Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 266 (9.2.1933)
- Date
- 1933-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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f*.m~ AMMitim 0R STIMME Seite f PaUMtna-Brtcf Von NiaMMin KomipoHdmfsn Jeru* «lern, im Jänner 1933. Xann Mntumrl *tnw ««tum Otnuind*- Df« Rtfitninf h«t Verteidig« für di« Abänderung dei bfftehenden Oemeindegesettee autgeerbeitet. Als Orundltge für diesen Vorschlag diente ein Entwurf aus dem Jahre 1919, der seinerzeit nicht zur Durchführung gelangte. Jüdische und nichtjüdische Kreise haben in verschiedener Weise zu diesem Vorschlag Steflung genommen. Die Stadtväter von Tel-Awiw haben sich In ihrer letzten Sitzung sehr eingehend mit dem Vbveehlfg befaBt und in der Hauptsache etwa die folgende Meinung »um Aufdruck gebracht: Als fortschrittlich können dl« neuen sanitären Vorschriften sowie die neuen Verordnungen für die öffentlich«« Märkte angesehen werden. Im übrigen vermindert der Entwurf die Rechte, deren sich die Stadtverwaltungen bisher erfreuen. Für die Besetzung der Pötten von Bügermeister und Vizebörgermeister muB man öffentliche Wehlen verlangen an Stelle der Ernennung derselben durch die Regierung. Auch ist Front zu machen gegen die Bestimmungen, die dem High Commissioner das Vetorecht einräumen, ihn ermächtigen, Bürgermeister und andere städtische Beamte ohne Angabe von Gründen ihres Amtes zu entheben und ihm Vollmacht zu erteilen, Beamte zur Ueberwaebung der städtischen Finanzen einzusetzen. Die Vertreter der arabischen Stadtverwaltungen waren sehr geneigt, in Fragen lokaler Autonomie der Regierung nachzugeben, um auf der endeten Seite den Einfluß gewisser Familien in diesen Verwaltungskörpern aufrecht zu erhalten, ln anderen Fragen waren sie sogar engherziger als der Regierungsvorschlag, der z. B. dem High Commissioner freie Hand läßt, das Frauenstimmrecht einzuführen — eine Bestimmung, die die arabischen Munizipalitäten gestrichen sehen wollen. Hier müssen die jüdischen Gemeinden einheitlich ihre Forderungen vertreten, wenn sie nicht wollen, daß ihre Bedürfnisse unberücksichtigt bleiben. Ebenso besteht ein krasser Meinungsunterschied zwischen Juden und Arabern bezüglich des aktiven und passiven Wahlrechtes. Für beides wollte die palästinensische Regierung früher nur palästinensische Bürger zulassen, stimmte später aber zu, daß jedem Steuerzahler das aktive Wahlrecht zustehen solle, aber nur Palästinenser in die Verwaltung gewählt werden dürften. Die arabischen Gemeinden sind für di$ erster« Form, während Tel-Awiw im Gegenteil dafür plädieren muß, daß all« Steuerzahler — ob naturalisiert oder nicht —. aktives und passives Wahlrecht erhalten. Tel-Awiw schlägt ferner vor, daß die Mitglieder der Stadtverwaltung stets nur auf drei Jahre gewählt werden . ln Tel-Awiw ist man für die Beibehaltung des bisherigen Steuersystems, das heißt für Zahlung von Haus- und Grundsteuer durch den Hausbesitzer, von Erziehungs- und Gesündheitsabgaben durch die Mieter. Es werden erweiterte Rechte der Stadtverwaltungen in bezug auf Erteilung von Konzessionen und sonstige kommerzielle und industrielle Befugnisse verlangt, unter anderem auch die Kontrolle Uber die Mietzinse etc. — Rechte, die überall in der Welt den städtischen Organen zustehen. Interessant ist, daß die Juden in bezug auf das Parlament den Standpunkt vertreten haben, daß es verfrüht wäre, in einem rückständigen Lande wie Palästina diese Reform schon heute durchzuführen, sondern daß man vorher ei»c gute Gemeindeverwaltung schaffen müsse, die der erste Schritt zur späteren Bildung eines Parlamentes sein solle. Auf Grund des Vorschlages für das Gemeindegesetz muß man sich fragen, ob es dieselbe Regierung ist, die für die Einführung eines Parlamentes — dieser höchsten Form demokratischer Verwaltung — ist, während sie zu gleicher Zeit ein so rückständiges Gesetz für die Gemeindeverwaltung in Vorschlag bringt. Anwachsen der arabischen Bevölke* rung in den Hauptgebieten der fiidi» sehen Ansiediung Auf eine diesbezügliche Anfrage seitens eines Mitgliedes der Arbeiterpartei erklärte der Kolonialsekretär Sir Philipp Cunliffe Lister, es gehe aus den Ergebnissen der palästinensischen Volkszählung im Jahre 1931 hervor, daß in den ländlichen Distrikten um Jerusalem, Jaffa, Haifa und Tibtrlas — das sind diejenigen Gebiete, in denen die jüdisch« Ansiedlung di« größten Fortschritte zu verzeichnen Hat — die nichtjüdische Bevölkerung ebenfalls ein Aufsteigen aufzuweisen hat. Es zeigt sich also, daß die Entwicklung des jüdischen Jisehuw nicht nur kein Hemmnis für ein Anwachsen der übrigen Bevölkerung Palästinas darstellt, sondern im Gegenteil diese sogar fördert. Von der hebräischen Universität Nachdem im Jänner 1932 an 13 Studenten erstmalig Diplome als Master of Arts (Magister Artium) von der Hebräischen Universität verteilt wurden, erhielten Ende Dezember nach vierjährigem Studium weitere 11 Studenten dieses Zeugnis, und zwar für die folgenden Hauptfächer: Mathematik (1), Philosophie (3), Talmud (2), Hebräische Literatur (0). Es ist interessant, daß alle diese jungen Leute während Ihres Studiums durch Unterricht, Schreibarbeiten oder sogar durch physische Arbeit sieh Ihren Lebensunterhalt selbst erworben haben. Einige von ihnen wollen sieh weiteren Forschungsarbeiten an der Universität widmen, um den Doktor der Philosophie zu machen, 5 werden sich vorsuwichtfleh weiter dem Unterrichtsfach tuwenden, während 2 andere Beschäftigung gefunden haben. Zwei auswärtige Studenten wurden zu Forschung* arbeiten zugelassen, der eine von der Londoner Universität der andere vom Hebrw Union College in Cincinnati. Hierfür wird ein dem M. A, gleichwertiger akademischer Grad verlangt; der Student muß mindestens 2 Jahre Forschungsarbeit an der Universität leisten. Die biologische Abteilung beginnt Ihr zweite» Jahr mR 36 Studenten, von denen 23 in Palästina und 14 Im Ausland ihre Vorbildung genossen haben. Der Lehrkörper wurde dureh Anstellung eines Assistenten für vergleichende Anatomie (allgemeine Zoologie) vergrößert; auch ist «in neues biologisches Laboratorium für die Studenten eingerichtet worden. Dm Tot« N««r - «Im ErhohmmsIMt« In Palästina Palästina entwickelt seine natürlichen Heilkräfte mehr und mehr. Wärme, Gebirgs- und Seeluft sind die Faktoren, die hierzulande Jung und Alt Gesundheit und Erholung bringen. Die Naturschönheiten des Karmel im Verein mit seiner bevorzugten Lage machen ihn zu einem Erholungsort ersten Ranges. Der Strand von Tei-Awiw ist längst zu einem Tummelplatz für kleine und große Kinder, für Sport und Spiel der Jugend geworden. Die schon zu Römerzeiten berühmten heißen Quellen von Tjberias am märchenhaft schönen Kinerethsee, für die jetzt ein modernes, hygienisch eingerichtetes Badehaus geschaffen wurde, bringen Kranken Genesung, und jetzt geht man daran, am Toten Meer die von der Natur gegebenen Heilkräfte auszunutzen und an seinem Strande einen Kurort zu schaffen. Schon seit Jahrhunderten wußte die einheimische Bevölkerung, daß das Baden im Toten Meer selbst die hartnäckigsten Fälle rheumatischer Erkrankungen hellte. Doch hat man erst ln den letzten Jahren auf Orund genauer wissenschaftlicher Untersuchungen die Ursachen dieser Wirkung erkannt. Schneewasser und Quellen von Herson speisen den Jordan ununterbrochen mit frischem Wasser, das er beim / Durchfließen des Toten Meeres an dieses abgibt. Auch J ander« Flüsse führen dem Salzmeer ständig neues Wasser zu, doch ist die Verdunstung so groß, daß der Spiegel des Toten Meeres ziemlich unverändert bleibt. Infolge der Hitze und des starken uaiuuictvrihuekes wird die Feuchtigkeit sofort absorbiert und steigt in die höheren Luftschichten, um in das Hochland von Transjordanien abzuströmen. Diese starke Verdunstung bei sehr geringen Regenfällen sehafft ein trockenes Klima, zu dem sich als ein weiterer Heilfaktor f(ir Rheumatismus der hohe Mineralgehalt des Wassere gesellt. Die vielen sonnigen Tage gewährleisten ferner ein# starke Wirkung durch natürliche Bestrahlung. Einer der wichtigsten Vorteile für das ganze Zirkulationssystem ist ferner der hohe Sauerstoffgehalt der Luft. Die fast völlige Staubfreiheit dieser Gegend ist gerade im vorderen Orient eine Seltenheit. Abgesehen von allen diesen gesundheitlichen Vorzügen bietet das Tote Meer außerordentliche landschaftliche Schönheiten und eine Reihe historischer Sehenswürdigkeiten in seiner unmittelbaren Umgebung. Es bedarf also nur der Schaffung guter Unterkunftsmöglichkeiten und der für einen Kuraufenthalt notwendigen Bequemlichkeiten, tim das Tote Meer im Spätherbst, Winter und Frühjahr ru einem beliebten Kur- und Erholungsplatz zu machen. Sokolows Abschied von Palästina Jerusalem. Nahum S o k o 1 o w, Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, der mehrere Wochen in Palästina geweilt hat, hat sich am 2. Februar anläßlich einer ihm zu Ehren veranstalteten Kundgebung im Edison-Theater, dem größten Saale Jerusalems, von seinen Verehrern verabschiedet. Die Veranstaltung, der mehrere Hundert Juden Jerusalems und der übrigen Städte und Kolonien Palästinas beiwohnten, wurde vom Waad Leumi, dem Präsidium des Keren Hajessod und der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde veranstaltet und vom Präsidenten des Jüdischen Nationaifonds M. M. Ussischkin geleitet. Sokolow tritt seine Rückreise nach London am 7. Februar an. Palästina wünscht volle autonomle Zoll* Jerusalem. Gemäß den Mandatsbestimmungen muß Palästina die Einfuhr aus allen Staaten, die Mitglied des Völkerbundes sind, gleichmäßig behandeln. Damit ist Palästina verhindert, Gegenseitigkeits- oder Präferenzverträge abzuschließen. Eine Tagung der jüdischen Bauern Palästinas hat nun beschlossen, Großbritannien und den Völkerbund zu ersuchen, Palästina volle Zollautonomie zu gewähren, um mit Großbritannien einen Handelsvertrag abschließen zu können, der britischen Erzeugnissen ein« Vorzugsbehandlung gewährt gegen eine Erleichterung für die Einfuhr von Orangen nach England. Falls Palästina Vorzugsbehandlung innerhalb des britischen Reiches genösse, könnte die Palästina-Orange den Platz der spanischen auf dem englischen Markt einnehmen. Auch England würde davon Nutzen haben; denn heute stammen von den etwa sieben Millionen Pfund Waren, die nach Palästina jährlich eingeführt werden, mir etwa anderthalb Millionen Pfund aus England. Die transfordanische Regierung stettt der Palestine Potash Company Boden zur Verfügung Jerusalem. Die transjordanische Regierung hat der Palestine Potash Company, einem jüdischen Unternehmen, ein umfangreiches Bodenareal in der Nähe des Toten Meeres zur Verfügung gestellt, knüpfte aber hieran die Bedingung, daß der Boden nur zu geschäftlichen Zwecken und nicht für jüdische Kolonisation verwendet werden solle. Das Boekefeller-Museum In Jens* salein wird vollendet Jerusalem. Die Palästina-Regierung tritt offiziell den Gerüchten entgegen, wonach John D. Rockefeiler junior «ich geweigert haben sollte, die Restsumme seiner zwei MiJlionen- Döilar-Stifturig für das Palästinensische Archäologische Museum in Höhe von einer Million Dollar zu zahlen. Es wird erklärt, daß die Stiftung in dem ursprünglichen Plan bestehen bleibt, und daß das .Museum'vollendet und entsprechend aüs-- gestattet werden wird. ... .: Eine neue palästinensische Koop«* rativinstitutlon In London London. (Eigenbericht.) In London wurde soeben der Palestine Cooperative Investment Trust, Ltd, mit dem Ziele gebildet, eine Investierung von Geldern in den zentralen Kooperativ-Institutionen Palästinas zu fördern. Vorsitzender des Trusts ist Dr. N. M. Sorbsky, Vizevorsitzender I. Lush, Managing Director N. Barou. Dem Direktorium gehört auch Berl Locker, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, an. Sämtliche Poeten beim Trust sind ehrenamtlich. E Die Firma S. Halpem, II., Förstergasse 6, unterhält große Lager in Jaffa-Orangen, paläst. Weinen, Südfrüchten etc. und liefert die Ware franko Haus. Siehe Inserat. Unsere Fornn-Paiasiinarsise ist komplett Unsere Pessacli Palästina-Reise geht von Wien am 28. März 1933 ab Wollen Sie bequem und billig nach Palästina reisen! Dann wenden Sie sich sofort an uns! — Sichern Sie sich sofort einen Platz — Die Schiffe sind ausverkauft! — Anmeldungen in der V erwaltung der »Stimme«™, bei der» Pag« Ho-ruclc nacli Palästina_ eine Revue in 7 B idern von Bobby Welser« aufgeiührt vom Politischen Kabarett am 19. Februar 1933, um 8 Uhr abends in den JCänjtteMpCdeKß Wien, 1. fUuMK&asse 11 Harten ernsitileit denn Keren Heiesetit. i. Mnorstr. 26. BOctieretutie m. Rem, ii. raoorstr. 2fla. zton. Sektion leopoidatedt il, Preterttr. 1 Monisten! Leset und verbreitet »Die Stimme"!