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Die Stimme · 1933-01-19 · Heft 263 (19.1.1933) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 263 (19.1.1933)
Date
1933-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 DTE STIMME Nr. 283 — 19. Jänner 1933 Yaluta-JnquisUion in (Rußland Ein erschütternder (Rericht der Ziontaten Sozialisten Jerusalem. Die Auslandsdelegation der Partei der ZioUisten-Sozialisten Rußlands veröffentlicht eine Mitteilung Über Erneuerung der sogenannten Valuta-Inquisition in den Städten und Dörfern der Sowjetunion. Es wird u. a. der Bericht eines russischen Juden veröffentlicht, der von der Delegation als eine in jeder Beziehung zuverlässige Persönlichkeit bezeichnet wird. Diese Persönlichkeit gibt die folgende Schilderung eines selbsterlebten viernionatigen. Martyriums: «Eines Nachts wurde ich durch Pochen an meiner Türe geweckt. Da ich mir nie etwas Ungesetzliches habe zuschulden kommen lassen, fühlte ich mich völlig sicher und nahm an, daß das Klopfen von einem Nachbarn herrühre. Als ich öffnete, sah ich mich Polizisten gegenüber, die mir befahlen, ihnen zu folgen. Ich wurde zur Polizeiwache gebracht, wo sich bereits mehere unter ähnlichen Umständen Verhaftete befanden. Wir wurden ins Gefängnis gebracht, mehr als 50 von uns wurden ln eine einzige Zelle hineingepfercht. Ein Beamter der G. P. U. „verwarnte” mich und sagte mir, die G. P. U. wisse alles über mich, insbesondere, daß ich ausländische Noten gekauft habe. Ich solle sofort das Geld aushändigen, sonst würde ich das Gefängnis nicht iebend verlassen. Sollte ich die ausländischen Noten wieder verkauft haben, so solle ich den Käufer nennen, um mich und meine Familie zu retten. Wer von den Gefangenen der G. P. U. das Versprechen gab, seinen ganzen Besitz der G. P. U. zu übergeben, wurde vor den Staatsanwalt gebracht, der seine Freilassung verfügte. Alle anderen blieben im Gefängnis. Die Zelle, in der wir zusammengepfercht saßen, hatte weder Tische noch Stühle. Die Gefangenen hockten auf dem Boden, immer einer zwischen den Beinen seines Hintermannes eingeklemmt. Wurde ein neuer Häftling in den Raum gebracht, wo kein Platz mehr war, so wurde er von dem Aufsichtsbeamten und seinen Gehilfen wie ein Ball hin und her geschleudert, bis er bewußtlos, oft mit Knochenbrüchen, liegen blieb. In der Zelle gab es weder eine Beleuchtungsnoch eine Heizanlage. Oft ertönte mitten in der Nacht die Stimme eines Beamten, der dauernd die Worte wiederholte: „Wenn Ihr euch weigert, der G. P. U. euer Gold auszuliefern, werdet Ihr diesen Ort nicht lebend verlassen t” Nicht selten trat der Staatsanwalt selbst in die Zelle und richtete an die Gefangenen die gleichen Worte. Diese Häftlinge waren nicht etwa nur frühere Kaufleute, sondern auch Mediziner, Ingenieure, Angestellte öffentlicher Institutionen usw., einige waren Arbeiter. Sämtliche Verhöre wurden nachts geführt, die Gefangenen wurden so lange einem Kreuzverhör unterzogen, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Verharrte ein Gefangener in Schweigen, so befahl der Staatsanwalt, daß ihm 50 Haare ausgerissen werden, zuweilen wurden zwei Gefangene Gesicht zu Gesicht aneinandergebunden, wodann ihnen befohlen wurde, auf einander zu spucken. Im Sommer wurden die Häftlinge, jeder in zwei schwere Mäntel gesteckt, dazu in zwei dicke Pferdedecken eingewickelt und gezwungen, in dieser Vermummung mit einem Besen in der Hand, oft 36 Stunden hintereinander, stramm zu stehen. Im Winter wurde diese Prozedur wiederholt, aber dann mußten die Gefangenen in dünnen Unterkleidern in einem ungeheizten Raum, dessen Fenster zerbrochen waren und kalte Luft einließen, stramm stehen. Zuweilen wurden 100 Gefangene ln einen Raum gesteckt, der kaum 40 Personen fassen kann, so daß man Kopf an Kopf zusammengedrängt stand. Im Sommer herrschte eine unerträgliche Hitze, die Häftlinge schrien fortwährend nach Luft, mehrere von ihnen wur¬ ■— — tin mann - ich offeriere folgende Palüsiina-Pvoduteie: Ja'fa-Urar.gen pro kg S 1.10 Jaffa-Grape Fruit pro Stück von S - 40 aufwärts Schemen-Olivenöl pro kg S 3.P0, */j kg S 2.— Schemen-Toiletteseife (6 Sorten) pro StUck von S —55 aufwärts Chedera-Honig (in Becher) pro % kg S L—. */2 kg (In Glas) S 2 20 Karmel-Weine (fl Sorten) 1 Flasche von S 2 80 aufwärts Franko Haus gegen Kassa hei Uebernahrne SAMUEL HALFERN, WIEN. H„ FORSTERÜASSE 6 Telephon A 40-4-12 den ohnmächtig. Infolge dieser Behandlung sind viele der Häftlinge irrsinnig geworden. Am 29. Tage meiner Haft wurde ich zum erstenmal aus der Zelle gebracht. Ich und die mit mir ins Freie traten, wurden von dem ungewohnten Licht so geblendet, daß wir hinfielen. Man ließ uns mehrere Stunden liegen, dann brachte man uns in die Zelle zurück. Kurz darauf erschien der Staatsawnalt und wiederholte seine Forderung, ihm die in unserem Besitz befindlichen ausländischen Noten auszuhändigen. Nach sechsmonatiger Haft wurde ich freigelassen, da sich die G. P. U. davon überzeugt hatte, daß ich wirklich keine Valuta besitze. Bevor Ich aber endgültig aus der Haft entlassen wurde, wurde ich gezwungen, zu meinen früheren Zellengenossen zu treten und ihnen zu sagen, daß ich der Aufforümer dem Titel «Under the Lictör’s Emblems» (Unter den faschistischen Emblemen) schreibt Geoffry Popham in «Near East and India»: «Es ist klar, daß Italien sein Augenmerk auf Palästina richtet, das ihm Expansionsmöglichkeiten in anderer Richtung ermöglicht Das Konkordat zwischen Staat und Kirche in Italien hat große Bedeutung. Die Kirche hat in Malta und besonders in Spanien Niederlagen erlitten. Seit dein Weltkriege macht die römisch-katholische Kirche in Palästina große Anstrengungen und Italien nimmt heute int Nahen Osten jene Stellung ein, die Deutschland beim Ausbruch des Weltkrieges hatte. Die Proteste der römisch-katholischen Kirche gegen den beabsichtigten Besuch des Erzbtechofes von Canterbury hatten politischen Charakter und sollten der Bevölkerung im Nahen Osten die Stärke der römischen Kirche vor Augen führen. Im Nahen Osten sind Religion und Politik untrennbare Begriffe und die Bevölkerung verstand, daß es sich um ein Messen der Kräfte zwisehen der römischen und englischen Kirche und damit auch der englischen Regierung als der Mandatarmacht handelte. Wäre nun der Erzbischof aus Gesundheitsgründen gezwungen gewesen, den Lord hLury Melchett befindet sich gegenwärtig auf einer Tournee durch alle europäischen Zentren, wo sich Makkabi-Sportklubs befinden, da er Ehrenpräsident des Makkabi-Wel tverbandes ist. Der im 35. Lebensjahr stehende Lord Henry Melchett ist der Sohn des im Jahre 1930 verstorbenen Lords Alfred Melchett (Sir Alfred Mond). Er ist eine führende Persönlichkeit in der britischen Industrie und Politik. Er ist bekanntlich Direktor der Imperial Chemical Industries Ltd. und der größten Privatbank Englands, der Barclays Bank, usw. Er hat seinen Anschauungen über die aktuellen Wirtschaftsprobleme in den Büchern «Why th« Crisis» und «Modern Money» Ausdruck gegeben. Lord Melchet ist ein begeisterter Anhänger des Sports, Musikenthusiast und ein feinsinniger Kunstsammler. Schon Lord Alfred Melchett, der Vater Henry Melcbetts, spielte in der zionistischen Bewegung eine hervorragende Rolle. Eine der schönsten Kolonien in Palästina führt rlen Namen «Tel Mond». Das Interesse für den Zionismus hat sich auf seinen Sohn und seine Tochter Lady Erlelgh, Jie Schwiegertochter des gewesenen Vizekönigs von Indien Lord Reading, übertragen. Lord Melchett äußerte sich wie folgt über den Zweck seiner Palästina-Reise: «Noch vor ungefähr zehn Jahren hatte sich ein englisches Konsortium zwecks Ausbeutung der Schätze des Toten Meeres gebildet. Während das gewöhn- | derung der G. P. U. entsprochen und ihr all mein Geld übergeben habe, und daß ich meinen Zellengenossen rate, das gleiche zu tun, damit auch sie ihre Freiheit erlangen. All dies geschah in einer dir größten Städte Rußlands, gleichsam unter den Augen der Zentralbehörden, ln den kleineren Städten und Dörfern liegen die Dinge ln dieser Beziehung noch viel schlimmer.» Soweit der Bericht des AuSlandSkömitees der Ziörtlsten-Sozialisten Rußlands. Das aus Chalm Nachman Bialik, I. L. Goldberg und Ben Zion Katz zusammen« gesetzte Komitee zur Aufklärung der Oeffentlichkelt Uber die Valuta-Inquisition in Rußland veröffentlicht neue Dokumente Uber die Leiden der der Valuta-Inquisition Unterworfenen in einer der größten Städte der Ukraine. U. a. wird ein mit einem aus Rußland in Palä» stina eingetroffenen Juden aufgenommenes Protokoll veröffentlicht, in dem das Verfahren der G. P. U. gegen Personen, die des Valuta-Besitzes verdächtig sind, itt der gleichen Weise geschildert wird, wie das in dar Erklärung der Zionistpn-Sozialisten erwähnte. Dieser Jude, der die Zeit vom 20. August bis 7. Oktober 1932 in der «Valuta-Haft» zugebracht hat, versichert, daß unter den wegen angeblichen Valuta-Besitzes Verhaf« teten etwa 90 Prozent Juden sind. Besuch ein zweitesmai abzusagen, dann wüu das als Sieg Roms gedeutet worden. Politischen Gründen entspringt auch der Hirtenbrief des lateinischen Patriarchen Barlassina, in welchem die Young Men Christian Association, kurz J. M. C. A. genannt (Christliche Vereinigung junger Männer, eine in Amerika und England starke protestantische Vereinigung. Anm. der Red.) als eine «verderbliche Einrichtung» charakterisiert wurde. Der Patriarch verbietet den gläubigen Katholiken den Besuch der Versammlungen der J. M. C. A. und droht Zuwiderhandelnden die Verweigerung der Absolution an. Der Hirtenbrief wurde in Palästina in italienischer, französischer und englischer Sprache verbreitet. Als die Mandatskommision im Jahre 1.930 den Shaw^Bedcht.und England heftig kritisierte, da war es Italien, das die Verurteilung Englands unterstützte. Damals bezeichnete «üiornale d'Italia» Englands Vorgehen als «peinliche Ueberraschung» und sprach in Sorgsam gewählten Redewendungen von einer möglichen Aenderung des Mandats und von bevorstehenden wichtigen Vorgängen Im Nahen Osten, besonders in islamitischen Kreisen. Italien Ist heute nach England die zweitgrößte mosleminische Macht. Sein Einfluß im Nahen Osten darf daher nicht unterschätzt werden. liehe Meerwasser V/2 Prozent an mineralischen Bestand* teilen enthält, hat das Tote Meer ungefähr 26 Prozent, weswegen der badende Mensch im Toten Meer nicht untersinken kann, da es Ihn auf der Oberfläche trägt. Mein gottseliger Vater hat sich mit einem großen Kapital an der Gründung der Gesellschaft zur Ausbeutung der Naturschätze des Toten Meeres beteiligt Seit ungefähr einem Jahre arbeitet bereits die Qesellschaft in Palästina. Es werden 500 Arbeiter beim Toten Meer beschäftigt. Das Wasser des Toten Meeres wird in sogenannte Salzgärten eingeleitet und der Verdunstung unterzogen. Die Produkte werden verarbeitet und vorläufig mit Autos nach Haifa verfrachtet und von dort nach England transportiert. Bei einer entsprechenden Ausbeutung des Toten Meeres könnte die ganze Welt mit Brom und Kalium versorgt werden. Es wird auch der Bau einef Eisenbahn vom Toten Meer längs des Jordan bis zum Tiberlassoe hinauf geplant, von wo der Anschluß an die Eisenbahn nach Haifa erfolgen soll. Dte vorjährige Produktion an Kalium und Brom beträgt ungefähr 3000 Tonnen. Wir haben am Toten Meer bereits Arbeiterwohnungen errichtet, die den hygienischen Anforderungen entsprechen, da dort subtropisches Klima herrscht und das Tote Meer 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Auch ein Spital wurde für die Arbeiter aufgebaut. Das Tote Meer soll eines der größten Heilwirkungen für Rheumatiker haben.» Jean üoldberg. BJNPCsMsiwnaii PRESSESCHMU Jtaliens Einfluß im Nahen Osten Lord Melchett über die Mineralschätxe des Toten Meeres Gespräch mit Lord Henry Melchett* dem Präsidenten der Imperial Chemical Industries Ltd» PS loht jedes Zionistent __ 5925

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