Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 266 (9.2.1933)
- Date
- 1933-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1 DIE STIMME m. 288 — 0. Februar 19» Ernst und besorgt stehen hier die ausländischen juden. § 5 und § 8 des nationalsozialistischen Programme» lautet nämlich: Wer nicht Staatsbürger ist, soll nur als Gast in Deutschland leben können und muß unter fremder Gesetzgebung stehen. Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern. Wir fordern, daß alle Nicht-Deutschen, die seit 2. August in Deutschland eingewandert sind, sofort zum Verlassen des Reiches gezwungen werden. Die Hitler-Regierung geht jetzt daran, ihre Theorie in gesetzgeberischer Praxis durch zu set zen, indem sie einerseits einen scharfen Strich zwischen Deutschstämmigen und denen, die nicht deutschstämmig sind, zieht und zweitens, indem sie die verantwortlichen Stellen im ganzen Reiche mit ihren -Parteigenossen besetzt Die ersten Tage der Reichskanzlerschaft braditen schon Andeutungen des künftigen Regimes. Sprechchöre vor der Börse «Juda verrecke*,' altgewohnte, aber verstärkte Demonstrationen an der Berliner Universität und die Sistierung der Vorlesungen des Prof. Cohn in Breslau sind zwar keine Ueberraschungen im bewegten Leben in Deutschland, aber sie sind gerade jetzt symptomatischer, denn je. Die spontanen Kundgebungen am Brandenburger Tor der deutschen Bevölkerung nach erfotgter Ernennung Hitlers bestärken in der Ueberzeugung, daß die Bedeutung dieser großen deutschen Bewegung nicht zu verkennen sei. Es ist freilich jetzt schwer zu sagen, wie sich der Regierungswechsel sonst auswirken wird. Sicherlich hat die deutsche Regierung jetzt größere Sorgen, als die «Judenfrage», aber es wäre verfehlt, wollte man sich Ober die großen Gefahren hinwegtäusohen. Es besteht auch im deutschen Judentum die Erkenntnis eines systematisch durchgeführten trockenen Pogroms. Uebertrieben sind jedoch die im Auslande kolportierten Nachrichten einer Massenflucht aus Deutschland. Für die deutschen Juden gilt die Parole «ruhig abwarten», wir sehen als den ruhenden Pol ln der Flucht der Erscheinungen den Reichspräsidenten von Hindenburg an, zu dessen Gerechtigkeitssinn und Verfassungstreue wir Vertrauen haben. Jeder Versuch, die verfassungsmäßigen Rechte der deutschen Juden anzutasten, wird die deutschen Juden in entschiedener Abwehr auf den Posten finden. Die etwa 100.000 ausländischen Juden vertrauen auf den internationalen Schutz und glauben, daß der politische Weitblick von Hugenberg, des Mannes des Großkapitalismus und des Großgrundbesitzes, der noch immer in seinem gewaltigen Zeltungskonzern und in den großen, weltumspannenden Filmgesellschaften, Juden beschäftigt, sowie daß der frühere Reichskanzler und jetzige Vizekanzler von Papen den geistigen und wirtschaftlichen Verfall nicht zulassen werden. Es wird auch damit gerechnet, daß der Judenpunkt bis zur Durchführung der am 5. März stattfindenden Wahlen keine bedeutende Rolle spielen wird. Hingegen ist damit zu rechnen, daß nach dem ersten Mißerfolg in politischer Hinsicht, in den starken Maßnahmen gegen Juden die breite Oeffentlichkeit ihre Ablenkung finden wird. Vorbereitung ist daher das Höhnt dieser schweren Stunde. lotte Robinson Isak Spiegel empfehlen sich als Verlobte Wen, II., fm Februar 1933 Die Liga der jüdischen Frauen in Genf protestiert gegen den antijjüdischen Terror an den Universitäten Ost- und Mitteleuropas Genf. Die «Liga der jüdischen Frauen> veranstaltete in Genf eine Kundgebung gegen den antijüdischen Terror an den Universitäten Ost- und MitteleuropasJDen Vorsitz führte die Präsidentin der Liga, Mme. Lebach; Die erste Rednerin, Frau Rosa Aberson, Generalsekretär! n der Liga, gab eine Schilderung der antisemitischen Studentenbewegung in den letzten zwölf Jahren. Vom zaristischen Rußland haben nach dem Kriege entstandene Staaten den Numerus clausus a&Erbe übernommen. Ungarn war das erste Land, das einen gesetzlichen Numerus clausus eingeführt hat. 1923 stand auch tu Polen der gesetzliche Numerus clausus auf der Tagesordnung, allein man scheute davor zurück, ein mit den Friedensverträgen m Widerspruch stehendes Gesetz zu schaffen, dafür wird ein Numerus clausus auf administrativem Wege durchgeführt. 1925 erhielten die Universitäten Polens Geheimzirkulare, in denen eine Beschränkung der Aufnahme von Juden vorgeschrieben wird. Die Rednerin gab eine Schilderung der brutalen Studentenausschreitungen 1927 in Rumänien, 1931 und 1932 m Polen, Rumänien? Ungarn, Oesterreich umhDentscWand. Diese Jahre waren für die jüdische Jugend eine Zeit großer materieller und moralisch-geistiger Leiden. i vWwl LeideT seien die Professoren oft nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. Solange ein solcher Terror gegen eine Minderheit existiert, fehlt die moralische Basis, auf der allein der Weltfriede aufgebaut werden könnte. Darum haben alle Friedensfreunde die Pflicht, diesem Terror entgegenz'^>ken. Der Generalsekretär der schweizerischen Völkerbundliga, Prof. Ernest Bovet, stellte die Frage, warum ein großer Teil der heutigen Universitätsjugend reakionär orientiert ist. Er sieht die Ursache i.i einer Reihe soziologischer und psychologischer Momente. Den neu entstandenen Staaten fehlt es an politischer Reife und an Traditionen, ein mißverstandener Patriotismus beherrscht das Feld. Prof. Bovet schloß mit einem Appell an die Judenheit, ungeachtet der vielen Leiden, denen .sie ausgesetzt ist, nicht die Hoffnung auf eine neue und bessere Ordnung zu verlieren, die parallel mit der Erstarkung des Völkerbundes sich herauskristallisieren wird. Die Versammlung nahm einstimmig eine Protestresolution gegen die ant'-> emitischen Exzesse an den Universitäten und eine Kundgebung der Sympa t h ie mit der leidenden jüdischen Jugend an. . Frauen- und Mädchenhandel im Orient vor dem Vöiherbundrai Fast keine Jüdischen Prostituierten in Palästina — Ein Verdienst der Jewish Agency Genf. Der Vöikerbundrat hat in seiner heutigen Sitzung den Bericht der Untersuchungskonrmission zur Kenntnis genommen, die der Völkerbund nach dem Orient zur Erforschung der Probleme des Frauen- und Mädchenhandels entsandt hat. Von dem 550 Seiten starken Bericht sind 20 Seiten der Lage in Palästina gewidmet. In Palästina gibt es keine Bordelle, die Prostitution ist nicht reglementiert, sie ist einfach verboten. Es gibt aber eine geheime Prostitutv u m den Hafenstädten Erzeugung und Reparatur von Heim uad Dameniuäsce mtna. umn-iiMir. Mi Anfertigung nach Mab Spezialität: Arzte- und Pflegerinnenm&ntel ütmpfe repas»leren, «topfen, anatricken Berit Mtufilhvung BHHgtie Preise wascrtaoeschält Anna und RMa Epsiein Wien, VUl., Skodagasse 30 leiephon B 40-7-78 Nächst AlserstraiJc Haifa und Jaffa, in einem weit geringerem Maße auch in Jerusalem, Tiberias und Tel-Awiw. Der weitaus größte Teil der Prostituierten in Palästina stammt aus Syrien, einige stammen aus Aegypten oder der Türkei, äußerst selten findet man unter den Prostituierten eine europäische Frau. Unter 49 Prostituierten Haifas gibt es 4 jüdische und 2 christliche Frauen, der Rest setzt sich aus Mohammedanerinnen zusammen. Rühmend wird in dem Bericht der Tätigkeit der Jewish Agency gedacht, die mit Hilfe von Schulen und anderen Anstalten die Frauen und Mädchen für einen Beruf vorbereitet. Die Tatsache, daß es in Palästina 12.000 organisierte jüdische Arbeiterinnen gibt, sei ein Beweis dafür, daß alles getan wird, um die Frauen mit Arbeit zu versorgen. Europäischer Frauenhandel ist in, Palästina überhaupt nicht festzustellen. Urteile gegen Breslauer Studenten Breslau. In Breslau standen neun Studenten vor dem Senat, die am 24. Jänner bei der Attacke gegen Professor Cohn gefaßt worden waren. Der Haupttäter wurde mit Entfernung von der Universität, ein weiterer Student mit Verlust des Semesters bestraft. Sechs Studenten erhielten die Androhung der Entfernung von ’ r Universität Einer wurde Ireigesprochen. | Dr. David Altealay | Am 4. Februar d. J. starb in B e 1 g r a d, wo er als Advokat tätig war, Im 71. Lebensjahre Dr. David A1 k a 1 a y, der Präsident der Zionistischen Organisation in Jugoslawien. Er war auch Abgeordneter der Stadt Belgrad iin Parlament Jugoslawiens. Mit Doktor Alkalay ist ein Patriarch der zionistischen Bewegung dahingegangen. Er gehörte zu den ersten Anhängern Theodor Herzis, nahm schon am ersten Kongresse als Delegierter teil und erfreute sich der Wertschätzung Herzis, für den er eine besonders wertvolle Stütze bedeutete, u. a. bei der.Uebersetzung des «Judenstaates» ins Serbische. In «Ältneuland» hat ihm Herzl in der Figur des Aladin ein literarisches Denkmal gesetzt. Dr. Aikalay war unentwegt für den Zionismus tätig. Seit zehn Jahren stand er an der Spitze der Landesorganisation ln Jugoslawien und erfreute sich allgemein der größten Achtung. Alle, die diesen braven, liebenswürdigen und , ehrlichen zionistischen Arbeite menschen kannten, werden Ihm ein ehrendes Angedenken bewahren. .. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich drückt auf diesem Wege der Familie; des Verstorbenen und der jugoslawischen Organisation ihr herzlichstes Beileid aus. Das Attentat auf Esrlel Carlebach «Israelitisches Familienblatt» setzt einen Preis von .2090 Mark zur Ermittlung der Täter aus Berlin. Verlag und Redaktion des «Israelitischen Familienblattes» haben sich entschlossen, einen Preis von 2000 Mark für Ermittlung der Urheber des Anschlages auf ihren Mitredakteur Esrtel Carlebach in Hamburg auszusetzen. Beinahe ein Monat ist seit dem Anschlag vergangen, der Upberfallene konnte inzwischen soweit wiederhergestellt werden, daß er demnächst seine Tätigkeit teilweise wieder aufnehmen wird. Wie das «Israelitische Familienblatt* meldet, hilft die wesentliche Besserung in Carlebachs Befinden auch die polizeiliche Suche nach dem Attentäter erleichtern. Der Ueberfallene konnte zu ausführlichen Vernehmungen herangezogen werden, es ließ sich ermitteln, daß kommunistische Attacken gegen ihn auch schon vor Erscheinen seiner Rußland-Artikel, aus Anlaß von Öffentlichen Vorträgen, geplant wurden, und die Untersuchung verschiedener Drohbriefe, sowie eines großzügig organisierten Verleumduhgsfeldzuges ergab wichtige Anhaltspunkte dafür, wo der Täter zu suchen ist. Nach wie vor ist die Erregung über das Attentat groß. Ueberall, wo Carlebachs. .Rußland-Briefe erschienen (in Polen, Litauen* Lettland, Amerika, Palästina, Tschechoslowakei/Jugoslavien, Schweden)', verurteilen die Zeitungen die terroristischen Methoden der Kommunisten. Anerkennung des Jüdischen Gemeindebundes In Rumänien Das Kultusministerium hat die Statuten der israelitischen Gemeinden spaniolischen Rits zii Bukarest, Ploesti, Turnu-Severin, Silistra, Timisoara, Calarasi, Giurgiu, Craiova, Constanza und Calafat unter geringfügigen Abänderungen genehmigt. Damit erhalten diese sephardischen Gemeinden den Charakter von Körperschaften öffentlichen Rechts. Gleichzeitig wurde auch dem Verband der israelitischen Gemeinden spaniolischen Rits der Charakter einer Körperschaft öffentlichen Rechts zuerkannt, das Oberrabbinat wurde als zentrale Behörde des Verbandes bestätigt. Mozzothbacken In Rußland erlaubt London. Der k’ui)!and-Wr<reter der Londoner Föderation jüdischer Hilfsgesellschafterl teilte der Föderation auf ihre Anfrage mit, daß die Meldung palästinensischer Zeitungen, wonach die Sowjetbehörden in diesem Jahre das. Backen von Mazzoth zum Pessachfest verboten haben, jeder Grundlage entbehrt. Die zuständigen Sowjetbehörden versicherten der Föderation, daß an ein solches Verbot nie gedacht worden ist Auch seitens der Botschaft der Sowjetunion in London wurde die Föderation benachrichtigt, daß das findetri von Mn/./cth in Rußland durchaus erlaubt .ist. E «iFdfo» tSduilic sind anerkannt wegen threr besten Qualität, guten Paßform und billigen Preisen.. Erhältlich Schuhniederlage David Horowitz, II., Taborstraße 11 b, Ecke Gredlcrstraße 31. - ssou> Tin mann ——• Ich offeriere folgende Patüstina-Pvodukie: Jaffa-Orangen pro kg S 1,10 Jaffa-Grape Fruit pro Stück von S —.40 aufwärts Schemen-Olivenöl pro kg S 3.90, Zi kg S 2.— Scheirren-Toiietteseife (6 Sorten) pro Stück von S —.55 aufwärts Chedera-Honig (in Becher) pro *4 kg S 1.—*, Zi kg (in Glas) S 2 20 Karmel-Weine (6 Sorten) 1 Flasche von S 2.80 aufwärts Franko Haus gegen Kassa bei Uebemahme SAMUEL HALPERN, WIEN, II., FÖRSTERGASSE 6 Telephon A 46-4-12 Jede jüdische Gruppe ehrt sich und das Andenken Otiajes durch Gartenstiftungen im