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Die Stimme · 1933-02-02 · Heft 265 (2.2.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 265 (2.2.1933)
Date
1933-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 265 — 2. Februar 1933 $tan einer indischen fiediung in ifransjordanien noch niiht ganz auf&e&eben man hätte wenigstens dem jüdischen Blut Treue geheilten. Doch die Entwicklung steht nicht still. So weiß die Wiener «Judenpresse» stolz zu melden: «Am 17. Jänner hat in Poulogne-sur Mer in der anglikanischen Kirche die Trauung der Baronin Marie, verwitweten Fould, mit Mr. frank Woost er statt gefunden.» Der einzig versöhnliche Zug in diesem düsteren Bild von Abfall und Verfall ist, daß Frau Wooster - - tn Pietcf gegen das Andenken ihres Großvaters — für die Erhaltung des Waisenhauses, in welchem vierzig Knaben gut jüdisch erzogen werden, noch weiter aufkommt. Armes Judentum! Michael Bibi und das Hausgesetz der Hofft- Schilds Gerade die Vornehmen und Reichen eines gedrückten Volkes sind stets zuerst bereit, dessen Sache preiszugeben. Auch für die jüdische Geschichte gilt das. So war's zur Makkabäer zeit, so bei Vertreibung unserer Ahnen aus Spanien und so ist es bis in unsere Tage geblieben. Der kluge Amschel in Frankfurt, Stammvater der Rothschild und Gründer ihres Reichtums, wußte genau, wie der Mammon den Charakter verdirbt, und schuf deshalb ein Hausgesetz, wonach jeder seiner Nachkommen, welcher das Judentum in Stich läßt, eine Geldbuße verwirkt. Entweder aber hat der Alte die Buße zu niedrig bemessen oder nicht an jede Art Abfall gedacht. So schloß neulich Bibi Freiin Springer, die Enkelin nach dem um die Wiener Kultusgemeinde hochverdientem Paar Albert und Bettina Rothschild, eine Mischehe mit Herrn Kurt von Reininghaus. Wahrscheinlich gelang es ihr dabei — dank der Dispense, welche auf päpstlichen und sozialdemokratischen Dekreten fußen — um das nach österreichischem Bürgerlichen Recht für Ehen zwischen Juden und NichtJuden gültige Verbot sowie um das Rothschildsche Hausgesetz ungetauft herumzukommen; sicher aber hat sie dann zugleich durch Revers ihren künftigen Nachwuchs der herrschenden Kirche zugelobt. Und wenige Monate früher ist in Paris ihr Ohm Eugen (Daniel) Baron Rothschild, der jüngere Bruder der in Wien verbliebenen Rothschild: Louis (Nathaniel) und Dr. Alfons (Maier), seinerseits eine Mischehe mit Fürstin Kitty Schönborn eingegangen. Die letzte Nummer der fälschlich so genannten «Wahrheit», dieses Leibblattes der «Union Oesterr. Juden», prangert in unentwegter Polemik gegen Einführung des allgemeinen Kultuswahlrechtes die Zionisten wegen Illoyalität an, denn unsere Kultusvorsteher wagten es auszusprechen, der reichere Jude sei nicht der bessere Jude/ Und nun wurde die «Union» als Bannerträgerin der Rothschilds im Wiener Israel, von Bibi und Eugen derart blamiert! Michael Vorträge Dr. fosef Löwenherz in Budapest Der Y*zePräsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwenherz, wurde von der Zionistischen Landesorganisation Ungarns sowie vom Herzl-Klub in Budapest eingeladen, in Massenversammlungen über zionistische und allgemeine jüdische Probleme zu sprechen. Dr. Löwenherz wird in Budapest am 11. und 12. Februar als Gast dieser Organisationen zwei Vorträge halten, denen man in ungarisch-jüdischen Kreisen mit großem Interesse entgegensieht. Das Palästina-Amt in Warschau Verschiebung der Präsidentenwahl Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem hat dem Palästina-Amt in Warschau telegraphisch aufgetragen, die Wahl des Präsidenten des Amtes zu verschieben. Die Gruppe der Al Hamisbmar-Zionisten, vom Deputierten Grünbautn geführt, und die Gruppen der Linken Zionisten begünstigten die Kandidatur des Deputierten Grünbaum als Nachfolger des Dr. Klümel, der nach Palästina übersiedelt. Es scheint jedoch, daß die Zionisten-Revisionisten, die Führer der Eth Liwnotlh-Zionisten und die Misraohi, welche sich der Kandidatur des Deputierten Grünbaum entgegenstellten, die Palästina Zionistische Exekutive dahin beeinflußten, die Wahl zu verschieben. Unsere geehrten Leser werden auf das Inserat der bestbekannten Schuhniederlage «Da-Ho» (Inhaber David Horowitz), II., Taborstraße llb (Ecke Gredlerstraße 11), aufmerksam gemacht. SCHULE FtlP KÖRPEPBILDUNG IRUDE KLEIN Diplomierte Gymnastiklehrerm der Schule Hellerau, VI., Theobaldgasse 1Ö (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Karstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 2! Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden in den .verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoih nnd Freitag von 9 bis 21 Uhr. Jerusalem. Das vom Emir Abdullah von Transjordanien herausg.-’evbene offizielle Kommunique über die Annullierung des Bodenpachtabkommens mit einer jüdischen Gesellschaft lautet: Die über die Verpachtung von Regienmgsböden an eine ausländische Gesellschaft oder ausländische Staatsangehörige verbreiteten Gerüchte werden vom Palast des Emir als grundlos erklärt. Der Emir zieht das betreffend die Pacht der erwähnten Böden gemachte Angebot zurück. Von heute ab sind diese Böden nicht zu verkaufen. Einer Abordnung palästinensischer Araber gegenüber, die ihn am 25. Jänner in Amman besuchte, erklärte der Emir Abd'Ullah, er habe bis jetzt keinen Boden an Juden verkauft und auch kein definitives Abkommen über Bodenpacht unterzeichnet. Er habe lediglich eine Option über Pacht eines bestimmten Bodenareals vergeben, habe aber nachträglich beschlossen, diesen Boden an Ausländer nicht zu verpachten. Der Emir ermächtigte die arabische Presse, mitzuteilen, daß er jeden Gedanken an eine Verpachtung von transjordanischem Boden an Ausländer fallen gelassen habe. In Jerusalemer jüdischen Kreisern glaubt man trotz all dieser Versicherungen des Emirs Abdullah nicht, daß der Plan einer Pacht oder eines Kaufs von Boden in Transjordanien durch Juden definitiv erledigt ist: Man weist darauf hin, daß zahlreiche Oberhäupter transjordanischer Stämme Bodenkaufangebote an Juden gemacht haben und an dem Abschluß der Bodentransaktionen außerordentlich stark interessiert sind. Die Option auf Bodenpacht mit Vorkaufsrecht, die der Emir an eine jüdische Gesellschaft vergaben hat, läuft ‘erst in sechs Monaten ab, bis dahin könne eine Lage eintreten, die dem Abschluß des Geschäftes günstiger ist. Die Wirtschaftliche Lage in Traiwjordanien verschlimmert sich zusehends und eine Aussicht auf Besserung sni in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. , Die Jerusalemer jüdischen Kreise erwarten, daß der Plan, einen Teil Transjordaniens durch jüdische Arbeit zu entwickeln, wozu «in langfristiger Bodenpacht- oder ein Boden-kaufvertrag Voraussetzung ist, bald wieder aktuell werden und schließlich zu einem Resultat führen wird. I Arabische Jiationalisten droben, Die Arabische Unabhängige Partei, die Abteilungen auch in Transjordanien, im Irak und in Syrien hat, hielt in Jerusalem eine Kundgebung ab, in der die Redner erklärten, Emir Abdullah werde seines Thrones entsetzt werden, wenn er nicht den mit einer jüdischen Gesellschaft geschlossenen Bodenpachtvertrag löst und nicht den Verkauf von transjordanischem Boden an Juden verbietet. Die Leiter der Kundgebung sandten ein Telegramm an den High Commissioner Sir Arthur Wauchope mit dem Ersuchen, gegen den Verkauf transjordanisclien Bodens an Juden einzuschreiten. Arabische PRESSESCHAU «Manchester Qiuardian» widmet der jetzt zur Diskussion stehenden . transjordanischen Bodentransaktion eine Betrachtung und führt aus, wenn diese Transaktion zustande kommt, werde es mit dem Ausschluß der Juden aus Transjon.amen, über den innerhalb der zionistischen Bewegung immer geklagt wurde, ein Ende haben. Transjordanien untersteht zwar ebenso wie Palästina dem britischen Mandat, aber die Mandatsbestiimmungen, betreffend das Jüdische Nationalheim, haben in Transjordanien keine Geltung, und die Anwesenheit von Juden in diesem Territorium wurde nicht geduldet. Jetzt scheint ein anderer Wind zu wehen; es soll geplant sein, auf transjordanischem Boden etwa dreitausend Juden zu beschäftigen. Die arabischen Nationalisten bestürmen den Emir Abdullah, den Plan fallen zu lassen. Ab*r die wirtschaftlichen Verhältnisse in Transjordanien sind kritisch und der Herrscher des Landes, der praktischen Sinnes ist, denkt an seine Staatsfinanzen. Irak auf Abwegen Unter diesem Titel schreibt Percival Philips in «The Daily Mail» u. a.: Das neue Königreich Irak, dessen Ziehvater England Ist, benimmt sich wie ein undankbares Kind. Noch nicht aus den Windeln und unfähig, auf eigenen Füßen zu stehen, leidet es an einem Ueberwertigkeitskomplex, der lächerlich und geeignet ist, die Entwicklung des Landes zu hemmen. Die nationalistische Bewegung unter dem ehemaligen Minister Jassin Pascha verlangt, daß England mit seinen Truppen das Land verläßt. Die Gegner der Nationalisten begreifen, daß Englands Abzug den Selbsmord Iraks bedeuten würde, da die eigene Armee Iraks das Land nicht verteidigen könnte. Es fragt sich aber, welche Partei die Oberhand behalten wird. Jassin Pascha weiß, daß die eigene Armee, die nur aus zehn Bataillonen Infanterie besteht, nicht ausreicht, obwohl sie von englischen Offizieren gedrillt würde. Das sah man im vergangenen Frühjahr, als englische Aeroplane zur Niederringung des Scheichs Achmed von Barzan eingesetzt werden mußten. Die nationalistisch eingestellten Wüstenstämme würden natürlich den Abzug Englands gerne sehen. Die Aufnahme Iraks in den Völkerbund wurde von ihnen als Ende des englischen Protektorats angesehen. Ein Scheich fragte kürzlich einen englischen Offizier, ob die englischen Aeroplane sich neutral verhalten würden, wenn die Wüstenstämme die Hauptstadt angreifen würden. «Wir werden euch in Atome zerfetzen», war die Antwort. Die nationalistische Bewegung wird dadurch gefördert, daß die Türkei und Persien, Kemal Pascha und Riza Khan, in ihrer mosleminischen/ antieuropäischen Politik Erfolg haben. Der anglo-persische Oelstreit trug das seine zur Stärkung der Nationalismen bei. Die antienglische Stimmung im Irak versteift sich. Es werden Versuche gemacht, die englischen Ratgeber der Regierung des Irak, die keine langjährigen Verträge haben, zu amovieren. Was wird die Zukunft Iraks sein? Weiden sich die Erfüllung des Mandats, die großen Auslagen, die unablässigen Arbeiten für dieses konstruierte Königreich lohnen? Einstweilen sieht man bei allen Aemtern nur Abbaumaßnahmen gegen Engländer. Die britischen Handelskreise sind besorgt. Man fühlt, daß Irak gerne dem Beispiel der Türkei und Persiens folgen und hohe Zölle auf englische Importwaren sehen möchte. Persien hat den Handel monopolisiert und gestattet Importe nur gegen entsprechende Exporte. Und gerade dieses System begeistert die Preise in Irak. Der Eindruck von Abdullahs Kommunique In Palästina Jerusalem. Das von Emir Abdullah von Transjorctanien der Presse übergebene Kommunique, daß er die einer jüdischen Gesellschaft gegebene Option auf Boden in Transjordanien zurückzieht, wird von der arabischen Presse mit Genugtuung verzeichnet. Einzig «Falastin», das Organ der arabischen Exekutive, scheint noch einen Rest von Mißtrauen in die Absichten des Emirs zu hegen, denn die Zeitung bemerkt ln ihrem der Transjordanlen-Angelegenheit gewidmeten Leitartikel, es wäre zu wünschen, daß der Emir seine Erklärung wirklich wahr macht, man habe das Gefühl, daß das Kommunique hauptsächlich darauf abzielt, die Gemüter zu beruhigen. Die jüdische Presse gibt das Kommunique ohne Kommentare wieder. Mltkal Pascha, ein sehr einflußreicher transjordanischer Stammeshäuptling, sandte dem Leiter der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chalm Arlosoroff, eines .seiner besten Pferde als Pfand freundschaftlicher Beziehungen zur Jewish Agency. Dieses Geschenk an Arlosoroff soll eine Symbolhandlung darstellen, die bedeutet, daß die transjordanischen Araber die Juden einladen in ihr Land zu kommen. Geld Wien« ll. ■Bl Ularifllratiil rasch und seriös Kurzfristige Wechselkn dite TaboritraO« Nr. 1, Man. 23a Führer Palästinas sandten ein Telegramm an Charles Crane., Leiter des Institute uf World Affairs in den Vcre:ni"'c*n Staaten, der im Jahre 1919 Leiter der U. S. A.-Kommission in Palästina war und sich als ein Freund der arabischen nationalistischen Bewegung und als Gegner der zionistischen Arbeit in Palästina betätigte, in dem sie ihn bitten, die notwendigen Kapitalien aufzubringen, um die Araber in die Lage zu versetzen, vom Emir Abdullah Boden zu erwerben, damit dieser Boden nicht in jüdische Hände gelangt.

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