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Die Stimme · 1933-02-09 · Heft 266 (9.2.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 266 (9.2.1933)
Date
1933-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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feite 4 Die STIMME Nr. 265 — 9. Februar 1935 JÜDISCHE CEMEINDE Protest der Wiener Kultusgemetnde gegen den Linzer Hirtenbrief Oeffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 6« Februar. ln seiner am 6. Februar statfcgefundenen öffentlichen Plenarsitzung beschäftigte sich der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde u. a. auch mit dem letzten Hirtenbrief des Linzer Bischofs. Nachdem das Vertreter-Kollegium der jüdischen Gemeinde schon früher gegen die antisemitischen Enunziationen des Hirtenbriefes Stellung genommen hatte, faßte der Kultusvorstnnd die folgende, einstimmig angenommene Resolution: Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde hi Wien als die gesetzliche Repräsentanz der Wiener Judenschaft erhebt im Namen ihrer Mitglieder entschiedenen Protest gegen die Im Hirtenbriefe des Linzer Bischofs Herrn Dr. Johannes Marie Qföllner, enthaltenen, vollkom tuen ungerechtfertigten Beschuldigungen und schwer be leidigenden Herabsetzungen des Judentums. Er weist Ins besondere die Behauptungen dieses Hirtenbriefes zurück daB schnöder Materialismus, Mammonismus und andere die Gesellschaftsordnung zersetzenden Bestrebungen und Ideen alt Ausfluß des jüdischen Geistes gekennzeichnet und daß aller in der Welt bestehender geistiger Unrat und die sltt* liehe Schlammflut auf vorwiegend jüdischen Einfluß zurilckgeführt werde. Als Träger einer Weltanschauung, die auf den höchsten sittlichen und ethischen Grundlagen der Bibel aufgebaut Ist, als Mitglieder einer Gemeinschaft, die das große Erbe der bi ihrem Schrifttum verankerten Grundsätze der Menschenliebe, der sozialen Gerechtigkeit und der Völkerversöhnung durch Jahrtausende trotz aller Anfeindungen und Martyrien treu gehütet und bewahrt hat, weisen wir es als durch die Weltgeschichte längst festgestellte Unwahrheit zurück, wenn gegen das Judentum der fälschliche Vorwurf erhoben wird, daß sein Geist die Menschheit von der Erkenntnis der sittlichen Grundlagen des Lebens entferne. Deshalb müssen wir es als tief bedauerlich bezeichnen, wenn von einer so hohen verantwortlichen Stelle unter Anrufung einer angeblichen Gewissenspflicht ein Teil der Bevölkerung zur Betätigung feindlicher Gesinnung gegen den anderen angeetfert wird und hiedurch Gegensätze geschaffen werden, die den bürgerlichen Frieden der Bevölkerung unserer Republik zu gefährden geeignet sind. Insbesondere legen wir aber dagegen Verwahrung ein, daß Im Zusammenhang mit den gegen unsere Gemeinschaft erhobenen ungerechten Beschuldigungen Aenderungen der Gesetzgebung und Verwaltung empfohlen werden, die gegen die gleiche Rechtsstellung der jüdischen Bewohner dieses Staates gerichtet sind. Um den Gemeindebund Die weitere Tagesordnung dieser Sitzung war der Frage der Schaffung des Jüdischen Gemeindebundes gewidmet, wobei der Referent Vizepräsident Dr. Löwenherz folgendes ausführte: Die bisherige Majorität des Kultusvorstandes war ursprünglich gegen die Schaffung des Gemeindebundes und hat auch eine diesbezügliche Erklärung bei einer Tagung der Provinzgemeinde abgegeben. Daraufhin machten die Provinzgemeinden den Versuch, einen Verband der jüdischen Provinzgemeinden zu gründen, drangen jedoch bei der Regierung nicht durch. Schließlich nahm das Präsidium der Wiener Gemeinde die Aktion wieder auf, weil schließlich die Meinung zum Durchbruch gekommen war, daß die Schaffung des Gemeindebundes nicht nur für die Provinzgemeinden, sondern auch für die Wiener Gemeinden von großem Nutzen sei. So wurde z. B. das Präsidium der Kultusgemeinde gelegentlich einer Vorsprache bei der Regierung wegen Gewährung des Bundesbeitrages von einem Minister darüber befragt, ob denn die Wiener Gemeinde dazu legitimiert sei, für alle österreichischen Kultusgemeinden zu sprechen. Wir hatten damals Spezialvollmachten der Provinzgemeinden bei uns und konnten dem Minister unsere Legitimation nachweisen. Es gibt in Oesterreich, abgesehen von Wien, 23 Kultusgemeinden, wozu noch im Burgenland 10 Gemeinden kommen. Im Zuge der Verhandlungen haben nun sämtliche 23 Provinzgemeinden ihre Zustimmung zur Schaffung des Gemeindebundes gegeben. Die Gemeinden des Btirgcnlandes gaben ursprünglich auf wiederholte Schreiben der Wiener Gemeinde überhaupt keine Antwort, und die schließlich auch von seiten der burgenländischen Gemeinden eingeleitete Korrespondenz ergab kein endgültiges Resultat. Drei burgenländische Gemeinden gaben ihr Einverständnis zur Schaffung des Gemeindebundes, während sieben, die ihre Repräsentanz in einer Landeskanzlei haben, die Zustimmung zur Schaffung des Gemeindebundes versagten. Nun erschienen vor einigen Mrnaten Vertreter einer Berufsmäntel Ge«. Ge«ch. Modelle - Eigene Erzeugung nach Mai - Piadfinderunilormen Berta Enget In 8terngasse 9 (Hoher Mai kt). V> ertfeteroesuch sofort — Telephon Nr. U 25-6-36 Suvtlffl10 geschlossen Zionisten 6 % Rabatt dieser sieben Gemeinden Hn Präsidium der Wiener Gemeinde und ersuchten um Intervention ln einem Konflikt an, der wegen Bestellung einer Rabbinerstelle ausgebrochen ist. Ich machte die Vertreter dieser Gemeinde darauf aufmerksam, daß es nicht angehe, einerseits den Qemeindebund abzulehnen und andererseits unsere Intervention bei der Regierung zu verlangen. Insbesondere muß ich hier liervorheben, daß die streitenden Gruppen ln der betreffenden Gemeinde es für gut befunden haben, sich in ihrem Streite vor den Behörden von antisemitischen Rechstanwälten vertreten zu lassen. (Hört, Hört! bei den Zionisten.) Die Wiener Gemeinde hat im Sommer des vorigen Jahres im Plenum einen Reassumierungsantrag eJngebracht und den Beschluß gefaßt, daß die Wiener jüdische Gemeinde sich bereit erklärt, den Gemeindebund zu schaffen, falls sämtliche jüdischen Oemelnden einschließlich der Gemeinden des Burgenlandes ihre Zustimmung zur Schaffung des Gemeindebundes erteilen. Hier sei auch erwähnt, daß die sieben Gemeiinden des Burgenlandes in den letzten Wochen bekanntgegeben haben, daß sie über die Frage der Schaffung des Qemeindebundes eine Tagung einberufen würden. Bisher ist uns diesbezüglich kein weiterer Bescheid zugekommen. Ich vertrete den Standpunkt, daß in unserer schweren Zeit die Frage der Gesamtvertretung der österreichischen iudensebaft nicht deswegen endlos hinausgeschoben werde! ann, well einige kleine Gemeinden ihren Beitritt zum Ge* meindebund nicht wünschen. Ich brauche hier nicht aue» einanderzusetzen, daß die Schaffung des Gemeindebundea dringender denn je geworden ist. Der Bund muß geschaffen werden, ln seinen Statuten wird die Bestimmung enthalten sein, daß die Wiener Gemeinde nicht unnötigerweise in Fragen belastet werden soll, welche ausschließlich die Provinzgemeinden tangieren, z. B. Fragen der Bestellung von Funktionären für einige Provinzgemeinden. Der Qemeindebund wird mit Rücksicht darauf, daß die Gemeinde Hohenems sich im Stadium der Liquidation befindet, für den Fall, daß sämtliche Gemeinden Dekreten, aus der Gemeinde Wien, 22 Provinzgemeinden und den 10 burgenIMndisehen Gemeinden bestehen. Ich unterbreite daher folgenden Antrag: «Unter Abänderung des seinerzeitigen Beschlusses wird beschlossen, alle Schritte zu unternehmen, um das Qemeindebund ohne Rücksicht darauf zu schaffen, ob ihm alle Gemeinden beitreten oder nicht. Jenen Gemeinden, die bis zur erfolgten Oründung ihren Beitritt nocfl nicht erklärt haben, wird Im Statut die Möglichkeit gewährt worden, dem Gemeindebund später beizutreten. Es wird eine Kommission zur Ausarbeitung der Statuten eingesetzt, die aus den Präsidenten der Kultosgemeinden Wien, Graz, Linz und Mödling besteht. Der Statutenentwurf Ist sämtlichen Gemeinden zur Genehmigung, vnrzulegen, worauf dann das endgültige Statut festzulegen ist* Ich hoffe, daß die Gesamtvertretung der österreichischen Juden bald geschaffen werden kann und verweise darauf, daß u. a. bereits Bayern, Preußen, die Tschechoslowakei, Polen und Bulgarien einen legalen Gemeindebund besitzen und gebe der Hoffnung Ausdruck, daß der neue Gemeindebund in Oesterreich für das österreichische Judentum segensreich wirken wird. (Lebhafter Beifall bei den Zionisten.) Präsident Dr. Friedmann bringt den Antrag zur Abstimmung und konstatiert die einstimmige Annahme, i\U Eine Woche Hakenkreuz ln Wien . . Die letzte Veranstaltung der «Concordia», deren Besucher sich aus zumindest 90 Prozent Juden rekrutierten* war Gegenstand einer Demonstration gegen einen Schriftsteller, der in der letzten Zeit wegen eines im Raimund-Theater aufgeführten Stückes, oft genannt wurde, Diese Demonstration war eine spontane, hervorgerufen durch eine Vorlesung D u s c h i n s k i s, da der Dichter mit anscheinender Absicht den jüdischen Kriegsschieber Blaustein in Gegensatz zu einem christlichen Frontoffizier brachte, als ob es während des Krieges nur jüdische Schieber und keine jüdischen Frontsoldaten gegeben hätte. Der vermeintliche jüdische Schieber wird als ein Prasser, wollüstiger und mit allen erdenklich schlechten Eigenschaften ausgestatteter Parasit an einem verblutenden Volke dargestellt. Klar also, daB ein Teil der Zuhörer — bewußte; Juden, als sie hörten, mit welcher Em-. pörung sich dagegen ein Gg. Dr. 0 f f e n b e r g e r wandte, sofort gleich ihm den Saal verließen. Die Vorstellungen bei den Veranstaltern des Abends waren zwecklos, es mußte also H. D. am weiteren Vortrag behindert werden. Dies geschah um so leichter, als die Veranstalter selbst erklärten, daß sie H. D, ungern weiter vortragen lassen wollen. Die Tagespresse brachte die Mitteilung, als ob es sich um Rowdies handeln würde, ja «Die Stunde» leistete sich sogar eine Ueberschrift «Heil Hitler». Lediglich der Schriftsteller und Chefkorrespondent des Berliner Tagblattes, G. Heinrich Eduard Jacob, hat richtige Worte im 6-Uhr-Blatt gefunden. Herr Duschinski, der Jude und nunmehr deutscher Schriftsteller ist, hätte sich überlegen iffüssen, eine derartige Vorlesung für einen Concordla-Abend zu wählen, zumindest aber nach dem Vorfall hätte er nicht die Demonstration als eine «Ungezogenheit» einer Handvoll von Demonstranten, die einem so wertvollen Stück kein Verständnis entgegenbrachten, bezeichnen dürfen. Seine Vermutung, daß es sich um eine bestimmte gegnerische Gruppe handelte, ist Irrig. Die Gruppe hat sich spontan gebildet, aus dem beleidigten Bewußtsein heraus einer Anzahl von empfindenden jüdischen Menschen, die sich provoziert fühlten. Jlidliches Martyrium vor einem Wiener Gericht Wenn ein Jude vis-a-vis dem Braunem Hause wohnt Das Wiener Strafgericht verurteilte einen Nationalsozialisten wegen Bedrohung jüdischer Inhaber von Geschäften gegenüber dem Braunen Haus in der Hirschengasse zu 14 Tagen Gefängnis. Aus Zeugenaussagen ergab sich ein Bild schweren Martyriums der jüdischen Geschäftsleute dieser Gegend, die unter ständigem Terror stehen und Ihres Lebens nicht sicher sind. Oft werden sie, Ihre Frauen, Söhne und Töchter überfallen und geschlagen, oft sehen sie sich gezwungen, ihre Geschäfte wegen Terrors vorübergehend zu schließen, oft auch raten ihnen Nationalsozialisten «gütlich», so rasch wie möglich nach Palästina auszuwandern, damit sie nicht von dem «Judensehicksal» in dem anbrechenden «Dritten Reich» ereilt werden. . . und In Klagenfurt Ueberfall auf jüdische Kaufleute Aus Klagenfurt wird der «Stimme» berichtet: In Klagenfurt (Kärnten) überfielen Nationalsozialisten jüdische Kaufleute, schlugen auf sie mit Hundspeitschen ein und riefen: «Dies wird das Schicksal der Juden Im Dritten Reich sein!» Der jüdische Firmeninhaber Adolf Preis wurde erheblich verletzt. Die Polizei erschien zu spät am. Tatort, so daß es den Tätern gelang,, spurlos zu entkommen. - . Schluß der WInter-Makkablade In Zakopane Zakopane, 6. Februar. Die Makkablade wurde nach Durchführung des größten Teiles ihres Programmes — einzelne Spiele mußten wegen eingetretener schlechter \yitterung ausblelben — mit einer Festlichkeit geschlossen, bei der die Preise für die besten Sportkämpfer und -kämpferinnen ver. teilt wurden. Es wurde unter Führung des Ehrenpräsidenten der Lemberger Hastnonea, Exsenator Dr. Ringel, eine Aktion zum Wiederaufbau des während der antisemitischen Unruhen in Lemberg niedergebrannten Sportstadions der Hasmonea eingeleitet. Bcätfijckdd Hl., Link© Babnpass© 9 Russisches Steinschwitzbad mit Besenbehandlung, neu errichtet. Dampf-, Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der Badekassc gegen Ueberrelchung dieses Kupons (ausschnciden!) um nur einen Schilling ein russisches Schwitzbad mit Wäsche. — Gültig bis Ende Februar 1933. SCHULE FUP KÖRPERBILDUNG lTIRUIDIE MIM Diplomierte Uymnastiklehrerin der Schule Hellerau, VI,, Theobaldeasse 19 (Ecke Marlahilferstraße 27. Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Kurstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden in den verschiedenen Be/irken, Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. firoßes' .. «eettaB «U Gg Adolf Böhm. Dr. Destder Friedmann, Präsident der Jüdischen Gemeinde, Dr. Oskar GrUnhautn, Dr. Josef UJwenhera, Vizepräsident der Jüdischen Gemeinde und Dr. Ohalm Tartakower sprechen werden — Tagesordnung; ft#ld das nationalst! Kapitals fttr dl« Verwirklichung das Zionismus Donnerstag, den 16. Februar, um 8 l'hr abends, findet im Hotel Kontinental ein großes zionistisches Meeting statt, bei der •31 ^6622865

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