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Die Stimme · 1933-01-19 · Heft 263 (19.1.1933) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 263 (19.1.1933)
Date
1933-01-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Wt. ass — 19. Jlmter 193S Tagung dev Anglo-Jewish* Association Sie Leonard L. Cohen, Präsident der Jewish Cölonisation Association (JCA), hielt auf der Tagung' der Anglo-Jewish Association am 8. Jänner eine Ansprache, in der er eine verstärkte Aktivität der JCa auf dem Gebiete der Kolonisation in Palästina an-, kündigte. Die Ansprache machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Die Lage unserer wenigen Kolonien in Palästina, die die PICA für uns verwaltet, sagte Sir Leonard L. Cohen, ist im großen Granzen eine gute. Im Verlauf der letzten Jahre trat man öfters an uns mit dem Ansuchen heran, an Palästina ein aktiveres Interesse zu nehmen als bisher. Da aber Argentinien und andere Länder alle uns zur Verfügung stehenden Hilfsquellen in Anspruch nahmen, und wir jüdische Kolonisten auf bereits erworbenem Boden ansiedeln mußten, konnten wir neue Arbeitsgebiete nicht in Erwägung ziehen. Dazu traten Erwägungen allgemeinen Charakters, die es uns als unerwünscht erscheinen ließen, eine neue Richtung von einer in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht riskanten Natur in Angriff zu nehmen. Die Verhältnisse haben sich aber in den letzten Jahren geändert, dies führte uns zur Erwägung, ob wir nicht eine sich bietende günstige Gelegenheit ergreifen, sollten, um in begrenztem Umfange an der Kolonisationsarbeit in Palästina teilzunehmen. Es versteht sich von selbst, daß wir eine solche Initiative nicht anders denn als eine reine Kolonisationsgesellschaft ergreifen und sie nach den JCA-Richtlinien auf Grund einer 40jährigen Erfahrung durchführen. Die JCA hat sich entschlossen, innerhalb der ihr gesteckten Grenzen diesen Start zu machen. Ich kann in diesem Augenblick noch keine definitiven Mitteilungen machen, ich will heute nur meine persönliche Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß alle auf diesem Felde eventuell sich ergebenden Schwierigkeiten in einem Geist gegenseitigen Verstehens werden behandelt werden. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun, um die Angelegenheit zu einAn befriedigenden Abschluß zu bringen. Hier unterbrach Elkan N. Adler den Redner und sagte, die Ausführungen Cohens seien geeignet, tiefstes Interesse hervorzurufen. Vor vielen Jahren, noch «in. Viktorianischer Zeit», als Baron Hirsch seine kolonisatorische Tätigkeit in Argentinien begann — # ' Bas neue Präsidium der englischen 5- * zionistischen Föderation # London. Nachdem t3r. Chalm W'e i zm a h n zum # Präsidenten der Englischen Zionistischen Föderation wiedergewählt worden war, wählte die 33. Jahreskonferenz der Föderation ihren einstigen Präsidenten Dr. M. D. Eder zum Ehrenvizepräsidenten und das Unterhausmitglied B. Jänner, Simon Marks, Israel Sieff, Leonhard Stein, Dr. Selig Brodetsky, N. I. Adler, Professor Namier und Sir Montague Burton zu Vizepräsidenten der Föderation. Berl Locker hielt vor Schluß der Konferenz eine* Rede, ln der er ausführte, Palästina könne heute weitere Hunderttausende und in Zukunft gar Millionen Juden absorbieren. 1912 gab es in den jüdischen Kolonien 600 Arbeiter, 1922 1800, heute sind allein in den privatwirtschaftlichen Kolonien mehr als 10.000 jüdische Arbeiter beschäftigt. Locker kam auch auf die Haltung der Revisionisten zu sprechen und sagte: Keinem fällt es ein, die Revisionisten aus der zionistischen Bewegung | austrelben zu wollen, aber man müsse von jedem ein 1 Minimum von Loyalität erwarten. Hier geht es nicht um politische Meinungen. In der Zionistischen Organisa- ‘ tion herrscht weiteste Redefreiheit, das mindeste aber, was man von einem Zionisten erwarten darf, Ist Loyalität und Disziplin. Aktion für den ersten hebräischen Weltkongreß Warschau. In Warschau fand unter dem Vorsitze von Dr. K1 u m e 1 eine große Kundgebung der Hebraisten stat, die als Auftakt zu der in Polen vor sich gehenden Aktion für den bevorstehenden hebräischen Weltkongreß gedacht war. Prof. D r. Selig B r od e t s k y, Mitglied der zionistischen Exekutive, war der Hauptredner des Abends. Er forderte vom Zionistenkongreß mehr Aufmerksamkeit für das hebräische Kulturwerk find sagte, nicht allein in Palästina, sondern auch in den Ländern der Golah haben die hebräische Kultur und Sprache eine Zukunft. Wolle man den jüdischen Volkskörper erhalten, so müsse man für die Max Kreppe! Seiden waren U7ien, I., Bauernmarkt 22 En groe En detail Tel ü 22-2*71 sagte Adler ~~ stellte ich an den Baron die Frage: «Warum Argentinien, warum nicht Palästina?» Baron Hirsch erwiderte: «Ich würde lieber in Palästina kolonisieren, aber ich fürchte Rußland; Rußland wird seine Hand nach Palästina ausstrecken.» Endlich, nach so vielen Jahren, schloß Adler, findet die JCA ein Feld für weitere Kolonisationsarbeit in Palästina. Zum Schluß führte noch Sir Leonard L. Cohen aus: Ungeachtet der Lage der Weltwirtschaft, haben unsere Kolonien in Amerika, Argentinien und Brasilien eine beträchtliche Widerstandskraft gezeigt, ihre Existertz ist in keiner Weise gefährdet. In den argentinischen Kolonien leben 5382 jüdische Bauernfamilien — ein beredtes Zeugnis für die Solidität unserer Arbeitsbasis. Kritiker, die behaupten, daß die JCA ihr Interesse allzusehr auf Ueberseeländer konzentriert und die Bedürfnisse Osteuropas ignoriert, ermessen .nicht, was wir in Polen, Rumänien, Bessarabien und der Bukowina geleistet haben. Wenn wir in Polen und Rumänien nicht durch Gesetze behindert werden, so werden in den nächsten Jahren schlagende Beweise des Fortschritts moderner landwirtschaftlicher Methoden ein Ergebnis unserer Anstrengungen sein. Gemeinsam mit unseren amerikanischen Freunden (Joint Distribution Committee) führen wir in Osteuropa eine genossenschaftliche Banktätigkeit durch; 750 Institutionen zeugen für die Vitalität des Kooperativsystems. Wir haben unseren Boden in Argentinien vermehrt, nachdem wir in Entre Rios eine günstige Gelegenheit zum Erwerb von Boden ausnützen konnten. Wir haben damit die Zukunft unserer Arbeit in Argentinien sichergestellt. M. U. DR. F. PODHORCER SPEZiAlARZT FÜR INNERE ERKRANKUNGEN ORDINIERT JETZT IX. ALSERBACHSTR. NR. 33 7,3 BIS 7*5 UHR NACHMITTAGS. TEL A10591 Erhaltung des jüdischen Geistesgutes Sorge tragen. Brodetsky sprach über die Bedeutung des von der Brit . Iwrit Olamit proklamierten hebräischen Weltkongresses, der sich mit der Lösung der lebenswichtigen Fragen der hebräischen Kulturtätigkeit befassen 'und nach innen wie nach außen die Kraft der das Volk zusammenhaltenden hebräischen Sprache dokumentieren soll. Nach Brodetsky sprach Rabbiner Professor Schorr über die Bedeutung der Wiederbelebung von hebräischer Sprache und Kultur für den Aufbau des jüdischen Lebens ln Palästina und In der Diaspora und forderte zur Stützung des von der Brit Iwrit Olamit ins Leben gerufenen Keren Tarbut (hebräischer Kulturfonds) auf. Die Erschießung der fünf Jüdischen Jugendlichen bei Soroca bleibt ungesühnt Bukarest. Anläßlich des Jahrestages der Erschießung von fünf jüdischen Jugendlichen, die von der Grenzgcndarmerie nach einem vorbedachten Plan in eine Falle am Dnjestrufer bei Soroca gelockt worden waren, veröffentlicht die Klschineffer Tageszeitung «Unser Zeit» einen Artikel von M. Lewanda (Abg. Michael Landau), in dem festgestellt wird, daß der ehemalige Premierminister Jorga entgegen seinem Versprechen nichts unternommen hatte, um (he Schuldigen der Bestrafung zuzuführen. Es wurde dagegen eine Hetzkampagne gegen diejenigen, die den Fall aufgedeckt hatten, geführt, man veranstaltete Straßenkundgebungen und stellte die im Parlament erhobene Forderung nach Gerechtigkeit und Sühne als Angriff auf die Ehre der rumänischen Armee hin. Der Verfasser richtet daher an den Ministerpräsidenten Juliiu Man in den Appell, den Fall nochmals zu untersuchen und die Bestrafung der Schuldigen zu veranlassen. Am Schlüsse des Artikels wird die Behauptung aufgestellt, in den offiziellen Untersuchungsakten, deren Vorlage an das Parlament verfassungswidrig verweigert wurde, sei der letzte Beweis dafür, daß die Opfer bei Soroca durch die noch heute unbestraft im Amt befindlichen Beschuldigten in ein Netz gelockt wurden, enthalten, Dep. Landau kündigt die Veröffentlichung neuen Beweismaterials zum Falle Soroca an. Die Krise in der jüdischen Deutelnde Bukarest Dr. Flldermanns Demission einstimmig abgelehnt Die Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Bukarest hat in Ihrer letzten Sitzung einstimmig beschlossen, die vor kurzem vom Präsidenten der Gemeinde und des altrumänischen Gemeindebundes Dr. W. Fildermann gegebene Demission nicht anzunehmen. An Dr. FUdermann, der gegenwärtig nicht in Bukarest weilt, wurde ein Schreiben gerichtet, ln dem er dringend gebeten wird, im Hinblick auf die schwierige Lage der Gemeinde, die gerade ln diesem Augenblick seine Erfahrung und organisatorische Fähigkeit nicht entbehren könne, seine Demission zurückiuzlehen. In memoFiim Dp. Adolf Fpiedemann Priedem&nfl war ein Vorbild in unserer Bewegung, de» er von ihrem Anbeginn diente, diente mit dem Idealismus, der Ueberzeugungstreue und dem Elan, die nur ihm, diesem vornehmen Menschen eigen waren. Aus einer sehr wohlhabenden, hochkuttivierten Familie des Berliner Westens stammend, hat er kn Gegensatz zu vielen seiner Gesellschaftskreise frühzeitig dien Weg der seelischen Heimkehr zu seiner Gemeinschaft gefunden. Bereits 1893 war er aus eigenem Antrieb Natfonaljude geworden. Es war daher nur eine Folge seiner Denkungsart, daß er 1895 einer der Begründer des «Vereines jüdischer Studenten» wurde, der ersten Zelle des Kartells jüdischer Studentenverbindungen Deutschlands. Gleich von Anbeginn schloß er sich naturgemäß Theodor Herz! an, dessen besonderer Wertschätzung und Würdigung er sich zu erfreuen hatte. Er war der sogenannte Liebling unseres großen Meisters, dessen erster Biograph er auch wurde (1914), wie er auch das Lebensbild David Wolfsohns zeichnete. Aber nicht nur diese Biographie verdanken wir ihm, sondern auch das schöne Palästinabuch, das er gemeinsam mit dem großen Radierer Hermann Stuck im Jahre 1908 schrieb, diese glänzende Agitationsbroschüre «Was soll der Zionismus» und viele andere Propagandaschriften, in denen er sich als ein Meister des Stils zeigte. Nicht zu vergessen das zionistische «Abc-Buch», das er geschaffen. Es war daher kein Wunder, daß er, dieser rraohtjude, seine Verdienste voJS und ganz gewürdigt sah. Er wurde nicht nur vom Meister in viele Dinge, die heikler Natur waren, eingewerht und von ihm mit besonderem Vertrauen geehrt — so nahm er in dessen Auftrag 1902 an der El-Arisch-Expediition teil — sondern er wurde auch durch achtzehn voüe Jahre von dien Kongressen — bis 1920 — ins große Aktionskomitee entsendet. Als ich ihn im Frühherbst 1897 kennenlemte, hatte ich sofort die Empfindung, einem der besten und edelsten Juden begegnet zu sein. Er, der preußische Assessor mit den Schmissen im Gesicht, der energischen Redeweise — er war ein ausgezeichneter, überaus sachlicher Redner, dom es an begeisterndem Fluidum zur Hörerschaft trotz der strengen logischen Nüchternheit nicht mangelte, von Haus aus sehr reich begütert, mit seltenen Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet, kannte nur ein Ideal, das Ideal der Höherentwicklung unserer Gemeinschaft und ihrer Konsolidierung auf eigener Scholle. Deswegen hat er sich nie in den Schmollwinkel gestellt, wenn ihm später auch manches in der Bewegung nicht paßte, sondern blieb immer der entflammte Arbeiter am Volksdienst. Es war daher nur eine Konsequenz seines Charakters, daß er, als er nicht mehr dem Aktionskomitee angehörte, sich und seine besonders wertvolle Arbeitskraft in den Dienst des Keren Hajessod stellte und für ihn besonders Großes leistete. Es hieße seine letzten Lebensjahre eingehend schildern, wollte man beschreiben, was er für unseren Aufbaiufomis m Belgien, Italien, Transsylvanien, Ungarn und besonders in Holland, wo er zuletzt lebte, leistete. Sehr zustatten kam ihm dabei, daß er seit Kriegsende in diplomatischen Diensten Deutschlands stand, weiche Stellung er sich durch seine hervorragende Tätigkeit beim Generalgouvernement Warschau während der Besetzung Polens erworben hatte. Unvergessen müssen diesem Edelmenschen die Taten werden, die er im Kriege und als Dezernent in Warschau für unsere polnischen Glaubensgenossen gesetzt hat. So oift ich ihn sah — 1913 und 1925 — bei den Wiener Kongressen oder sonstwo, und besonders 1927, vergaß er nie, mich an die Zeit unserer ersten Kämpfe in Berlin zu erinnern und unserer alten Weggenossen zu gedenken. Schlicht, einfach, nie präpotent, war er in all und jeder seiner Lebensäußerung. Unvergeßlich wird mir der 2. November 1927 bleiben, der Tag, an dem ich Friedemann zum letztenmal sah. Es war im großen Konzerthaussaal. Vor Beginn der Feierlichkeit anläßlich der Zehnjahrfeier der Balfour-Deklaration erblickte ioh in den vorderen Reihen Friedemann, den niemand im Saal und der niemanden kannte. Er war, gerade aus Italien mit seiner Familie kommend, auf der Heimreise über Wien. Nach Schluß der Festversammlung konnte er hiebt genug Worte des Lobes und der Bewunderung über Chajes’ Rede, dessen großen politischen Verstand er, der Diplomat, hervorhob, finden. Er hätte Chajes noch nie ein großes Referat halten hören, nur gelegentlich auf Kongressen gesehen und gehört. Es war leider auch die letzte große Rede — wenn ich nicht irre — unseres verewigten Meisters. Als ich dann, seiner Einladung Folge leistend, mit ihm allein, bis in die späte Nacht hinein, Jugenderinnerungen austauschte, und er mir von seinen Erlebnissen auf seinen weiten Reisen, die er für den Keren Hajessod machte, erzählte, so stand vor mir ein gut Stück zionistischer Geschichte auf. Als ich mich von ihm verabschiedete und in der nebligen Novembernacht heimging, hätte ich es nicht geglaubt, daß ich ihn, diesen prachtvollen und prächtigen Menschen, nicht mehr werde sehen können. Er, der vielfache Friedensmillionär, dem die Inflation alles genommen hatte, hatte nur eine Sorge, die ihm schwer am Herzen lag, die Sorge um die Zukunft seiner Gattin, der hervorragenden Oynäkologin, einer Enkelin Samson Rafael Hirsch', und seines Töchterchans. Als hätte ihn eine dunkle Ahnung beschlichen, sprach er mit mir besonders wehmutsvoll über die Zukunft seiner Nächsten. Alfred May. Das Protokoll der Genfer Jüdischen Weltkonferenz ist in deutscher Sprache kürzlich erschienen. Es ist 175 Seiten stark und gibt die Referate und Diskussionen der Genfer Konferenz sowie alle gefaßten Beschlüsse und Resolutionen genau wieder. Das Protokoll ist vom Zentralbureau des Exekutivkomitees zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses in Berlin herausgegeben und von dort zum Preise von RM 1.80 pro Exemplar zu beziehen. Beh. konz. Realbüro ING. N. Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwältung Büro: Leopoldlgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenttr* 160, Tel. R-41-8-88 D^7D

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