Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 263 (19.1.1933)
- Date
- 1933-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oe«tarr«ich monatlich S I SO, Vierteljahr!. S 4'20, gans jihri. . . . S 16- DautachlH. viertel rthrl.. . . RM *— Tuchachoilovtkn viertel) . Kc 24 — lugoalawien viertel iährl. . Din. 40- Po en vierteljlhr Ücb . . Zloty ft SO Ungarn Vierteljahr lieb . Pengö 4 20 Rumänien viertel jäh ..Ui 120- Ui> >rigea Ausland vierteljährl. Schw. Franken 4 SO Jüdisdke Zeitung Preis 35 g Erscheint Jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, L, Klrntner strafte 28 Tel R-27 4-85 Postsparkassenkonti: Oesterr. D 113546 Polen . . 191.199 Tschechoslowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 9. Jahrgang Wien, Donnerstag, 19. Jänner 1933 (21. Tebeth 5693) Nummer 263 Palästina vor demVölkerbundrat Der Bericht der Mandatskommission an den Völkerbundsrat — Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft Am 23. Jänner versammelt sich der Rat des Völkerbundes in Genf zu seiner neunten Session, auf deren Tagesordnung auch die Behandlung des Berichtes der Mandatskommission steht, die im November und Dezember 1932 getagt und auch das Palästinamandat und die Verwaltung Palästinas im Jahre 1931 geprüft hat Bericht und Protokolle der Mandatskommission werden erst nach der Ratssitzung der Oeffentlichkeit übergeben werden. Dem Genfer Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurden von gutunterrichteter Seite die folgenden Mitteilungen über den Verlauf der Palästina-Aussprache auf der Tagung der Mandatskommission gemacht: Auf die Erklärung des High Commissioner Sir Arthur Wauchope betreffend Vorbereitung eines Legislative Council nach Inkrafttreten der Munizipalverordnung, hin haben Mitglieder der Mandatskommission an Wauchope Fragen über die Aussichten einer Zusammenarbeit zwischen Arabern und der Regierung und über den Stand der arabisch-jüdischen Beziehungen gestellt. Wauchope bemühte sich nachzuweisen, daß eine Kooperation zwischen Arabern und der Regierung sich langsam durchsetzt. Er gab der Meinung Ausdruck, daß die Araber sich zur Mitarbeit geneigter zeigen werden, wenn sie sehen werden, daß England sein Versprechen betreffend Legislative Council erfüllt. Zwischen Regierung und Oberstem Moslemischen Rat, sagte Wauchope, herrschten schon früher gute Beziehungen, diese haben sich in den letzten Monaten noch freundschaftlicher gestaltet. Eine von dem High Commissioner einberufene BUrgermelsterkonferenz, an der 20 Bürgermeister, Araber und Juden, teilnahmen, bewies, ebenso wie andere Erscheinungen im palästinensischen Leben, die Möglichkeit der Zusammenarbeit von Juden und Arabern, wenn auch vorläufig nur in technischen Kommissionen. Schwierigkeiten bestehen nur bei Behandlung politischer Fragen. Auf die Frage des schweizerischen Kommissionsmitgliedes Prof. Rappard, warum die jüdischen Stadträte den Jerusalemer Stadtrat verlassen haben, erwiderte Wauchope, dies geschah aus Protest dagegen, daß die jüdischen Wünsche nicht berücksichtigt würden, obwohl die Juden die Mehrheit der Jerusalemer Bevölkerung ausmachen. Auf die Frage, wie es kommt, daß die Juden, obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden, im Stadtrat eine Minderheit sind, erwiderte Wauchope, nach Inkrafttreten des neuen Munizipalitätengesetzes würden Neuwahlen stattfinden. Auf die Frage, ob die Schaffung eines Legislative Council die Araber befriedigen wird, erwiderte Wauchope, die gemäßigten Araber werden befriedigt sein, die Extremisten nicht. D«r Holländer Van Rees gab zu bedenken, daß die Schaffung des Ligislative Council sofort nach Inkrafttreten des Munizipalitätengesetzes vielleicht übereilt sei; es wäre vielleicht vernünftiger, zuerst die Auswirkung der Munizipalitätenverordnung zu beobachten; er befürchte ein Auf flackern der jetzt schlummernden politischen Leidenschaften bei Einführung des Ligislative Council. Darauf antwortete Wauchope, erst wenn das Munizipalitätengesetz in befriedigender Weise in Funktion getreten sein wird, werde die Regierung in Verhandlungen mit den palästinensischen Führern über Einrichtung des Legislative Council treten. Bei Behandlung der Frage der öffentlichen Sicherheit erklärte Wauchope, die versiegelten Waffen« depots in den jüdischen Kolonien geben den Kolonisten ein Gefühl der Sicherheit, daß sie sich bei Gefahr werden verteidigen können; es sei noch nicht an der Zeit, hierin Aenderungen eintreten zu lassen. Die Beziehungen zur Jewlsh Agency bezeichnete Wauchope als vorzüglich. Die Regierung wünsche sehr, ihre Zuschüsse für das jüdische Erziehungs- und Gesundheitswesen erhöhen zu können, das Gesundheitsdepartement der Regierung wäre bereit, gewisse von den Juden verwaltete Institutionen in ihre Verantwortung zu übernehmen. Die Frage naoh dem Ausmaß der Beteiligung der Juden an öffentlichen Arbeiten, beantwortete WaUchöpe dahin, diese Frage könne nicht nach einem allgemeinen Prinzip, sondern nur von Fall zu Fall entschieden werden. Hinsichtlich der Einwanderung betonen der Engländer Lord Lugard und der Schweizer Prof. Rappard die Notwendigkeit, die Aufnahmefähigkeit des Landes als Maßstab gelten zu lassen. Sie fragten, ob nicht Gefahr vorhanden ist, daß plötzlich eine gewisse Arbeitslosigkeit, besonders in der Bautätigkeit, eintritt, als deren Folge neu eintreffende Arbeiter ohne Beschäftigung bleiben. Wauchope erwiderte, die Einwanderungsquote werde stets der Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt; wird die Arbeitsmöglichkeit vermindert, wird die Einwanderungsquote niedriger gesetzt. Auf die Frage nach der Qualität der Einwanderer aus Rußland und Polen erklärte Wauchope, diese Einwanderer seien fleißige Menschen, die sich gut und mit Erfolg betätigen. Auf Prof. Rappards Frage, welche Garantien die Regierung dafür besitze, daß das von den unabhängigen Einwanderern vorschriftsmäßig vorgewiesene Kapital von 1000 Pfund nicht geliehenes Geld darstellt, das nach der Einwanderung zurückgegeben wird, erklärte Wauchope, solche Fälle seien bisher nicht vorgekommen, dagegen komme es öfter vor, daß als Touristen ins Land Gekommene sich nachträglich ansässig machen. Hinsichtlich der Bodenfrage erklärte Wauchope, Staats-Ländereien für neue Kolonisation seien in Wirklichkeit nicht vorhanden. Eine Reihe Fragen wurde betreffs der jüdischen Beschwerden, daß die Juden in der Polizei nicht zureichend vertreten sind, gestellt. Wauchope erklärte, gewisse Aenderungen zum Guten seien hierin bereits eingetreten. Hinsichtlich der Beteiligung im transjordanischen Grenzkorps besteht unter den Juden Unzufriedenheit, Zur Gendarmerie werden alle Teile der Bevölkerung zugelassen, Kenntnis des Arabischen ist aber Voraussetzung. Auf Lord Lugards Frage erklärte Wauchope, ihm sei nichts davon bekannt, daß die Revisionisten ein politisches Büro in Palästina einrichten und ihr Zentralbüro nach Genf verlegen. Der in Jerusalem abgehaltene Moslem-Kongreß, sagte Wauchope, sei keineswegs als ein Weltkongreß des Islam anzusehen. Panislamismus und Panarabismus seien ganz verschiedene Dinge. Was den Plan der Schaffung einer arabischen Universität in Jerusalem betrifft, so glaube er nicht, daß eine solche Universität der Regierung feindlich gegenüberstehen und die Durchführung des Mandats stören würde. Die Regierung habe nicht die Absicht, zu dem Bau einer arabischen Universität finanziell beizutragen. Die Aussprache über Palästina nahm drei Sitzungen der Mandatskommission (am 10. und 11. November 1932) in Anpruch. Zum Schluß sprach der Vorsitzende seine Befriedigung über die gute Lage in Palästina aus, wo von der Weltkrise verhältnlsnismäßlg wenig zu I spüren sei. Wauchope verabschiedete sich von der Kom- | mission mit den Worten, die Lage in Palästina gebe Grund zu Befriedigung, sogar zu Vertrauen in die Zukunft, doch dürfe man nicht der großen Schwierigkeiten vergessen, die die Erfüllung des Mandats mit sich bringt, da die beiden Völker, die das Land bewohnen, noch sehr weit von gegenseitigen herzlichen Empfindungen entfernt sind. Die Konklusionen der Mandatskommission Die Vorbereitungsperiode noch nicht beendet — Das Jahr 1931 eine Periode von Ruhe und Wohlstand in Palästina Wie der J. T. A.-Vertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, sind die von der Mandatskommission des Völkerbundes in ihrer 22. Session gefaßten Konklusionen, betreffend Palästina, die der nächsten Sitzung des Völkerbundsrates unterbreitet werden sollen, kurz und vorsichtig formuliert In ihnen wird erklärt: Die Kommission nimmt Kenntnis von den Erklärungen der Mandatarmacht hinsichtlich ihres Programms einer konstruktiven Politik in Palästina. Obwohl dieses Programm einigermaßen präzisiert ist, geht aus den Erklärungen der Mandatarmacht dennoch hervor, daß sie die Vorbereitungsperiode noch nicht für beendet hält. Unter diesen Umständen hält es die Kommission für verfrüht, schon heute ihre Meinung über die Orientierung, die die Politik der Mandatarmacht nach der Krise von 1929 eingeschlagen und mit der sich die Kommission in ihrer Session im Jahre 1930 beschäftigt hat zum Ausdruck zu bringen. Die Mandatskommission stellt fest, daß im Hinblick auf die von der Regierung zur Wahrung von Ruhe und Ordnung ergriffenen Maßnahmen und auf die außerordentlich günstige Wirtschaftslage des Landes das Jahr 1931 für Palästina eine Periode von Ruhe und Wohlstand gewesen ist. Die Konklusionen der Mandatskommission enthalten auch Bemerkungen, betreffend zwei spezielle Fragen: Einsetzen einer Kommission durch die Palästina-Regierung zum Studium der Frage des Arbeiterschutzes und Feststellung eines Mindestalters für Heiratsfähigkeit. Große NelcheM- Feiem in Palästina Vorkehrungen zum persönlichen Schutz Lord Melchetts Jerusalem. Im Hinblick auf Gerüchte, daß Araber einen Angriff auf Lord Melchett, der soeben in Palästina eingetroffen ist, planen, hat die Polizei besondere Maßnahmen zu Melchetts persönlichem Schutze ergriffen. Bei seiner Ankunft an der syrischen Grenze wurde Lord Melchett, der Ehrenpräsident des Welt-Makkabi, von zahlreichen Abordnungen des palästinensischen Makkabi, die mit ihren Fahnen gekommen waren empfangen. Er begab sich zunächst nach seinem Besitztum in Migdal am Tiberias-See, von wo er sich nach Jerusalem begeben wird. Von der Grenze bis Rösch Pinah wurde er von Makkabisten zu Pferde begleitet. Makkabi-Organisationen und jüdische Gemeinden in ganz Palästina bereiten festliche Kundgebungen zu Ehren Lord Melchetts vor. Ausstellung „Jüdisches Leben und Jüdische Tradition44 In New York New York, ln der Kunstgalerie des zentralen Synagogen« Verbandes von New York wurde soeben eine Ausstellung «Jüdisches Leben und jüdische Tradition» eröffnet, in der Werke namhafter jüdischer Künstler aus verschiedene« Ländern *u sehen sind.