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Die Stimme · 1933-01-12 · Heft 262 (12.1.1933) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 262 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 uifc siu.w.c II lll ) ■ I I - II I I ■ I—■■■■"■ .' III ■ II» » ■ Prof* Pr* 1 Krau#«: Chalm Naehman Bialik (Anläßlich Mino 60. GsburitlagO) Worin besteht die Größe dieses Mannes, was ist es, daß ihm die Herzen so entgegenjauchzen? Wir wissen, daß er ein großer Dichter ist, wir wissen, daß er hebräisch dichtet, wissen auch, daß er die hebräische Sprache meistert, wie selten einer. Es scheint, als habe die Natur noch einmal in einem genialen Menschen die ganze sprachliche Tradition und geistige Kultur des alten Volkes vereinigt Ich würde sagen: In seiner Hand gelangt die alte Zionsharfe zu neuen Schwingungen und zu erhabenen Klängen. Er ist Sänger und Prophet zugleich; Sänger, in dem er das 1000jährige Leid und Wehe des jüdischen Volkes poetisch zu verklären versteht; Prophet, indem er geißelt und straft; er geißelt und straft die Fehler und den Kleinmut des eigenen Volkes, klagt aber auch an die Verfolger Israels und ruft sie vor die Schranken des Weltgerichtes. So ist er also ein rückschauender. Prophet, der das Vergangene bespricht; ich möchte nur wünschen daß er als in die Zukunft schauender Prophet nicht recht behält, denn er sieht die Dinge all zu pessimistisch, und noch jüngst nach dem traurigen Ausgange des letzten Zionistenkongresses hat er seinem Schmerze und seinem Unmute ergreifenden Ausdruck verliehen und stellt das ganze gegenwärtige Geschlecht als unfähig hin, die Zukunft vorzubereiten. Das Gedicht «Wieder habe ich Euch gesehen in Eurer Ohnmacht und mein Herz ist geworden eine Tränen- •chak» ist der Kampfruf eines Lebens, der sich in sein Schicksal nicht ergeben will, sich aber ergeben muß. Und wie ist dieses Hebräisch Bialiks beschaffen! Er selbst hat auf einem anderen großen jüdischen Dichter das Gleichnis angewandt von dem Bildhauer, der in Stein nicht nur arbeitet und formt, sondern ihn selbst erst aus dem Felsen gehauen hat. Das selbst aber tut auch Bialik, Sein Felsen ist die ganze große vieltausendjährige Literatur, die er in einem ungewöhnlichen Maße beherrscht und aus deren Tiefen und Schächten er immer wieder seinen Sprache schätz und seine Gedankenperlen holt. Darin wohl ist die große Meisterschaft Bialiks zu erblicken. Er hat es nicht nötig, schwerfällige hebräische Sprachwendungen Am S. lärtner 1933 (10. Tewet) feiert das jüdische Volk den 60. Geburtstag C h a i m Naehman B i a 1 iks, des größten hebräischen Dichters der Gegenwart, ln Palästina ehrt der Jischuw diesen Gedenktag durch die Verwirklichung der Lebensideee des Dichters, für die er bereits seit Jahrzehnten in Wort und Schrift unablässig in der Heimat und in der Galuth kämpft. Diese Idee ist der «Kinus», das ist die Erlösung jüdischen, geistigen Schaffens aller Generationen und in allen Sprachen für die hebräische Literatur. Alles was seit der Zeit der Bibel in fremden Sprachen auf jüdischem Geistesgebiet geschrieben und gschaffen worden ist, soll in das Hebräische übersetzt werden. Dadurch soll die ganze geistge Arbeit vieler, vieler Generationen vom Zeitpunkte des Beginnes selbständigen Schaffens jüdischen Geistes in der hebräischen Literatur eingebracht werden. Zur Verwirklichung dieser Idee wird in Palästina ein Fonds geschafen, für den jeder Jude sein Schärflein beitragen soll. Hiedurch soll nicht nur am Geburtstage des großen Dichters diesem ein Geschenk, sondern von dem Dichter selbst auch eine unvergängliche Gabe an das jüdische Volk übereicht werden. Ueberdies beabsichtigen die Freunde des Dichters alle seine Werke in Poesie und Prosa in einer billigen Volksausgabe einbändig herauszugeben, um ihnen den Weg in die großen jüdischen Massen zu ermöglichen. Die «Histadruht Iwrith» hat beschlossen, zu Ehren des bevorstehenden Geburtstages Bialiks, sich diesen beiden Aktionen anzuschließen. Den Auftakt hiezu wird die große Feier bieten, die von der Histadruth Iwrith am 14. Jänner 1933 im großen Festsaale des Hotels Continental veranstaltet werden wird. Das für diesen Zweck geschaffene Bialik-.Komitee jvird sich mit der Durchführung dieser Aufgaben befassen. Es ergeht daher der Ruf der Histadruth Iwrith an alle Juden, die ap dem «Kinus» und an der volkstümlichen Ausgibe der Biaüks'dhen Werke Interesse haben, sich an dieser Aktion zu beteiligen, für dieselbe in ihren Freundschaftskreisen mitzuwirken und sich zu diesem Zwecke bei der zu gebrauchen, er tut der alten Sprache keine Gewalt an, auch den früher von den hebräischen Dichtem so sehr gebrauchten «Musivstil» wendet er nur soweit an, als man an seinen Säzen erkennt, da liege der alte Ausdruck zugrunde; aber in Wirklichkeit fließen ihm Ausdruck und Gedanken nur so zu, seine Sprache ist erhaben, auch wenn sie leicht beschwingt zu sein scheint, sein Gedanke ist ernst, auch wenn das Wort nur leicht dahinschnurrt. Das sind Vorzüge, die im Hebräischen nicht leicht zu erreichen sind. Und nun über Bialik, den Gelehrten. Im Vereine mit Freunden ist Biallk der Schöpfer von Sammelwerken, die zum Beispiel Aus Talmud und Midrasch das ewige Schöne, die sogenante Aggada, herauszunehmen suchen, um sie wieder der Allgemeinheit zuzuführen; so fet auch ein Band «Pithgamim» etwa «Kernsprüchen» entstanden, die geflügelten Worte der Talmudweisen, die soviel Geist und Leben atmen. Wenn man noch hinzufügt, daß Bialik die spanischjiddisch klassische Dichterschule zu «erneuern» sucht, einen Gabirol, eine Juda ha — Levi, einen Moses ibn Ezra, indem er ihre Gedichte sammelt und textlich richtigstellt, so haben wir hierin noch eine überaus schätzenswerte Tätigkeit unseres Dichters erkannt, die ihn geradezu als Gelehrten, ja als Philologen erscheinen läßt. Wir, wissen auch bereits, daß Biälik Verleger und Herausgeber ist Noch in Odessa hat er den Verlag Morija gegründet; in Berlin den «Dvir», der, nach Tel-Aviv verlegt, für die jüdische Wissenschaft überaus belebend und veredelnd wirkt. Dadurch, daß die Verlagsbuchhandlung nur Bücher gediegenen Inhalts und nur in geschmackvoller Ausstattung herausgibt, wirkt sie erzieherisch nicht nur im Lande seihst und im nahen Orient, sondern auch in der ganzen wissenschaftlichen jüdischen Welt. Eine kurze Skizze bloß von dem reichhaltigen Manne und von dem reichen Schaffen des Mannes — reicht sie aus? Gewiß nicht. Mit einem Schriftworte läßt sich über diese Skizze sagen: «Etwas von ihm hast du gesehen, das ganze hast du nicht gesehen». Histadruth, Wien, 1. Bez., BräunCrstraße 7, schriftlich zu melden. Dr. D. R o t h b 1 u m, Präsident der Histadruth Iwrith. Oberrabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g. Dr. D. Fried mann, Präsident der Kultusgemcinde. Prof. Dr. W. Ä p t o w i t z e r, Ad. Böhm, M. D e I f i n e r, Uniiv.-Prof. Dr. S. Fr a n k f u r t e r, Dr. Z. F. Fi n k el stci n, Univ.-Prof. Dr. Siegniund Freud, Univ.-Prof. Dr. B. Geiger Dr. O. Grünbaum (Präs, des Zion. Land. Kom.), Prof. Dr .S. Kraus, Prof. V. Kellner (Chajes- Gymnasium), Rab Dr. A. Kaminka (Israelitische Alliance), Dr. J. L ö w e n he r z (Vizepräs. der israelitischen Kultusgemeinde), Sophie Löwen herz (Wizo) Misrachi, Dr. J. O r n s t e i n (Vizepräs. der israelitischen Kultusgemeinde), Dr. L. Plaschkes (Radikal Zion.), Prof. M. Rath, Dr. J. Rosenthal («Stimme»), M. Singer (Poale Zion.), Oberbaurat Ing. R. Stricker (Union Zion. Revis.), Dr. M. Schnabl (B’ne Brith), Dr. Ch. Tartakower (Hitachdut), Rab. Dr. J. Taglicht Franz Werfel, Prof. J. W o 1 f s o h n. Histadruth i writh - Bialik - Jubiläumsfeier Anläßlich des 60. Geburtstages Ch. N. Bialiks, des größten hebräischen Dichters des jüdischen Volkes, veranstaltet die Histadruth Iwrith am 14. Jänner d. J., 8 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, eine große Biaük-Feier mit folgendem Programm: Eröffnungsrede (hebräisch): Präsident Dr. David Rotliblum, Festrede (deutsch): Prof. Dr. A. Sonne, ferner wirken mit die 9jährige Klaviervirtuosin Evl Wächter, die Violinvertuosin Ada B a u m i n g e r, die Opernsängerin Ch. Schwarz, Komponist J. Brandmann, Kapellmeister K. Fuchsgelb (Bratsche), Konzertsängerin H. Dolitzkaja und Jehuda Ehrenkranz liest aus Bialiks Werken. Kartenvorverkauf: Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28, Bücherstube Rath, IL, Tabörstraße 20, bei den Mitgliedern der Histadruth und an der Tageskasse. Nr. 262 — 12. Jänner 1933 main —■ ■■ Ich offeriere folgende Palästina-Produkte; Jaffa-Orangen pro kg 1.20 Jaffa-Grape Fruit pro Stück von S —.40 aufwärts Schemen-Olivenöl pro kg S 3.90, Vi kg S 2.— Schemen-Toiletteseife (6 Sorten) pro Stück von S —.55 aufwärts Chedera-Honig (in Becher) pro >4 kg S 1.—, xh kg (in Glas) S 2 20 Karmel-Weine (6 Sorten) 1 Flasche von S 2 80 aufwärts Franko Haus gegen Kassa bei Uebernahme SAMUEL HALPERN, WIEN, IL, FÖRSTERGASSE 6 Telephon A 46-4-12 ‘ DieWienerfiidische Gemeinde an BialiU Bei Drucklegung des Blattes erfahren wir aus dem Präsidium der Wiener KultusgemtLide, daß dissclbe heute ln hebräischer Sprache ein Glückwunschtelegramm an Ch. N. Bialik zu seinem 60. Geburtstag nach TeJ-Awlw abgesandt hat. Bibi bettet sieh ein Die Niehtnationale Liste «Union-Werktätige» zog nirt dem Feldruf «Rothschild» in den letzten Kultuskämpf und beschwor die Wählerschaft, sich in das Volk von Deutsch-Oesterreich einzubetten. Die Juden lehnten ab, doch Haus Rothschild hält Farbe. Wie nämlich das «Neue Wiener Journal» — in treuer Tradierung der alten Hofnachrichten meldet, fand am 9. Jänner auf Schloß Sitzenberg die Vermählung des Herrn Kurt von Reiningbäüs, eines Stiefsohnes nach Feldmarschall Graf Conrad von Hötzenedorf, mit Freiin Bibi Springer statt. Und wer ist Bibi? Bibi ist (der Jiches wird mittradiert) das einzige Töchterlein mach weiland Freiherrn Sigismund Springer und durch ihre Mutter Valentine Enkelin nach weiland Baron Albert Rothschild. Der große Nachmittagsempfang, den am 7. Jänner im Palais Metternichgasse die Brautmutter Freiin Valentine Springer-Rothschild (wann aus dem Judentum ausgesprungen?) veranstaltete, bot ein Bild rührehd-alttestamentarischen Familiensinns. Nebst der. Diplomatie und arischen Aristokratie war nämlich eine, stattliche Schar prominenter Auch- und. Bäuchjuderi, teils auch schon Exjuden erschienen, darunter Dr. Baroh und Baronin Klarissa Rothschild, die Barone Louis und Eugen Rothschild, Baron Albert Springer, Baron Max und Baronessen Therese und Liane Fould-Springer, Dr. Hans von Mauthner, Frau Klärisse von Strasser, Herr und Frau Mayer-Zunthof etc. etc. Je nun, die Pariser Rothschild bauen E*ii Israel auf und die Wiener Rothschild betten sich, laut l'nionrszept, ein, Jeder, wie er kann! Michael Entdeckung einer Synagoge aus dem viei zehnten J&hrhundeit in Biuck an det Mur Wie aus Bruck a. d. Mur gemeldet wird, hat der Amtsrat Franz Wagner in Akten des Stadtarchivs den Beweis dafür gefunden, daß das zweistöckige, jetzt dem Trafikanten Florian Gangl gehörende, auf derrt Kirchplatz zwischen dem atlen Schulhaus und dem; MeSnerhaus gelegene Haus eine mittelalterliche Synagoge gewesen sei. Akten aus den Jahren 1806, 1807 und 1811 bestätigen die ersten Vermutungen. So heißt fcs zum Beispiel, daß das Mesnerhaus auf dem Kirchplatz im Jahre 1806 «samt dem alten Tempel» öffentlich, versteigert worden sei, da es durch einen Brand im Jahre 1792 teilweise zerstört worden war. 1807 schließt der Apotheker Georg Heinrich einen Kaufvertrag, betreffend den «alten Tempel», auf dem damals so benannten «Hohen Markt», und lÖM schenkt der Apotheker den «Tempel» wieder der Städtgemeinde. Diese läßt nun einen Kostenvoränschläg zu einem Umbau ausarbeiten, worauf der «alte Tempel», zu einem Lehrerhaus umgebaut wird. Dem Kostenvoranschlag liegen zwei alte Baupläne bei, aus denen klar ersichtlich Wird, daß es sich um eine Synagoge handelt Und zwar ist es ein mittelalterlicher Bethausbau nach zweischiffiger Art, der. entweder in der zweiten Hälfte des 14. oder in der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert* geschaffen worden ist. Amtsrat Wagner datiert die Erbauung in das Jahr 1350. Zu Professor Brodetskys Wiener Besuche In unserem Berichte über die Besprechungen Professor Brodetskys ln Wien Ist von dessen Unterredung mit dem Leiter der österreichischen Keren Hajessod-Arbeit versehentlich keine Erwähnung getan. Dies Ist um so bedauerlicher, als Prof. Brodetsky in seinen Wiener Vorträgen die Notwendigkeit einer intensiven Förderung des Keren Hajessod mit besonderem Nachdruck hervorhob. Hiltadruth Iwrith Brith Iwrith Olamiilh Große Bialik-Jubiläumsfeier 14. Jänner 1933, 8 Uhr abends im großen Festsaale des Hotel Continental Wien, 0., Tabörstraße Nr. 4 Eröffnungsrede (Hebr.) Präsident Dr. D. Rothblum; Festrede (Deutsch) Prof. Dr. A. Sonne; ferner wirken mit: die 9jährige Klaviervirtuosin Evi Wächter, Violinvirtuosin Ada Bauminger, Konzertsängerin Hilde Duhtzkaja, Opernsängerin Ghana Schwarz, Komponist J. Brandmann (Violine), Kapellmeister K. Fuchsgelb (Bratsche). Rezitation: Jehuda Ehrenkranz — Karten Vorverkauf: Keren Kajemeth, Wien, j., Kärntnerstraße 28, Bücherstube Rath, 11., Taborstr. 20, bei den Mitgliedern der Histadiuth Iwrith und an der Tageskassa Zu Bialiks 60. Geburistag Cln Aufruf 4

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