Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 261 (5.1.1933)
- Date
- 1933-01-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr, 2ül — 5. Jänner 1933 Pafösnti&'Rintdschau Handelsouloitomle für Palästina! Von iimctsm Kori«»pond«nfan Ch. Halfer CTef-Awlw) Die britisch-imperiale Wirtschaftskonferenz in Ottawa gab in Palästina den Anstoß zu einer Bewegung, die nichts weniger zum Ziele hat, als die Revision des wirtschaftspolitischen Status, den das Land vom Völkerbund erhalten hat. Die Ergebnisse der Konferenz, soweit sie Palästina in Mitleidenschaft zogen, haben nämlich bewiesen, daß die ürundbestimmung dieses Status, die das bedingungslose Meistbegünstigungsrecht für alle Staaten festlegte, praktisch zu wirtschaftlicher Rechtlosigkeit des Landes ln seinen Handelsbeziehungen zum Auslande geführt hat. Sie benimmt ihm die Möglichkeit, auf die Bedingungen seiner Existenz und seiner Entwicklung einen Einfluß auszuüben, und machte es lediglich zum Objekt fremder Wirtschaftsinteressen. In dem Bestreben, den Ländern der sogenannten «A»-Mandate, d. i. der Länder, die man politisch als verhältnismäßig am weitesten fortgeschritten ansah, und zu denen auch Palästina gehörte, einen möglichst weitgehenden autonomen Charakter, der sich noch mit der Verwaltung durch eine Schutzmacht vereinbaren ließ, zu sichern und zu verhindern, daß sie nicht auch wirtschaftlich vollständig der Mandatarmacht ausgeliefert bleiben, wurde das Prinzip der sogenannten «Offenen Tür» und des gleichen Handelsrechtes für alle dem Völkerbund angehörenden Staaten festgelegt. Es ist dabei allerdings zu beachten, daß zu der Zeit, als die Verfassungen für diese Mandatsländer konstruiert wurden, die Welt noch von der Ueberzeugung durchdrungen war, daß sie einer Periode des freien internationalen Verkehres und der engen Zusammenarbeit entgegengehe, und so war es nur folgerichtig, daß man denjenigen Mandatsländern, deren völliges Selbständigwerden für absehbare Zeit vorgesehen war, im voraus gewisse Attribute dieser späteren Selbständigkeit in die Wiege legte. Das gleiche Handelsrecht für alle Staaten bildete für diese außerdem eine gewisse Kompensation für die machtpolitlschen Sonderrechte, die den Mandataren über jene Länder eingeräumt worden sind. ‘Trift Die Entwicklung der seither vergangenen zehn Jahre brachte jedoch auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Politik so ziemlich das Gegenteil dessen, was man damals angenommen und erhofft hat, und damit machte sie auch jene Voraussetzungen des Völkerbundes bei der Festlegung der internationalen Handelsbestimmungen Palästinas zunichte. Die Mandatsländer der Kategorie «A» sind zurzeit wohl die einzigen noch übrig gebliebenen Burgen tfes freihändlerischen «offenen Tür»- Prinzips, seitdem auch England zum extremen Sctoutz- und Abschließungssystem übergegangen ist. Genaues Abwiegen von Geben und Nehmen, Kontingentierung und Naturaltausch sind an dessen Stelle getreten. Für die in Rede stehenden Mandatsländer ergab sich aus dieser Gestaltung die eigenartige Lage, daß sie ihre Tore jeder Art Dumping und dem Einströmen von .Waren auch solcher Länder offenhalten müssen, die Mandatsland, zu beobachten, wo auf dem Beiruter Baumwollgewebemarkt 70 Prozent japanischer Erzeugnisse gehandelt werden, während die WeöTabriken in Aleppo infolge dieser japanischen Ueberschwemmung schließen und ihre Arbeiter auf die Straße setzen mußten, was vor einiger Zeit zu ernsten Straßenunruhen geführt hat. Die beiden Länder können gegen diesen Zustand nichts unternehmen, denn sie können nach den Mandatsbestimmungen nur generelle Zollbestimmungen erlassen, womit sie aber für sie lebenswichtige Handelsverbindungen mittreffen würden. * Für Palästina mit seiner vorwärtsdrängenden wirtschaftlichen Entwicklung, das heute nicht nur zunehmend aufnimmt, sondern immer mehr, besonders auf landwirtschaftlich-industriellem Gebiete, abgeben muß, ergab die Konferenz von Ottawa die Gelegenheit, diesen abnormen Zustand drastisch vor Augen geführt zu bekommen. Der Hauptexport des Landes, von dem schon heute — man mag sich zu der überwiegenden Ausdehnung der Orangenpflanzungen stellen wie man will — sein Wohlergehen abhängt, sind die Citrusprodukte, und England nahm bisher 70 Prozent der Ernte auf. Diese Lage führte seit einem Jahre zu Bemühungen, die die Aufnahme Palästinas in den Rahmen des britischen Präferenzsystems zum Zwecke hatten, um den lOprozentigen Zoll zu ersparen. Diese Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg, denn abgesehen von politisch-formalen Schwierigkeiten, die aus der Gebundenheit an die Sei gid)Hf<Üett Sefcfttoerften uttft Stopf« schmerzen wirkt Togal rasch und sicher. Togal- Tabletten lösen die schädlichen Bestandteile im Blut und führen baldige Linderung und vollständige Genesung herbei. Fragen Sie Ihren Arzt, ln allen Apo7 theken und Drogerien erhältlich. — Preis S 2.40. Mandatsbestirnmungen und aus den Widerständen seitens der Mitglieder des britischen Zollsystems folgen, hat England nichts umsonst zu vergeben, und zu bieten hat Palästina infolge der gleichen Gebundenheit nichts. Im Gegenteil, es ist für England, mit dem es politisch und wirtschaftlich einseitig — gemeinsame Valutagrundlage, Bestimmung der allgemeinen Wirtschaftspolitik durch englische Beamte — verbunden ist und dessen Schwierigkeiten es zum Teil miterleiden muß, formal ein fremdes Land, und Ottawa hat bewiesen, daß es dementsprechend auch behandelt wird. Um für englische Industrieerzeugnisse in Südafrika eine bevorzugte Behandlung zu erreichen, verlangte dieses das gleiche für seine Orangen. England belegte daher Orangen, die während der südafrikanischen Verschiffungazeit April—November eintreffen und damit auch sa einem bestimmten Teile die palästinensische Einfuhr» mit dem hohen Zoll von dreieinhalb Shilling, und Grapefrucht mit 5 Shilling für je 45 kg. Die Bedeutung dieser englischen Maßnahme liegt weniger in ihren unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen — wenn sie auch 25 Prozent der Citrusausfuhr nach England trifft —, als in dem Anlaß, den sie der palästinensischen Geschäftswelt zu einer grundsätzlich«! Betrachtung der Lage bot. Denn da die Hauptverschiffungsmonate in der anderen Hemisphäre ln den Sommer fallen, bei uns aber in den Winter, gibt man sich In Pardeßkreisen — mit wieviel Grund, bleibe dahingestellt — der Hoffnung hin, durch Verhandlungen noch zu erreichen, daß auch die Monate November und April, die für Südafrika praktisch von minderer Bedeutung sind, von dem Sonderzoll freibleiben. Aber man hält es bei dem heute allgemein geübten handelspolitischen System für unmöglich, für die Dauer das Prinzip der «Offenen Tür», das sich zunehmend als ein Hindernis und eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auswächst, aufrecht zu erhalten. Als das anzustrebende Ziel wird die Erlangung der vollständigen Handelsautonomie angesehen, die ihm die freie Verfügung über die Mittel zur Wahrung seiner Lebensinteressen gewähren würde. Daneben gibt es aber auch Tendenzen, die auf einen auf Gegenseitigkeit beruhenden palästinensisch-englischen Zollbund abzielen. Die Verlockung des großen britischen Imperiums als frei zugängliches Handelsgcbiet für das kleine Palästina ist groß. Es melden sich bei der Erörterung solcher Projekte aber auch die Bedenken für die noch junge Industrie des von weiten Perspektiven beherrschtet! Einwanderungslandes gegenüber einer Konkurrenz, wie es die englische Industrie innerhalb eines gemeinsamen Zollrahmens darstellen würde. Doch sind dies alles, gegenüber dem Hauptproblem» aus dem gegenwärtigen gefesselten Zustand herauszukommen, Fragen von zweiter Bedeutung. Man fätischft sich keineswegs über die großen Schwierigkeiten, die man vor sich hat. Denn da England keine freie Hand hat, in diesen Fragen selbständige Entscheidungen';*«! treffen, bleibt nur der Weg über den Völkerbund und man ist sich klar, daß damit an den Grundfragen des Mandatssystems und an die Interessen vieler Staaten gerührt werden muß. Indes scheint hier der Wille ztt bestehen, vor diesen Schwierigkeiten nicht zurückzuschrecken. Es wurde in Palästina eine Kommission für das Studium der Materie gebildet und es besteht zunächst die Absicht, eine von der Handelswelt und der Bevölkerung unterstützte Denkschrift an den Völker* bund zu richten. — i- ..IIWW.TW lieber die Entwicklung von Haifa Aus dem Jewish-Rgency-Buileiin ihnen nicht nur keine handelspolitischen Gegendienste leisten, sondern teilweise zur Vernichtung eigener Wirtschaftsgrundlagen führen. Die Pflicht der Meistbegünstigung gegenüber allen Ländern benimmt ihnen das Recht der individuellen Behandlung jedes Handelspartners vom Gesichtspunkt der eigenen Landesinteressen, der heute für alle Länder allein maßgebend ist. Jene Pflicht macht es möglich, daß zum Beispiel Sowjetrußland nach Palästina für 55.000 Pfund Waren bringen und von ihm für — 572 Pfund beziehen kann; daß Polen nur ein minimales Kontingent palästinensischer Früchte hereinläßt, aber unbeschränkte Ausfuhrmöglichkeit nach Palästina hat. 1930 lieferte es nach Palästina für 66.000 Pfund Waren und bezog nur für 16.000 Pfund; daß die für Palästina besonders wichtigen Nachbarstaaten Aegypten und Griechenland ihm gegenüber handelsfeindliche Maßnahmen treffen können, ohne daß es selbst sich dagegen wehren kann. Die gleiche Erscheinung ist in Syrien, ebenfalls «A»- Gemeinsam mit der »»Pag** *• G. m. b. H. haben wir Ml! Ofrtober 4939 3 Palätiinareisen erfolgreich durchgeführt Wegen des lebhaften Interesses weiter Kreise veranstalten wir ab Fmbwuaw 4333 wieder Palästinareisen unter der Devise Purim und Pessuch in Palästina «« bfiondsN OHaif. Näheres in »Stimme«. e fi «Coisalilerwaltung der Mit den Vorbereitungen für die Beendigung des Hafens macht sich in Haifa ein wirteohaf Woher Aufschwung der Stadt bemerkbar und groß ist die Zahl derer, die eine Anlagemöglichkeit für ihr Kapital suchen. Unter ihnen sind nicht nur Palästinenser, sondern auch Personen aus den Nachbarländern und aus Europa. Die Entwicklung des jüdischen Jischuw ln Stadt und Umgebung wird durch die Tätigkeit des Keren Kajemetfh und Keren Hajes<sod begünstigt. Diese erwarben innerhalb der Stadt größere Flächen und bereiteten sie zur Ansiedung vor. Die Industrie der Stadt steht infolge ln Aussicht genommener Neugründungen vor einer Erweiterung. Ebenso nimmt der Handel eine stetige Entwicklung und das Handelszentrum wird zurzeit vergrößert. Der ökonomische Aufschwung ist auch im Bankverkehr zu erkennen. Die Bankeinlagen sind um Tausende von Pfunden gestichen. Neue Filialen verschiedener Banken sollen demnächst in Haifa eröffnet werden. Die jüdische Handels¬ und Industriekammer organisiert eine besondere Kommission, die nach Mitteln und Wegen zur Durchführung verschiedener Entwicklungspläne von Haifa sucht. Dieser Kommission wurden Vertreter verschiedener Wirtschaftsinstitutionen zugezogen. Die Kommission beschäftigt sich mit der Vorbereitung einer Reihe von Vorschlägen und Plänen zur Erweiterung von Haifa und seiner Entwicklung auf Grund neuer Industrieunternehmen, der Schaffung eines besonderen Industrieviertels, von intensiven Wirtschaften auf dem Boden der Hai'fabucht, der Ausbeutung der Meeresküste für die Anlage eines Kurorts, der Beschaffung von Hypothekarkrediiten, für Bauten, der Entwicklung eines großen und modernen Hotels usw. Es wurde ein besonderer Ausschuß von Wirtschaftsführern gebildet, um diese Pläne zu überprüfen und Wege zu ihrer Durchführung zu suchen. In den Zeitungen des Auslandes soll eine Propagandatätigkeit für Haifa entfaltet werden. Die Gesellschaft «MischaT wTaaseiah» (Handel und Industrie) hat es übernommen, die Vorbereitungen für die Festveranstaltungen zu treffen, die anläßlich der Einweihung des Hafens und dem damit verbundenen vermehrten Fremdenverkehr im Frühjahr 1933 im jüdischen Haifa stattfinden sollen. Die Belebung der Wirtschaft Haifas ist auch aus einer verstärkten Bautätigkeit zu erkennen. Im Jahre 1931 wurden Neubauten im Werte von 213.000 Pfund aufgeführt (um 20.000 Pfund mehr als im Jahre 1930). In der ersten Hälft« des Jahres 1932 stieg die Summe des Wertes der neu ei* richteten Bauten um das Doppelte gegenüber der Bausumme in derselben Zeit im Jahre 1931, Die jüdische Bevölkerung nimmt bei dieser Bautätigkeit den ersten Platz ein« Die Juden Haifas, die etwa ein Drittel der Qesamtbevölke* rung Haifas ausmaohen, waren Im Jahre 1931 an dieser Bautätigkeit mit nicht weniger als 50 Prozent beteiligt. Gegen Bodenspekulation in Palfistin* Jerusalem. Wie Emanuel N e u m a n, Leiter des Wirt« Schaftsdepartements der Jewish Agency, der ITA mitteilt^ wird neuerdings ein Kampf gegen Bodenspekulanten und Winkel-Makler, die die Preise für Citrus-Bode* und Citrus-Haine in die Höhe treiben, eingeleitet. Um Mittelstands?:edleT und Investieren vor Ausbeutung zu schützen, wurde ein zentraler Informationsdienst für alle den Kauf von landwirtschaftlichem Bode* und Orangenhainen betreffende Fragen eingerichtet. Def Dienst steht unter der Kontrolle eines Komitees, in dem alt« Elemente des Jischuw, der Verband jüdischer Farmer, die Histadruth Haowdim und die von verschiedenen Organisationen erhaltenen Informationsbureaus eingeschlossen, vertreten sind. Der zentrale Informationsdienst wird vom Bureau de« American Economic Committee in Tel-Awiw geleitet. Sachverständige und vertrauenswürdige Makler werden herangezogen, ihre Gebühren und Arbeitsmethoden werden vom Kontrolllcomitec festgesetzt. Bodenkäufer in Palästina und auswärts werden ersucht, sich, bevor sie einen Kaufvertrag schließen, mit dem zentralen Informationsbureau in Verbindung zu setzen. i i ■—»■■■—I i i ii i ■■ipo———iwmm—m mun Gesucht ■ für sofort streng fromme, perfekte WIENS* ■ KÖCHIN für eine bessere Pension in der Schweiz« H Referenzen mit Bild und Oehaltsansprüchen an ■ die Adm. des Blattes unter Chiffre »Dr. W.«