Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 262 (12.1.1933)
- Date
- 1933-01-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S DtB STIMME Nr. 262 — 12. janner 1933 denkwürdigen Worte der Verdammung des Antisemitismus gesprochen hat. Er war ein Stiefsohn von Generaikonaul Dr. Eugen Landau, Mitbegründer und langjähriger Vizepräsident des Hilfsvereines der Deutschen Juden, und ein Bruder des bekannten Großindustriellen Dr. Walter Sobernheim und des bekannten Finanzmannes Dr. Kurt Sobernheim. Prof, Sobernheim war seit 1924 Präsident de« Deutsch-Israelitischen üemeindebundes, der 1872 konstituiert wurde. Der DIGB. unter Prof. Sobernheim« Leitung zeigte «ich in erster Reihe bestrebt, den Reichsverband der deutschen Juden als die Zusammenfassung aller Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschlands zu schaffen. Als Präsident der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat sich Prof. Sobmheim große Verdienste um die Wissenschaft des Judentums und um die jüdisch-wissenschaftliche Publikation erworben. Prof Sobernheim war Vorstandsmitglied des Kolonisationsvereines «ESRA» und Präsidiumsmitgüed des Deutschen Komitees Pro Palästina, dem bekanntlich neben Graf Bernstorff als Vorsitzenden eine große Reihe hervorragender deutscher Diplomaten und politischer Führer angehören. Er war auch Mitbegründer und Vositzender der Religiösen Mittelpartei für Frieden und Einheit in der Gemeinde. Es gibt fast keine jüdische Partei oder Gruppe in Deutschland, die nicht durch Professor Sobernheim gefördert worden ist. * Sobernheim der Gelehrte Lieber die GcJehrtenpe»sönlichkeit Prof. Sobernhehns wird uns von fachmännischer Seite geschrieben: Moritz Sobernheim studierte zunächst an der Universität Berlin unter Sachau und Barth orientalische Sprachen unter besonderer Bevorzugung des Arabischen Er brachte seine Studien an der Universität Bonn zum Abschluß, an der er mit einer Arbeit über die neuarabische Version eines französischen Dramas promovierte. In der Folgezeit wandte er sich vorzugsweise der Epigraphik und der mittelalterlichen Geschichte der islamischen Reiche zu. Zu wiederholten Malen unternahm er Studienreisen nach dem Orient. Eine dieser Reisen, die er gemeinsam mit dem Berliner Orientalisten Eugen Mittwoch ausführte, galt hn besonderen der alten Ruinenstadt Palmyra, dem Tadmor der Bibel. Von seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen seien hervorgehoben: «Arabische Inschriften aus Syrien»; «Palm vrenische Inschriften»; «Arabische Gefäß inschriften»; «Die Inschriften der Zitadelle von Damaskus; Die arabischen Inschriften von Aleppo» und eine Arbeit über «Baalbek im Mittelalter». Auch abgesehen von diesen Arbeiten hat sich Sobefnheim in organisatorischer Hinsicht um die Orientalistik große Verdienste erworben. Er war seit langer Zeit Vorstandsmitglied und Schriftführer der «Vorderasiatisch-Aegyptlschcn Gesellschaft». Da» Rtieniat auf Esriel Cariebach Der Täter soll ln jüdischen kommunistischen Kreisen zu suchen sein Hamburg. Auf den Schriftleiter des «Israelitischen .. Fa^Mienblattes», Esriel Cariebach, ist, wie bereits die "allgemeine Presse berichtete, letzten Mittwoch in Hamburg von kommunistischer Seite ein Revolverattentat verübt worden. Cariebach, der um Mitternacht noch Briefe zur Post bringen wollte, wurde von einem jungen Mann verfolgt, der am Harvestehuder Weg mehrere Male auf ihn feuerte. Cariebach erhielt einen Streifschuß am Kopf und brach zusammen. Durch den Sturz zog er sich schwere innere Verletzungen zu. Einige Zeit später wurde er von Polizeibeamten gefunden und in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhau« gebracht, wo u. a. eine Verletzung der Wirbelsäule festgestellt worden Ist Das Attentat ist das Ende einer woohenlangen Verfolgung. Cariebach hat sich durch eine Artikelserie über Sowjetrußland den Haß der K. P. D. zugezogen. Fast ständig standen zwei Kommunisten vor der Wohnung, um ihm aufzulauern. Auch andere Mitglieder des «Israelitischen Familienblattes» wurden in letzter Zeit mehrfach von kommunistischer Seite verfolgt Die Hamburger Ausgabe des «Israelitischen Famillenblattes» nimmt an, daß das Revolverattentat gegen seinen Mitredakteur Esriel Cariebach, dem Verfasser der Reiseartikel-Serie «Sowjet-Judäa» galt «Seit über acht Tagen schon», schreibt die Zeitung, «wird ln Hamburg von einer sogenannten „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Werktätigen, Hamburg“ ein gegen Cariebach und den Verleger des «Familienblatts» in übelster Weise hetzendes, dabei recht inhaltloses Flugblatt verbreitet, das sich vorzugsweise dagegen wendet, daß Cariebach es wagt, in diesen Reisebriefen nicht alles •chön und gut und nachahmenswert zu finden, was er bei längerem Aufenthalt ln Sowjetrußland geschaut hat. Cariebach wurde schon mehrfach ln den letzten Tagen persönlich bedroht; Mitglieder dieser Gemeinschaft trieben sich ständig vor seinem Hause umher, SCHULE FÜR KORPE P BILDUNG TRUDE KLEIN Diplomierte üymnastiklehrertn der Schule Hellerau, VL, Theobaldgasse 19 (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Kurs tage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden in den verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 2t Ubr. Zionistische Bwfrhsschiion CIII/IX Donnerstag, den 20. Jänner 1983 um 8 Uhr abends Im .Kleinen Schauspielhaus“. II. Praterstr. 84 Herscheie Ostropoler Lustspiel von M. Lilschütz / VViInner Truppe / Das Reinerträgnis fließt zur Gänze dem Keren Alijah zu lauerten ihm auf und versuchten, Ihn auf der Straße durch Anrempelumgen und drohende Aeußerungen zu provozieren.» Die Zeitung hofft, daß der Mordversuch bald aufgeklärt werden wird, da die Führer der Gruppe, welche Cariebach mit Drohungen verfolgten, bekannt sind. Der Redakteur des «Familienblattes», Julian Lehmann, führt Hn Leitartikel des «Hamburger Familienblattes» u. a. aus: «Die ungeheuerliche Tatsache eines solchen Attentats wird nun gewiß weiten Kreisen der Hamburger Jüdischen Bevölkerung die Augen über die gefährliche Verhetzung öffnen, die leider ungehindert von kommunistischer Seite seit Jahren innerhalb jugendlicher jüdischer Kreise und unter den jüdischen Arbeitslosen In Szene gesetzt wird. Die Drahtzieher bleiben dabei — wie es ja immer ist! — klüglich im Hintergründe und schieben jugendliche unbesonnene Elemente vor. Daß dieser Ueberfal! gerade am ersten Tage nach Aufhebung des Burgfriedens sich ereignete, zeigt deutlich, daß er von Leuten vorbereitet wurde, die alle Umstände ln Betracht zu ziehen wußten . . . Eine besondere Aktivität dieser Kommunisten, die man sich scheut, mit dem ehrenden Beiwort «jüdische» zu bezeichnen, kündigte sich schon in den vergangenen beiden Wochen in mehreren Vorfällen an. Am 27. De* zember störten kommunistische Erwerbslose eine Chanukah-Feier Im Gemeindehaus Johnsaliee, indem sie beim Singen der Chanukah-Hymne die «Internationale» anstimmten. Der anwesende Gemeindesyndikus, Herr Dr. N. M. Nathan, der sie zurechtwies, wurde von ihnen tätlich angegriffen. An einem der nächsten Abende drangen der vorerwähnte Neumann und Qenossen in später Stunde in eine von dem gänzlich neutralen «Verein der Freunde der Mädchenschule der D, J. G.»» veranstaltete Chanukah-Feier ein, verteilten Flugblätter und bedrohten die Herren des Vorstande«, «o daß diese das Ueberfallkommando herbeirufen mußten. Den Redakteuren des «Familienblattes» wurden außerdem Drohbriefe in ihre Wohnungen geschickt.* PALÄSTINA Zahl der landlosen Mraber in Palästina «Eine überlebte Legende» London. Unter der Ueberschrift «Eine überlebte Legende» teilt «Snnday Times» mit, der High Com* mUsioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, habe der Permanenten Mandatskommission des Völkerbandes einige Ziffern, betreffend die landlosen Araber in Palästina, mitgeteilt, denen za entnehmen ist, daß bis zom 1. Oktober 1932 2826 Araber Ansprüche auf Registrierung als Depo&edierte, deren Boden angeblich in jüdische Hände übergegangen ist, erhoben haben, daß aber nur 365 dieser Ansprüche als Irgendwie berechtigt angesehen werden konnten, dagegen rund 1800 als vollkommen unbegründet zurück ge wiesen wurden; 1000 Ansprüche stehen noch zur Prüfung. Wenn diese letzteren Ansprüche der gleichen Art wie die bereits erledigten sind, ist anzunehmen, daß in ganz Palästina etwa 600 arabische Bauern einen Irgenwie begründeten Anspruch auf Entschädigung oder Teflentschädigung für den Uebergang von Boden au jüdische Siedler haben. Diese Tat* Sachen, schließt «Sunday Times», zerstören dia Legende, daß durch jüdische Einwanderung arabisene Bauern in irgendwie nennenswerter Zahl depossediert worden waren und daß dies mit eine Ursache zu den arabischen Unruhen Im Jahre 1929 gewesen war. Man könne im Gegenteil feststelten, daß die j ü dis cheEinw an de r ut& d i e moderne Methoden der Kultivierung des Bodens anwendet, sowohl den Umfang der Beschäftigung auf dem Lande als auch die Löhne und den Lebensstandard der arabischen landwirtschaftlichen Arbeiter erhöht Die arabische Bevölkerung nimmt zahlenmäßig rapid zu,-und diese Zunahme ist am höchsten unter denjenigen Arabern, die ln der Nachbarschaft der jüdischen Kolonien leben. i\ V Auf der fpur der f&ombenatteniäter von Jlahafal Jerusalem, 8. Jänner. Im Verlauf der Ermittlungen zur Feststellung der Urheber des Bombenattentats ln Nahalal, dem der jüdische Kolonist Joseph Jacoby und sein neunjähriger Sohn David zum Opfer fielen, führte die Polizei ln Haifa eine Hausdurchsuchung ln zehn arabischen Läden nnd Wohnungen durch. Bei diesen Haindurchsuchungen wurden Metalltelle von der freichen Art gefunden, wie sie zur Herste!- ungderBombe verwendet worden waren. 20Araber wurden verhaftet. Das Verhör mit Ihnen ist noch nicht beendet. Wieder ein Jude zum Hilf$sekrefär des High Commission er ernannt Jerusalem, 8. Jänner. Julius Jacobs, im Kriege Offizier im jüdischen Bataillon und zuletzt Distriktsoffizier In Jerusalem, ist zum Hllfssekretär des High Commission er ernannt worden. Neben Nurok ist er das zweite jüdische Mitglied des Chefsekretariats der Palästina-Regierung. Biatik Ehrenbürger von Tel-Awiw Jerusalem. Der Stadtrat von Tel-Awiw hat den Beschluß gefaßt, den Dichter Chaim Nachman Bialik aus Anlaß seines 60. Geburtstages zum Ehrenbürger von Tel-Awiw zu ernennen. Das PalAstlnaamt Wien teilt mit: Auf Grund der Beschlüsse des Aktionskomitees wurde die Falästinaamts-Kommwsion neu konstituiert. Der neuen Kommission gehören im Einverständnis sämtlicher in Betracht kommenden Parteien nachstehende Herren an: Der Leiter des Palästinaamtes Dr. Simon Horowitz als Vorsitzender und die Herren Dr. Oskar Grünbaum, Dr. Alois Rothen-! berg, Dr. Michael Steinberg, Mendel Teig (Allg. Zionisten),! Dr. Heinrich Glücker, Theodor Qrubner. Mosche Kerzner, Dr. Leo Köppel, Dr. Saiomon Wolf (Union der Zion. Revisionisten); Abraham Bloch, Dr. Willi Schor (Ichud Arbeiterpartei); Kopel Blum (Misrachi), M. Gottesmann (Vertreter I der Chaluzgruppen) und Frau Sabine Paßweg (Vertreterin I der Wtao mH beratender Stimme). Nach mehrwöchiger Arbeit lind Prüfung der Qualifikation der zur Anmeldung gelangten Reisewerber wurden die dem österreichischen Palästinaamt zur Verfügung gestellten Zertifikate an 30 Männer und 10 Mädchen verteilt. Hierauf entfallen: 13 Männer und 5 Mädchen auf die Organisation HecHäluz, 6 Männer und 2 Mädchen auf die Revisionistische lugend und Brith Trumpeldor, 3 Männer und 1 Mädchen aut Hechaluz Hamisrachi, 3 Männer und 2 Mädchen, auf Zionisten, die jedoch keiner Chaluzgruppe angehöcen. 5 Zertifikate wurden an sogenannte Mittelständer verteilt. Unter den zur Alijah Bestätigten befindet sich einer in Graz und einer in Neunkirchen. Außer obigen Zertifikaten erhielt das Palästinaamt noch einige Zertifikate für Angehörige von Palästina-Einwohnern. i Im Rahmen der Palästinaamt-Kommission konstituierte sich ferner ein Komitee des Keren-Aiijah, an dessen Spitze Herr Dr. Alois Rothenberg steht und der die Aufgabe hat, dip für mittellose Chaiuzim notwendigen Reisemittel aufzubringen. Außer dem Herrn Dr. Rothenberg gehören dieser Kommissäon noch an: Frau Ministerialrat Rebekka Weiner, Fräulein Rosl Müller (f. d. Mirjam'«, Fräulein Mense und die Herren Prof. Dr. Albert Batscha, Abraham Bloch und Theodor Grubner. Der erste Transport mit ungefähr 30 Chaluzint geht bereits am 24. Jänner, der zweite am 7. Februar von Wien nach Palästina ab. Erzeugung und Reparatur von Pyjama. Biusen Kieider, Hemden An'enieung nach Maß Speziali'ät: Arzte- und PHegerinnenm&ntel Strümpfe repasslcien, stopfen, anstrlcken Boule Ausführung Billigste Preise uiasciiegesGitan Anna und martna Epstein Wien Vill., Skodagusse 30 Telephon B 40-7-78 Nächst Alserstrafte M \