Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 265 (2.2.1933)
- Date
- 1933-02-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V, b. b BKZUUS BF.DINGUNGKN Oesterreich monatlich S 1 SO, vierteljührl. S 4 20, ganz jlhrl. . . . S 16 — Oeurachld viertel jlhrl.. . . KM V — Tschechoslowakei viertel) . Ke 24 - Jugoslawien vtetiel jährl. . Dm 40 - Po en Vierteljahr lieh . . Zloty 6 SO Ungarn Vierteljahr lieh . . Kengo 4 20 Rumänien viertel [ihn . . I e< 120 — Uehnges Aus>anH Vierteljahr). Schw. Franken 4 SO Jahrvan? itieUni’' Jttdisdte Zeitung Wien, Donnerstag, 2. Februar 1933 (6. Schabet 5693) Preis 3?g LndieiBt jeden Donnerstag nedektlen und Administration Wien, I., K*mtner strafte 28 Tel. R-27 4 85 Postsparkassen konti: Oeeterr. D 11} 546 Polen . . 191199 lechecho* Slowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 Nummer 265 Der Patästinabevickt dev Mandatskommission vom Vötkevbundvat zur Kenntnis genommen Genf. Der Völkerbundrat hat in seiner Sitzung am . 24. Jänner den Bericht der Mandatskommission über ' ihre letzte Session im November 1932, in der sich die Kommission mit der Verwaltung der verschiedenen Mandatsländer befaßt hat, sowie die Bemerkungen (observations) der Mandatskommission zu den Berichten der Mandatare zur Kenntnis genommen. Hinsichtlich der Verwaltung Palästinas im Jahre 1931 betonte, der Berichterstatter im Völkerbundrat, der tschechoslowakische Außenminister Dr. Eduard Benesch, in seinem mündlichen Bericht vor dem Rat, daß die Mandatskommission der Ansicht sei, daß die Vorbereitungsperiode für die Ausarbeitung eines Programms konstruktiver Politik in Palästina noch nicht ganz beendet sei; deswegen habe es die Kommission für verfrüht gehalten, schon jetzt ihre Meinung über die Orientierung dieser Politik zum Ausdruck zu bringen. Heute könne die Kommission lediglich feststellen, daß dank den zur. Sicherstellung von Ruhe und Ordnung im Lande unternommenen Mitteln und dank der günstigen wirtschaftlichen Situation im Landö das Jahr 1931 eine Periode der Ruhe und des Wohlstandes für Palästina gewesen ist. Hinsichtlich des geplanten Legislative Council begnügt sich die Kommission festzustellen, daß sie die Erklärung des beglaubigten Vertreters Großbritanniens zur Kenntnis genommen hat, daß Schritte zur Bildung eines Legislative Council ergriffen werden würden, sobald die in der Vorbereitung befindliche neue lokale Government | - -. n ■■■■wiTC-tsa—i Ordinance in Geltung gebracht worden ist. Nach Prüfung einer Petition, betreffend den Status der Jüdischen Gemeinde in Palästina, empfiehlt die Kommission dem Rat, die Mandatarmacht aufzufordern, einige ergänzende Informationen zu geben. In ihren Konklusionen, betreffend eine Petition der Exekutive des Ersten Palästinensischen Arabischen Frauen-Kongresses, äußert die Kommission die Hoffnung, daß nach weiteren Fortschritten in der Erziehung und in der Befriedung der Gefühle in Palästina es möglich sein wird, im Zivildienst eine immer wachsende Zahl von Landeseinwohnern zu beschäftigen. Dr. Benesch fügte seinerseits kinzu, er sei essen sicher, daß der Völkerbundrat an diesen Bericht der Mandatskommission den Wunsch knüpfen wird, daß die Bemühungen der englischen Mandatarmacht, die besonderen Probleme Palästinas einer Lösung zuzuführen, von Erfolg gekrönt sein mögen. Der Völkerbundrat nahm den Bericht von Benesch und die Bemerkungen der/Mandatskommission zur K e n n tn i s. '-V' / i Aus dem Protokoll über die Verhandlungen der Mandatskommission ist zu ersehen, daß das deutsche Kommissionsmitglied Dr. R u p p e 1 sich dagegen ausgesprochen hat, daß die Erklärung Sir Arthur Wauchopes, betreffend Legislative Council, in die Observations der Mandatskommission aufgenommen werde. Dev Paiästina-Regievung sind die Gekäitev dev hebv. Lehvev zu hock Jerusalem. Die Palästina-Regierung teilte dem Waad Leumi, der jetzt Verwaltung und Kontrolle der hebräischen Schulen in Palästina inriehat, mit, daß sie die Gehälter, die den Lehrern an den hebräischen Schulen in Palästina gezaäl. werden, für «zu hoch» hält und daß sie deswegen einen Teil der Stibventionssumme, die sie dem hebräischen Schulsystem gewährt, z-urückbehalten und zur Beschaffung zusätzlichen Inventars für die jüdischen Schulen verwenden wolle, ln der Mitteilung heißt es weiter, auch die Gehälter der Schuldiener an den hebräischen Schulen erscheinen der Regierung zu hoch. ln der letzten Sitzung des Waad Leumi fand über diese Ankündigung der Palästina-Regierung eine Aussprache statt, in deren Verlauf Dr. Waschitz im Namen der Fraktion, der Revisionisten den Antrag stellte, daß man der Regierung anbieten solle, das gesamte Unterrichtsdepartement des Waad Leumi in ihre Verwaltung und die finanzielle Verantwortung für die hebräischen Schulen zu übernehmen. Der Zuschuß der Palästina-Regierung zum hebräischen Schulsystem beläuft sich auf jährlich über 20.000 Pfund; das Gesamtbudget des hebräischen Schulsystems, fiir das jetzt der Waad Leumi veranwortlich ist, beträgt über 100.000 Pfund. Das jüdische Museum in Beviin eröffne! Eine neue Großtat der Jüdischen Gemeinde — die Stadt Berlin um eine große Sehenswürdigkeit bereichert Seit 15 Jahren unterhält die Jüdische Gemeinde zu Berlin neben ihrer großartigen Bibliothek im Gemeindehause eine Kunstsammlung, die ihre Entstehung dem verstorbenen Dresdner Sammler Albert Wolf, der seine in jahrzehntelanger Forschernrheit zusammengebrachten Schätze der Berliner Jüdischen Gemeinde vermachte, verdankt. Nach der Uebersiedlung des Hospitals in andere Räume wurde das ganze erste Stockwerk des Hauses j Oratikviburgersiraße 31 neben der neuen Synagoge für die Kunstsammlung freigemacht, so daß aüe vorhandenen Schätze alter und neuer Kunst ihrem Werte entsprechend ausgestellt werden konnten. Ani 24. Jänner wurde das Museum in seiner neuen ' Gestalt feierlich der Oeffentlichkeit übergeben. Der Dezernent des Gemeindevorstandes für Bibliothek und Museum, Dr. Aron Sandler, schilderte die bisherige Entwicklung der Kunstsammlung und legte die Tendenzen dar, die für diese Entwicklung richtunggebend waren. Die aus der Stiftung Albert Wolfs entstandene Sammlung wurde zunächst von dem Oberbibliothekar Dr. Stern und wird seit fünf Jahren von dem Kustos Dr. Karl Schwarz verwaltet und ausgebaut. Der Museumverein hat die Aufgabe, das allgemeine Interesse für jüdische Kunst und Kultur zu wecken und das jüdische Museum zu för- | dern. Die Gemäldesammlung ist durch ein Geschenk von Professor Max Liebermann, sein letztes Selbstporträt, bereichert worden. Neben den Objekten reinen Kunstwertes befinden sich in der Sammlung Objekte von kunsthistorischem und historischem ' Wert, eine archäologische Abteilung mit Ausgrabungsfunden aus Palästina, eine Sammlung von Kultgeräten, ein reich ausgestattetes Lichtbilderarchiv und eine einzigartige Sammlung jüdischer Graphik. Hitler aber Euch! Eist Wort an die Juden Deutschlands Die ganze Welt und insbesondere das Judentum stehen unter dem Eindrücke der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Der Mann, der jeden Reichstag eine «Hammelherde von Hohlköpfen» nannte und dem Parlament die «wahrhaftige germanische Demokratie der freien Wahl des Führe r s» gegenüberstellte, wird nicht daran denken, die Verfassung Deutschlands und die in ihr verankerten staatsbürgerlichen Rechte der Juden Deutschlands zu schützen. Wird er der Vollstrecker seines Parteiprogramms sein und die Juden, die «hebräischen- Volksverderber», unter Gast- oder Fremdenrecht stellen? Wird er die «Nacht der langen Messer» zulassen? Das sind Fragen, die heute die Gemüter bewegen. Es ist müßig, darüber Betrachtungen anzustellen, ob Hitler sich halten wird oder nicht, ob er die Diktatur des Hakenkreuzes einführen wird oder nicht. Für uns Juden besteht die traurige Tatsache, daß für. das Judentum Deutschlands schwarze Tage angebrochen sind, deren Ende nicht abzusehen ist. Seit dem Zusammenbruche hat Hitler das deutsche Volk .anfsßr. mitisch durchseucht.' Millionen von Deutschen sind voligesogen mit den judenmörderischen Schlägwoiten des Nationalsozialismus. Die nationalsozialistische Ideologie hat alle Bevölkerungsschichten erfaßte Reiche und Arme, Ungebildete und Gebildete leiden am Komplex des Hakenkreuzes. Geistig sonst hochstehende Menschen beten Hitlers Phrasen an wie ein Evangelium. Der Lehrsatz des Soziologen Le Bon, daß eine Menge noch so gebildeter Menschen stets einen niedrigeren Intellekt besitzt als die einzelnen Personen, aus denen sie sich zusammensetzt, hat sich hier schauerlich bewahrheitet. So läßt sich das deutsche Volk einreden, daß 600.000 Juden an seinem Unglück schuld sind. Da muß man wohl sagen: Wir können das deutsche Volk nicht von seinem Judenkomplex befreien. Die Heilung muß aus dem deutschen Volke selbst kommen. Der Heilungsprozeß wird schwierig sein, denn heute sehen wir Deutschland in einer Verfassung der Geister, die kommenden Geschlechtern als schmachvoll erscheinen wird. Und die Kehrseite der Medaille, das deutsche Judentum? Ein Bild bejammernswerter Ratlosigkeit, verängstigt, ohne Organisation, ratlos. Das sind die Menschen, denen es versagt blieb, die Zeichen zu erkennen, die nicht bemerkten oder nicht bemerken wollten, daß der Liberalismus überholt ist, die ihren billigen Spott trieben mit der zionistischen Idee, uns Prügel vor die Füße warfen, wo sie nur konnten. Das sind die Menschen, die sich an das sinkende Schiff des Liberalismus klammern, die den anderen, die sie nicht hören wollen, einreden möchten, sie seien doch auch Deutsche der Nationalität nach. Sie bemerken dabei nicht, daß ihre unbändige Assimilationssucht und Kriecherei sie bei den Gegnern lächerlich macht und sie würdelos, ja ehrlos erscheinen läßt. Wir wollen diese Menschen nicht verhöhnen. Sie sind Fleisch von unserem Fleisch und Blut von unserem Blut, ihr Unglück ist unser Unglück. Wir Juden, die wir überall die Minorität sind, müssen Niederlagen in den Kauf nehmen. Wenn wir uns aber immer wieder wie der Phönix aus der Asche erheben, dann ist das dem jüdischen Urinstinkt zuzuschreiben, der uns in den Zeiten der höchsten Gefahr wachrüttelt und unseren Willen, als Juden weiterzuleben, machtvoll entfacht. Das deutsche Judentum steht vor der nationalsozialistischen Mauer. Sie dünkt ihm hoch, unübersteigbar. Entschließt es sich aber, den Blick ein wenig über die Mauerkante zu erheben, dann wird sich ihm der jüdische Genius offenbaren, es wird neuen Mut schöpfen, Mut zu neuem, jüdischem Leben. Den Zionisten Deutschlands sollte hier eine schwere und verantwortungsvolle, aber lohnende Führerrolle zufallen. Denn schon melden sich die feigen Ghettoseelen