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Die Stimme · 1933-01-26 · Heft 264 (26.1.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 264 (26.1.1933)
Date
1933-01-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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felfe 9 DTE STIMME Nr. 264 — 26. tänner IMS mitten widerstreitender Einflüsse sein Schifflein intakt zu halten. Diese Einflüsse sind: die Gefühle und Forderungen seiner Untertanen, welche zum Zeichen ihrer «Unabhängigkeit» Parlament spielen dürfen, und England, beziehungsweise dessen nächster Exponent, der Hochkommissar in Jerusalem. Da das Volk von Transjordanien durchwegs aus Arabern, darunter viele schweifende oder halbansässige Beduinen, besteht, unterliegt es der von Jerusalem und sonstwoher seit Jahren eitrigst betriebenen nationalen Propaganda, weiche sich gegen den englischen Imperialismus wie gegen den gefährlichen Expansionsdrang der Zionisten und der Juden schlechthin kehrt. Eine größere Macht aber als Volk und Parlament stellt für den Emir England dar; denn ohne dessen Hilfe könnte er sich keine Woche auf seinem Thrönchen halten. Vor allem fehlt es an Geld! Sein Land, obgleich an Flächeninhalt nicht viel kleiner als Westjordanien und dabei im Durchschnitt viel fruchtbarer, kann zufolge jahrhundertelanger Preisgabe an die Plünderung der Wüstenstämme und aus Mangel aller modernen Eotwicklungsmitte! selbst die Viertelmillion Einwohner (gegen nfehr als eine Million in Westjordanien) kaum ernähren. Deshalb ist das Parlament wenig geneigt, Steuern zu bewilligen, auch wenn sie nicht für die kostspielige Hofhaltung Abdallahs und sein Militär, sondern für produktive Verwaltungskosten verwendet werden sollten. Und noch weniger wollen die bettelarmen Bewohner Steuern zahlen. Deshalb die ewige Krise und steter Wechsel der Minister ln Amman. Da ist es für Abdallah noch bequemer, sich beim Hochkommissär in Jerusalem sein Taschengeld zu holen. Als Gegenleistung schärft er seine Ohren für die Weisungen der ihm zugeteilten britischen «Ratgeber» und im Notfall steht er unter dem Schutz der von britischen Offizieren kommandierten Truppen. Es ist offenes Geheimnis, daß trotz des nationalistischen Bramarbasierens gegen die Juden so mancher Effendi in Transjordanien froh wäre, wenn ihm — wie seinen Stammesgenossen jenseits des Stromes — die verdammten Juden das überflüssige, für ihn schier wertlose Land teuer abkauten und ihn so sanieren würden. Noch vor paar Monaten erschien Mitchath Pascha, Haupt eines starken Beduinenstammes, in Jerusalem und drohte seinen Konnationalen, er werde, wenn sie ihm nicht per Kassa helfen, zu den Juden gehen. Auch Emir Abdallah ist einer dieser Großgrundbesitzer. Als Herrscher freilich muß er sich bei seinen Finanzierungswünschen doppelte Reserve auferlegen. In führenden zionistischen Kreisen blieb diese Stimmung der Effendis sicher kein Geheimnis. Wiederholt wurde die Möglichkeit erwogen, arabische Pächter und Bauern, welche durch die Ausdehnung der zionistischen Kolonisation in Westjordanien verdrängt würden, auf Flächen des Ostjordanlandes — mit jüdischer Hilfe — anzusiedeln; aber man hielt mit der Ausführung dieser Pläne stets zurück, aus begründeter Sorge, daß der gute Wille eines solchen Interessenausgleiches von den arabischen Hetzern noch als Teufelsplan ausgeschrien werde. Als aber die verschiedenen englischen Reporte von Shaw, Simpson und French sich — fälschlich! — «nachzuweisen» bemühten, daß es in ganz Westjordanien keinen Boden für die Entfaltung der jüdischen Kolonisation mehr gebe, weil er kaum für die bodenständigen Araber ausreiche, drängte sich der Schluß auf, die offenbar unausgenützten Riesenflächen Transjordaniens zur Lösung dieses Problems mit heranzuziehen. Und noch andere Umstände haben das Bild gewandelt. Die jüdische Kolonisation, welche sich zuvor mehr in der Küstenzone betätigt hatte, ist seither mehrfach bis unmittelbar an den Jordan vorgestoßsn; im Norden über den Emek bis zum Ruthenberg-Kraftwerk mit einem Kranz neuerblühter Dörfer ringsum, die sogar zum Teil — innerhalb der Mandatsgrenze — «jenseits» liegen und im Süden bis zum Toten Meer, wo — paar Kilometer von der Allenbybrücke östlich Jerichos — die Poiash-Ltd. hunderte Juden als Arbeiter beschäftigt. Auch wurde Transjordanien viel enger in das Verkehrsnetz des englischen Weltre'ches einbezogen und so zumal mit Palästina verknüpft. Automobile laufen tagaus, tagein zwischen Haifa und Jerusalem über Abdallahs Gebiet nach Bagdad und denselben Weg wird die schon trassierte Eisenbahnlinie nehmen. Die Luftschiffe der Imperial Airway fliegen hier nach Indien vorbei. Von Mossul herab Beh. konz. RealbUro IN6. M. MÜHLBAUER Kauf und 1., U. und Verkauf von Realitäten, Hypotheken III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, uebäudeverwaltung Büro: 2., Wohnung: Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 wird die Pipeline Petroleum nach Haifa leiten. Akaba am Roten Meer wurde von Hedjas erst zu Transjordanien und dann zu Palästina geschlagen — als künftiger Großhafen für Indienschiffe und als Endpunkt einer neuen Bahn von Palästina her. Diese leichte Verbindung und die gute Wirtschaftslage Palästinas lockt immer mehr Transjordanier dorthin zu Arbeit und Verdienst. All das muß allmählich auch den Arabern am Wiislenrand die Augen über den Wert friedlichen Zusammenwirkens mit uns Juden Öffnen. Ob das aber genügt, um die eingangs erwähnten Gerüchte voll glaubhaft zu machen? Noch g'ost der durch Jahre geschürte Haß der primitiven arabischen Bewohner Transjordaniens gegen die Juden. Wiederholt wurden letzterzeit harmlose jüdische Ausflügler (harmlos? Gewiß fühlte sich jeder von ihnen als Pionier) von den Eingeborenen, Muslims und Christen tätlich attackiert. Und noch drohen die Wahabitcn, als die Fahnenträger des unverfälschten Arabertuills und Vorkämpfer des Koran sich an die Spitze der Abwehr gegen die ungläubigen Eindringlinge zu stet en. Das Entscheidende Ist — für den Augenblick wen'gstens — nach obigem, wie sich England zur Frage einer jüdischen Besiedlung Transjordaniens stellt. Sich Englands Willen zu fügen, wäre Abdallah wohl gern geneigt. Ob aber England mit seiner vorsich- «gen, schrittweisen Politik für einen derartig überstürzten Plan zu haben ist? PKESSJESCHÜll Jha&iscfke Sressestimmen «Al Jamea el Arabia», das Organ des Mufti von Jerusalem, Haj Amin el Husselni, hält an der Richtigkeit der Mitteilung über ein Bodenpachtabkommen zwischen einer jüdischen Gesellschaft und Emir Abdullah fest und erklärt, dieses Abkommen sei eine «zweite Balfour-Deklaration». * Die palästinensisch-arabische Tageszeitung «El Islamia» erklärt, Mitkal Pascha sei gezwungen, einen Teil seines Bodens zu verkaufen, um seinen Stamm vor dem Verhungern zu retten, da jetzt in Trans Jordanien die wirtschaftlichen Verhältnisse katastrophal geworden sind. Die hebräische Arbeiter- Tageszeitung «Dawar» erfährt, daß Führer transjordanischer Stämme seit einiger Zeit Fühlung mit der Jewitsch Agency suchen und diese veranlassen wollen, Boden in Transjordanien zu kaufen und auf demselben Juden anzusiedeln. Dabei erklärten die arabischen Führer, sie sehen mit Neid auf Palästina, das infolge der jüdischen Aufbauarbeit aufgeblüht ist, während Transjordanien, das sich bis jetzt jüdischer Siedlung verschloß, wirtschaftlich versumpft; die jüdische Kolonisation in Transjordanien würde eine Rettung für das Land bedeuten. Diese arabische Führer bestürmen den Emir AbduHah fortwährend, die Idee der jüdischen Siedlung in Transjordanien autoritativ zu fördern. Indessen bemühen sich syrische und palästinensische Araberführer und von ihnen beeinflußten Zeitungen, den Emir Abdullah davon zu überzeugen, daß er im Interesse der arabischen Sache eine jüdische Siedlung in Transjo*’- danien nicht unterstützen dürfe. Die in Damaskus erscheinende Zeitung «Al Iyam» teilt als eine bereitsfeststehende Tatsache mit, daß der Emir mit einer jüdrehen Gesellschaft bereits ein Abkommen über die Pacht von 70.000 Dunam Boden in der Nähe von S h u n a, zwischen der Allenby-Brücke und Al Salt, getroffen hat. Es handelt sich also urh Boden, der direkt an Palästina- Territorium angrenzt. Laut «II lyam» erhält der Emir Abdullah von seinen jüdischen Pächtern für die Dauer VÖ« 99 Jahren einen jährlichen Pachtzins von 2000 Pfund. Die palästinensisch-arabische Presse wirft dem Emir vor, daß er durch sein Beispiel alle anderen Großgrundbesitzer Transjordaniens aneifert, ihren Boden für zionistische Siedlung zur Verfügung zu stellen, so daß die Juden, nachdem sie in Palästina festen Fuß gefaßt haben, nun auch Transjordanien zu erobern beginnen. «Falastin» appelliert in einem Leitartikel an den Emir Abdullah, «nicht vor dem zionistischen Gelde zu kapitulieren». Eine Versammlung der A-abischen Unabhängigen Partei in Jaffa nahm einen Beschluß an, vorbeugende Maßnahmen gegen die Verwirklichung der jüdischen Siedlungshoffnungen in Tranrjordanien zu ergreifen und, wenn nötig, bei hochstehenden Kreisen dagegen zu intervenieren. Wie de r J. T. A.-Vertreter erfäb-t,. machen . die Aktionen der arabischen Nationalisten Palästinas auf die Araber fa. Transjordanien wenig Eindruck, da man sich InTrensjordanien aus einer Bodenentwicklung darcb die Juden eine Linderung der dort herrschenden schweren Wirtschaft,s not verspricht. Am 19. Jänner hat h» Amman, der Hauptstadt Transjördartichs, eine Verrathrnhuig tre ns jordanischer Scheichs den Beschluß gefaßt, den Emir Abdullah in seinen Plänen, jüdische Arbeit in; Transjordanien zu sichern, zu unterstützen. Jüdische Presseaümmen Jerusalem, 23. Jänner. Die hebräische Presse Palästinas bezeichnet es heute zum erstenmal als eine feststehende Tatsache, daß von jüdischer Seite ein bindendes Abkommen mit dem Emir Abdullah von Transjordanien, betreffend Pacht von 70.000 Dunam Boden in Transjordanien für eine Dauer von 99 Jahren, getroffen worden ist. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird seitens der Jewish Agency in Palästina erklärt, daß diese Meldung der hebräischen Presse unrichtig sei; die Jewish Agency werde in diesen Tagen zu dieser ganzen Angelegenheit in einem Kommunique Stellung nehmen. New York, 22. Jänner. Die Mitteilungen über ein Abkommen zwischen einer jüdischen Gesellschaft und dem Emir Abdullah, betreffend eine Ansiedlung von Juden auf transjordanischem Boden, haben unter der jüdischen Bevölkerung überall in den Vereinigten Staaten und in Kanada starkes Interesse hervorgtrufen. Die New Yorker jiddische Tageszeitung «Der Tog» führt aus, die Araber müssen sich darüber klar sein, daß Palästina zu beiden Selten des Jordan der jüdischen Arbeit offen stehen müsse, damit es zu einem wirtschaftlich gut funktionierenden und sich aufwärts entwickelnden Organismus werde. Die jiddische Tageszeitung «Morning Journal» führt aus, es seien innerhalb der Jewish Agency genug reiche Juden vorhanden, die die Garantie für das Siedlungswerk in Transjordanien übernehmen könnten. Die Oeffnung Transjordaniens für jüdische Arbeit wird viele Schwierigkeiten, denen die Juden in Palästina jetzt gegenüberstehen, tiberwinden helfen. Die kanadische Tageszeitung «Jiddischer Adler» schreibt, durch die Ausdehnung der jüdischen Aufbauarbeit auf Transjordanien eröffnen sich dem Zionismus breitere Perspektiven. Die Zeitung spricht die Hoffnung aus, daß die jüdischen Führer, die sich jetzt in Transjordanien bietende Gelegenheit nicht ungenutzt werden vorübergehen lassen. Die Tageszeitung «Jiddische Welt» in Philadelphia erklärt, das Abkommen in Transjordanien eröffnet insbesondere der Ica neue Arbeitsmöglichkeiten. „Jewish Chronicle“ wirft der Irak* Regierung Intoleranz gegen Zionisten vor London. «Jewish Chrorlrle» teilt mit, daß die Irak-Regierung einen jüdischer Studenten aus Bagdad, der viele Prämien gewann und den sie darum mit einem Stipendium auf die Architekturabteilung der 1 ethnischen Hochschule von Liverpool sandte, ersucht hat, nach Bagdad zurückzukehren und die Stipendiumsumme zurückzuzahlen. Ein Grund für diese Forderung wurde nicht angegeben, aber man vermutet, daß der Student sich dadurch mißliebig machte, daß er Sympathien für das jüdische Palästina-Werk bekundete, «lev.ish Chronicle» erinnert die Irak- Regierung aaran, daß sie aem Völkerbund gegenüber Verpflichtungen bezüglich de* Rechte der Minderheiten einging; diese Rechte habe sie schon einmal verletzt, als sie sich weigerte, Briefe zionistischer Bureaus ans Jerucn’im Adressaten in Bagdad zustellen zu lassen und dies erst auf eine Intervention der britischen Behörden lrn getan hat. «Jewish Chronicle» hofft, daß die Irak-Regierung ihr. Vorgehen gegen den jüdischen Studenten einer Korrektur unterzieht, damit nicht wiederum die britische Regierung zu einer Intervention bemüht wird. Antizionismus im Irak Iraks «Selbständigkeit» wurde bekanntlich erst vor wenigen Monaten beschlossen; «The Jewish Chronicle» berichtet nun über einen Fall antizionistischer Betätigung der neuen Regierung von Irak. Ein jüdischer Student aus Bagdad erhielt von der Regierung des Irak ein Studienstipendium, um in Liverpool Architektur zu studieren. Er fuhr über Palästina nach Liverpool und immatrikulierte sich an der dortigen Universität. Nach einigen Tagen erhielt die Universität eine Verständigung der Gesandtschaft des Irak in London mit dem Ersuchen, die Immatrikulation rückgängig zu machen und dem Studenten wurde gleichzeitig mitgeteilt, daß ihm das St nendium entzogen worden sei. Gleichzeitig erhielt er den Auftrag, nach Bagdad zurückzukehren. Trotz der Ableugnungsversuche der Regierung stellte es sich heraus, daß der Grund der Maßregelung darin bestand, daß der Student aus Palästina einen Brief nach Haus« geschrieben hatte, in welchem er seine Sympathie für das Aufbauwerk in Palästina bekundet hatte. Stiftet Bäume und Gärten für den »Hdoff Böhm- Hain« — ergänzet so den »Chat es-Wald«!

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