner der romantische russische Jude Josef Rubinstein, der dann mit der Einrichtung des Klavierauszuges zu «Parsifal» betraut wurde und der aus Gram über den Tod Wagners seinem Leben selbst ein Fnae machte. Dieses «Entgegenkommen* einzelnen Juden gegenüber, in derr auch seine Anhänger mit Recht einen Zwespalt zwischen Tun und Denken ihres Meisters erblickten, wurde mancherlei Betrachtung unterzogen. Es ist oft geiadezu erheiternd, die stammelnden Entschuld'gungsversuche seiner Jünger zu hören, wie sie diesem «Gegensatz von Leben und Schriften», von Theorie und Pr^x •> ein wenig ratlos gegenüberstehen. Dasselbe Judentum, das in seinem fanatischen Streben nach starkem künstlerischen Erleben als erstes den revolutionären Stoß der Wagnerschen Opernschöpfung verspürte und ihn liebevoll weiterleitete, fand in Wagner einen seiner feindseligsten und gehässigsten Beurteiler. Gibt es wohl eine tragischere Erscheinung? Wagner hob als erster mit seinem NibeJungen-Schatz auch all die Schätze altgermanischer Kultur. Er war in diesem Sinne nicht nur Revolutionär, sondern vor allem nationaler Romantiker mit dem Blick zu der alten Vergangenheit seines Volkes und Juden waren seine ersten verständnisvollen Anhänger, seine tatkräftigsten Förderer. Wahrlich, ein mehr als tragisches Volk, diese Juden ' . . Pfe «Stimme* Miw alles Kanada braucht Juden ln einer amerikanischen Zeitschrift veröffentlicht A. J. Paul einen aufsehenerregenden Artikel unter der Ueber- Schrift «Kanada braucht Juden», in welchem ausführlich die Einwanderungs- und Lebensverhältnisse ge- }■ sduldert werden. i. . Einleitend wird interessanterweise hervorgehoben, daß 7 in einer Zeit, da nach dem amerikanischen Kontinent nicht weni-ger als 4 Millionen Juden ausgewandert sind, in Kanada : nur zirka 125.000 Juden Aufenthalt geno.it u:n haben. Kanada könnte aber weit mehr jüdische Einwanderer absorbieren. Das Land weist eine Bevölkerung von 10 Millionen Menschen auf, kann aber mit Leichtigkeit 25 Millionen Menschen beherbergen. Es ist daher ganz unerfindlich, warum Kanada die Tore der Einwanderung gesperrt hat. Es leben anstatt 10 Menschen pro Quadratkilometer nur em MenschI Seinerzeit wurden ganz ungeheure Behräge für Investitionen verausgabt, die eben darauf berechnet waren, daß hn Verhältnis zur Größe des Landes entsprechende Menschenmengen sich dort ansiedeln werden. Und es bleibt heute zur Lösung nur ein Ausweg übrig: Immigration! Und da meint der Verfasser des Artikels, daß das jüdische Ein Wanderungselement dasjenige ist, das dem Lande jetzt fehlt Nun gehört zur Immigration Geld. Fälschlicherweise sagen die amerikanischm Juden, daß sie jetzt selbst zu wenig Geld haben und daher nicht die notwendigen Kapitalien zur Verfügung stellen können. Das kann aber nur die Meinung von Philanthropen sein. Denn ihr« GekJuntersfcützungen, die sie für die ostjüdtechen Brüder hergeben, sind keine produktive H Ife, während dieselben Gelder, für die UebersiecMing verbandet, dauarnde Werte schaffen könnten. Es handelt sich da um die Rettung von tausenden Menschen. Auch die Gefahr, daß die nach Kanida einwmdarnden Juden der staatlichen ode<r privaten Karitas zur Last faHen, ist lächerlich, denn von den in den letzten zehn Jahren (1920 bis 1930) einigewandertan 40.000 Juden haben aäe Verein der Buczaczer in Wien Einladung zu der Sonntag, den 26. Februar 1933, in den Festsälen des Hotel Continental statthndanden AKADEMIE MIT TANZ Hervorragende Kunstkräfte / Jazzkapelle Prof. Wolsfthal / Karten bei allen Vorstandsmitgliedern erhältlich. II. Mürz 1133 Arbeit gefunden und selbst die private Unterstützung ist minimal. Dagegen Ist dieser Nachschub von jüdischen Menschen mit noch fest eingewurzelter jüdischer Kultur fast unentbehrlich, damit das amerikanasche Judentum nicht dem Verfalle entgegengeht. Die Verfolgungen der Juden Europas fordern geradezu eine Oeffnung der Tore Kanadas für die Einwanderung der Juden heraus. Einige Zahlen über die Einwanderung der Juden in Kanada sind sehr lehrreich. Im Jihre 1331 gab es 6414, 1901 gab es 16.401, 1931 schon 124388 Juden, und zwar vor allem in Montreal (65.000), Toronto (45.000) und in Winnipeg (20.000) und viele kleine Gemeinden. Drei Viertel der Einwanderer kamen aus Rußland und Polin. Solange die Tore Kanadas offen waren, haben aber die jülschen Auswanderer Kanada vernachlässigt und die Vereinigten Staaten vorgezogen. Am Schlüsse erwähnt der Verfasser ein sehr interessantes Detail, daß nämlich 65 Prozent der emgejvaniirten Juden Kanadas sich produktiven Berufen (Farmer, Bergarbeiter, Schiffs- und Bauarbeiter) zugewendet haben und daß es eine Rückwanderung so gut wie gar nicht gegeben hat. Wichtige Entdeckungen eines jüdischen Sibirienforschers Moskau. Der jüdische Gelehrte Alexander Mlndolewitsch, der als Führer einer Expedition zwei Jahre lang in den Eispränen des äußersten Nordens des fernöstlichen Rußlands, zwischen dem Fluß Anadir und der Mündung des Beringstromes, zugebracht und den bisher unzugänglich gewesenen Teil der Tsehukotischen Halbinsel erforscht hat, ist soeben nach Leningrad zurückgekehrt und hat über die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit einen vorläufigen Bericht gegeben. Mindolewitsch hat sich als erster Forscher im Polarge&et der Hirsche anstatt der Hunde als Zugtier* bedient und mit ihnen mehr als 1500 Kilometer unter den schwersten klimatischen Bedingungen zurückgelegt. Er entdeckte wertvolle Mineralien sowie der zoologischen Wissenschaft bisher noch ganz unbekannte Tiere. Die Tschukotische Halbinsel ist von einem vollkommen primitiven Volksstamm, den Tschuktschen, einem Reste der paleo-sibirischen Bevölkerung, bewohnt. Der Stamm führt ein Nomadenleben und nährt sich von rohem Flaisch und Fifcch sowie Blättern und Wurzeln Bis jetzt gla-ubte män, daß die Tschuktschen keine Schriftsprache kennen. Mindolewitsch aber hat festgestellt, daß dieser Stamm eine Hieroglyphenschrift mit rund 4000 Zeichen, die unter dar Bavöfkenin'» sehr verbreitet ist und in der Regel auf Holz eingeritzt wird, hat. Mindolewitsch hat mehrere Muster dieser Schrift sowie Uebersetzungen aus derselben mitgebracht Die belehrten messen den Entdeckungen Mindolewitsch’ große Bedeutung Konferenz }üd?scher Aerzte In Palästina Schaffung eines Weltverbandas jüdischer Aerzte Warschau. Auf Vorschlag der Leitung der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der luden in Polen T o z hat die palästinensische Aerztegesellschaft beschlossen, für die kommenden Pessachtage eine Vorkonferenz jüdischer Aerzte aus verschiedenen lindern nach Palästina einzuberufen, die über folgende Fragen beraten soll: I. Einberufung, Programm und Organisation eines Weltkongresses jüdischer Aerzte; 2. Die z Lage der jüdischen Aerzte in verschiedenen Ländern; 3. Der Zustand der jüdischen Gesundheitsinstitution in in verschiedenen Ländern; 4 Plan der Schaffung eines Weltverlmdts jüdischer Aerzte; 5. Schaffung einer medizinisch m Fakultät an der hebräischen Universität in Jerusalem. Ein jüdischer Genera) in der polnischen Arme* Warschau. Der polnische Staatspräsident Professor Moscicki hat den jüdischen Oberst der Krakauer Garnison Bernhard Mond zum Generatbrigadier der polnischen Armee ernannt. Die Akademie für Jüdische Wissest« schalt ln Amerika bereitet anläßlich des 800« Geburtstages von Malmonl* des die Herausgabe des Gesamt* Werkes von Maimonides vor Die American Academy for Jewish Research hat auf ihrer soeben im Jewish Thcological Seminary abgehaltenen Jahrestagung beschlossen, mit den Vorbereitungen zur Feier des 800. Geburtstages des großen jüdischen Denkers Maimonides, der auf das Jahr 1935 fällt, sofort zu beginnen. Geplant wird die Veröffentlichung des Gesamtwerkes von Maimonides. Der Präsident der Academy Dr. Alexander Marx gab der Erwartung Ausdruck, daß die ersten beiden Bände des Gesamtwertes von Maimonides von Mitgliedern der American Academy for Jewish Research bis zum 800. Geburtstag von Maimonides zur Veröffentlichung werden gebracht werden können; die Herausgabe des Gesamtwertes würde 15 bis 20 Jahre in Anspruch nehmen müssen. Starke Jüdische Auswanderung aus Saloniki Senator Achflle Calevras, früherer Generalgouvemeur von Saloniki, führt in einer Artikelserie aus, durch die Niederlassung von 120.000 griechischen Flüchtlingen aus Kleinasien in Saloniki sei die Stadt so überfüllt, daß sie ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren kann. Insbesondere mache sich eine Abwanderung der alteingesessenen Juden Salonikis bemerkbar. Im Jahre 1932 haben 2000 Juden Saloniki verlassen und sich meist nach Palästina gewandt. Die Auswanderung werde 1933 voraussichtlich noch größeren Umfang annehmen. 104)00 Menschen an der Beerdigung des Nowominsker Zaddik Warschau. Im Alter von 58 Jahren verstarb hier der in der Chassidim-Welt unter dem Namen «Nowominsker Zaddik» außerordentlich populäre Rabbi Alter Israel Simon P e r 1 o w, ein Nachkomme des «Baal Schern» und ein Enkel des Lewi Jizchak Berditschewer und des Rabbi Arön Karliner. Der Verstorbene war Mitglied des Rabbmischen Rates der Agudas Jisroel. Er verfaßte Kommentare zu mehh een Standadweken des religiösen jüdischen Schrifttums. Im Trauerzuge hinter dem Sarge schritten etwa 10.000 Anhänger des verstorbenen Rabbi. Reiseeindrücke aus Palästina mit Vorführung von Orlglnal*I4ehthlld* aufinahmen Vortrag Theodor M o n t e s e r Im Rahmen des humanitären Gese'ligkeitsvereines der Straßnitzer in Wien hält Samstag, den 18. Februar, um 8 Uhr abends, im Theatersaal des Caf6 Landtmann (I. Ring des 12. November) Herr Theodor M o n t e s e r einen Vortrag «Reiseeindrücke aus dem heiligen Lande» mit Vorführung von Original-Lichtbildaufnahmen. Am Projektionsapparat Herr Dr. Ing. Hubert F. T. W e n z 1. Gäste willkommen. fdlcrx und Mumow Unnötig ln Plnsk soll eine Friedhofmauer errichtet werden und es wird für diesen Zweck im Städtchen gesammelt. Ein Geizhals weigert sich einen Beitrag zu leisten; er meint: *Ganz unnötige Ausgabe. Die Toten können nicht hinaus, die lebenden wollen nicht hinein. Warum soll män also den Friedhof absperrenH Samstag, den 18. Februar 1933, um 8 Uhr abends Im Theatersaal „Post”, L, Fleisch* markt Nr. 24 Rezitation: Samuel Schwager Gesang: Hilde Dulizkaja Moses Lichtmann Violine: N. Leibowicz Karten von S 1 bis S 2.50 1/29

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