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Die Stimme · 1933-01-05 · Heft 261 (5.1.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 261 (5.1.1933)
Date
1933-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 261 — 5. Jänner 1933 DIE STIMME Seit« 7 Das indische Palästina bereitet sich; %ur Feier des 60. Geburtstages Chaim Nachman Biatiks vor Eine Bialik-Woche Jerusalem, ln Palästina werden mannigfache Vorbereitungen zur Feier des auf den 8. Jänner fallenden 60. Geburtstages des großen hebräischen Dichters Chälm Nachman B i a 1 i k getroffen. Es wurde ein Bjalik-Monat proklamiert, der am 10. Tebeth (Biaüks Geburtstag nach dem hebräischen Kalender) beginnt; M diesem Monat sollen in ganz Palästina und in alten Ländern, in denen Juden leben, Bialik-Feiern stattfinden, die der Förderung von hebräischer Sprache und Kultur dienen sollen. Dem Dichter wird das erste Exemplar einer vorn Bialik-Jubiläumskomitee veranstalteten Festausgabe der Werke Biaüks überreicht werden. Auch wird eine Bialik-Marke zum Vertrieb während des Bialiks-Monats herausgegeben. Der Verband hebräischer Schriftsteller Palästinas veröffentlicht eine Kundgebung zu Biaüks 60. Geburtstage, in der es heißt: Der Geburtstag Biaüks ist ein Fest des hebräischen Schrifttums und der hebräischen Kultur. Der Name Bialik ist ein Symbol des nationalen Willens zur Wiederbelebung und Wiedergeburt. Biaük ist der Mensch der großen jüdischen Vision, ein Genius, der nur ln Generationen wiederkehrt. . Zweite Gvaduievungsfeiev an dev Hebräischen Universität Jerusalem. Am Freitag, den 23. Dezember, nachmittags, fand an der hebräischen Universität in Jerusalem die Verleihung akademischer Grade an eine Anzahl Studierende der Universität im Rahmen einer Feier statt, der der High Commissloner General Sir Arthur W a u c h o p e, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency Nabum So ko low, der Kanzler der Universität Dr. J. L. Magnes, mehrere Vertreter auswärtiger Regierungen und zahlreiche Führer des palästinensischen Judentums beiwohnten. Es war dies die zweite Graduierungszeremonie seit Bestehen der Universität; die erst« fand vor «twa einem Jahre statt. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hielt eine Ansprache an die Graduierten und die übrigen Versammelten, in der er seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß im kommenden Jahre eine landwirtschaftliche Fakultät (Agricultural College) unter der Leitung von Dr. Chaim Weizmann im Rahmen der Universität eröffnet werden wird. Der Kanzler Dr. Magnes betonte in seiner Ansprache die Notwendigkeit der Schaffung einer pädagogischen Abteilung (College of Pedagogy) an der hebräischen Universität. Zum Schluß sprach Sokolow. Nach der Feier lud der High Commissioner den Präsidenten der Jewish Agency Nahttm Sokolow zu sich zum Diner ein; Sokolow folgte dieser Einladung. Sport in Palästina Walter Frankl (Tel-Awhv): Unsere Kräfte AnlißXch der Sportreise des palästinensischen Makkabi zu dem Weltverbandssportfest in Czernowitz August 1933. Gleichzeitig mit dem Aufbau des verwaisten und verwahrlosten Landes Palästina als Heimstätte des jüdischen Volkes begann auch die körperliche Regeneration unserer Jugend. Ein Volk, das jahrtausendelang jeglicher harter Körperarbeit entwöhnt war, schuf Unglaubliches, indem es den Mangel an Fertigkeit und.Arbeitsgewohnheit durch unerhörten Fleiß und grenzenlosen Idealismus wettmachte. So wurde in knapp 5 Jahrzehnten das jüdische Palästina — Et«z Israel — aufgebaut, zu dem die ganze zivilisierte Welt heute wie zu einem modernen Wunder des heiligen Landes auf- Wickt. Unter denselben Voraussetzungen wurde auch die jüdische Sportbewegung geboren. Anfangs mit primitiven Mitteln arbeitend — hat sie sich unter den Fittichen des Makkabiweltveibandes zu einer Organisation entwickelt, die Zehntausende von jungen Menschen in allen fünf Weltteilen umfaßt und fast täglich wächst. Unser Bestreben auch im Sport als gleiches Volk unter anderen Völkern gewertet zu werden, ging erst in Erfüllung, als wir auf eigenem Boden der Umwelt em objektives Zeugnis unserer Kräfte darlegten. Bisnun konnten wir an den allgemeinen Olympiaden nicht teilnehmen. Das jüdische Volk, das der Völkerbund und viele hohe Institutionen als solches Angst anerkannte, wurde vom olympischen Komitee noch nicht offiziell aufgenommen. Wir veranstalteten im Frühjahr 1932 unsere erste eigene Olympiade und hatten damit einen derartigen sportlichen, organisatorischen und moralischen Erfolg, daß die Blätter der ganzen Weit noch nach Monaten darüber spaltenlange Lobsprüche brachten. Aus Amerika, Australien, Tunis, Südafrika, aus Dänemark, Schweden, aus Syrien, Aegypten — aus Deutschland, Polen, Tschechoslowakei, aus Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Jugoslawien, Oesterreich, Frankreich, Belgien, Holland — aus allen Staaten der Welt waren unsere Makkabisportler nach Tel-Awiw gekommen und feierten mit uns in Palästina das Fest unserer körperlichen Auferstehung. Wir wurden nach der Makkabiah sofort in den Internationalen Verband der Frauenolympiade aufgenommen und werden daher auf der 4. Olympiade in London starten. Die Bewilligung, an der 11. Olympiade in Berlin teilzunehmen, fcaben wir noch nicht erhalten, aber die Verhandlungen darüber stehen nicht schlecht und dürften sich zu unseren Gunsten entscheiden. Nun ergreifen wir das Sportfest in Czernowitz als günstige Gelegenheit, unseren Leuten eine Auslandsstartmöglichkeit zu verschaffen, und rüsten mit allen Kräften, um eine möglichst starke Expedition nach Rumänien tu bringen. Der rumänische Konsul in Palästina — Herr ttokacb aus Tel-Awiw — ist unserem Vorbereitungskomitee beigetreten und wird uns praktisch wertvolle Hilfe leisten. Zion. Besirhssehtton XMM-XV Sonntag, den 8. Jänner 1933, Krasnitzkys Martensite, Wie», XIV., Reindorfgasse 3 Jüdischer Abend Festrede: Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zion. Landeskomitees — Gesang Oberkantor Taschlitzki -»Rezitationen DezöGrün — Oboe- Dr. Seidner — Chansons: Hilda Duhtzkaja — Violine: Dr. Lampel — Musik; Dr. Robert Weil Karte» im Sekretariat des Landeskomitees und im jüd. Vereinshause, Wie», XV., Herklotzgasse. 21 Wenn es unsere finanziellen Möglichkeiten zulassen werden, dann werden wir folgende Kräfte entsenden: Eine Fußballmannschaft, ein leichtathletisches Männer- und Frauenteam, eine Auswahlgruppe von Geräteturnern, 2 Florettfechter, 2 Boxer und 2 Ringkämpfer sowie eine Wasserballmannschaft und Schwimmergruppe. Innerhalb dieser Gruppe wkd es auch eine Mädchen-mannschaft in Basketball geben. Wir haben die Absicht, auf unserer Reise zuerst in der Türkei anzutreten. ln Istanbul werden unsere Fußballer gegen Galata Serei oder gegen Fenerbagtsche spielen und die Leichtathleten werden gegen ein AuswahJteam von Istanbul starten. In einer Sporthalle der Y. M. C. A. werden unsere Mädchen eiin Basketbaßspiel gegen die Mannschaft der «Deutschen Schule» austragen und unsere Boxer sowie Fechter und Turner werden Exhibitionen erteilen. Die Verhandlungen zwecks endgültiger Abschlüsse laufen bereits. Nach diesem Start wollen wir uns direkt nach Czernowitz begeben, wo wiir ungefähr eine Woche zu bleiben gedenken. Sollte sich eine Möglichkeit ergeben, würden wir nicht abgeneigt sein, in anderen rumänischen Städten anzutreten. Unsere Schwimmer und Wasserballer werden wahrscheinlich noch in Polen einige Starte absolvieren. (Fortsetzung folgt) Die Palästlnaregierutig wird das Munizipalitätengesetz für alle Fälle in Kraft setzen Jerusalem. Die Palästina-Regierung teilte den Bürgermeistern der palästinensischen Städte mit, daß sie entschlossen sei, das neue Munizipalitätengesetz in Kraft zu setzen, auch wenn die Munizipalitäten selbst in ihrer Weigerung, der Regierung ihre Bemerkungen über das Gesetz zu unterbreiten, verharren sollten. Der Termin zur Unterbreitung dieser Bemerkungen tief Ende Dezember 1932 ab. Sollten irgendwelche Korrekturen an dem Gesetz sich als notwendig erweisen, so werden sie im Laufe der Zeit vorgenommen werden. 21,000 jüdische Arbeiter nehmen an den Histadruth-Wahlen teil Jerusalem. Mehr als 21.000 jüdische Arbeiter Palästinas haben an den Wahlen von Delegierten zur Konferenz der Föderation jüdischer Arbeiter Palästinas (Histadruth Haowdim) tetigenomnien, d. s. 73 Prozent der über 29.000 Wahlberechtigten. Die von Ben Gurion geführte vereinigte jüdische Arbeiterpartei erhielt mehr als 80 Prozent der Stimmen, der Rest der Stimmen entfiel auf Haschomer Hazair und Poale Zion. Bei den letzten Wahlen im Jahre 1926 hatten sich 17.189 Arbeiter an den Histadruth-Wahlen beteiligt. Transjordatiische Führer für Aufhebung des Bodenverkaufsverbotes Jerusalem. Führer der transjordanischen Araber haben der Regierung Transjordaniens ein Memorandum unterbreitet, in dem die Aufhebung des Gesetzes, betreffend Verbot des Verkaufs von Boden an Fremde (Juden) gefordert wird. Ein gleiches Memorandum wurde dem transjordanischen Herrscher Emir Abdullah unterbreitet Transjordanien und der Völkerbund Jerusalem. Arabische Zeitungen in Palästina melden, daß zwischen der Regierung in Jerusalem und der in London Verhandlungen, betreffend Vorbereitung des Eintrittes Transjordaniens in den Völkerbund, geführt werden. Es heißt in diesen Meldungen, daß die Verhandlungen gewisse Aenderungen im Status Transjordaniens zum Inhalt haben, nach deren Vollzug die Londoner Regierung Transjordanien das Versprechen geben wird, daß es seine Aufnahme als Mitglied dem Völkerbund empfehlen wird. Empfang för Frau Felix M. Warburg In Jerusalem Jerusalem. Zu Ehren der; s^enwärtig in Palästina weilenden Krau Frieda Warburg, Uatiin von Felix M. Warburg und Tochter von Jacob Schiff, fand ein großartiger Empfang in Form eines Chanukah-IM s statt, an dem mehr als 300 führende jüdische Ptrsönlichke 'en. unter ihnen Nrahum Sokolow, Miß Henrictta S? o I d, Dr. Chaim Arlosoroff und David Y e 11 i n, teilnahmen. Der Kanzler der hebräischen Universität, Dr. J. L. Magnes, zündete die Chanukah-Lichter an und sprach das Cbannkah-üebet. Im Verlauf des Abends hielt Fr.-ut Frieda Warburg eine Ansprache an die Versammelten, in der sie dem Jischuw die Grüße der amerikanisch-jüdischen Frauen fiberbrachte und sich bewundernd über den Optimismus äußerte, von dem der Jischuw beseelt ist. Bfalik-Straße und Sokolow-Straßf In Haifa Jerusalem. Aus Anlaß des Besuches des Präsidenten der Jewish Agency, Nahum Sokolow, in Haifa und des 60. Geburtstages Chaim Nachman Biaüks hat der Stadtrat von Haifa beschlossen, eine Straße als «N a h u in S t r a ß e», eine andere als «N a c h m a n - S t r a ß e» zu benennen. Eine neue Europa-Tournee der Habimah Jerusalem. Das hebräische Theater «H a b i m a h», das einige Jahre hindurch nur m Palästina gespielt hatte, bereitet sich zu einer neuen Europa-Tournee vor. Die «Habimah» wird auf ihrer Tournee eine Anzahl Stücke ihres neuen Repertoires, so u. a. «200.000» von Schalom A I e i c h e m, und «Rahab» vom bekannten amerikanisch-jüdischen Bühnenschriftsteller Harry Säckler, der jetzt in Palästina weilt, spielen. Eine Staatsdomäne am Haifaer Hafen Jerusalem. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird die Palästina-Regierung den von ihr im Gebiete des Haifaer Hafens für Staatszwecke reklamierten Boden als Staatsdomäne behandeln und vom Bodendepartement verwalten lassen; keineswegs werde dieser Boden einer privaten Körperschaft zur Entwicklung überlassen werden. Der reklamierte Boden wird nach Aufstellung des neuen Stadtplanes zur Vermessung gelangen, in Grundstücke geteilt und einzeln verpachtet werden. Einen ansehnlichen Teil dieses Bodens benötigt die Regierung für den Bau eines Zolldepartements. Man nimmt an, daß eine Anzahl bedeutender Geschäftshäuser Angebote auf langfristige Pachtverträge für Baugelände am Haifaer Hafen einreichen wird. 1192 Juden kamen Jm November nach Palästina Jerusalem. Im Verlaufe des Monates November 1932 sind — wie vom Immigrationsbureau der Regierung mitgeteflt wird — 1329 Personen, unter ihnen 1192 Juden, in Palästina eingewandert. Von den eingewanderten Juden fallen 111 unter die Kategorie der Einwanderer mit eigenen Mitteln (Kapitalisten). —.. Die Vorbereitungen zur Aufnahme der neuen Chaluzim Jerusalem. Die Allgemeine Jüdische Arbeiterföderation Palästinas (Histadruth Haowdim) trifft Vorbereitungen zur Aufnahme der neuen Einwanderer, die auf Grund der für das laufende, im März 1933 endende Halbjahr erteilten Zertifikate nach Palästina kommen. Für die Neuankömmlinge werden geeignete Unterkunftsräume vorbereitet, Werkzeuge beschafft, Handwerkslehrkurse, auch Kurse für Hebräisch, eingerichtet. Qualifizierte Arbeiter wurden von der Histadruth mit diesen Aufgaben betraut. Das Palästina-Budget sehr aktiv Jerusalem. Offiziell wird mitgeteilt, daß die Palästina- Regierung gegenwärtig im Schatzamt über einen UeberschuS von einer Million Pfund verfügt. Gleichzeitig gibt «Of ficfaJ Gazette» bekannt, daß mit Anfang Jänner 1933 der Einfuhrzoll auf Weizen und Mehl erhöht wird. Waad Leumi Entschließung gegen Einkommensteuer Jerusalem. Der Waad Leumi, das exekutive Organ der Knesseth Jisrael, nahm in seiner soeben in Jerusalem abgehaltenen Sitzung eine Entschließung an, in der er sich mit Entschiedenheit gegen die von der Regierung in Palästina geplante Einführung einer Einkommensteuer ausspricht. Meer Grossman in Palästina warnt die Palästina-Regierung vor einem Experiment mit Legislative Council Jerusalem. Meer Großman, Vizepräsident der Weltunloa der Zionisten-Rivisionisten, der vor einigen Tagen in Jerusalem eintraf, empfing die Vertreter der palästinensische» Presse und sprach sich ihnen gegenüber über politische Fragen des Zionismus aus. Die Regierung Palästinas, sagt# Großman, werde, wenn sie einen Legislative Council schafft, statt Frieden Unfrieden ernten. Die Judenheit Palästina» werde eine vereinigte Front gegen Legislative Council bilde» und die Wahlen zur gesetzgebenden Körperschaft boykottieren. Niemals werden die Juden den gegen ihren Willen gebildeten Legislative Council als eine legale Körperschaft anerkennen. Die Frauengruppe der zionistischen Bezirkssektion Mariahilf-Neubau spricht ihrer Vizepräsidentin Frau Siddy Singer anläßlich des plötzlichen Hinscheidens ihres Gatten Herrn Salo Singer ihr tiefstes Beileid aus.

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