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Die Stimme · 1933-02-02 · Heft 265 (2.2.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 265 (2.2.1933)
Date
1933-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite ,2 DIE STIMM« Nr. 265 — 2. Februar 1933 und raunen: Es ist gar nicht so arg, Hitler wird schon Wasser in seinen Wein gießen, wie lange wird er sich denn halten können — und wie diese Redensarten alle lauten. Und man höre und staune: Die Generäle, die hochgeborenen Grafen und Herren, die ostelbischen Junker, diese traditionellen Judenfresser, die werden plötzlich dafür sorgen, daß Hitler und seine Sturmabteilungen den Juden nichts tun. Es ist schwer, hier keine Satire au schreiben. Begreifen denn diese Israe-, liten, diese «deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens» nicht, daß Namen nichts zur Sache tun, daß der Antisemitismus eben Antisemitismus bleibt, daß es gleichgültig bleibt, ob Juden durch Deutschnatfonale oder Hakenkreuzler wirtschaftlich hingeschlachtet werden, daß Hitlers Antisemitismus auch in starker Verdünnung mörderisch wirkt und daß der kalte, wirtschaftliche Pogrom gefährlicher ist als der blutige Pogrom? Denn die Juden sind weder in Deutschland, noch irgendwo in der Welt eine wirtschaftliche Macht. Leider ist es nicht wahr, wenn die Antisemiten das Gegenteil behaupten. Es liegt jedenfalls nicht in un— i serer Hand, dafür zu sorgen, daß die Nationalsoziaj listen Wasser in ihren Wein schütten. Es liegt aber in der Hand der Juden Deutschlands, das Wasser herauszudestillieren, mit dem sie ihren guten, alten jüdischen Wein verdünnt haben. Dieser Prozeß erfordert ganze Menschen, die Ausmerzung falscher Anschauungen, schwere seelische Kämpfe, er bringt aber die beglückende Rückkehr zum Judentum. So liegt das Problem: Krank ist das deutsche Volk, krank das jüdfsche Volk in Deutschland. Hilfe geeichtes Das Mitglied der Exekutive Berl Locker stellt uns nachstehende Bemerkungen zum Urteil gegen die Revisionisten zur Verfügung: Daß das Urteil des Ehrengerichtes auf Suspendierung des Revisionistischen Sonderverbandes und Beantragung seiner Auflösung durch die Exekutive von den Revisionisten nicht allzu freundlich aufgenommen wenden wird, war zu erwarten. Was sich aber die revisionistischen Stellen in verschiedenen Ländern an Beleidigungen und Verdächtigungen . gegen alle, die direkt öder indirekt oder auch gar nichts mit diesem Urteil zu tun* haben, erlauben, übersteigt doch 'bei weitem die allersehlimmsten Erwartungen. Man scheint in diesem Kreise offenbar dem Grundsätze zu huldigen: Wo Argumente fehlen, da stellt zur rechten Zeit sich das Schimpfwort ein. Nur einige Beispiele: «Das Urteil eines Ehrengerichts, gefällt... von einem parteiischen, politisch voreingenommenen Richterkolie- J gium — hat keine moralische oder gesetzliche Gültigkeit.» — «Die politischen Hintergedanken, die diese Gerichtsaktion bestimmten.» — «Unzweifelhaft parteiische Rieh- ' ter.» — «Das zionistische Ehrengericht, welches zum gehorsamen Instrument der politischen Intrige derjenigen Personen, welche hinter der zionistischen Exekutive stehen, hftrabgesun-kon ist.» * Für die richtige Beurteilung der in der Geschichte der zionistischen Bewegung bisher nie dagewesenen Hetzkampagne, die sich nicht nur gegen die zionistische Exekutive und einzelne ihrer Mitglieder sowie gegen zionistische Parteien, die nichts mit der Sache zu tun haben, richtet, sondern auch gegen das Ehrengericht und dessen Mitglieder, ist es wichtig, folgende lange vor der Verhandlung abgegebene Erklärung des Vizevorsitzenden der Union der Zionlsten-Revisionisten, Herrn Mr. Großmami, in Erinnerung zu bringen: «Wir halten das gegen uns emgeleitete Gerichtsverfahren für unbegründet und sind überzeugt, daß das Kongreßgericht die Ansprüche der zionistischen Exekutive zurückweisen wird. Jedenfalls kann der Ausgang dieses Gerichtsverfahrens für die politische Tätigkeit der revisionistischen Union keine Folgen zeitigen. Die Vertreter der Union haben sich wiederholt sowohl schriftlich als mündlich an die Regierungen gewandt und werden es auch weiterhin tun. Was die Petition betrifft, so ist ihre' Durchführung von der Wiener Konferenz unserer Union beschlossen worden, und wir werden sie unbedingt unter genauer Einhaltung der Beschlüsse der Kon- Bevufamäniei Ges, Gesch. Modelle - Eigene Erzeugung nach Maß - Pfadfinder uni formen Bertfa Engel In Sternftasa* 9 (Hoher Mat kt). Vertreterbesuch sofort *• Telephon Nr. U 25-6-36 Ianiilo0 guschiouen Zloolstö i 6 % von außen ist unmöglich. Jedes Volk kenn gesunden, kann sich aus seiner Seelischen Not befreien, aMr nur durch eigene Arbeit, nach Fieberschauern und Krisen, deren Stärke und Dauer nicht vorhergesagt werden kann. Die Gesundung, die: Befreiung von seelischer Not bringt die Freiheit. Aber Freiheit wird denett versagt bleiben, die nicht selbst um sie ringen. Und weil wir gerade von der Freiheit sprechen: Die Reichspressestelle der nationalsozialistischen Partei veröffentlichte unmittelbar nach Hitlers Ernennung «Im Reichskanzler eine Erklärung, in der es heißt: «Mit einem starken nationalsozialistischen Vortrupp ist der Führer in die Regierung eingerückt und hat sich an ihre Spitze gestellt, um dem deutschen Volke und seiner Freiheit eine Gasse zu bahnen.» Der Verfasser dieser Erklärung, sicher ein waschechter, siebenmal gesiebter Arier: aus dem Braunen Hause in München, ahnt wohl nicht, daß er Worte gebraucht, die zum ersten Male ein Jude in die Menge geschleudert hat. «Der Freiheit eine Gasse!» rief der Jude und Freiheitskämpfer Adolf FiSrdlhof am T3. März 1848 aus, als er sich einen Weg durch den Hof des Ständehauses in Wien bahnte und den versammelten Ständen die Forderungen der Universität überbrachte. «Der Freiheit eine Gassei» wünschen auch wir unseren jüdischen Brüdern in Deutschland und Deutschland selbst, —- Freiheit, wie wir sie,meinen. I Befreiung von Terror und Hakenkreuz! Freiheit, (die sich aufbaut nach der, Lehre unserer Popheten: Auf Gerechtigkeit und Völkerfrieden! ferenz durchführen. Das Exekutivkomitee hat eine Pflicht: die vollständige Durchführung der Beschlüsse der Konferenz.» ... (Pariser J. T. A. vom 1.7* Dezember 1932.) . Diese auch'Von der revisionistischen Presse («Raßviet» vorn 18.’Dezember, «Neue Welt», Wien, vom 30. Dezember) wiedergegebeneErklärung wurde drei Wochen vor der Gerichtsverhandlung abgegeben; als noch niemand wußte, wann linßNv&'siV'^täftfiMet* und Wer 'die' •MitgUetter de* G$- riChfes #3fh Grdßfntfrttf ^Ausdruck gebracht, daß etr üiVd'seine Freunde ’woW emi ihnen günstiges Urteil zu akzeptieren bereit seien, daß sie aber keineswegs beabsichtigen, sich einem ihnen ungünstigen Urteil zu unterwerfen.' Danach kann gar kein Zweifel bestehen, daß alle anderen, gegenwärtig vom Revisionistischen Sonderverband gegen das Urteil und das Ehrengericht angeführten Argumentenur 'zur nachträglichen'scheinbaren Rechtfertigung eines Verhaltens dienen sollen, das von vornherein feststand. Es ist in der Geschiöhfe der 'Beziehungen der Revisionisten’ zur' Zionistischen' Organisation nicht das erstemal, daß die Revisionisten ihnen angenehme Beschlüsse und Entscheidungen ärinehm'en und äusnützen, dagegen aUes, was ihnen nicht in den Krani paßt, einfach als tun gesetzlich, ungültig, nicht bindend erklären. Die "Begleitmusik der gegenwärtigen Kampagne ist allerdings selbst für die Revisionisten etwas ungewöhnlich.' Die zionistische" Oeffentlichkcit wird aber zweifellos die wahren Motive dieser unerhörten Angriffe und Verdächtigungen gegeri die zionistischen Geriohtsinstanzen und Ihre Mitglieder' richtig einzüschätzen wissen. -' . # •*•*"'* * Es ist vielleicht am Platz, einige Worte Übe? die Rolle Jabptinskys zu verlieren. ’ Fn seiner Rede auf' der Konferenz der deutschen Revisionisten sowie in' Artikeln 'im «Raßviet» und im Warschauer «Moment» betont Jabötinsky, daß ahn eigentlich die Sache gar nichts ängehe,' denn er "sei kein Mitglied des Revisionistischen Sonderverbarides, sondern bloß der von der Zionistischen Organisation völlig unabhängigen Revisionistischen Union. Aber trotzdem ihn die Sache gar nichts angeht, läßt er sich über sie sehr ausführlich aus und trägt als «objektiver Zuschauer» seinen eigenen Ton in das neueste revisionistische Konzert hinein. Wer die journalistischen Leistungen des Herrn Jabötinsky in den allerletzten Jahren kennt, wird sich auch über diese Rekordleistung kaum noch wunderm Aber es ist vielleicht nicht überflüssig, dem Leser in Erinnerung, zu rufen, was Herr Jabotinsky in dem im August 1931 erschienenen Sonderheit des «Raßviet» über die Beziehungen der Revisionisten zur Zionistischen. Organisation geschrieben hat. Einem «Pie Ethik der Unabhängigkeit» überscliriebenen und von W. I./gezeichneten Artikel entnehmen wir nach der deutschen Ausgabe folgende Stellen: «... Vom sittlioh-politischen Standpunkt rückt man zweifellos in eine unangenehme und verfälschte Situa* Bel rheumatischen Beschwerden aller Art haben sich TogaKTabletten ganz hervorragend bewährt. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein anderes Mittel half. Es wirkt ln hohem Maße als Inneres Antiseptikum. Ein Versuch überzeugt! In allen Apotheken des In- und Auslandes. Preis S2.40. tion, wenn man einerseits selbständige, politisch' Arbeit leisten will! tmd :zu' gleicher Zeit, anderseits, fo;n. li ein Teil einer anderen, auöh politischen1 Organisation bleibt, die zudem noch auf das Monopol der politischen Vertretung des Zionismus Anspruch erhebt...» (Seite 31). «Niemand ist verpflichtet, der Zionistischen Organisation beizutreten, aber wer diesen Beitritt freiwillig vollzogen hat, der hat sich selber 2ur Wahrung ihrer Normen verpflichtet. Das Bewußtsein und das Gewissen gebieten, zwischen dem einen oder dem anderen zu wählen; entweder ist die selbständige politische Tätigkeit des Revisionismus unzulässig oder aber muß man fördern, daß es erklärt werde: die Union der Zionisten-Revisionisten bildet keinen Teil der Zionistischen Organisation, sondern Ist ein unabhängiges Kollektivum, das autonom seine Arbeit zum besten eines reinen und unverfälschten Zionismus führt...» (Seite 35). Das Urteil des .Ehrengerichtes vom Jänner 1933 beruht im Grunde auf denselben Gedanken, die Herr Jabötinsky!m August 1931 so eindeutig und überzeugend dargelegt hat. Kann ein objektiver Beobachter unter diesen Umständen Jabötinsky glauben, daß . es'seine wirklich ehrliche Ueberzeugung ist, wenn er das zionistische Ehrengericht mit dem herabsetzenden russischen Ausdruck «Schemiakin Ssud» bezeichnet und es beschuldigt; daß es mit offener und zynischer Ungewissenhaftigkeit (NedobrossowesfnöSt) geurteilt habe, und wenn er der Zionistischen Organisation aus demselben Grunde ethischen Zerfall ■ vorwirft? Und, Herr Lichthelm? Nach den Berichten über die kui? nach der Verhandlung des Ehrengerichtes abgehaitene Konferenz der deutschen Revisionisten schien es fast, daß er beabsichtige, sich, von der Haltung der offiziellen revisionistischen Führung zu .distanzieren. Wenn auch, über seine eigene Rede'nur soviel berichtet wird, daß er. gegen die Ausführungen Jabötinsky« polemisierte, so scheint doch aus der Antwort des letzteren hervorzugehen, daß Herr Uohtheint noch, einmal , den separatistischen Tendenzen entgvgeo- .treten und einem., «unabhängigen». Revisionismus, das sang- .und klaglose Ende, der Territorialistischen Organisation prophezeit hat. Aber, sehr bald hat sich offenbar der Schreck vpr der eigenen Courage eingestellt und schon wenige Tage darauf schon wir, Herrn Uphtheim in einer Berliner Protestversammlung . als eine, der Hauptfanfaren der von der Londoner revisionistischen Zentrale sov planvoll arrangierten Entmistung., gegen das Ehrengerichtsurteil auftreten. Nur-eine gute $eite vermag er dem Urteil abzugewinnen: «Das. Urteil bedeutet für, wirkungsvolle Propaganda*. Hat nicht Herr- Liphtheim hier, etwas unvorsichtig aus der Schulegenicht das trabende Motiv, dieser-Verdunkelung«- ,und- V.erhetzungskampagnebloß gelegt? < Wie muß es doch um die moralischen Grundlagen einer -Bewegung bestellt sein, deren Führer mit derartiger doppelter Buchführung herumjonglieren müssen und die auf solche «wirkungsvolle. Propaganda» angewiesen ist. , Aber der Zweck dieser so glänzend funktionierenden Wutausbrüche ist-zu durchsichtig, als daß. sie von irgendeinem objektiv denkenden Zionisten ernst genommen werden könnten. -Die RpHe der,-. Hüter der Gesetze der Zionistischen Organisation gegenüber der Exekutive, dem 'Kongreßanwalt, den) Ehrengericht, steht einer Partei-sehr wenig an, deren gesamten Beziehungen zur Zionistischen Organisation im Laufe von Jahren eine ununterbrochene Kette von Disziplinbröchen und Gesetzverletzungen darstetlt. Was wird nicht alles in diesen offiziellen und halboffiziellen revisionistischen Kundgebungen-in Frage gestellt: Die Ehrlichkeit der "Richter, die Zuständigkeit des Ehrengerichtes,J die Gültigkeit der Beschlüsse des Aktionskomitees, ja'sogar die Verantwortlichkeit des revisionistischen Sönderverbärtdes für seine eigenen Handlungen. Der ganze Prozeß wird als eine wohlberechnete poHtischre Verschwörung dfet Exekutive und gewisser :zio^ nistisdrer1 Parteien Im Verein mit dem Ehrengericht zur Vernichtung 'der revisiohistischen Bewegung hingestellt. Und das alles nur deswegen, weil das Ehrengericht pflichtgemäß nach dem Grundsätze gehandelt hat, daß die Gesetze der Zionistischen Organisationen und die Beschlüsse ihrer berufenen Instanzen von allen' Teilen der Bewegung, also auch von den Revisionisten, respektiert werden müssen. Das Urteil des'Ehrengerichtes bedeutet nichts anderes als die erste Bresche in das von den Revisionisten seit Jahren ausgeübte Monopol, die-Disziplin und die Gesetze der Zionistischen Organisation, in welcher sie alle Rechte gleich anderen Teilen ' der Bewegung genießen, ungestraft m durchbrechen. Jabötinsky erkannt das Ehrengericht der zionistischen Organisation nicht .. an. Paris. Wladimir J a b o t i n s k y, Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten, hat in seiner Eigenschaft als «Rösch Betar» (Chef der Brith Trumpeldor-Organisation) ein Telegramm an das Hauptbureaü des Brith Trumpeldor in Amerika gesandt, in dem er den «aiBetarini» verbietet sich in der Klage der Hifctädruth ' gegen Brith Trumpeldor dem Ehrengericht der Zionistischen Organisation zu stellen, jabötinsky stellt «s-aber den Betarim frei, der Histadruth das Angebot zu machen, gemeinsam mit Brith Trumpeldör ein Ehrengericht zur Erledigung des Streitfalles zu. wählen, r. Bert Locher (London) Nach dem Urteil des Ehrent

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