Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 262 (12.1.1933)
- Date
- 1933-01-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE STIMME Seite 7 Nf. 262 — \2. Jänner 1933 Urteil des KongreBgerithtes in der Klage gegen den Sonderverband der Zionisten-Revisionislen D:r Sonlemrband wird mit sofortiger Wirkung suspendiert, seine' wird bei der Exekutive der Zionistist..en Organisation beantragt Nach mehr als fünfstündiger Verhandlung verkündete das Kongreßgericht das Urteil gegen den Sonderverband der Zionisten-Revisionisten. Es lautet: Der Sonderverband der Zionisten- Revisionisten wird suspendiert; das GerichtstelltbeiderExekutivederZionistischenOrganisationdenAntrag, den Sohderverband aufzulösen. Gemäß dem Urteil hat der Sonderverband als solcher seine Tätigkeit einzustellen, die Mitglieder des Sonderverbandes in jedem Lande werden automatisch Mitglieder der betreffenden Landesverbände. In sämtlichen zionistischen Körperschaften, wie z. B. Palästina- Aemtern, Fonds-Kommissionen usw. dürfen Revisionisten als Vertreter des Sonderverbandes nicht mehr sitzen, sie dürfen an diesen Körperschaften nur als Vertreter einer Gesinnungsgruppe innerhalb des Zionismus teilnehmen. Im zionistischen Aktions-Comitee behaiten die Revisionisten selbstverständlich ihre Mandate, da sie dort nicht als Vertreter des Sonderverbandes gelten, sondern eine gesinnungsmäßige Fraktion bilden. Weit einschneidender als die oben erwähnten praktischen Folgen des Urteilsspruches werden wohl die moralischen Folgen sein; der Urteilsspruch wird weite und sehr aktive Kreise innerhalb der zionistischen Bewegung zwingen, sich zu entscheiden und entweder sich der Führung und der Disziplin der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation unterzuordnen oder das Tuch zwischen sich und der Weltorganisation endgültig zu zerschneiden. Das Urteil ist von großer Tragweite für die gesamte zionistische Bewegung und besonders für die Entwicklung des Revisionismus, der nun vor eine Entscheidung von großer Tragweite gestellt ist. Das Gericht setzte sich aus Rechtsanwalt und Notar S. Gronemann als Vorsitzenden und Rechtsanwalt Doktor Oskar Cohn und Dr. med. Oskar Wolfsberg als Beisitzern zusammen; als Ersatzrichter wohnte R.-A. Doktor Kozower der Verhandlung bei. Die Anklage wurde vertreten durch R.-A. Dr. Aron Barth als Anwalt des Zionistischen Kongresses und Berl Locker als Mitglied der Zionistischen Exekutive, sowie Dr. L. Lauterbach als Sekretär der Exekutive. Der angekiagte Soiiderverband hat keinen Vertreter zur Verhandlung entsandt, ebenso war Dr. Soskin, gegen den eine Sonderklage wegen seiner politischen Tätigkeit lief, nicht erschienen. Der Vorsitzende verhandelte zuerst über die Ablehnungsanträgc der Revisionisten gegen Dr. Cohn, den iie als Poale-Zionisten, und Dr. Oskar Wolfsberg, den sie als Misrachisten für parteiisch erklärten. Nach einer eingehenden Auseinandersetzung, in der insbesondere Dr. Barth nach wies, daß eine solche Ablehnung weder legal, noch in persönlicher Hinsicht gerechtfertigt ist, und daß bei einem ähnlichen Verfahren, bei dem die Revisionisten als Klagepartei auftraten, auch ihr Vertreter im Richterkollegium Dr. Machower keineswegs als parteiisch abgelehnt wurde, lehnte das Gericht die Ablehnungsanträge mit der Begründung ab, daß ein Ablehnungsgrund gemäß dem Ehrengerichtsstatut nur dann gerechtfertigt wäre, wenn die Richter selbst sich als befangen erklären würden. Das Gericht verkündete, daß es den Vertagungsantrag von Dr. Soskin stattgebe. Der Kongreßanwalt Dr. Aron Barth arbeitete in längeren Ausführungen den Begriff «zionistische Disziplin» heraus. Auf Grund des Statuts der Z. 0., der verschiedenen Kongreß- und A. C.-Beschlüsse wies er nach, daß das A. C. durchaus legal seine die Disziplin betreffenden Beschlüsse in der letzten Tagung Juli/August 193£gefaßt hat, und daß diese Beschüsse zu Recht bestehen. Gemäß diesen Beschlüssen sind außenpolitische Sonderverhandlungen mit der Regierung und dem Völkerbund nur mit Genehmigung der Exekutive zu führen; ferner setzt die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation die Unterordnung unter ihre Gesetze und Beschlüsse ihrer leitenden Instanzen voraus, und die Disziplinpflicht der Z. O. haf in allen zionistischen Fragen vor der Disziplinpflicht gegenüber anfiroBHetschnauerai SIEGM. KORNMEHL Zentrale »X, Berggasse is. le> A la* p. A 16-9-fo ueieran ür ieliansiaitei Abteilungen tOr i£*2-Fleisch uotei Aufsicht des Ehrwürdigem Kaobmafe der Israeiltischei- Ku tusvemeinde W en 4u(osu«1eitung 4oite«. u IX, Ber^gasse » XVlIi Währineerstraße 7° deren Organisationen den Vorrang. Dr. Aron Barth führte eine große Reihe Tatsachen an, die beweisen sollen, daß die Führer des revisionistischen Sonderverbandes gegen alle diese Punkte nicht nur faktisch verstoßen haben, sondern auch wiederholt öffentlich und in der Presse erklärt haben, daß sie nicht die Absicht haben, sich nach diesen A. C.-Beschlüssen zu richten. Die Union der Zionisten-Revisionisten, die freilich der Z. O. nicht angeschlossen ist, hat die Beschlüsse von Calais bestätigt und alle ihre Mitglieder zu unbedingter Disziplin verpflichtet; bei Beantwortung einer Interpellation wurde ex praesidio erklärt, daß die revisionistischen A. C.-MitgUeder die Disziplin-Resolution des A. C. als «für die revisionistischen Schekelzahler nicht bindend» erklärt haben. Ferner wurde eine Reihe Empfang durch König Corol Bukarest. Die Reise Lord M e I c h e 11 s von Czernowitz nach Bukarest glich einem Triumphzug. In allen größeren Stationen begrüßten Deputationen der jüdischen Turnerschaft und der jüdischen Organisationen mit ihren Fahnen die Makkabi-Führer. Besonders eindrucksvoll waren die Kundgebungen in Suceava, Roman, Bacau und Ploesti. Auf dem Bahnhof in Bukarest hatten sich die Mitglieder des Empfangskomitees unter Führung des A. C-Mitgliedes und Präsidenten des rumänischen Keren Hajessod Adolphe Bernhardt und des zionistischen Führers Lazar Margulies, die Führer des Bukarester Makkabi und ein zahlreiches Publikum eingefunden. In der Bukarester Hauptsynagoge fand im Rahmen einer großen Chanukah-Feier eine festliche Begrüßung der Gäste durch die Führer des nationalen Judentums tAltrumäniens statt. Oberrabbiner Dr. I. Niemirower hielt die Festrede. Der Präsident der Zionistischen Organisation Abg. Mischu Weißmann würdigte die Rolle der Makkabi-Bewegung in der Wiedergeburt des Judentums. Als Lord Melchett das Gotteshaus Verließ, brach die auf der Straße angesammeHe vieltausendköpfige Menge in stürmische Hochrufe aus. Abends fand im Hause von Lazar Margulies ein Empfang .statt, zu dem vi,e!e hunderte Gäste aus den führenden Kreisen des Bukarester Judentums ersehenen waren. Ansprachen hielttn Mischu Weißmann, Oberrabbiner Senator Niemirower, Oberrabbiner S. Dinen, Napoleon Arte und Weinberg-Versa. Lord Melchett unterstrich in seiner Dankrede die erzieherische Wirkung des Palästina-Aufbaues auf die gesamte Judenheit. Seine Ausführungen gipfelten in dem Satze: Arbeit in Palästina l$t Religion! Dr. Leiewer kennzeichnete die Rolle der Makkabi-Bewegung als Damm gegen zersetzende radikale Strömungen innerhalb der Jugend und als disziplinierende Kraft, die Väter und Söhne im jüdischen Volke versöhnt und verbindet. Am 31. Dezember reiste Lord Melchett in Begleitung von Lazar Margulies nach S i n a i a, wo er von König Carol II. empfangen wurde. Die Tatsache des Empfanges hat im Hinblick darauf, daß in der Weihnachts- und Neujahrszeit grundsätzlich keine Empfänge beim König stattfinden, großes Aufsehen erregt. Man erblickt in dieser Geste des Königs ein Zeichen der besonderen Wertschätzung, die er Lord Melchett und der Makkabi-Bewegung entgegenbringt. König Carol hat schon als Kronprinz die Makkabi-Bewegung gefördert und die Aufnahme des Verbandes in den rumänischen Körperkulturverband durchgesetzt. Als König Carol nach seiner Thronbesteigung zum erstenmal den rumänischen Landesrabbiner Dr. Niemirower empfing, galt seine erste Frage den Fortschritten der Makkabi-Bewegung in Rumänien. Auch diesmal hat der rumänische König bedeutsame Aeuß eru ngen tiher die jüdische Renaissance-Bestrebuligen getan. Lord Melchett beabsichtigt, den genauen Inhalt seines Gespräches mit dem König demnächst der Ocffcntlichkeit bekanntzugeben. Und beim König von Bulgarien Sofia. Der Ehrenpräsident des Makkabi Lord Melchett ist in Begleitung des Präsidenten des Welt-Makkabi Dr. Leiewer von Rumänien nach Bulgarien weitergercist. In der bulgarischen Grenzstadt Rustschuk erwarteten tausende Makkabim und jüdische Persönlichkeiten Bulgariens die Gäste und bereiteten ihnen einen begeisterten Empfang. Lord Melchett und Dr. Leiewer hielten Ansprachen, in denen sie für die großartige Begrüßung danktun. Von der Grenze an stand den Gästen ein .Salonwagen des Königs zur Verfügung. In Sofia gestaltete sich der Empfang zu einer grandiosen Kundgebung. Lord Melchett und Doktor Leiewer wurden Blumensträuße überreicht; beide Gäste wurden von den zentralen und städtischen Behörden sowie den jüdischen Vertretern, insbesondere der Exekutive des Makkabi Bulgariens, aufs herzlichste begrüßt. Am Vormittag stattete Lord Melchett dem Premierminister einen Besuch ab. Nachmitags fand vör 2000 Personen eine Makkabi- Kundgebung statt. Es sprachen Kiosso, der Vorsitzende des bulgarischen Makkabi-Kreises, Lord Melchett und Doktor Leiewer. Danach wurden turnerische und gymnastische Vorführungen gezeigt. Abends fand ein großes Bankett statt, das mehr als 200 Persönlichkeiten der Gesellschaft Sofias vereinigte. Es waren vertreten das Ministerium, die Generalität, die Stadt Sofia, die Jüdische Gemeinde und alle jiidschen Organisationen. Zum Schlüsse des Banketts sprachen nach dem Minister Wassilew Lord Melchett und Dr. Leiewer. I Beschlüsse betreffend außenpotitische Sonderaktionen, u. a. Schaffung eines politischen Büros in Palästina und I Durchführung einer «Petition» auf internationalem I Boden gefaßt. Nun sind sämtliche Mitglieder de* Sonderverbandes gleichzeitig Mitglieder der Union, di« Führer der Union sind bis auf Jabouhsky gleichzeitig Führer des Sonderverbandes, und diese Führer haben wiederholt erklärt, daß sie die Beschlüsse der Union durchführen werden. Demgemäß haben sie auch eine Reihe von Handlungen begangen, die zu den Beschlüssen der letzten A. C.-Sitzung in diametralem Gegensatz stehen. Die Disziplin, sagt Dr. Barth, ist die Grundlage der Stoßkraft der Bewegung, es bedurfte nicht einmal der letzten Beschlüsse des A. C, weil diese Disziplinpflicht und die Prärogative der Z. O. bei politischen Aktionen schon früher galten und ein Verstoß gegen sie gleichsam der Verletzung der zionistischen Gewissenspflicht. Dr. Barth fand sehr scharfe Worte gegen jene revisionistischen. Führer, die versuchen, die Gegensätze zu vertuschen, und führte Aeußerungen Jabotinskys im «Raswjet» an, die mit anerkennenswerter Offenherzigkeit zugeben, daß die Revisionisten ihre Disziplinpflicht durchaus derjenigen gegenüber der Z. O. Überordnung und ihre politischen Aktionen durchführen wollen. Am nächsten Tage hatte Lord Melchett eine A u d I e n s beim König, die einen sehr interessanten Verlauf nahm. Lord Melchett ist über Stambul nach Aleppo und Palästina weitergereist Elfi Leben, dem Judentum und der Wissenschaft geweiht, erloschen Berlin. Professor Dr. Moritz Sobernheim, der bekannte Orientalist, Erster Legationsrat im deutschen Auswärtigen Amt, ist am Donnerstag, den 5. Jänner, mittags, in der West-Klinik, wöhin er steh nach einer Erkrankung Ende Dezember begeben hat, verstorben. Professor Sobernheim, der seit einiger Zeit an Diabetes litt, erkrankte vor etwa einer Woche an einer Vergiftung infolge Genusses einer Speise, es trat Bauchfellentzündung hinzu, in den letzten Tagen aber verbesserte sich sein Zustand. Erst in der Nacht zu Donnerstag trat eine akute Verschlimmerung ein, die zu seinem Tode führte. * Mit Prof. Dr. Moritz Sobernheim ist ein Mann dahingegangen, dessen Leben dem Judentum und de» Wissenschaft geweiht war. Er wurde am 13 August 1872 in Berlin geboren und war über Deutschland hinaus als Orientalist bekannt Er war Schriftführer der Vorderasiatisch* Aegyptischen Gesellschaft. Vor allem wandte, er sich der semitischen Epigraphik zu, bereiste u. a als Mitglied der Baalbek-Expedition der preußischen Regierung und im Auftrag« des Institut Francais d’Archeologie Orienta e mehrfach Syrien und Palästina und veröffentlichte im Anschluß daran seine als grundlegend bekannten Arbeiten über die Tripolitaher, Baalbeker, palmyrenischen und samaritanischen Inschriften, sowie die Inschriften in Damaskus (Syrien). Seit dem Jahre 1918 wirkte Prof. Sobernheim im A uswärtigen Amt a‘s Legationsrat und Referent für jtidisch-p. olitische Angelegenheiten. Prof. Dr. Mo«itz Sobernheim war eine zentrale Persönlichkeit im jüdischen Leben Deutschlands u*d setzte damit die Tradition semer Familie fort. Er war ein Enkel jenes im Berliner Leben bekannten Stadtrates Magnus, der eine lange Reihe von Jahren Vorstehe» der Jüdischen Gemeinde Berlin war und zu dem Kaiser Friedrich 111, die Purim-Palästina-Reise ab Wien am 21. Februar 1933 Pessach-Palästina-Reise ab Wien am 28. März 1933 . Die bei uns oder bei der »Pag«. vorgamerkfen Touristen müssen bis 15. Jänner 1933 die Anzahlungen leisten, weil ab 16. Jänner Uber nicht beangabte Plätze verfügt wird! Wollen Sie beuuem u. billig nach Palästina reisen 1 Dann wenden Sie sich soiort an uns! Wir haben im Herbst 3 komplette Palästinareiselt veranstaltet — wir sind auch diesmal fast komplett i Sichern Sie sich sofort einen Platz. Die Schiffe sind ausverkauft! Iiord Melchett in Bukarest und Sofia Zionisten I Leset und verbreitet „Die Stimme"! •s ^003