Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 267 (16.2.1933)
- Date
- 1933-02-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DTE STIMME Nf. 267 — 1«. Februar T93S An die Juden Oesterreichs! alle, die sich dem jüdischen Volke i u g e- In der Stunde höchster Gefahr wenden wir uns an Euch. Der Antisemitismus ist ins Unermeßliche gediehen. Der Trost, daß Kultur und Zivilisation ständig fortschreiten und dieser Fortschritt den Judenhaß zum Schwinden bringt, hat sich wieder als nichtig erwiesen. Nicht in irgendeinem kulturell rückständigen Lande, sondern in dem Lande höchsterKultur und Zivilisation, in dem Lande, das die gewaltigsten geistigen Leistungen hervorgebracht hat, im großen Deutschland, hat der Antisemitismus in seiner brutalsten Form dieHerrschaftüberdasReich und die Herrschaft überdieUemüteran sich gerissen. Ein Antisemitismus, der — jede Umschreibung und Verhüllung verschmähend — einfach die Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der Juden predigt. Nichts wäre verfehlter, als zu glauben, daß die Worte der Machthaber in Deutschland Worte ohne Taten bleiben werden. Nichts wäre verfehlter, als zu glauben, daß die grausame Entwicklung an den Grenzen Oesterreichs Halt machen wirdl Nichts wäre verfehlter, als zu glauben, daß fremde Parteien uns Juden schützen werden, weil sie Gegner der Hakenkreuzler sind. Diese Parteien werden ihre eigenen Postulate kämpfend verteidigen. Für die Juden wird sich in der Gefahr keinefremdeHand r ü h r e n. Verzweiflung oder Rüstung zur Selbsthilfe? Die Entscheidung wird jetzt getroffen werden oder nie. Wehe uns, wenn wir verzweifeln, uns widerstandslos zum Abgrunde treiben lassen I Das jüdische Volk hat in den Jahrtausenden seiner Existenz schwerste Bedrängnis überwunden, dank des unerschütterlichen Glaubens an seinen Wert und an seine Kraft. Wir, Söhne des alten, leidgewohnten, bisher nie verzagenden Volkes, dürfen das Erbe hunderter jüdischer Generationen, den Willen zur Selbsterhaltung nicht preisgeben. In entscheidender Stunde fordern wir Euch, Juden und Jüdinnen Oesterreichs, auf, der Jüdischen Volkspartei beiz utreten. Die «jüdische Volkspartei», die einzige unabhängige jüdisch-politische Organisation in Oesterreich, umfaßt alle Stände und Klassen, Oesterreich war bei diesen Wettkämpfen in den Ski- Konkurrenzen durch die Damen Löwy, Pollak, Schwarzstein und die Herren Eisner, Grünberg, Grünhut, Karplus, Löwy, Pollak, Dr. Popik, Raubiczek vertreten. Als Reisebegleiter fungierte Herr Richard Gänsler, der die Mannschaft in ausgezeichneter Weise betreute und auch im Kampfgericht der Veranstaltung tätig war. Es sei hier vorausgeschickt, daß die Veranstaltung von kolossalem Wetterpech verfolgt war. Der Föhn lagerte tagelang schwer über dem ganzen Talbecken von Zakopane und gegen Ende der Veranstaltung gab es einen richtiggehenden Frühlingsregen, der mit den schon vorher bescheidenen Schneemengen in wenigen Stunden fast vollkommen aufränmte. Wir Oesterreicher speziell waren von ganz besonderem Pech verfolgt, da einer der Unseren an Grippe erkrankte, von der — durch das ungesunde Wetter begünstigt —i im Ver'aufe von wenigen Tagen noch weitere 7 Teilnehmer befallen wurden, was zur Folge hatte, daß wir mit Ausnahme des Langlaufes zu keiner Konkurrenz komplett an* treten konnten. Als erste Konkurrenz wurde der Langlauf für Herren abgehalten, bei dem Oesterreich durch Eisner, Grünberg, Löwy, Dr. Popik vertreten war. Die schlechten Schneeverhältnisse im Verein mit der sehr schwierigen Trassierung der 25 Kilometer langen Strecke machten dieses Rennen zu einer Dauerleistungsprüfung schwerster Art, dar sich auch nicht alle Teilnehmer aus der groß.n Zahl der Gestarteten gewachsen zeigten. Die gestarteten Oesterreicher, die alle das Rennen beendigen konnten, hielten sich verhältnismäßig sehr gut und besetzten den 9., 17., 20., 31 und 32. Platz. Bei dem am g‘eich?n Tage abgehaltenen 8-km-Langlauf für Damen gingen für Oesterreich die Damen Riegelhaupt, Schwarzstein und Löwy an den Start, die sehr brav liefen und den 6., 8. und 13 Platz belegen konnten, was angesichts des Umstandes, daß Langlauf für Damen eine bei uns ganz hörig fühlen. Ihre Aufgabe nach Innen: Stärkung des Gefühles der Zusammengehörigkeit. Gegenseitige politische, rechtliche und wirtschaftliche Hilfe. Ihre Aufgabe nach außen: Repräsentanz der bewußten Judenschaft gegenüber der Außenwelt, gegenüber Regierungen und Parteien, Kampf für das gleiche Recht der jüdischen Staatsbürger und Ihre Sicherheit, überall dort, wo jüdisches Recht und jüdische Sicherheit bedroht werden: in den parlamentari sehen und sonstigen öffentlichen Vertretungen, vor Verwaltungsbehörden und Gerichten, in der Presse, auf der Straße. Wo e i n Jude bedroht und in seiner Ehre und in seinem Recht gekränkt wird, sollen alle Juden für ihn eintreten. Der Ausdruck dieses Strebens ist die «Jüdische Volkspartei». Tretet der «Jüdischen Volkspartei» in Oesterreich bei! Stärket ihren Widerstandsfonds! Für die «Jüdische Volkspartef»: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Obmann, Dr. Oskar Grünbaum, Obmannstellvertreter. Zentralausschuß: Ing. Eugen Buchbinder, Kultusvorsteher; Dr. David Bukspan; Dr. Jakob Ehrlich, Kultusvorsteher; Dr. Desider Friedmann, Präsident der Israelit. Kultusgemeinde Wien; HansKandl; Julius Katz; Ing. Otto Krasny; Dr. David Krepp el; David Nebenzahl; Emil N i m h ä u s e r; Prof. Moses Rath, Kultusvorsteher; Fritz Richter; Dr. Dagobert Rybaczewsky, Kultusvorsteher; Max S c h 1 f f m a n n, Kultusvorsteher; Dr. Abraham S c h m e r 1 e r; Hermann Schwarz; Leopold Sitzmann; 1. H. Waltuch, Kultusvorsteher; Dr. Gottfried W e i d e n f e I d; Peisach Wühl. Mindester Jahresbeitrag 1 Schilling. — Beitrittserklärungen (unter Angabe der Höhe des Jahresbeitrages) schriftlich an das Sekretariat der «Jüdischen Volkspartei», Wien, II., Untere Augartenstraße 38. Auch telephonisch unter Tel. Nr. A 45-6-34 (in der Zeit von 10 Uhr bis 2 Uhr). — Dortselbst auch Auskünfte und Spendenannahme betreffend den Widerstandsfonds. unbekannte Konkurrenz ist, als schöner Erfolg gewertet werden muß. Bei dem am folgenden Tage abgehaltenen Abfahrts'auf für Herren und Danren gelang unseren braven Läufern ein ganz großer Wurf. AH Schapira, Grünberg und Raubiczek konnten den ersten, zweiten und dritten Platz bei den Herren und Fri. Schwarzstein und Frau Löwy den ersten und zweiten Platz in der Damenkonkurrenz be'egen. Alle Genannten zeigten in diesem Rennen ihr großes Können auf der schwierigen, wenn auch kurzen Strecke und haben uns damit zu einem wirklich ganz großen Erfolg verholfen, der auch allseits volle Anerkennung gefunden hat. Leider ereignete sich in diesem Rennen ein schwerer Unfall. Unser braver Eisner, der in ganz hervorragendem Tempo und Stil über die Strecke gegangen war und reellste Chancen auf den Sieg oder zumindest einen Platz in dieser Konkurrenz gehabt hätte, stürzte durch eine Ungeschicklichkeit eines vor ihm gesta.teten Konkurrenten, den er gerade überholen wo’Ite, derart unglücklich, daß er mit einem Bruch des Waden- und Schienbeines liegen blieb und ins Spital überführt werden mußte. Daß dieser Unfall die übrigen österreichischen Teilnehmer auf das Schwerste deprimierte, braucht nicht wunderzunehmen. Die grassierende Grippe tat ein übriges und verhinderte so unsere Beteiligung beim Staffellauf über 3X5 km für Damen und 5X10 km für Herren, während der Sprunglauf und der 12-km-Langlauf für Herren-Senioren der Witterung zum Opfer fielen und abgesagt werden mußten. Dies sind einige kleine Details von den ersten Makkabl- Welt-Winterspielen, die als F o r t s e t z u n g d e r M a k k abiah, die im Frühjahr 1932 in Tel-Awiw stattfand, gedacht und durchgeführt wurden. Die kleine österreichische Expedition hat große Erfolge errungen und konnten den Teilnehmern aus aller Welt vollste Bewunderung der Höhe, die der jüdische Sport in Oesterreich erreicht hat, abringen. fr. gr. Das Wilnaer Baihafeesel («Cltaso* aim“) In den Jüdischen Künstler« spielen Samstag, den 18. Februar, findet die Premiere der be» rühmten chassdischen Legende «Chasonim» (Dos Wilnaer Baihabesel) von Mark Arnstein Dieses Stück spielt im 18. Jahrhundert und ist voller chassidischer Gesänge, Nigunim und Tanze. Regie: Jakob Weislltz. Tänze einstudiert: Di na König. Bin Denkmal für H« P* Chafes s. A* Gleich nach dem Hinscheiden des verewigten Oberrabbiners trat ein Komitee zusammen, um ihm ein Denkmal zu errichten, das seiner würdig sein soll. Die führenden Namen in der jüdischen Wissenschaft erklärten sich bereit, zur Ehrung eines Großen in Israel beizutragen und du Freund des Verewigten, der um die jüdische Wissenschaft hochverdiente George A. Kohut in New York, übernahm es, die damit verbundenen Kosten zu tragen. So manche Schwierigkeit sollte noch in rühevol’er Arbeit beseitigt werden; nun liegt ein umfangreicher, schön ausgestatteter Band vor: «Abhandlungen zur Erinnerung an Hirsch. P. Chajes»*), herausgegeben von V. Aptowitzer und A. Z. Schwarz. Eine vollständige Bibliographie der Schriften, Rede- und Vorträge von H. P. Chajes, zusammengoste'lt von M. Rosenfeld und S. Chajes, wie auch zwei Beiträge von G. A. Kohut bereichern unser Bild von der einzigartigen Persönlichkeit des Verstorbenen. Ungefähr dreißig Aufsätze, betreffend die Bibelwissenschaft, Talmud- und Sprachforschung, Geschichte (auch zur Gesch. d. Juden in Wien) und Literaturgeschichte bieten einen reichen Querschnitt durch das Gebiet jüdischen Wissens, sind Bausteine zu einem Denkmal für den Mann, der sich ursprünglich der jüdischen Wissenschaft gewidmet hat, um dann alles dem jüdischen Volke zu opfern. Die Wissenschaft hat den Versuch gemacht, ihre Ehrenschu’d an einen ihrer Besten zu begleichen und sein Andenken zu ehren. Möge dieser Versuch reichen Widerhall finden in allen Kreisen des jüdischen Volkes, das dem Verewigten ebenfalls zu Dank verpflichtet ist. B. Murmelstein. *) Veröffentlichungen der Alexander Kohut Memorial Foundation, Bd. VII., LXlX-f-308+350 Seiten, hebräisch und deutsch. Vierzigjähriges Rabbineriubtlaum des SU Pöttener Oberrabbiners Prof• Dr* Schächter Am 1. Februar feierte Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Professor Dr. Adolf Schächter in aller Stille sein 40jähriges Dienstjubiläum. Schüler des Berliner Rabbinerseminars und Doktor phil, der Universität Königsberg in Preuße», wurde er am 1. Februar 1893 als Rabbiner an die Kultus* gemeinde Höfn berufen, zu der damals noch die heutige Kultusgemeinde Hollabrunn gehört hat. Dort verblieb Herr Doktor Schächter bis 1. September 1897 und wirkt seither ununterbrochen in St. Pölten. Seine rastlose Hingabe an das Wohl der Gemeinde und ihrer religiösen, kulturellen und humanitären Institutionen, sein stets waches Interesse für all« Fragen der jüdischen Gesamtheit, seine vornehme Bescheidenheit, die jeden Dank als unverdient ablehnt, sind bekannt Möge es Herrn Dr. Schächter vergönnt 6ein, seine Tätigkeit mit Gottes Hilfe noch lange zum Heile des Judentums zu entfalten. Ans der Provinz Histadruth Haolamit schel Noar Zofi CMusi Haschomer-Hazalr, Graz. Die Grazer Ortsgruppe des Haschomer Hazair (Noar Zofi-Cha- Itizi) veranstaltet anläßlich ihres fünfjährigen Bestandes Im Theatersaale des Kammerspieltheaters (Graz, Bürgergasse Nr. 3) am Samstag, den 18. Februar 1933, eine große Festakademie, welche unter dem Ehrenprotektorat des Präsidenten der Grazer Kultusgcmeinde, Herrn Dr. Robert Sonnenwald und Herrn Karl Schwarz, sowie des Präsidenten der zionistischen Ortsgruppe, Herrn Ing. Jonas Landau, steht. Beginn halb 8 Uhr. Nachstehend das Programm: 1. Das Schomer-Orchester spielt. 2. Der Hampelmann (Kinderballett). 3. Hailoh! Hier China 1 4. Zwischen fünf Jahrhunderten. Sechs Bilder aus dem jüdischen Leben. 5. The pu» pil.8 Opera. Eine Parodie auf die Dreigroschcnoper in vier Bildern und einem Vorspiel. Sämtliche Ausführende gehören dem Haschomer-Hazair an. Das Reinerträgnis wird zur Errichtung eines Gartenbetriebes für die Grazer Jüdische Jugend verwendet mmmmmmmmmemmemmmermmmmamemmmmmern E «Da-Ho» Schuhe sind anerkannt wegen ihrer bestes Qualität, guten Paßform und billigen Preisen. Erhältlich Schuhniederlagc David Horowitz, II., Taborstraße 11 b, Ecke Gredlcrstrr'ßc 31, WeHnuiui in Einfamilienhaus (21. Bez.), Zimmer, Kabinett, Küche, Vorzimmer, W. C. usw. Zins 45 Schilling (keine Ablöse), Zuschriften an: Landau, Wechselstube Christoph, Nordbahnhof. Von den MaUUabi-Weti-Winiev spielen in Zakopane Große Erfolge der Oesterreicher in den ShVWetthämpfen Don einem Relseielinehmer (Spexialberfchf der »SUftime«} Ms. Meeting die Og Adolf Böhm. Dr. Desider Friedmann, Präsident der .Jüdischen Gemeinde, Dr. O.-R&r Cirünhaum, Dr. Josef Löwen her 2, Vizepräsident der JOdi -eben Gemeinde und Dr. Uhaim Ta rt-akower sprechen weiden — Tagesordnung: VfCS BBQCMlMlwJI des nationalen Kapitals für die Verwirklichung des Zionismus Donnerstag, den 16. Februar, um 6 I hr abends, findet im Hotel Kontinental ein große« zionistisches Meeting statt, bei der r ^90663^5