Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 267 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nf. XT — 16. Februar 1633 Seite $ loser Ergebenheit und Olauben der um elf Jahre iltere Johann Kremenezky. An vielen politischen Aktionen nahm Kremenezky teil. In den Tagebüchern Herzls kann man über jene Zeit Authentisches erfahren. Doch über dies hinaus hat Herzl seinen ergebenen Freund Kremenezky durch die Einsetzung zu einem I. In ihrer Orientpolitik geht die Sowjetregierung seit jeher auf den alten, ausgetretenen Pfaden nach bestem imperialistischem Muster. Die Auslieferung der auf sibirischen Boden geflüchteten aufständischen chinesischen Generale an die japanischen Henker durch die Sowjetregierung ist würdig eines Metternich. Seit jeher gab es einen Interessengegensatz zwischen den zwei größten Staatsgebilden auf dem Boden des nahen Orients, zwischen Rußland und England. In der Türkei, in Persien und Indien stoßen die Gegensätze aufeinander. Der Kampf gegen den englischen Imperialismus ist ein Kampf nicht gegen ein bestimmtes Unterdrückungsprinzip, sondern ein einfacher Konkurrenzkampf, in welchem es sich um Macht und Geschäft handelt. Entsprechend der jeweiligen Interessenlage wird auch die jeweilige Orientierung der kommunistischen Internationale bestimmt, die doch oft nichts anderes ist als eine Propagandaabteilung des auswärtigen russischen Amtes. Wo die Verdrängung wenn nicht Vernichtung der englischen Interessen im Interesse des russischen Staates liegt, da erscheint sofort die kommunistische Internationale auf der politischen Tribüne, um passende Verbündete für diesen Kampf zu finden. Weder nationale noch soziale Freiheitsgrundsätze werden in diesem Falle in Erwägung gezogen, von Klassenkampf keine Spur. Wir erleben hier eine fast karikaturenhaft wirkende Wiederholung der eiglischen Politik aus der Kriegszeit, den Araberstämmen gegenüber. Die Engländer organisierten den «Aufstand der Wüste» gegen die Hohe Pforte, nun hetzt die russische Orientpolitik dieselben Stämme gegen England. Und weil dieses Kampfziel ein staatsimperialistisches ist, so schert sich diese Politik blutwenig um die sozialen Gegensätze in der arabischen Gesellschaft, noch weniger um die realen Interessen der geknechteten fellachischen Massen. So ist der natürliche Verbündete dieser Orientpolitik nicht der Bauer und Arbeiter, sondern der Effendiünd derMufti, weil diese als Repräsentanten der nationalistischen großarabischen Aspirationen besser geeignet sind, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Dabei rechnet diese Politik mit der Tatsache, daß in dieser noch primitiven feudalen arabischen Gesellschaft die Großgrundbesitzer und der Klerus unumschränkte Herrschaft über die maßlos ausgebeuteten und analphabetischen arabischen Massen ausüben. Im Interesse der antienglischen Politik darf vorderhand a n diesem Helotensystem nicht gerüttelt werden, denn gegenwärtig gilt die Parole, sich aller nationalistischen Kräfte im Kampfe gegen England zu bedienen. Und nun kommt das j U d 1 s c h e Motiv hinzu. Die neue jüdische Siedlung ist eine moderne europäische der Form, eine arbeitende dem Inhalt nach. Die größte Mehrheit des Jischuw gehört zu den produzierenden Klassen, die Arbeiterorganisation zählt an vierzigtausend Mitglieder, und verfügt über ein Netz von selbständigen kooperativen Institutionen und Dörfern, auf die man auch in Rußland stolz wäre. Wäre die Außenpolitik der Sowjets ausschließlich nach den Interessen der Arbeiterschaft des betreffenden Landes orientiert, so müßte sie anerkennen, daß hier nicht nur eine Heimstätte für ein in der ganzen Welt unterdrücktes Volk geschaffen wird, sondern zugleich eine Stätte sozialistischer Arbeit und Kultur in Stadt und Land ein Prozeß, der im Laufe der Zeit auch die veraltete arabische Feudalwirtschaft revolutionieren wird und bereits revolutioniert. Der neue Jischuw steht dieser Politik im Wege. Die juristische Basis des neuen Jischuw bildet die Balfour-Deklaration Englands und das Völkerbundmandat. Den Kampf der panarabischen und panislamitischen Feudalen gegen England kann also der jüdische Jischuw nicht mitmachen. Er sieht in der arabischen Bewegung, so wie sie heute ist, eine sozial erzr e a k t i o n ä r e, die gegen England aufgehetzt werden kann, die aber zugleich aus Furcht vor den sozial a u f r U11 e 1 n d e n Wirkungen der jüdischen Siedlung im arabisch-feudalen Wirtschaftssektor zum Todfeind des Zionismus und der jüdischen Freiheitshoffnung wird. Die russische Orientpolitik sieht also im Zionismus eine Störung und ein der Testamentsvollstrecker ausgezeichnet. Und in Altneuland erkennen wir in den markanten und sympathischen Zügen des Ingenieurs Warschawsky unseren teueren Jubilanten, diesem wirklich seltenen Menschen, dem an seinem dreiundachtzigsten Geburtstage die Wünsche aller Zionisten folgen. lästiges Hindernis, das so schnell als möglich aus dem Wege geräumt werden muß. Der Kampf gegen den Zionismus und gegen die jüdische Siedlung war ursprünglich nur eines der Mittel im Kampf gegen die Großmachtstellung Englands im Orient Aber wie so oft in der Geschichte, wurde auch hier aus dem Mittel Selbstzweck. Daß es so wurde, hat die russische Orientpolitik ihren «roten Hausjuden» zu verdanken, die angeblich die soziale Revolution im Orient, in Wirklichkeit aber den Araberaufstand gegen England vorbereiten sollten. D i e s e s H ä u f 1 e i n k o m m u n i s t ischer Assimiianten, das zum Teil aus direkten Agenten Moskaus, zum Teil aus enttäuschten und verführten jüdischen jungen Menschen besteht, bildete von Anfang an die kommunistische Partei in Palästina. Zwar standen in ihrem Programm drei gleichwertige Teile: nationale arabische Bewegung, Gewerkschaftsbewegung und Kampf gegen den Zionismus; die Spitze des ersten Teiles richtete sich gegen England, die des zweiten gegen die Histadruth, der dritte erstrebt die Ausrottung des jüdischen Jischuw. Nun erwies sich die Histadruth als uneinnehmbare Festung. Als sich die kommunistische Partei unter dem Deckmantel einer Arbeiterfraktion eingeschlichen hatte, wurde sie von der Histradruth durch förmlichen Beschluß infolge ihrer provokatorischen Politik endgültig ausgeschlos- Bei Erkältungskrankheiten, rheumatischen und gichtischen Beschwerden sind Togal-Tabletten unübertroffen. Togal scheidet die Harnsäure aus und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken erhältlich. — Preis S 2.40. sen. Der Kampf gegen die Histadruth erwies sich also als aussichtslos. Blieben also die zwei anderen Teile. II. Sowohl für die russische Orientpolitik wie für die arabische antiengüsche Bewegung sollte der Kampf gegen England das Hauptziel sein. Der Kampf gegen den Zionismus nur eine Nebenetappe. Nun erwies sich aber die konkrete Tätigkeit der palästinensischen Kommunisten innerhalb der arabischen Bewegung als außerordentlich schwierig. Die arabischen Feudalen sahen den Hauptgegner nicht in der imperialistischen Regierung, sondern gerade in dem sozialen Aufbauwerkdesjüdi sch e n V o 1 k e s, dessen Wirkung auf die geknechteten arabischen Arbeiter und Bauern nicht ausbleiben kann. Die jüdischen Kommunisten, die eine winzige, einflußlose Gruppe bilden, erkannten bald die Aussichtslosigkeit, die arabischen Nationalisten als Angriffsbasis gegen England auszunützen. Von dem großen Ziel einer sozialen Revolution im Orient und der Vertreibung des englischen Imperialismus blieb nur ein einziger realer Programmpunkt: Kampf gegen den Zionismus. Die Praxis der kommunistischen Partei in Palästina liefert täglich Beweise dafür. Bei allen Konflikten sehen wir sie auf Seiten der Muftis und E f f e n d i s. Wo es sich um Aufhetzung der religiösen Instinkte der Beduinen und Fellachen handelt, sind sie die ersten, um das Feuer zu schüren. In ihren Proklamationen an die Araber ist diese Aufforderung zum Mord wortwörtlich zu lesen. Die Rolle der kommunistischen Partei in den seinerzeitigen Streitfällen zwischen Beduinen und jüdischen Ansiedlern in Afuleh und Wadi Chävarith ist gut bekannt. So mußten also die Pogromhelden von 1929 in Revolutionsbeiden verwandelt werden, und es ist gewiß das erstemal in der Geschichte der Arbeiterbewegung, daß national religiöse Pogrome zu «sozialen Revolutionen» gestempelt werden. Die nationalistische Hetze wird weiter fortgesetzt, dabei scheut sich diese revolutionäre Partei nicht, die im Orient so gefährlichen religiösen Haßinstinkte aufzupeitschen. Hier nur einige Beweise: Die Ansprüche der Juden auf die Klagemauer wurden als Raub moslemischer Heiligtümer gekennzeichnet. Das Regierungsverbot der gefährlichen arabischen Nebi-Musa-Prozession im gemischt-völkischen Jerusalem kurz nach den Pogromen nannten sie in einem Aufruf an die Araber, in welchem DU wirklich fcfUitf« fcfsuflqusttti finden St* bei »DA-HO« (Ink. David Horowitz) ^iei^Jt^aborstfaß^ji^lb Ecke Gr edlerstrafie 31 QuoUOUMMin st« taufst Nlligen PnInh. M Benifttiig auf die »Mm* m— S Prorane Rahmte auf den harmlosen Purimumzug von Tel-Awiw hingewiesen wurde, eine «öffentliche Provokation der arabischen arbeitenden Massen». In einem Aufruf zum 1. Mai 1932 heißt es in bezug auf die Juden: «Sie wollten Blut, sie werden es bekommen, aber nur ihr e i g enes Blut» Und nur in dem Maße, in dem der jüdische Arbeiter gegen Imperialismus und Zionismus, gegen die abenteuerliche «Kibusch-Awodah» (Eroberung der Arbeit) und «Aliah» Stellung nehmen wird, sei sein Leben gesichert. Bei anderen Gelegenheiten heißt es wieder: «Nicht die Weltkrise ist die Ursache der schweren finanziellen Lage und alles Bösen im Lande, sondern die neuen Siedler, die hierhergekommen sind, um die im Lande Geborenen zu vertreiben . , , Stehet auf und nehmet m i t G e w a 11 den Boden, den man euch gestohlen hat.» Der 23. August, also die Bluttat von Hebron und Safed, wird als «Aufstand der arabischen Nation» gefeiert, die Araber werden z u weiteren Kämpfen aufgefordert. Aus Anlaß der Purimfeier wurde wieder eine Pogromproklamation an die Araber veröffentlicht, mit der Aufforderung, nach Tel-Awiw zu marschieren, um gegen den Karneval zu demonstrieren, den die Zionisten auf Kosten der arabischen Arbeiter und Bauern veranstalten. In einem Aufrufe heißt es: «Es ist notwendig, Waffen für die arabischen Fellachen ausfindig zu machen, um den Bürgerkrieg gegen die Zionisten zu führen.» Es fehlt auch nicht der «Vorschlag»: «Plündert die Felder, raubt die Warenlager der Zionisten 1» Natürlich werden auch den jüdischen Arbeitern, die hier mittun wollen, Versprechungen gemacht: sie werden als «geduldete nationale Minorität in dem arabischen Staate der Arbeiter und Bauern» leben. So sehen wir, daß die Tätigkeit dieser Partei nicht revolutionär, sondern reaktionär-pogromistisch ist. Revolution gegen England zu machen, sind vorderhand die Effendis nicht gewillt, sind die Fellachen nicht fähig. Aber Pogrome gegen Juden zu veranstalten, dazu sind Effendis und Muftis immer gewillt. Und es fällt nicht schwer, Beduinen und fanatische Fellachen auf Grund ökonomisch-religiöser Vorspiegelungen dafür zu gewinnen. Wenn man in diesem Teufelswerk irgendwelchen Sinn finden will, kommt man unwillkürlich zu einer seltsamen Auffassung. Die Jewsekzia muß gegen das zionistische Werk sein, denn wenn dieses Werk gelingt, dann ist ihre ganze jüdischantijüdische Politik der vollständigste Durchfall. Und ihre Theorie der einzigen Lösung der Judenfrage durch Biro-Bidschan erweist sich als Trugschluß. Und aus einem bewußt-unbewußten Haßneid ist Sowjetrußtand gegen unser soziales Aufbauwerk. Denn wenn es sich heraussteilen sollte, daß man Dorfkollektiven und Fabrikskooperativen schaffen kann, ohne Terror undohne Diktatur, nur aus freiem Willen freier jüdischer Menschen im jüdischen Lande, dann ist auch ihre fünfzehnjährige Theorie und Praxis ein Durchfall in allweltlichem Maßstabe. Zur Geschichte der Juden in SaioniM Von Michel Molcho, einem Lehrer der jüdischen Schul« in Saloniki, erschien kürzlich ein Buch in spanischer Sprache: «Beitrag zur Geschichte der Juden in Saloniki». Der Autor stützt ach auf mündliche und schriftliche Quellen und bringt richtiges Material. Außerdem publiziert er in hebräischer Sprache Grabinschriften. Es ist interessant, daß einige Grabinschriften, wie dies auch in Amsterdam und London der Fall war, in spanischer Sprache unter Verwendung lateinischer Buchstaben abgefaßt sind. Bemerkenswert ist die Inschrift auf dem Grabe eines Mapranen: «Dies ist das Grab des erfahrenen und frommen Arztes Rabbi Elieser Cohen, der von der Stadt Cantazaro kam, um Obdach zu finden zwischen den Flügeln der Anwesenheit Gottes. Er starb Freitag, den 7. EUul 1638. Viele Wunder erlebte er, als er seinen Geburtsort verließ, wegen seiner Frömmigkeit und seiner Anhänglichkeit an seinen Gott.» Die kommunistische Propaganda in Palüsiina Von A. S. Juris CTel-Awiw) Zionisien! Leset und verbreitet ..Die Stimme"!