Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 264 (26.1.1933)
- Date
- 1933-01-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN ONiamidi monatlich S I 50, vier*- jihrl. S 4 JO, R" / |lhrl. . .. S l( - T fautachlH jihrl.... KM V- T« ch c ho altm a h«i vinialj. . Kc 24 - lu(oaii«i*n vattol jährl. . rbn 40 - Po en vtanoiilhf lieh . . Zloty 0 50 Ungarn vieii«!jähr lieh . . J’ango 4 20 Rumänien viertel jihrl. . . I e- 120 — I fahrige« Aut»'and vterieljlhrl. Sch«. Franken 4 50 Preis 35* Erteilt tat i«(CB Donnerstag BmiaWioa und AdminittuaHon Wien, i-, Kirntner atrafie 2S Tel R27 4&5 Postsparksnnen kotitt: Oesterr. 13 113 540 l’oan. .191199 lechevho* Slowakei . 500.230 Jugoalawien 40*N79 3 üdisdke Zeitung mm 9. lahrgang Wien, Donnerstag, 26 Jänner 1933 (28. Tebeth 5693) Nummer 264 jüdisches Siedhnugsland in Transiordanien? Eine jüdische Siedlungsgesellschaft soll von Emir Abdullah 50.000 Dunam Boden für die Dauer von 99 Jahren gepachtet haben Die arabische Presse Palästinas teilt als eine bereits feststehende Tatsache mit, daß eine jüdische Gesellschaft in Palästina mit dem Emir Abdullah von Transjordanien einen Pachtvertrag abgeschlossen hat, laut dem der Emir aus den ln seinem persönlichen Besitz befindlichen Domänen 50.000 Dunäni Boden für eine Dauer von 09 Jahren der Gesellschaft in Pacht übergibt. Den gleichen Quellen zufolge hätten einflußreiche arabl- Wie «The Jewish Chronicle» aus Jerusalem meldet, soll sich eine Gruppe prominenter amerikanischer und englischer Juden gebildet haben, mit dem Ziele, das Kapital für die Ansiedlung von 17.000 jüdischen Familien aufzubringen. Das Land, das für die Verpachtung in Betracht kommt, ist Privateigentum des E tn i r A b d u 1- 1a h und Emir Abdullah sichert den zukünftigen Ansiedlern seine weitestgehende Protektion zu. Der Pachtzins wird nur 2000 Pfund jährlich ausmachen. Emir Abdullah will auch den Grundzehent nicht einheben. Dadurch wird jedenfalls die jüdische Siedlung großen Umfang annehmen und das scheint dem Emir wichtiger zu sein als irgendein Steuereinkommen. Es ist klar, daß die Siedlung in Transjordanien die wichtigste Erscheinung im Aufbauwerk der Nachkriegszeit ist Wie arabische Zeitungen behaupten, ist in dem Entwurf des Abkommens zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und einer jüdischen Gesellschaft, betreffend Pacht yon 70.000 Dunam Boden am Ostufer des Jordan, vorgesehen, daß etwa 3000 Juden auf dem gepachteten Boden Beschäftigung finden; ein zionistischer Führer aus Amerika wird die Kolonisationsarbeit in Transjordanien leiten. i Die Leitung der extremistischen arabischen Partei dstiqulal» (Unabhängige) hat nach einer sechsstündigen, stürmisch verlaufenen Sitzung beschlossen, den Emir Abdullah durch eine Abordnung ersuchen zu lassen, einen Verkauf von Boden in Transjordanien an die Juden nicht zuzulassen, da dies den größten Schlag für die Araber Palästinas bedeuten würde. Aus verschiedenen Teilen Palästinas werden an den Emir Abdullah telegraphische Ersuchen gerichtet, es nicht zuzulassen, daß Juden in Transjordanien Fuß fassen. * Die Mitglieder der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Emanuel Neuman und H. Farbstein, werden mit den Bodenplänen in Transjordanien in Verbindung gebracht, wobei darauf hingewiesen wird, daß Neuman und Farbstein in der letzten Zeit den Emir Abdullah bei verschiedenen Anlässen besucht haben. Sowohl Neuman wie Farbstein lehnen es aber ab, im gegenwärtigen Zeitpunkt irgendeine Erklärung betreffend Bodenpacht¬ oder -kaufpläne abzugeben. Im Zusammenhang mit diesen sensationellen Nachrichten erinnern wir daran, daß Professor Weizmann Im Vorjahre die transjordanische Frage gelegentlich seiner Südafrika-Reise angeschnitten hat und damals auifüiut«; sehe Führer Transjordaniens Telegramme an das Kolonialamt in London gesandt, in denen sie die Oeffnung der Tore Transjordaniens für jüdische Einwanderung und die Freigabe des Bodenkaufes fordern. Die Zeitungen berichten weiter, daß die Arabische Nationale Partei Palästinas eine Kundgebung nach Jerusalem «zur Abwehr dieser neuen zionistischen Gefahr» einberufen hat. «Palästina ist ein kleines Land, aber als die Politik des Jüdischen Nationalheims erdacht und angenommen wurde, stellten Palästina u nd Trans jordanien eine untrennbare Einheit dar. Wären sie es auch heute noch, es gäbe hinsichtlich der Kleinheit des Landes keine Schwierigkeiten. Transjordanien ist beinahe unbewohnt, dennoch wird dieses natürliche Hinterland Palästinas dem Zugang der Juden durch künstliche Grenzen und Mittel versperrt. Transjordanien wurde von Palästina losgetrennt, aus Gründen, die nichts mit der zionistischen Politik zu tun haben. Wir beanspruchen nach wie vor das Recht, nachTransjordanien zu gehen und das Land in Zusammenarbeit mit seiner Bevölkerung zu entwickeln.» m Es werden sicher auch Stimmen laut werden, die sich dagegen aussprechen, daß es sich nur um Pachtung und nicht um Bodenverkauf handelt. So gewichtig auch diese Stimmen sein mUssen, muß man doch sagen, daß durch die bevorstehende Transaktion endlich die Tore Tranjordaniens geöff net wurden und daß die jüdische Ansiedlung in Transjordanien mit Rücksicht auf die Größe des Landes, den fruchtbaren Boden und die geringfügige Bevölkerungsdichte große Massen von Einwanderern aufnehmen kann. Außerdem kann gehofft werden, daß durch die großen Bodenflächen, die nun zur Verfügung stehen werden, die Bodenpreise in Palästina eine Senkung erfahren werden. Sturm der arabischest Nationalisten gegen Emir Abdullah Jerusalem. Die arabische Presse teilt mit, daß die arabischen Nationalsozialisten den Emir Abdullah von Transjordanien bestürmen, den mit einer jüdischen Gesellschaft bereits abgeschlossenen Pachtvertrag, betreffend 702100 Dunam Boden, rückgängig zu machen. Eine arabische Bank — den Namen verschweigt die arabische Presse — habe dem Emir ein Kaufangebot, betreffend diese Böden, auf dem sie Araber ansiedeln will, gemacht. Wie die J. T. A. erfährt, planen die palästinensischen Nationalisten folgendes; 1. König Feisal vom Irak zu bitten, bei seinem Bruder Abdullah dahin zu intervenieren, daß er den Pachtvertrag mit der jüdischen Gesellschaft rückgängig macht; 2. eine starke All-Mostem-Front in Palästina, Syrien, Irak und Transjordanien zu bilden, die den Emir Abdullah zur Aufgabe seiner Pläne bezüglich einer Zulassung jüdischer Arbeit in Transjordanien zwingen soll; 3. eine Abordnung arabischer Anwälte nach Amman zu entsenden, die die Möglichkeit einer Annullierung des Vertrages aus juristischen Gründen prüfen Transiordanien - Jüdisches Kolonisation*- gebiet? Von Dr. E* M. Zweig (Jerusalem) Die Nachrichten über Transjordanien werden in weiten jüdischen Kreisen Aufsehen und hoffnungsvolle Erwartung auslösen. Daß vollends die Jewish Agency in Palästina es ablehnt, zu diesen Gerüchten — sei es mit ja oder Nein — Steilung zu nehmen, deutet darauf hin, daß die Gerüchte irgendeinen wahren Kern haben. Gerade bei dem Temperament der Juden, das sie verleitet, zwischen höchstem Entzücken und tiefster Verzweiflung zu schwanken, scheint es nun am Platz, durch nüchterne Erwägung der Tatsachen schädlicher Enttäuschung vorzubeugen. Transjordanien war, wenn man nicht in die Bibeizeit zurückgreift, als dort neben den israelitischen Stämmen üad, Rüben und Halb-Manasse die verwandten Völkiein Moab und Ainmon hausten, stets ein integrierender Bestandteil Gesamtpalästinas, dessen Schwergewicht freilich im Westjordanland mit seiner Meeresküste, seiner Straße von Aegypten nach Syrien und der Hauptstadt Jerusalem lag. Die Türken schlugen Palästina, westlich und östlich des Stroms, zum Wilajet Suria, während Jerusalem und Umgebung ein Stambul unterstelltes Mutessariflik bildete. Nach dem Sieg der Entente im Weltkrieg kamen •—> in Form von Mandaten — Syrien unter französische und Gesamtpaiästina unter britische Herrschaft. Doch hatte sich England schon im Mandatsvertrag Vorbehalten, gewisse Landesteile von den Mandatsbestimmungen auszunehmen und schon unter dem ersten High Commissioner H. Samuel wurde Transjordanien sondergestellt; hier hatten daher vor allem die Normen für Errichtung des Jüdischen Nationalheims keine Anwendung zu finden. Zwar protestierte die Zionistische Exekutive, mußte sich aber fügen, ln Amman, der neukreierten Residenz Transjordaniens, wurde Abdallah, ein Sohn jenes Hussein von Hedjas, welcher im Weltkrieg als Rebell gegen den Türkensultan auf Englands Seite gekämpft hatte, zum Emir eingesetzt. England verfolgte hiebei mehrere Ziele zugleich. Es wollte der Dynastie der Husseins Gnade erweisen, dem arabischen Selbstgefühl schmeicheln und gegen die wachsende Macht des Wahabitenreiches umer dem begabten und ehrgeizigen Ibn Saud ein»n Schutzwall aulrichten. Auch spielte wohl der Wunsch mit, die Zionisten in ihren hochtbegend;:n P.änen zu ernüchtern. Es war nur logisch, daß die Briten mithalfen, Transjordanien uns Juden auf jede Weise zu versperren. Trotz der bis vor den Völkerbund getragenen Beschwerden der Zionistischen Exekutive wude in das trausjurdanische ürenzschutzkorps, welches aus ganz Palästina rekrutiert wird und zu dessen Erhaltung aus den Steuern der Palästinenser, nicht zuletzt der Juden, alljährlich große Summen aufgewendet werden (so 1930 nicht weniger als 209.212 Pfund) nur eine Handvoll Juden — als Nichtkombattanten aufgenonunen und selbst jüdischen Touristen die Ueberschreitung des Jordans verwehrt. Emir Abdallah hat sich persönlich nie stark gegen die Juden exponiert. Er scheint ein gutartiger« doch wenig energischer Mann zu sein« der froh ist« in« Jlicht 3000 sondern 17.000 jüdische Familien t