Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 261 (5.1.1933)
- Date
- 1933-01-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054016--3306-3058810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 261 — 5. Jlnner 1833 DIE STIMME Seite 5 KUNST UND WISSEN Beilage dev „Stimme" Täufliiuac im Bitcholtornal Von Goldbavo In diesen Blättern war kürzlich eine interessante Schilderung über den Lebenslauf des «Jüdischen Papstes», Analectus 1!., zu lesen. Analectus II. war bisher der einzige Papst mit nachweisbar jüdischer Abstammung. Die Zahl der kirchlichen Würdenträger jedoch, die Judenstämmlinge waren, ist sehr groß, auch wenn man davon absieht, daß die ersten Christen, insbesondere Saul aus Tarsus, der nachmalige St. Paulus, Juden waren. Zu den ersten Judenstämmlingen im Bischofsornat zählt wohl Julian, Bischof von Toledo (680—690). Einige seiner theologischen Schriften werden in der Vatikanbibliothek aufbewahrt. Nach St. Paulus war Julian der zweite Jude, der heilig gesprochen wurde. Er steht als St. Julian im christlichen Kalender. Ebenso wie Julian errang ein zweiter Jude die Bischofswürde. Es war dies Paul Alvar aus Cordova (800—861). Er war ein Streiter gegen Mohammed und in seinem Werke «Indiculus Luminosus» ruft er die Christenheit zum Kampfe gegen Mohammeds Glauben auf. Das war ein gefährliches Beginnen, da auf jede Kritik der Lehren Mohammeds die Todesstrafe stand. Alvar schrieb mehrere Bücher und zahlreiche Gedichte, die teilweise erhalten geblieben sind. Im 13. Jahrundert gab es gar einen Juden, der nach der Taufe den Primat in seiner Kirche errang. Er hieß Albufaraj, der im Jahre 1264 das Oberhaupt der syrischen Jakohiterkirche wurde. Er war auch unter dem Namen Bar Hebraeus bekannt und lebte von 1226—1286. Er lebte lange Zeit als Einsiedler in einer Höhle bei Antiochia, wurde später Arzt, dann Bischof von Aleppo (1253), schließlich Oberhaupt der Jakobiter in Chaldäa, Mesopotamien und Syrien. Er war ein berühmte! Mathematiker, Astronom, Philologe und Ara. Es gab aber auch abtrünnige Juden, die über ihre früheren Glaubensbrüder schweres Leid brachten. Dazu gehörte z. B. Rabbi Salomon Levi von Burgos (1351— 1453), der nach der Taufe Paul de Santa Maria hieß. In Paris wurde er zum katholischen Priester geweiht und wurde nach einigen Jahren Erzbischof von Carlha gera. Et konnte sich nicht genug daran tun, gegen die Juden in Spanien zu arbeiten. König Heinrich III. von Castüien ernannte ihn zu seinem Ratgeber und zum Vormund seines Erben Inua II. ln dieser Eigenschaft setzte er ein Edikt durch, wonach Juden keine Aemter bekleiden durften. Irn Jahre 1412 setzte er die Einschließung der Juden in besonderen Judenvierteln durch. Sie mußten rote Abzeichen tragen, durften mit Christen keinen Handel treiben und mußten Bärte tragen. Paul de Santa Maria ist auch verantwortlich für die Folterung und den Tod vieler angesehener spanischer Juden. Als Paul de Santa Maria starb, wurde sein Sohn AI f o n s o Bischof von Burgos. Alfonso wurde Beichtvater der allerchristlichsten Majestäten Ferdinand und Isabella. Alfonso wurde später Bischof von Cordova, Großkaplan der Kirche, Rat des Königs und Präsident des Rates von Castilien. Er war ein würdiger Sohn seines Vaters. Auf seinen Rat widerrrief Papst Eugenius wichtige jüdische Privilegien. Alfonso starb 1489 und wurde mit großen Ehren begraben. Eine interessante Erscheinung ist der portugiesische Marrane Joa Mendez de Silva. Er lebte zehn Jahre als Mönch in einem spanischen Kloster und ging dann nach Italien, wo er in den Franziskanerorden aufgenommen wurde. Er gründete 1469 den Konvent «Notre Dame de la Paix», der bald das Zentrum der Reformbewegung der Franziskaner wurde. Der Ordensgeneral della Rovere, der spätere Papst Sixtus IV. war Mendez sehr zugetan und so konnte Mendez in Italien eine Reihe von Franziskanerklöstern gründen. Mendez schrieb auch ein Werk «De revelationibus et prophetiis». Pedro de Aranada und Juan AriasDavila waren getaufte Juden und erlangten in Spanien die Bischotswürde. Aranda wurde Bischof von Calahorra und Präsident des Rates von Castilien. Er war sehr reich und erregte die Eifersucht des berüchtigten Generalinquisitors Torquemada. Die Folge war eine Klage Torquemadas gegen Aranada und Davila, in der ihre Amtsentsetzung gefordert wurde, weil ihre Väter Marranen und nicht Christen gewesen seien. Papst Sixtus IV. ließ die beiden Bischöfe nach Rom kommen und beließ sie in ihren Stellungen. Davila zeigte sich erkenntlich. Er wütete gegen die Juden und Marranen. So verurteilte er im Jahre 1470 acht Juden der bei Segovia gelegenen Stadt Sepulveda wegen eines von Christen konstruierten Ritualmordes zum Tode. Aranda erregte schließlich auch den Neid des Papstes, der sich in den Besitz seines großen Vermögens setzen wollte. Das geschah durch einen Prozeß wegen Häresie. Aranda wurde beschuldigt, ein Kreuz und Heiligenbilder entweiht und vor der Messe gegessen zu haben. Man warf ihn in den Kerker, wo er starb. Der Papst zog sein Vermögen ein. Ein anderer Bischof in Spanien, der ebenfalls jüdischer Abstammung war, Diego Dexa, ein intimer Freund des Columbus und des Beichtvaters Isabellas, geriet ebenfalls in die Fänge der Inquisition. Er wurde angeklagt, zum Judentum zurückgekehrt zu sein und wurde entsetzlich gefoltert. In neuerer Zeit wurde Michael Salomon Alexander (1799—1845) Bischof. Im Alter von 16 Jahren war er bereits ein angesehener Talmudlehrer. Er Ubersiedelte 1820 von Polen nach England und wurde dort zunächst Rabbiner in Norwich, später in Plymouth. Er mterrichtete englische Geistliche in der hebräischen Sprache, ließ sich 1825 mit seiner ganzen Familie taufen und wurde Diakon in Dublin, dann Professor für hebräische und rabbinische Literatur am King’s College. Im Jahre 1841 wurde er zum Bischof geweiht und war der erste anglikanische Bischof in Jerusalem. Er starb dort im Jahre 1845. Eine merkwürdige Erscheinung war der Jude Bernard Marie Bauer (1829—1898). Er wurde in Budapest in ärmlichsten Verhältnissen geboren. Er versuchte es sich als Händler, als Bäcker, als Photograph sein Brot zu verdienen, hatte aber keinen Erfolg. Er übereiedelte nach Paris, wo er sich taufen ließ. Sein Lehrer war der Karmelitermönch Augustin, der früher Hermann Cohen geheißen hatte. Bauer wurde ein berühmter Kanzelredner und sprach oft über die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum. Seine Predigten wurden 1866 unter dem Titel «Le Judaisme Comme Preuve du Christianisme» veröffentlicht. Bauer wurde Bischof und 1867 Beichtvater der Kaiserin Eugente, schließlich auch Kaplan der Tuillerien in Paris. Nach dem Sturz Napoleon Hl. verließ Bauer die Kirche und widmete sich — dem Pferdesport. Trotz heftiger Kritik kehrte er der Kirche dauernd den Rücken. (Wir entsprechen den vielfach geäußerten Wünschen aus unserem Leserkreise, indem wir von nun an jede Woche eine Besprechung des laufenden Wochenabschnittes bringen werden. Anm. der Red.) Manche halten diese Sidra für eine der schönsten der Thora. Sie enthält drei Gedanken: Die Versöhnung Josefs mit seinen Brüdern, wobei Juda als Sprecher seiner Brüder auftrit. Josef sprach zwei Worte aus: Ani Josef, ich bin Josef. Dadurch sagte er seinen Brüdern, daß er erstens trotz seiner Würden der einfache Josef, ihr Bruder, geblieben ist, zweitens, daß er die hebräische Sprache nicht vergessen hat, drittens, daß er sie nicht vor seinem Vater Jakob verklagt hat. Jakob erfuhr nie die Sünde seiner Söhne. Der zweite Gedanke ist die Tatsache, daß Josef die Sünde seiner Brüder verziehen und vergessen hat. Aber als Schadensgutmachung, weil sie ihn aus Palästina nach Aegypten verschleppt haben, verlangte er das Versprechen, daß sie seine Gebeine wieder ins Heilige Land bringen werden. Die Midraschlegende erzählt: Diebe entwendeten aus einem Keller einen kostbaren Krug mit edelstem Weine und taten sich gütlich daran. Da wurden sie dabei vom Besitzer des Weines überrascht. Er sicherte ihnen Straflosigkeit zu, aber er verlangte, daß sie den leeren Krug wieder dorthin zurücktragen sollen, woher sie ihn genommen haben. Der dritte Gedanke ist der Beginn des ersten Galuth: Jakob erhält die Botschaft, daß Josef lebe und glücklich sei. Er weiß, daß er zu seinem Sohne ziehen muß. Er freut sich grenzenlos, aber gleichzeitig ist er beängstigt, denn der Weg nach Aegypten ist ein Abstieg (Jeridah) und der Beginn des Galuth. Er sieht, wie Maimonides es erklärt, noch mehr und weiter in die Zukunft. Nach dem ersten Galuth Aegyptens kommen das zweite, dritte und vierte Galuth, die Zerstörung des ersten und zweiten Tempels und die Zerstreuung unseres Volkes. Da greift unsere Haphtara des Propheten Ezechiel ein. Sie schildert uns die Vereinigung des ganzen Volkes. Juda und Josef sind keine gesonderten Stämme mehr, sie wachsen zu einem Volke zusammen. Die Zerstreuung Israels ist zu Ende. Unser Oberrabbiner Dr. Chajes knüpfte daran den Gedanken seines Lieblingspropheten Arnos. Josef wird die Saat bestellen und Juda mit der Ernte beginnen. Aber beide werden sich vereint die Hände reichen. Indessen naht morgen der 10. Tebeth, ein Trauer Ein Jude war es, der als erster die Bibel in die chinesische Sprache übersetzte. Er hieß Samuel Isaak josef Sehereschovsky (1831—1906). Er stammte aus Litauen, studierte in der Jeschiwa von Schitomir und später orientalische Sprachen an der Breslauer Universität. 1854 ging er nach Amerika, ließ sich dort taufen und ging ats Missionär nach Chjna. Nach 15 Jahren kehrte er nach Ame» rika zurück und wurde 1875 Bischof von Schanghai. In jahrelanger Arbeit übersetzte er die Bibel ins Chinesische. Er begann auch die Uebersetzung der Apokryphen. Während dieser Arbeit wurde er vom Tode ereilt. Im ehemaligen Oesterreich gab es ebenfalls einen Judenstämmting, der hohe kirchliche Würden erlangte. Es war dies Dr. Theodor Kohn (1845—1914) Er wurde ira Jahre 1871 zum Priester geweiht und wurde schließlich Erzbischof von Olmütz. Im Jahre 1904 resignierte er mit päpstlicher Bewilligung. Als Grund wurde Krankheit und hohes Atter angegeben. In Ungarn erlangte Wilhelm Franknoi (1843— 1924) die Bischofswürde und wurde außerdem Präsident der Akademie für Wissenschaften. Ein anderer Täufling, Isidor Löwenthal (1826—1864), wurde ebenfalls Bischof und übersetzte das Neue Testament für die Afghanen. Diese Reihe läßt sich noch fortsetzen, ln letzter Zeit war viel von einem Bischof Josef Horowitz aus Franzisko die Rede. Es hieße, er habe ein Riesenvermögen hinterlassen. Er sollte aus Szanto in der Slowakei stammen und im Jahre 1835 nach Amerika ausgewandert sein. Tausende Horowitze In der ganzen Welt meldeten ihre Erbansprüche an. Es gelang aber nicht, die Existenz dieses Bischofs und noch weniger das Vorhandensein seiner Doüarmillionen zu beweisen. Und die Horowitze in der ganzen Welt wurden um eine Hoffnung ärmer. Keiner ihrer Ahnen hatte sich taufen lassen, das wird für sie vielleicht eine Genugtuung sein. Daß er aber keine Dollarmillionen hinterlassen hat, das werden sie ihm nie vet* zeihen. tag, ein Fasttag. Die Erinnerung an den Beginn einer. Zerstörung Jerusalems. Dann kam die Verbannung aber, unsere Hoffnung blieb uns zurück, die der edle Prophet Jeremia in unvergleichlicher Weise in Worte gekleidet hat: Haschiwenu. Laß uns zu Dir zurückkehren und erneuern unser-Leben wie zuvor... Die Juden in Rhodesien ln einer Reisebeschreibung schildert Prof. Dr. M. Hindes (Warschau) seine Eindrücke und Erlebnisse in Rhodesien (Südafrika). Er sagt unter anderem: Die jüdische Bevölkerung in Rhodesien ist noch verhältnismäßig klein und lebt noch nicht sehr lange in diesem Lande. Aber alle sind sie Schüler von Cecil Rho des (des Begründers der Kolonie Rhodesia, von dem sie ihren Namen hat) und Naturkinder des Wasserfalles von Viktoria. Von Rhodes haben sie den schaffenden Pioniergeist und die nahezu unstillbare Ambition, das Wüstenland in ein Kulturland umzuwandeln und der europäischen Wirtschaft auf diesem herrlichen Flecken Boden in Afrika neue Positionen zu eröffnen. Sie wollen selbstverständlich dabei auch persönlich an Macht und Reichtum gewinnen. Viele von ihnen sind in der Tat bereits reich geworden. Aber nicht das ist die eigentliche Triebkraft ihres nahezu abenteuerlichen Lebens gewesen. Es ist eine eigene Pionierleidenschaft, die auf afrikanischem Boden wächst und dem Menschen Mut, Energie, Schwung und schöpferische Kraft leiht. Einer dieser Juden sagte mir: «Ich war einer der ersten fünf Siedler hierzulande. Rings herum machte der Matabelestamm in seiner ganzen Wildheit das Gebiet unsicher. Keine Nacht haben wir alle fünf zu gleicher Zeit geschlafen. Einer mußte immer stark bewaffnet wachen.» Das ist das Bekenntnis eines rhodesischen Juden. In seiner Seele spiegelt sich die Na*tur des Landes wieder. Sie ist rauh, aber voll Begeisterung, einfach, aber idealistisch, bescheiden und träumerisch; sie ist gesund und kräftig wie der Wasserfall von Viktoria. Kindlich naiv sagen diese jüdischen Pioniere immer wieder: «Wir würden euch zeigen, wie man Palästina aufbaut. Würden wir mR einer Sache durchfalten, so begännen wir eine zweite. Ginge es nicht an einem Ort, würden wir es an einem anderen versuchen. Wir würden alles ausprobieren, bis es endlich gelinge. Nur auf solche Weise kann ein neues Land aufgebaut werden. Wir haben diese unsere Erfahrung teuer bezahlt.. a Besprechung des Wochen- - absehniiies Wafigasch 9. Tebeih 8693 (Sf. Jänner 4933) Von Rabbiner Prof. D« K. Kupfer