Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 261 (5.1.1933)
- Date
- 1933-01-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 261 — 5. Jänner 1933 Max Kreppet Seiden waren Wien, I., Bauernmarkt 22 En gros En detail Tel ü 22-2*71 Investitionsmögiichkeiten in Palästina Von S. Goldberg (Tel-Awiw) In den letzten zehn Jahren sind die Möglichkeiten in Palästina, Kapital gewinnbringend zu investieren, bedeutend angewachsen. Die wichtigsten Organisationen für Landkauf sind die «Geulah Company Limited» (für städtische Grundstücke) und die «Palestine Land Development Company» (für städtische und ländliche Grundstücke). Das größte Interesse wendet sich den Orangenpflanzungen zu, die bisher 15 bis 18 Prozent trugen. Es gibt verschiedene Organisationen, die sich mit dem Verkauf von Orangenpflanzungen befassen. Die von Lord Melchett gegründete «Palestine Plantation Co., Limited» verkauft von ihren Besitzungen in Tel Mond Orangengärten in der Größe von 10 bis 30 Dunam gegen Abzahlung und übernimmt auch die Pflege der Pflanzungen und den Verkauf der Früchte. Aehnlich verhält es sich mit der «Taffa Piantation Limited» in Chedera. Eine andere wohlbekannte Organisation ist «Gan Chaim». «Pica» offeriert Gründe im «Pardess Hanah». Wer das Land nicht selbst bebauen kann, dem stehen spezielle Organisationen zur Verfügung, welche die Pflanzungen anlegen und betreuen, bis die Bäume Früchte tragen und auch über diese Zeit hinaus. Da ist unter anderen die Gesellschaft «Jachin», eine Gründung der Arbeiterorganisation «Histadruth» und «Hanotea», eine Gründung der Organisation der Kolonistensöhne «Bnei Benjamin». Die «Hanotea» arbeitet insbesondere in der neuesten Kolonie «Nathania». Dann gibt es Möglichkeiten, Geld in Gartenkulturen, Hühnerfarmen und in der Milchwirtschaft anzulegen. Anlagen in diesen Berufszweigen empfehlen sich nur für Leute, die sich als Farmer ansiedeln. Der Fortschritt in Industrie und Landwirtschaft hat die Bautätigkeit belebt. Die Einwohnerschaft Tel-Awiws ist von 1500 auf 48.000 angewachsen. Heute tragen Wohnhäuser 8 bis 12 Prozent, Geschäftshäuser noch mehr. Die durchschnittlichen Kosten eines Hauses mit vier Räumen betragen 750 bis 850 Pfund. Ein Haus mit vier Wohnungen, jede bestehend aus vier Zimmern, Küche, Bad und Vorzimmer, kostet 2500 Pfund und wirft jährlich zirka 250 bis 300 Pfund, also 10 bis 12 Prozent, ab. In den Kosten ist ein Grund in der Größe von 800 Pic inbegriffen. Die Miete eines Zimmers in Tel-Awiw kostet monatlich 1 bis 1 ]/> Pfund oder 5 bis 8 Pfund für eine Vierzimmerwohnung. Für Geschäftslokale zahlt man monatlich 1 f2 bis 5 Pfund. Geld auf Hypotheken verleiht die «General Mortgage Bank» in Jerusalem auf 15 bis 20 Jahre gegen 7 bis 12 Prozent Zinsen. Die gesamten Steuern auf Einkommen aus Grundbesitz betragen zirka 10 Prozent. ' Auch die Industrie hat sich nach anfänglichen Fehlschlägen gut entwickelt und exportiert sogar nach Südafrika und U. S. A. Gute Aussichten bestehen heute zum Beispiel für die Nebenprodukte der Orange, zum Beispiel Zitrusöl, Essenzen, Jams und Konserven. Die chemische Industrie ist insbesondere in der «Dead See Corporation» verankert, welche die Chemikalien des Toten Meeres ausbeutet. Die weit vorgeschrittene Elektrifizierung des Landes wird neuen Industrien Existenzmög- Hchkeiten bieten. Weitere Anlagemöglichkeiten bieten sich in der Anlage von Wasserwerken, Seebädern und Ausbeutung von Heilquellen. Der Ausbau des Hafens von Haifa und der Oelröhrenleitung von Mossul nach Haifa ist im Zuge. Haifa wird ein mächtiger Hafenplatz werden, sein Hinterland wird bis nach Persien reichen. Palästina hat heute schon ein Eisenbahnnetz, welches es mit Aegypten, Syrien und Transjordanien verbindet. Ausgezeichnete Straßen erleichtern den Verkehr zwischen den einzelnen Orten. Die Straße, welche die Orangenzone Jaffa und Haifa verbindet, ist nahezu vollendet. Unser Ohmannstellvertreter und Ehrenmitglied, Herr Leopold Bosel ist nach längerem, schwerem Leiden am 1. Jänner d. J. verschieden Durch seine Klugheit, seine Güte und seine außerordentliche Opferwilligkeit hat er sehr viel zu dem gedeihlichen Bestände unseres Tempelvereirics beigetragen; wir und alle Mitglieder unseres Vereines werden die Erinnerung an diesen edlen Menschen stets hochhalten. Das Leichenbegängnis hat am 3. d. M. stattgefunden. Für den Vorstand des Brigittenauer isr. Tempelvereines: Geza Klinger, Josef Kohn, Schriftführer. Obmann. Es gibt auch gewinnbringende Aktien palästinensischer Unternehmungen. Aktien der «Palestine Electric Corporation», der «Potash Company» (Tote Meer Corporation) und andere mögen hier erwähnt werden. Die «Tiberias Hot Springs Co. Ltd.» (Weiße Quellen in Tiberias) gibt Vorzugsaktien mit fünfprozentiger Verzinsung aus. Zu erwähnen sind noch die Pfandbriefe der Hypothekenbank und der P. L. D. C., die 7 Prozent Zinsen tragen, weiters die südafrikanische Baugesellschaft «Binjan», die Kreditkorporationen Aschrai und Kupath Am. Makkabi-Konferetiz Ostgaliziens Dr. A. Roeettfeld und Kfar-Hamakksfoi-Aktfon Aus Lemberg wird der «Stimme» berichtet: ln Lemberg fand eine Konferenz des ostgalizischen Makkabi unter Beteiligung des Vorsitzenden des polnischen Makkabi Ruseeki statt. Zum Vorsitzenden des ostgalizischen Makkabi wurde Dr. J. Selzer gewählt. Die Konferenz beschloß einstimmig, die Aktion des «K f a r Hamakkabi» zu unterstützen. Hiezu wurde eine Kommission gewählt, die mit Dr. A. Rosenifeld vom Weltmakkabi in Berlin eine Besprechung über den Arbeitsplan abhielt. Die Konferenz beschloß, alle jüdischen Sportklubs aufzufordern, den während der Ausschreitungen in Lemberg von Huligans niedergebrannten Sportplatz der Hasmonea wieder aufzubauen. Im Festsaale der jüdischen Kultusgemeinde Lemberg fand eine vom ostgalizischen Landesverband des polnischen Makkabi-Kreises veranstaltete Feier statt. Der Vorsitzende des Verbandes Ostgaliziens, Dr. J. Selzer, begrüßte den Vertreter des Weltmakkabi und teilte mit, daß dem ostgalizischen Verband 50 Vereine mit insgesamt 10.000 Mitgliedern angeschlossen sind. Dr. Alexander Rosenfeld referierte über den Makkabi-Weltverband und seine nächsten Aufgaben. Er erklärte die Ziele des Kfar Hamakkabi und richtete einen Appell an die jüdische Bevölkerung Lembergs, die Arbeit des Makkabi und die Aktion des Kfar Hamakkabi zu unterstützen. Es sprachen dann der Vorsitzende der Zionistischen Organisation Ostgaliziens Dr. E. Scbmorak udn der frühere Sejmabgeordnete Zwi Heller. Dr. Rosenfedd besuchte in Ostgalizien folgende Städte: Przemysl, Drohobycz, Boryslaw, Stryj, Stanislawow, Kolomyja, Tarnopol und Brody. Ueberall wurden Bürgerkomitees zur Förderung des Makkabi und der Aktion Kfar Hamakkabi geschaffen. Großfleischnauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale iX, Berggasse IV, fei. A 1 0. A 16-9-34 Lieteranx <ür Heilanstalten Abteilungen fflr HtPD-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen riaobmats der Israelitischen Kudusgemeinde Wien Autozusteiiuno <*o»iemo* IX, Beregasse I" XVih Währingerstraße 79 1 und kleine Kunsinachrlcmen Kamen - dev Osivopoiev Eulen Spiegel «Jüdische Künstlerspiele» Narren sind weise, Narren wissen mehr als Könige, beziehungsweise — die Juden haben nur Könige des Geistes — chissisische Rabbis. Und dabei sind sie eine Inkarnation des Paradoxes: ihre Aeußerlichkeit, ihr Gehabe und Getue stehen im direkten Gegensatz zu ihrem inneren Wesen und ihrer Tatkraft. Ob er wirklich gelebt hat, dieser jüdische Ti! Eulenspiegel, dieser Herscheie Ostropoler, dieser lustige Bajazzo, dieser berumvagierende Witzbold? Möglich, daß er bloß der Phantasie eines humorhungrigen Volkes entsprungen ist. Jedenfalls sind die Legenden, die um rhn gewoben werden, kernig, saftig und erquickend. Wenn Satire mehr treffsicher, als unnütz beißend ist, wird vetständnisinnige Heiterkeit geboren. Und wenn man hinter Lumpen und Fetzen ein menschlich warmschlagendes Herz entdeckt, kommt es sogar zu einer befreienden Träne. Die Augen sind feucht, wenn auch die Laohnruskeln in einemfort Arbeit haben. All das bezieht sich weniger auf M. Liifschütz’ handkingsdünnes, nur hie und da blendend feuerwerkartiges Lustspiel, wie auf die Kreation Josef Kamens. Bei «Herscheie Ostropoler» beherrscht Kamen die Bühne vom ersten bis zum letzten Augenblick. Dem Narren, der im Städtchen allerlei gescheiten Ulk treibt, den Rebben vor Gefängnis rettet, dessen Anhänger verrückt macht, dessen Gegner bekehrt, und selbst immer über der Situation bleibt, verleiht er ein fantastisch-realistisches, hinreißendes Gepräge. Ohne Zweifel: Kamen in erster Reihe ist es zu verdanken, daß das dramatisch nicht ganz einwandfreie Stück Bühnenwirksamkeit erzielt. Was nicht als eine prinzipielle Ablehnung des Lustspieles von Lifschütz zu verstehen ist. Kamen verlieh also dem Abend besonderen künstlerischen Glanz. Aber nicht nur Kamen: die Gesanrtaufführung war ausgezeichnet. Manch toter Punkt in den ersten zwei Akten ist weniger in der Regie als im Stück selbst begründet und läßt sich leicht aus der Welt schaffen; aber im großen und ganzen war es ein wirksamer Theaterabend, eine Aufführung, die sich sehen läßt. Neben Kamen ist in erster Reihe Jakob Weißlitz zu nennen, der gute alte Bekannte aus der «Wilnaer Truppe», der aus der schwierigen Rolle des Rabbi ein Kabinett-Meisterstück machte. Schwermütig ernst darf er nicht sein, weil es ein Lustspiel ist, komisch darf er nicht sein, weil es doch der Rebbe ist, so spielt ihn Weißlitz Hebenswü<dig und mit rührender Heiterkeit. Dina König, ebenfalls eine «WHnaerin», war als Rebbes Gattin eine anmutige, echte Tochter Israels. Ausgezeichnet in einer Episodenrolle die bewährte Lea Weintraub-Graf, prächtig Moische Schnattmann als Jldel. Das übrige Ensemble: Benzion Sigal, Hermann Tunis, Adolf Bell und Mark Tanoff gaben sich Mühe für Kamens Glanzleistung einen wirksamen Rahmen zu schaffen. Die chassi- CcHsttin’s Faniilien-pension iKtaeniin, Hattiebin täglich 5-Uhr-lee SEMMERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— auhvärts. Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in ledern Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27-6-24 dische Musik schrieb H. Kohn, fiir die Dekorationen verdient Gibson ein Lob. Das Publikum ging mit: der Beifall steigerte sich von Akt zu Akt, wie es zum Schlüsse unzählige Hervonnife gab. Dr. Sem. Wolf. * Wegen des großen Erfolges bleibt «Herscheie Ostropoler.» auch weiter auf derp Spielplan der «Jüdischen Künstlerspiele». Als nächste Novität wird «Die Brotmühle» («Der Taube») von David Bergeisohn vorbereitet. Jüdischer Theater-Verein, Wien In Wien hat sich in letzter Zeit ein neuer «Jüdischer Theater-Verein» gegründet mit der Aufgabe, das jüdische Wort wie auch das jüdische Theater nach Muster der freie» jüdischen Volksbühne zu pflegen. Mitgliederaufnahme jeden Freitag von 7 bis 10 Uhr abends im Vereinslokal, Wien, II., Praterstraße 52 (Restaurant Austria). Junge talentierte Damen und Herren werden gebeten, sich zu melden, da die Schaffung eines eigenen Studios in Bildung begriffen ist. Bialik-Jubiläumsfeier der „Histadruth Iwrith*1 Anläßlich des 60jährigen Jubiläums Ch. N. Bialiks, des größten hebräischen Dichters des jüdischen Volkes, veranstaltet die Histadruth Iwrith am 14. Jänner d. J., 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße Nr. 4, eine große Bialik-Feier mit folgendem Programm: Eröffnungsrede (hebräisch): Präsident Dr. David Rothblum; Festrede (deutsch): Prof. Dr. A. Sonne. Ferner wirken mit: die neunjährige Kiaviervirtuosin Evl Wächter, die Violinvirtuosin Ada B a u m i n g e r, die Konzertsängerinnen H. D u 1 i t z k a j a und Winkler. Jehuda Ehrenkranz liest aus Bialiks Werken. Kartenvorverkauf: Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28; Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20; bei den Mitgliedern der Histadruth und an der Tageskasse. Liga für das arbeitende Palästina in Oesterreich veranstaltet am 17. Jänner 1933, präzise 8 Uhr abends, im Offenbach -Saal, Wien, IV., Treitelstraße 3 (nächst dem Kärntnertor) einen Abend Dela Lipinskaja Die Künstlerin tritt nach längerer Pause wieder in Wien auf und bringt diesmal in ihrem Programm eine Reihe jüdischer Nummern (Volkswaisen, Charaktertypen u. dgl.). Der gesamte Reinertrag dieser Veranstaltung fließt dem Palästina- Arbeiterfonds zu. Karten zum Preise von S 2.— bis 6.— an folgenden Vorverkaufsstellen: Poale Zion-Hitachduth, II., Blumauergasse 1; Hechaluz, XX., Kluckygasse 7 (von 3 bis 6 Uhr nachmittags, Telephon A 45-4-17), Palästina-Amt, I., Kärntnerstraße 28. Aus der Provinz Vortrag Prof. Dr. Wilhelm Steh Die zionistische Ortsgruppe hat Herrn Prof. Dr. Wilhelm Stein (Wien), der im Vorjahre in Salzburg unter außerordentlichem Beifall gesprochen hat, wieder für einen Vortrag gewonnen, welcher Samstag, den 7. Jänner 1933* abends um 8 Uhr, inn Hotel Habsburg stattfinden und da» Thema «Die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes» behandeln wird. Jubiläum der Firma Fr iedlättder&Deutsch Die bekannte Steinmetzfirma Friedländer & Deutsch beging am 1. Jänner ihr vierzigjähriges Bestandjubiläum. Jubiläum de» Amtsgehilfen der Kultasgemefade, Leopold Löwy Am Sonntag, den 15. Jänner begeht Leopold Löwy, Amtsgehilfe der Israel Kultusgemeinde in voHer Rüstigkeit seinen siebzigsten Geburtstag. Dem treuen pflichtbewußten Beamten begleiten die besten Wünsche seiner zahlreich»* Freunde und Bekannten. TREUHAIIDfiESELLSCHAH Canaan Trusieeshlp Co., Jerusalem niD&nBiDN man wa ||! Informationen, Ideen, Vorschläge, Plla% 0 I 13 1131 Programme, Kosten Voranschläge, die Gründung, Abwicklung, Leitung un4 DCSOlB» Ueberwachung von Unternehmungenodef Geschälten in Erez Israel Vertreter für Oesterreich: Ludwig Outmann, Wien, I. Fleischmarkt 22, IL, III., M. Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher odM telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung, 0