Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 260 (29.12.1932)
- Date
- 1932-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte 8 DIE STIMME Nf. 260 — 29. Dezember 1932 f; I r f ' r Otto Heiter des Plagiate beschuldigt ln der sozialistischen theoretischen Zeitschrift «Die Gesellschaft» bespricht im N'ovcmberheft Otto Männchen — Helfen das Bu.’u utto Hellers «Der Untergang des Judentums», das er einer vernichtenden Kritik unterzieht. Er weist darauf hin, daß die theoretischen Begriffe, als .nun Autor sich stolz Otto Heller ausgegeben hat und feiern ließ, schon in der Vorkriegsliterafar bei Kautsky und Bauer finden und erhebt in diesem Zusammenhänge g‘'gcn Heller den schweren Vorwurf des Plagiats. Im zweiten Jede der Kritik weist er auf die wirtschaftliche Vernichtung des russischen Judentums durch die Revolution von 1917 und auf die sich darauf ergebende Notwendigkeit der Produktiv' eru g ein. «Diesen Umschichtungs- und Produktivierungsprozeß darzustellen, wäre eine dankbare Aufgabe gewesen. Das Heller sehe Buch versagt auch hier. Man muß nur einmal einen halben Tag in dem Paßhvan der administrativen Abteilung der Moskauer oder Leningrader Sowjets gestanden haben, um zu wissen, wie verlogen die Behauptung ist, < was östlich der Sowjet grenze lebt, denkt nicht mehr an Emmigration». Hätten die Sowjets die Auswanderung freigegeben, wären ungeheure Massen von Juden ausgewandert von Weißrußland, wo nach Hellers eigenen Worten 1926 ihre wirtschaftliche Lage verzweifelt war, bis in. h Samarkand, wo sie im Wnter 1929 «effektiv» hungerten. Die Möglichkeiten landwirtschaftlicher Siedlung sind recht eng begrenzt. Birobidschans Gegenwart ist überhaupt dürftig, darüber kann selbst der Glanz, der von den Hellerschen Schilderungen von Sonnenuntergängen im Urwald auf das Soziale abfiiUt, nicht täuschen. Den Statistiken, die Heller bringt, ist nicht zu trauen, ln Weißrußland sind rund 10.000 jüdische Familien Mitglieder von Kollektivwirtschaften (S. 245). Seite 240 liest man, daß es in Weißrußland gibt: 5S40 Familien in Vorstadtsiedlungen, 3C00 in Bodenfondskoiotiicn, 1600 in alten Kolonien. Am 1. März 1931 waren von den 9300 Familien der Vorstadt- und Bodenfondskolonien 4800 in Kollektiven vereinigt (S, 245). Daraus folgt, daß von 1600 Familien der alten Kolonien sich 5200 zu Kollektiven vereinigt haben! Nirgends halten die Zahlen einer eingehenden Prüfung stand, lieber all die gröbsten Fehler. Die Georgier sollen sich selbst Grulier nennen (S.311), was aber bekanntlich nur der russische Name für sie ist. Heller, der so viel über die Kollektiven schreibt, hat nie ein Kollektivstatut in der Hand gehabt, sonst könnte er nicht schreiben, daß die Ariels am jahress&tiuß. je nach eingezahltem Anteil, den Gewinn verteilen >'S. 382). Die Reihe ließe sich unschwer noch langt /ortsetzen. Zusammengefaßt: Zum Teil Plagiat, zum Teil Unwissenheit, das ist die «mathematische F.nirätselung der Judenfrage» durch den Kommune; ten Otto Heller.» Zum Tode des Samaritaner «Hohen Hagadol» Isaac Ben A mr am, der «Hohepriester», der Samaritaner, der in der Nähe von Nablus (dem biblischen Schechem), am Fuße des Berges Gerizim ansässigen, etwas über 200 Seelen zählenden religiösen Sekte, ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Der Bestattung in Nablus wohnten auch Vertreter des Waad Leumi und der Jewish Agency bei. Isaac Ben Amram führte in seiner Gemeinde den Titel «K o h e n Hagadol» und genoß weit über den Kreis seiner Sekte hinaus in ganz Palästina Popularität. Ihrem ersten Passah-Abend, dem 14. ljar, da die Samaritaner auf dem Gipfel des Berges Gerizim ihr Passahfest durch Opferung eines Lammes nach dem altbiblischen Gebote feiern, wohnen alljährlich hunderte jüdische Touristen bei Isaac Ben Amram und seine Gemeinde pflegten die Touristen immer gastfreundlich zu empfangen und sich mit ihnen hebräisch zu unterhalten. Bei einer solchen Gelegenheit äußerte isaac Ben Amram die Absicht, eine Reise nach London zu unternehmen, um im Brith-Museum Quellenstudien zum Zwecke der Abfassung einer Geschichte der Samaritaner zu betreiben. Die Samaritaner führen ihren Ursprung auf das 8. Jahrhundert vor der üblichen Zeit, die der Trennung Judas von Israel, zurück. Einst eine mehrtausendköpfige große Sekte, sind sie in den letzten Jahren auf etwa 200 Seelen zusammengeschmolzen. In den allerletzten Jahren soll ihre Zahl wieder auf 230 Seelen gestiegen sein. Die Zionistische Organisation hat für sie in Nablus eine Schule eingerichtet. Die samaritanische Jugend zeigt sich für moderne Landwirtschaft sehr interessiert. Mit den Arabern leben die Samaritaner im allgemeinen in Frieden, jedoch nach den Unruhen im Jahre 1929 wurden auch sie von Arabern aus Nablus, dem Zentrum a'es arabischen Nationalismus, schwer Tästigt. Isaac Ben Amram wurde wiederholt beschimpft, die von ihm geleiteten Gottesdienste wurden gestört, so daß sich die Gemeinde zur Ueberreichung einer Klage hei der Palästina-Regierung veranlaßt gesehen hat. Btiteratfur/Kunst / Theater firoBfleisclitiauerel SIEGM. KORNMEHL Zentrale tX, Berggasse IV, fe>. A Iz-d-tten. A 16-9-34 Lieferant »tir Heilanstalten Abteilungen för i^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen rfabbinats der Israelitischen Kuitus^emeinde Wien 4utocu>l«liuno .«osieniofr IX, Berggasse i' XVlJi. Währingerstraße Schöner Erfolg des indischen Bildhauers Max Farbmann Wie wir erfahren, hat das Kunsthistorische Museum von Wien vor einigen Tagen 5 Plaketten des bekannten Bildhauers Max Farbmann angekauft. Diese Plaketten stellen Tempelszenen dar. Max Farbmann ist hier seit vielen Jahren als Bildhauer bekannt. Er hat an der Wiener Akademie der bildenden Künste die Schule Prof. Müllner und die Meisterschule Prof. Hellmer absolviert. Vertreter von Kunst. Wissenschaft und Politik wurden von ihm modelliert. Ein Relief eines bekannten Wiener Dichters befindet sich seit 1925 im Museum der Stadt Wien. Derzeit arbeitet der Künstler an einer Büste des Prüf. Dr. Kotier und einigen interessanten Holzplastiken. Es wäre zu begrüßen, wenn wir in Kürze eine Kollektivausstellung der Werke des Bildhauers Farbmann zu sehen bekommen würden, da es interessant wäre, das Gesamt-Oeuvre dieses Künstlers vereinigt zu sehen Kiriath Sepher tSoeuu! erschien Heft 3 des neunten Jahrganges von «Kirjath S e p h e r», der von der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek herausgegebenen bibliographischen Vierteljahrsschrift. Das Heft umfaßt 132 Seiten und enthält außer den Nachrichten der Bibliothek, der Bibliographie der Palästinadrucke, sowie der Hebraica und Judaica der ganzen Welt 14 Buchbesprechungen über wissenschaftliche Bücher, die in letzter Zeit erschienen sind. Die Rezensionen sind geschrieben von: M. Schwabe, F. Baer, A. Yaari, S. Shunami, M. Z. Segal, M. D. Cohn, B. Joel, N. Bentwich, H. Bergmann, V. Tscherikover, J. Klausner, S. Jevin, H. Kohn, B. Schochetmann. Die Nummer enthält außerdem die folgenden Aufsätze: J. Heilprin: Die Vier-Länder^Synode und das hebräische Buch. A. Marmorstein: Zufügungen und Ergänzungen zu Davidsons Thesaurus der mittelalterlichen hebräischen Poesie. A. Yaari: Das Buch Pessach laadonei von R. Chaim ben Meir ihn Gabbai. Zum Schluß des Heftes bringt A. Yaari eine Notiz über die Vier-Länder-Synode. Die Zeitschrift ist bei der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem sowie durch jede Buchhandlung zum Preise von Mark 15.— pro Jahr zu beziehen. Neuerscheinungen indischer Musik Im Verlag cjibneft* ist das Werk «Chassidisch» für Klarinette, Streichquartett und Klavier von M. Stillman erschienen. Dieses interessante Werk wurde während der vorigen Saison an einem Kammermusikabend des Wiener Vereines zur Förderung jüdischer Musiik mit großem Erfolg auf geführt. Demnächst erscheinen in demselben Verlag Brandmanns Variationen über einen palästinensischen Volkstanz für Streichquartett und Streichorchester und Lieder für eine Singstirmne, Bratsch« oder Violine und Klavier auf Bjaliks T exte. S. B e 11 i s o n — jüdischer Komponist und sehr bekannter Klarinettenvirtuose Amerikas (Solist der New Yorker Philharmonie) — hat vier jüdische Genrebilder für Klarinette und Klavier beendet, welche auch im Laufe der nächsten Monate im Verlag «Jiibneh» erscheinen werden. Tod des Gelehrten Wolf Gerstel Lemberg. Im Alter von 79 Jahren verstarb in Lemberg der berühmte «Jarisower R a w» WoW Gerstel. Er war nicht nur ein hervorragender TaLmudist, sondern auch ein großer weltlicher Gelehrter. Er veröffentlichte eine Reihe Werke über Botanik und Astronomie und schrieb wissenschaftliche Aufsätze auch für deutsche Zeitschriften. Sein «Jüdischer Kalender» war einst in der ganzen Welt populär. Während der Kriegszeit verbrannten die in seine Stadt eingedrungenen russischen Kosaken alle seine Bücher und Manuskripte, unter ihnen auch das vollständige Manuskript der Talmud-Uebersetzung. Er mußte die ungeheure Arbeit noch einmal tun und verlor dweh Ueberanstrengung sein Augenlicht. Er starb in Armut. zunisiiacne BezirKsgemion mieoen-tdargareien Am 31. Dezember 1932, 20.30 Uhr, in den Gesellschaftsräumen des n.-ö. Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, Makkabäer-Feier mit Tai» Festreefe: Dr. Des. Friedmann Gesang (Minka Schkdmch), Oboe (Dr. S. Seidner), Rezitationen (Dr. 0. Teller), heitere Vorlesung (S. Schwager), Tanzvorführungen (Trude Klein). Karten: Zionistisches Büro, 1., Kärntnerstraße 28; Heinrich Müller, IV., Argentinierstraße 62; Terrassencafö, V., Margaretenplatz 4. „Herscheie Osfropoler“ in den „Jüdischen Künsflerspielen“ Gastspiel der Schauspieler der «Wilnaer Truppe» In den Jüdischen KUnstiersipieien, II., PraterstraBe 34, Tel. R 40-0-94, gestaltete »ich die Uraufführung des vierakti» gen Lustspiels «He scheles Ostropoler» von M. Lifschüt* zu einer künstierisdun Sensation, in erster Reihe dank der hervorragenden Leistung der jetzt in den «Jüdischen Künstlerspielen gastierenden prominenten Schauspieler der «Wilnaer Truppe*, Josef Kamen, Jakob W ei Blitz und Difia Kön i g. Das Stück hatte bei der Premiere großen Erfolg und das Theater war sowohl bei der ersten, wie auch bei de» späteren Vorstellungen ausverkauft. Das Lustspiel, zu dem H. Kohn eine anheimelnde Musik komponiert hat, bleibt mm einige Tage auf dem bpielplan, um den weitesten Kreisen der Wiener jüdischen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, den Aufführungen beizuwohnen. — Beginn der Vorstellungen pünktlich halb 9 Uhr. Auf Stück und Aufführung kommen wir noch zurück. Silvesterfeier in den «Jüdischen Künstlerspielen» Samstag, den 31. Dezember, finden in den «Jüdischen Künstlerspiel en», 2. Bez., Praterstraße 34, zwei Vorstellungen statt. Um halb 9 Uhr abends «Herscheie Ostropoler», um 11 Uhr große Silvester-Revue unter Mitwirkung von Josef Kamen, Jakob Weißlitz, Dina König u. a. Diina König, die hervorragende Darstellerin der Wilnaer, wird in dieser Silvester-Revue Gelegenheit haben, sich dem Wiener Publikum als Soubrette von Rang vorzustellen. Konzert Oberkantor Israel Alter Die Misrachi-Jugend Wiens veranstaltet am Mittwoch, 4. Jänner 1933, präzise 8 Uhr abends, im großen Festsaale des Hotels „Bayrischer Hof», Wien, 2. Bez., Taborstraße 39, ein großes Konzert des berühmten Oberkantors Alter, Hannover. Mit wirkend: Konzertmeister Prof. Josef Zimbler. Karten von S. 1.50 bis 3.— Buchhandlung M. Rath, Wien, 2. Bez., Taborstraße 20a, Radio- und Elektrohaus Hager, 20. Bez., Staudingergasse 14, und im Misrachi-Heim, 2. Bez., Hollandstraße 10, täglich von 7 bis 10 Uhr abends. Zur Komplettierung einer jüdifchen Bibliothek werden die folgenden Bücher und Schriften benötigt: «H a s c h o m e r» (Jahrgang 1918, Nr. 10) Heinrich Graetz: «Geschichte der Juden», Volksausgabe, Band 11 (eventuell gegen Band I) Adolf Böhm: «Geschichte des Zionismus», l. Teil Psalmen in Mendelssohnscher Uebersetzung, II. Teil. Angebote und Zuschriften an die Redaktion dieses Blattes erbeten. Die jüdische Volksbibliothek „Zion“ Wien, II., Kleine Mohrengasse 3, verfügt über eine Auswahl von mehreren tausend Büchern in jüdischer, hebräischer und deutscher Sprache. Monatsgebühr 80 g, für Jugendliche 40 g. Bib- Irothekssbunden: Montag—Donnerstag von 18.30 bis 20.30 Uhr, Sonntag von 10.30 bis 12.30 Uhr. Personalnachrichfen Trauung Donnerstag, 22, d. M., fand im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Ing. Felix Kam Inka, Sohai des Rabbiners Dr. Kaminka, mit Frl. Dr. phil. Ulli Popper, Tochter des Herrn Otto Popper, statt. Große Blalik-Feier der Histadruth Iwrith Anläßlich des 60. Geburtstages des größten Dichter» des jüdischen Volkes Ch. N. B i a 11 k veranstaltet die Histadruth Iwrith am 14. Jänner, 20 Uhr, im großen Festsäale des Hotels «Continental» eine große Bialik-Feier mit reichem, künstlerischem Programm (Festrede, Violin-, Klavier- und Gesang6virtuosen). Kartenvorverkauf beim Keren Kajemeth, I., Kärntnerstraße 28; Bücherstube Rath, II., Praterstraße 20; bei den Mitgliedern der Histadruth Iwrith und an der Tageskassa. Trauung Die Trauung des Frl. Ruth Schweiger, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. Albert Schweiger, Mödling, mit Herrn Rabbiner Dr. Heinrich Guttmann, Landsberg (Warthe), Sohn des Herrn Seminarrabbiners Prof. Doktor Michael Guttmann, findet am 4. Jänner 1933 in Breslau (Lessing-Loge, Agnesstraße) statt. Sprechsaal der Stimme Für die Mitteilungen, die In dieser Rubrik erscheine^ übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Sehr geehrter Herr Redakteur! In der vierten Klasse der städtischen Mädchenvolksschule in Wien, IX., Grüne Torgasse, fand eine Weihnachtsfeier statt, bei welcher fast durchwegsjüdische Schülerinnen mitwirkten. Das gleiche gilt von anderen Wiener Schulen. Es scheint daher, daß die jüdischen Religionslehxer es unterlassen haben, hier einzugreifen. Ich empfehle daher dem neuen Kultusvorsteind, künftig derartige Skandale abzustellen. Weihnachten ist ein christliches Fest, bei dem jüdische Kinder nichts zu suchen haben. Mit Zionsgruß J. K. Die Hinterbliebenen geben hiemit Nachricht vom Ableben ihres innigstgeliebten Vaters, Großvaters, Bruders und Onkels, Herrn Gereon Hanl« welcher nach schwerem Leiden am 28. d. M. verschieden ist. Das Begräbnis findet heute, Donnerstag, statt.