Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 261 (5.1.1933)
- Date
- 1933-01-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 DIB STIMME Nr. 361 5. Jänner 1933 Zionisien!!! Der ln erschreckender Weise um Stich greifende Antisemitismus der Tat, die Verdrängung der Juden •US allen Gebieten des öffentlichen Lebens, aus Aemtern, Schulen und wirtschaftlichen Positionen, machen den Ausbau und die weiteste Verbreitung des zionistischen Wochenblattes „Die Stimme•• zum Gebot der Stunde. «Die Stimme», in der ailes, was zur Stärkung des Judentums und der Zukunft des jüdischen Volkes dient, weitestgehende Förderung und Verbreitung findet und die dem fortschreitenden AuTbauwerk in Palästina ungeteilte Aufmerksamkeit widmet, betrachtet es als ihre nicht minder wichtige und vornehme Aufgabe, sich gegen Bedrängnis und Not in der jüdischen Gasse zu erheben. Dringender denn je ist jetzt der Ausbau der «St Imme» zur wirklichen publizistischen Tribüne für •lies, was um die jüdische Gasse und in ihr vorgeht, notwendig; wirksamer und eindringlicher denn je muß „Die Stimme“ ertönen, da jüdische Existenz und jüdisches Wesen so sehr bedroht sind, da es gilt, jüdische Würde und jtidi- -sche Ehre zu verteidigen. Der Monat Jänner ist zum Werbemonat für „Die Stimme“ bestimmt worden. Im Laufe des Monates Jänner muß die Anzahl der Abonnenten bedeutend erhöht werden, damit die Ausgestaltung unserer Wochenschrift zu einem wirklichen, das gesamte jüdische Leben umfassenden Voiksblatt ermöglicht wird. Jeder Zionist, der es bis jetzt versäumt hat, «Die Stimme» zu abonnieren, soll das in den nächsten Tagen nachholen und überdies im Laufe des Monates Jänner mindestens 5 neue Abonnenten für «Die Stimme» werbene. Zionisten! Beherzigt diesen Aufrufi Werbet Abonwerben. „Die Stimme•• Je größer der Leserkreis der «Stimme», desto machtvoller unsere Propagandatätigkeit für alle Interessen des jüdischen Volkes und den Aufbau Erez Jisraels. Die Redaktion «Die Stimme» Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Dr. Z. F. Finkeistein, Dr. Deslder Friedmann, Dr. Oskar Grünbanm, Dr. Josef Löwenherz, Dr. Michael Steinberg. Gefällige Anmeldungen von Abonnements sowie Angabe von hiefür in Betracht kommenden Adressen sind an die Admin: p stion «Die Stimme», I., Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85, zu richten. Probenummern werden gratis eingesendet. Beh. konz. Realbüro ING. H. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, (jebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Joachim Neiger - ein Sechziger Der bekannte zionistische Führer Westgaliziens, Joachim Neiger, beging in diesen Tagen seinen sechzigsten Geburtstag. Gleichzeitig feierte Joachim Neiger, der eine überaus populäre und markante Figur des Kongreßzionismus ist, das vierzigjährige Jubiläum seiner Zugehörigkeit zur zio« nistischen Bewegung. Aus dem Anlaß dieses Doppeljubiiäums war Joachim Neiger in diesen Tagen Gegenstand besonderer Ehrungen in seinem Heimatlande. Die Bedeutung Joachim Neigers für den Zionismus ragt aber weit über diese Grenzen hinaus. Den zahlreichen Gratulanten schließen sich nun auch das Zionistische Landeskomitee für Oestc/.eich, sowie die Redaktion der «Stimme» mit den herzlichsten Wünschen an. Jüdische Feigheit Zionismus im Uchte rumänisches SiaaispoiMU Eine Rede des Ministers a. D. Dr. Nistor zur Begrüßung Lord Melchetts Der «Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs» gibt eine Monatschrift «Die Jüdische Front» heraus, deren erste Nummer soeben erschienen ist. Generalstabsoberst d. R. E. Allexin schreibt unter dem Titel: «Oer Jüdische Frontsoldat»: Voraussenden will ich, daß ich Deutscher und Arier bin and ehemals Stabsoffizier im österreichisch-ungarischen Generalstab war. 1m Krieg war ich Generalstabschef von deutschen, ungarischen, ruthenischen und sonstigen mehrsprachigen Divisionen. Als Augenzeuge so vieler heroischer und aufopferungsvoller Leistungen jüdischer Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten »m Weltkrieg, halte ich es jedoch für meine Pflicht, dem oft gerade zur jetzigen Zeit, speziell von einer jungen politischen Partei vorgebrachten ungerechten Urteil der Oefferrtlichkeit offen entgegenzutreten. . _v Ich könnte hier eine Fülle von'Ein’zelfallen von Heldentum und heroischer Aufopferung jüdischer Frontsoldaten anführen; könnte von einem jüdischen Reserveoffizier erzählen, der, seit 1914 als Sturmtruppenkommandant ununterbrochen an der Front, viermal schwer verwundet war und der von der bronzenen Tapferkeitsmedaifle sowie der «Goldenen», die er noch als Unteroffizier bekam, die gesamten Offiziersdekorationen bis zum Leopoldsorden besaß und zuletzt als Kommandant eines Sturmbaon im Felde stand. Damals hätte er sein Bataillonskommando zugunsten eines rangälterenj wenig an der Front gewesenen Stabsoffiziers, welcher auf Verlangen des Kriegsmimsteriums einen Kom- -mandopo6ten bekommen sollte, a-bgeben sollen. Sowohl das Divisionskommando, dessen Generalstabsohef ich war, als auch da6 Vorgesetzte Korps- und Armeekommando erhoben Einspruch dagegen, daß man diesen tapferen Offizier auf «in Kompagniekommando zurückweise, und so blieb der «jüdische» Reserveoffizier auch weiterhin SturmbataiüonskommaiKiant. Ich könnte Ihnen von dem oft äußerst tapferen Verhalten meiner meist jüdischen Divisionstelephooisten erzählen, die ich wegen ihrer Intelligenz wiederholt in die vordersten Linien vorschob, um auf diese Art verläßliche Berichte über die Ereignisse an dar Kampffront zu erhalten. Es ginge zu weit, wenn ich alle die mir bekannten vielen Einzetfälle heroischer Selbstaufopferung und tapferen Verhaltens jüdischer Frontsoldaten anführen wollte. loh werde später gewiß Gelegenheit nehmen, in Ihrer Zeitung Episoden und Charakterzüge sowie mir persönlich bekannte Heldentaten jüdischer Frontoffiziere, Unteroffiziere und Soldaten en detail zu schildern. Das eine kann ich aber heute sagen, daß jüdische Front Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere vermöge Ihrer Intelligenz oft die Führer Meiner, vom Feinde bedrängter Frontpartikel waren und gerade ihnen bei Truppen mit wenig intelligentem Mannsohaftsmaterial das Halten von Stellungen und deren Wiedereroberung oder das Zustandebringen schon aufgegebener, bezw. versprengter Truppenteile zu danken war. Oft hat ihr mutiges Beispiel die minder intelligenten Nationalitäten mitgerissen. «Tachinierer» gab es bei allen Nationalitäten und Konfessionen und wollte und könnte man deren Prozentsatz genau feststellen, so würde man vielleicht zu einem merkwürdigen Prozentergebn-is gelangen. Main sofl das Kind nicht mit dem Bade ausgießen, und die Oeffentlichkeit sollte, vierzehn Jahre nach dem Kriege, tunlichst gerecht die Leistungen der Mitbürger — gleichviel welcher Konfession — beurteilen. Oesterreich wird vielleicht SCHULE FÜR KO RP ERBIL DU N © IRUDE KLEIN Diplomierte üymnastiklehrerin der Schule Heflerau, VL, Theobaldgasse 19 (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Kurstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden in den verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag ton 9 bis 21 Uhr. noch einmal alle seine Söhne brauchen, und dann, analog wie im Weltkrieg, wohl keinen Unterschied zwischen jüdischen, katholischen oder evangelischen Soldaten machen, machen dürfen und können, .ebensowenig, wie es die feindlichen Kugeln und Granaten machten. In der heutigen schweren Lage des verkleinerten Vaterlandes sollen sich die Oeffentlichkeit und die maßgebenden Personen nicht von konfessionellen Schlagworten und Augenblioksempfindungen leiten lassen. Noch viel weniger aber steht dies einer jungen politischen Partei zu, deren Anhänger und Mitläufer einer Jugend angehören, die zur Zeit des Weltkrieges noch in den Windeln iag. Erzeugung und Reparatur von Pyjama, BiuseiMfleitfar, Hemden Anfertigung nach Maß Spezialität: Arzte- und Pflegerinnenm&atel Strümpfe repassieren, stopfen, anstricken Beete Auifilhrans Billigste Preise iMegescnsit Anna und marma Epsiein Wien. VIII., Skodagasse 30 Telephon B 40-7-78 Nächst Alserstraße Czemowitz. Zu Ehren des in der Bukowlnaer Hauptstadt Czernowitz eingetroffenen Ehrenpräsidenten des Makkabi, Lord M e 1 c h e 11, fand ein Bankett statt, an dem Minister Dr. Sauciuc-Saveanu, Minister a. D. Dr. Nistor, Divisionskommandant General Jakob, Bürgermeister Dr. Nicu Sauciuc-Saveanu, ein Vertreter des rumänischen Metropoliten u. v. a. teilnahmen. Nach Begrüßungen von Konsistorialrat Sandor, dem Bürgermeister Dr. Sauciuc-Saveanu und Max Ritter von Anhauch, der daran erinnerte, daß er seinerzeit in Genf mit dem Vater von Lord Melchett Fragen der Weltjudenheit besprach, tührte Dr. Nistor u. a. aus: Die rumänische Nation wisse das Streben des jüdischen Volkes nach einer eigenen Heimat vollauf zu würdigen. Die rumänische Nation begleite die von allen Mächten mit Beifall aufgenommene Aktion der Juden zur Errichtung Ihres Nationalheims in Palästina mit großer Sympathie. Es folgten Ansprachen vom Handelskammerpräsidenten Dr: Vihövici, Äbg. Dr. Mayer Ebner, dem Präsidenten der Bne. Briß-Loge Orient Dir. Dr. Ohrenstein und eine Dankrede Lord Melchetts. Ehrengericht in Sachen Dr Soskln In Berlin Berlin, 2. Jänner. Wie der JTA mltgeteflt wird, ist vom Vorsitzenden des zionistischen Ehrengerichtes, Rechtsanwalt und Notar S. Gronemann, in dem Verfahren der Exekutive der Zionistischen Organisation gegen den Sonderverband der Zionisten-Rcvlsionisten and gegen Herrn Dr. S o s k i n der Verhandlungstermin auf den 5, Jänner festgesetzt worden. Die Verhandlung findet am 8 Uhr abends im Sitzungssaal der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. ✓ Franz Liszt war kein Antisemit Die antisemitischen Rustassungen in seinem Werk »Zigeunere wurden von der Fürstin Wittgenstein hineingefdtschi* authentische Darstellung ihrer Tochter» der Fürstin Maria Hohenlohe Im neuesten Heft des Akad&mlai Ertesitör erscheint^ ein Brief der Fürstin Maria Hohenlohe an den Grafen Geza Zichy, der sich mit der Frage beschäftigt, ob Liszt jemals antisemitische Bemerkungen in seine Werke eingeflochten hat, und diese Frage mit einem entschiedenen Nein beantwortet. Die Fürstin erklärt auch, warum im Buch über die «Z ige unen antisemitische Sätze zu lesen waren, und erbringt den Beweis dafür, daß diese Stellen, die ehedem viel besprochen, seither in der neuesten Ausgabe des Werkes ausgemerzt wurden, nicht von Franz Liszt herrühren, sondern von seiner Freundin, der Fürstin Wittgenstein. Die betreffende Stelle aus dem Brief der Fürstin an den Grafen G6za Zichy lautet: Weber Liszts Schaffen kann ich Ihnen genau berichten, weil ich freien Zutritt in das Sanktuarium hatte, das sein und meiner Mutter gemeinsames Arbeitszimmer war. Literarisches schrieb sie unter seinem Diktate, mit Bleistift auf große Quartbögen. Alles Musikalische mußte genau nach dem Wortlaut verzeichnet werden — anderes wurde von ihm nur angedeutet, und sie arbeitete es aus. Anderen Tages wurden ihm Ergänzungen vorgelesen — und da wurde viel gestritten. Als meine Mutter schon in Rom lebte, sollte eine neue Auflage der «Zigeuner» erscheinen. Sie äußerte den Wunsch, die Korrekturen durchzusehen — und Liszt, der diesem Jugendwerk sich ziemlich entfremdet hatte, schenkte ihr volles Vertrauen, ließ ihr die Korrekturen schicken und verzichtete auf die Weitläufigkeit, sie selbst an einem anderen Orte vor dem Drucke durchzulesen. Sie ließ sich fortreißen, das Buch um die Hälfte zu verlängern — und schrieb eine Menge hinein, ohne viel darüber nachzudenken, ob ihre schrofferen Auslassungen zu Liszts Ansichten genau paßten. So kamen u. a, einige Gehässigkeiten in das Judenkapitel hinein, die Liszt niemals bewußt unterschrieben hätte. Eine wahre Hetze entstand darüber, die Liszt ganz unerwartet war. Doch schwieg er beharrlich, verscheuchte jede Deutung oder Milderung der gedruckten Worte — und vermied, die Sache meiner Mutter gegenüber zur Sprache zu bringen. Ich glaube, daß sie in ihren weltabgeschiedenen Regionen niemals erfahren hat, welchen bösen Streich sie ihm gespielt hatte! Nur mir hat er den Sachverhalt erzählt — und Ihnen vertraue ich ihn an, bittend, das Schweigen des Meisters zu respektieren. Zum Zentenarium veröffentlicht die Firma Härtel eine Volksausgabe der Prosa-Schriften Liszts — und ich unternahm sie zu revidieren, den Text von manchem Ballast zu befreien, von dem ich genau weiß, daß er nicht von Liszt stammt, und die stellenweise allzu flüchtige, veraltete Uebersetzung etwas zu modernisieren» Verraten Sie mich ja nicht, denn ich mag nicht genannt werden...» Hakenkreuzopfer Jacques Klar in Not Wie bekannt, wurde der Jude Jacques KI a r vor einigen Monaten von einem Hakenkreuzler verletzt. Klar befindet sich in großer Not und ist arbeitslos. Er ist bereit, jedn Arbeit anzunehmen. Wir bitten jüdische Arbeitgeber, ihm irgendeine Beschäftigung zu verschaffen und bitten Menschenfreunde, dem Bedauernswerten Geldspenden zuzu* wenden. Die Redaktion der «Stimme» ist bereit, Geldspende« für Herrn Klar zu übernehmen und auszuweisen. i 99352494