Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 260 (29.12.1932)
- Date
- 1932-12-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3054014--3296-3058800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 260 — 29. Dezember 1932 DIE STIMME Seit« T Wirtschaftsgeschichte der Juden in Preßburg, Dr. Eugen Forbit, völlig unberücksichtigt wurde. Unter Josef II. wurde die wirtschaftliche Existenz der Juden erleichtert. Der Preßburgtr Mandclsstand aber gab den Kampf gegen die Juden nicht auf, mul im Jahre 1797 wird in ihrem Memorandum an Kaiser Franz f. eine ganze Reihe von Einschränkungen für den jüdischen Handel verlangt. In einem besonderen Aufsatz behandelt Samuel Bettelheim die Geschichte der Preßburger Jeschiwah, der wertvolle Beiträge zur Geistes- und Kulturgeschichte der ungarischen Juden enthält. Dr. Max Schey, New York, ein begeisterter Liebhaber seiner Heimatstadt, bereicherte die Sammelschrift mit wertvollen Dokumenten, die den Schutzbrief der Judengemeinde aus dem Jahre 1714, die älteste Liste der Preßbtirger Juden sowie die ältesten Stcuerlisten der Juden in Preßburg (1748) enthalten und aus denen zu ersehen ist, daß bereits im Jahre 1709 in Preß'dirg 199 Judenfamilien wohnhaft waren. Eine große Bereicherung bringt der Aufsatz des Direktors der Wiener jüdischen Gemelndebibliotihck und bekannten Forschers Dr. Bernhard Wachstein über die jüdischen Bewohner Preßburg# im Jahre 1736, in dem er seinen bereits im Jahre 1914 im «Archiv fiir jüdische Familienforschung» erschienenen Aufsatz mit neuen Materialien erweitert, wiedergibt. Professor Dr. Samuel Kraus schildert in einem mit zahlreichen Illustrationen versehenen Aufsatz die Preßburger Synagogen, der wertvolles Material zur jüdischen Kunstgeschichte enthält. Bekanntlich erfolgte in Ungarn im Jahre 1872 die Teilung der jüdischen Gemeinde in neologe, orthodoxe und «Status quo» - Gemeinden. Dieser Umstand macht selbstverständlich die historische Darstellung der gesonderten Gemeinden in Preßburg notwendig. Josef Grünsfeld schildert die Geschichte der orthodoxen Kultusgemeinde und ihrer Institutionen seit dem Jahre 1872 bis zum heutigen Tage, David Groß die der Neologengemeinde. Dem Preßburg der Gegenwart sind Artikel von S. Komlosi und David Groß gewidmet, die das jüdische Preßburg in den letzten Dezennien hauptsächlich aber das zionistische Leben in Preßburg schildern, in welcher Stadt im Jahre 1904 die erste Misrachi-Konferenz, auf der die Gründung des Misrachi beschlossen wurde, stattgefunden hat. Ein Akten und Urkunden zur Geschichte der Prcßburger Juden in den Jahren 1092 bis 1556 in Regestenform enthaltender Anhang sowie eine von Dr. Leo Goldhammer bearbeitete Statistik des jüdischen Preßburg seit 1900 schließen diese überaus interessante Sammelschrift ab, in der zum erstenmal der Versuch unternommen wurde, eine Darstellung der Geschichte des jüdischen Preßburg zu gebon. Das Werk enthält auch nebst photographischen Wiedergaben älterer Kupferstiche Verzeichnisse und Porträts der aus der Preßburger Jeschiwa hervorgegangenen Rabbiner und Talmudgelehrten. Wenn auch das Werk in streng wissenschaftlich methodologischer Hinsicht so manche Mängel auf weist, so ist es doch eine wertvolle Bereicherung der jüdischen Geschichtsschreibung. Dr. N. M. G e 1 b e r. Berichte der Stimmet AUS ALLER WELT Amerika Dr Arthur Kraus brach den Hungerstreik ab New York. Dr. Acthur Kraus, Lehrer der Philosophie am City College in New York, brach nach achttägigem Fasten den Hungerstreik ab, in den er als Protest gegen das Unterbleiben des von ihm angeregten Demonstrationszuges dar Studenten zum polnischen Konsulat emgetreten war. Dr. Kraus hat am Donnerstag, den 22. Dezember, den Defnonstrationszug der Studenten gegen die antisemitischen Ausschreitungen an den polnischen Universitäten zum Gebäude des polnischen Konsulats geführt. Frau Roosevelt und das „Ort“-Aufbauwerk Paris. Der Präsident der Alliance Israölite Universelle Sylvain Levy und der Grand Rabbin von Frankreich Israel L e v y, beide Führer der Gesellschaft zur Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Industrie unter den Juden Ort in Frankreich, haben Frau Roosevelt aus Anlaß der Wahl ihres Mannes Franklin Roosevelt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten in einem in herzlichen Worten abgefaßten Telegramm begrüßt und ihr bei dieser Gelegenheit nochmals den Dank dafür ausgesprochen, daß sie im Jahre 1929 an der in den Vereinigten Staaten zugunsten des ORT- Aufbauwerkes durchgeführten Kampagne aktiven Anteil genommen hat. Hoover und Roosevelt begrüßen Morris Rothenberg « New York. Inr Hotel «Aston» fand zu Ehren des Präsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas, Morris Rothenberg, der seit 20 Jahren an hervorragender Stelle in der zionistischen Bewegung arbeitet, ein Bankett statt. Präsident Hoover und der neugewählte Präsident Franklin Roosevelt sowie der Gouverneur von New York, Herbert Lehman, der Präsident der Jewish Agency, Nahum Sokolow, Dr. Weizmann u. a. m. sandten Begrüßungstelegramme an Rothenberg. Auf dem Bankett würdigten Nathan Straus, Felix M. Warburg, Dr. Cyrus Adler, Stephen S. Wise, James Mairehall u. a. m. die Verdienste Rothenbergs um das Palästina-Werk. Jüdische Verfeidigungsexekufive in New York New York. Unter der Leitung von Dr. Arthur Kraus, der jüngst durch seinen Hungerstreik aus Protest gegen die Duldung der antisemitischen Ausschreitungen an den polnischen Universitäten Aufsehen erregt hat, hat sich eine jüdische Verteidigungsexekutive gebildet, der Vertreter deir folgenden Studentenorganisationen angehören: «Menorah», «Avukah», «Social Problems Club», «League for Industrial Democracy», «Inter-Club Council», «Newrnan Club» und «Y. M. C. A.» Gemeinsam mit der „Pog41 r. fl. m. b*R. haben wir seit Oktober <932 3 Patäsiinaeetoen erfolgreich durchgeführt. Wegen des lebhaften Interesses weiter Kreise veranstalten wir ab Februur «930 wieder Palästinareisen unter der Devise Purim und Petsaeh in Palästina zu besonder« glliMflaeis Konditionen- Näheres in der Verwaltung der »Stimm««. (Belgien Ein Jude im neuen belgischen Parlament Brüssel Im neugewählten belgischen Parlament sitzt nun auch ein Jude, Mark S o m m e r h a u s e n, der auf der Liste der Sozialistischen Partei gewählt wurde. Sommerhausen entstammt einer Rigaer jüdischen Familie und ist ein Freund des jüdschen Palästina-Werkes. Der Minister für auswärtige Angelegenheiten Belgiens, Hymans, ist jüdischer Abstammung; er selbst betrachtet sich aber nicht mehr als Jude. SOeuisektand Wieder „Kulturs-Debatte im Preußischen Landtag... Die nationalsozialistischen Anträge über Ausschluß der Juden aus Theater, Film und Rundfunk gelangen erst in der zweiten Hülfte des Jänner 1933 zur Abstimmung. — Der Sozialdemokrat Meier rechnet mit Kulturantisemitismus ab. BerOn. Im Landtag fand am Freitag eine große kulturpolitische Aussprache statt. Zunächst überwies das Parlament einen deutschnationalen initiativ-Gesetzentwurf über eine gesetzliche Neuregelung der Kirchenbezw. Synagogenaustritte ohne Debatte an den Rechtsausschuß. Hierauf kamen die kulturantisemitischen nationalsozialistischen Anträge zur Beratung, die im Unterbezw. im Hauptausschuß bereits vor mehreren Monaten behandelt worden waren. Einmal handelte es sich um den vom Hauptausschuß angenommenen Antrag, der das Staatsministerium beauftragt, dem Landtag alsbald von sämtlichen Staatstheatern und Staatskapellen eine genaue Aufstellung aller beschäftigten Ausländer und aller derjenigen, die die deutsche Staatsbürgerschaft nicht besitzen. ... und eine neue Friedhofsschändung Berlin. In Osthofen (Kreis Worms), der Zentrale der nationalsozialistischen Bewegung in Hessen, wurden auf dem Friedhof der israelitischen Religionsgemeinde zwei schwere Grabsteine umgestürzt. Seitens der israelitischen Religionsgemeinde ist auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung ausgesetzt worden. Zionistische Besivhssefciion Leopoldstadt tfrankretrlk Zwei Juden im neuen französischen Kabinett Paris. Dem von Paul-Boncour gebildeten neuen französischen Kabinett gehören zwei Juden als Minister an: def. Deputierte und Bürgermeister von Le Havre L£on Meyer, der das Portefeuille der Handelsmarine übernahm, und Senator Alexandre Israel, der zum Unlerstaatssekretär im Innenministerium ernannt worden ist. Die beiden jüdischen Minister gehören der radikal-sozialistischen Partei an. Für Besserung der Rechtslage der jüdischen Frau Paris. Der Obemabbiner von Frankreich Israel Levi führte den Vorsitz in einer auf Anregung von Frau Zadock* Cahn, Vizepräsident^ des Ausschusses für Besserung der Rechtslage der jüdischen Frau, einberufenen Beratung, ui der beschlossen wurde, in Paris ein Bureau zu errichten, das jüdischen Frauen, deren Eheverhältnisse nicht geregelt sind, dazu verhelfen soll, die notwendigen Dokumente zu erlangen. Es wurde ein Komitee gebildet, das die Sammlung von Unterschriften für die Besserung der Rechtslage der jüdischen Frauen übernahm. Motiand Die aschkenasisch-jüdische Gemeinde in Amsterdam zählt 62.443 Mitglieder Amsterdam. Laut dem Jahresbericht der aschkenasisehjüdischen Gemeinde in Amsterdam für das Jahr 193! zählt diese Gemeinde 62.443 Mitglieder. Die religiösen Schulen der aschkenasischen Gemeinde waren Ende Dezember 1931 voa 1896 Schülern besucht. 389 Eheschließungen und 15 Ehescheidungen wurden im Berichtsjahre durch das Rabbhttt vollzogen. Rumänien Der antijüdische Terror in Jassy Ein Memorandum an den Premier Maniu und den laaeuminister Mihalache Bukarest Die jüdischen Deputierten der rumänische» Kammer Dr. Josef Fischer, Adv. Mischu Weißmann und de» Sekretär der Jüdischen Reichspartei Dr. Stern überreichten dem Ministerpräsidenten Jutiu Maniu und dem Innenminister Mihalache ein Memorandum der jüdischen Bevölkerung der Stadt Jassy, in dem der tiefsten Besorgnis und Empörung über die Häufung antisemitischer Terrorakte in der Hauptstadt der Moldauprovinz Ausdruck gegeben wird. In dem Memorandum wird der brutale Ueberfall auf die wohltätige Veranstaltung des jüdischen Vereins «Lubirea cameni» (Menschenliebe), bei welchem viel jüdisches Blut geflossen ist, in seinen Einzelheiten geschildert und dann erklärt, dieser Ueberfall stehe nicht vereinzelt da, in den letzten Tagen seien öfters jüdische Passanten in den Straßen angegriffen und mißhandelt worden, an der Universität Jassy wurde de» Student Salomon Puju am Kopfe schwer verletzt, auch AH4 Schläge gegen jüdische Geschäfte finden statt. Allen diese». Terrorakten gegenüber bleiben die Behörden untätig, so daß* die Lage der Juden Jassys immer gefahrvoller wird. — Ministerpräsident Maniu und Innenminister Mihalache versprachen den jüdischen Abgeordneten, für bessere Sicherheit in Jassy zu sorgen. Ein Regierungsvertreter wird sich nach Jassy zur Untersuchung der dortigen Verhältnisse begeben. Ermäßigung der Paßgebühren für Chaluiim in Rumänien Bukarest. Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Chatuzbewegung in Rumänien und in Anerkennung des »dealen Charakters der Palästina-Pionierbewegung hat der Finanzminister Madgearu auf Intervention de6 Abg. Landau die Paßgebühren für Chaluzim, die nach Palästina gehen, um 75 Prozent ermäßigt. Saloniki Die Stadt Saloniki für das jüdische Wohlfahrtswerk Saloniki, 22. Dezember. (J. T. A.) In Anbetracht dessen* daß die Juden ein Fünftel der Bevölkerung Salonikis ausmachen (50.000 Juden unter 250.000 Einwohnern), hat der Stadtrat auf dringende Vorstellungen der jüdischen Stadtra/tsmitglieder Salvator Djahon und Isaac Molho beschlossen, daß von den für philanthropische und Kulturinstitutionen bestimmten 7 Millionen Drachmen 630.000 Drachmen speziell jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen zur Verfügung gestellt werden sollen. Beh. konz. Realbüro ING. N. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken 1„ II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, üebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 / „ ..r.:=: - Club „Eres Israel* am amstag, den 31. Dezember 1932, um 8 Uhr abends im Featsaale des Hotel Continental, Wien, U., Taborstraße 4 Festrede: Dr. Josef Löwenhev* PROGRAMM: Frl. Adele Bauminger (Violine), Bob und Berty (Klavierhumoristen\ Dr. Max Hönig (jüdische Volkslieder), Gertie Sitte (Tänze), Dr. Osker Teller und Viktor Schlesinger (humoristische Vorträge), Jazzkapelle „Waltis Elite Kiddies“, Conference; Dr* Sem Wolf