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Die Stimme · 1932-12-29 · Heft 260 (29.12.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 260 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 260 2'J. Dezember 19J2 rderung 4tr Nftri-Studenten auf Entlassung des Professors Ernst Cohn einen festen Standpunkt ein. Daß dlt mitteleuropäischen Universitäten sich aus Zentren des Liberalismus zu Brutstätten der Reaktion verwandelten, hat seine politischen und wirtschaftlichen Oründe. Der deutsche Anwalt-Verein zum Beispiel, der für einen Numerus clausus für Anwälte überhaupt eintrltt, veröffentlichte Zahlen, die zeigen, daß, während noch im Jahre 1901 in Deutschland ein Anwalt auf 9000 Einwohner kam, heute schon ein Anwalt auf 3000 Einwohner kommt. Solcherart sind die Schwierigkeiten, denen die akademische Jugend in ihrem Kampf um eine nackte Existenz begegnet. Solche Schwierigkeiten bestehen auch In dem medizinischen Beruf. Wenn Herr v Papen das Wahlalter von 20 auf 25 Jahre erhöhen wollte, so scheint einer der Gründe hierfür der Wunsch gewesen zu sein, Politik möglichst von den Universitäten fernzuhsi'tn. Palfiffina «in Udifpunkf im jüdifdien Leben In dem Bericht über Aden wird festgesteiit, daß der Chief Commissioner von Aden eine Untersuchung über die Feststellung des den jüdischen Pogromopfern zugefilgten Schadens abgelehnt hat, weil er den Standpunkt vertritt, es könne von Schadenersatz keine Rede sein, wenn Schuldige nicht festgestellt werden konnten. Das Committee plant weitere Aktionen in dieser Sache. Dr. S. Daiches verlas den Bericht des Joint Foreign Committee über die Lage in Palästina. Palästina, so wird in dem Bericht festgesteiit, i s t gegenwärtig der Lichtpunkt Im jüdischen Leben und vielleicht der hellste Punkt in der zivilisierten Welt. Die politische Lage hat rieh seit dem Amtsantritt des High Commissionen Sir Arthur Wauchope verbessert. Der wirtschaftliche Fortschritt ist groß, in Palästina gibt es faktisch keine Arbeitslosigkeit, einen solchen Zustand kann man wohl Prosperität nennen. Dr. Daiches schloß mit den Worten: Ich bin dessen gewiß, daß es der Wunsch des Board of Deputies sei, daß die englischen Juden nach Kräften zum Keren Hajessod und damit zur Entwicklung des Jüdischen Nationalheims beitragen. Beatrijcbad HL» Unke Bahngassc 9 Rus sisches Steinschwitzbad mit Besenbehandiung, neu errichtet. Dampf-, Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der Badekasse gegen Ueberreichung dieses Kupons (ausschnelden!) um nur e i n e n S c h i 111 n g ein russisches Schwitzbad mit Wäsche. — Gültig bis Ende Jänner 1933. Zweierlei Maß Die Wiener Universität hat aus einem interessanten Grunde diesmal von Anfang Dezember die Studenten in die Weihnachtsferien geschickt: Reibereien zwischen katholischen und nationalsozialistischen Studenten führten zum Austritt der katholischen Studenten aus der «Deutschen Studentenschaft», der rassenantisemitischen Vereinigung, die, von vielen Professoren liebevoll betreut, die Universität beherrschte. Es bestand die Oefahr von Prügeleien zwischen hakenkreuzlerischen und christlichsozialen Studenten und rasch beschloß der Akademische Senat den sofortigen Beginn der Weihnachtsferien. Wir erinnern uns, daß die jüdische Studentenschaft wiederholt vergeblich den Akademischen Senat darauf aufmerksam machte, daß die Hakenkreuzler Juden- Prügeleien vorbereiten. Nie verfügte der Akademische Senat eine so einschneidende Maßnahme wie jetzt im Streite zwischen Christlichsozialen und Hakenkreuzlern, bevor es zu skandalösen Szenen kam. Mein Gott, es handelte sich ja nur um Juden. Es ist nicht unsere Absicht, uns in den Streit zwischen den christlichen Parteien einzumengen. Uns zuliebe wurde auch diesmal die Sperrung der Universität »nicht verfügt. Bs ging darum, dem Ueberlaufen der ''Christlichsozialen zu den Hakenkreuztem einen Riegel vorzuschieben. Darüber belehrt uns eine Entschließung des Tiroler Landtages vom 22. Dezember 1932, die wie folgt lautet: «Die letzten Ereignisse an den Hochschulen, insbesondere auch an der Universität Innsbruck, führen die Gefahr herbei, daß die akademischen Behörden eine Unterscheidung zwischen den Angehörigen der sogenannten «Deutschen Studentenschaft» und den Hochschülern, die dieser sogenannten «Deutschen Studentenschaft» nicht angehören, vornehme. Dadurch entstand zweierlei Recht auf den Hochschulen, ein 2ustand, der dem Rechtsgefühl der Bevölkerung und den Begriffen des Rechtsstaates durchaus widerspricht. Wir fordern daher die Landesregierung auf, bei der Bundesregierung vorstellig zu werden, damit diese die geschilderte Entwicklung mit Aufmerksamkeit verfolge und rechtzeitig eingreife.» Diese Entschließung spricht eine sehr beredte Sprache. Auf einmal ist die «sogenannte Deutsche Studentenschaft» nicht mehr das Ideal auch der Christlichsozialen, als das sie von Piff) und Czermak hingestellt wurde, ja sogar, man höre und staune, der Tiroler Landtag nicht urplötzlich die Entdeckung, daß «zweierlei Recht auf den Hochschulen» herrsche, das dem «Rechtsgefühl der Bevölkerung und den Begriffen des Rechtsstaates durchaus widerspricht.» Solange nur Juden verprügelt und am Besuch der Vorlesungen verhindert wurden, bestanden offenbar diese Gefahren nicht. Solange christlichsoziale und hakenkreuzlerlsche Stahlruten jüdische Schädel einschlugen, wurde das Rechtsgefühl der Bevölkerung nicht verletzt. Jetzt natürlich Ist es etwas anderes. Jetzt nimmt die christlichsoziale Partei die Reste Ihrer Jugend liebevoll unter Ihre Fittiche. ’nn msin Ich offeriert' foluenor Paläsiina-Pvodukie: Jaffa-Orangen pro kg S 1.20 Jaffa-Grape Fruit pro Stück von S - 40 aufwärts Schemen-Olivenöl pro kg S 3.P0, >/2 kg S 2.— Schemen-Toiletteseife (6 Sorten) pro Stück von S —55 aufwärts Chedera-Honig (in Becher) pro % kg S 1.—, */2 kg (in Glas) S 2 20 Karmel-Weine (6 Sorten) 1 Flasche von S 2 80 aufwärts Franko Haus gegen Kassa hei Uebernalimc SAMUEL HALPERN, WIEN, II., FÖRSTERGASSE 6 Telephon A 4Ö-4-12 Wir Juden werden der weiteren Entwicklung mit verschränkten Armen zusehen, werden aber auf der Hut sein. Es ist klar, daß wir auch weiter nichts Gutes zu erwarten haben. Wir sind nicht so naiv zu glauben, daß es den Christlichsozialen zweierlei Recht bedeutet und ihr Rechtsgefühl verletzt, wenn wir Juden systematisch aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet werden. Credit-Anstalt, Staatsdienst und Richteramt sind so die Wahrzeichen des kalten Pogroms, der gegen uns wütet. Mehr denn je ergibt sich daher für uns die Notwendigkeit, den Schutz unserer Rechte selbst in die Hand zu nehmen und mit aller Kraft für das Recht der jüdischen Jugend zu kämpfen. Wir verlangen für uns nicht «zweierlei Recht», wir verlangen für die jüdische Minderheit ln Oesterreich die tatsächliche Durchsetzung aller Rechte, die der Mehrheit zustehen. Erst nach Erreichung dieses Zustandes wird unsere papierene Gleichberechtigung zu einer faktischen geworden sein. Was aber der Tiroler Landtag tatsächlich will, bedeutet, soweit es uns betrifft, die Aufrechterhaltung des jetzigen Zustandes, «der den Begriffen eines Rechtsstaates durchaus widerspricht.» 0. g. Biatihs Anklage gegen die Sowjets Tel-Awiw. Der berühmte hebräische Dichter Chaim Nachman B i a 1 i k, der neuerdings einen Appell an die jüdische Presse der ganzen Welt, gegen die Verfolgung von Juden in Rußland im Zusammenhang mit der Suche nach ausländischer Valuta zu protestieren, richtete, fährt in seiner Anklage gegen die sowjetrussischen Behörden, denen er Verfolgung und Marterung von Juden im Zusammenhang mit der Suche nach ausländischer Valuta vorwirft, fort. Bialik Übergab der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine Anzahl Dokumente, betreffend solche Judenverfolgungen, wobei er erklärte, daß er sich für deren absolute Zuverlässigkeit verbürgt. In einem aus Kiew an Bialik gerichteten Appell wird mitgeteilt, daß in dem Städtchen Karosten in der Nähe von Kiew 30 Juden verhaftet und drei Tage lang bei strengem Frost unter freiem Himmel bewacht gehalten wurden, wobei ihnen nicht gestattet wurde, Nahrung zu sich zu nehmen, dies alles, um sie zur Herausgabe eventuell in ihrem Besitz befindlicher ausländischer Valuta zu zwingen. Vier Fünftel der auf solche Weise Gepeinigten sind so schwer erkrankt, daß Lebensgefahr für sie besteht. In dem Städtchen Chabne verstarb der Jude Wolf Lutzky an den Folgen der gegen ihn zur Erpressung von Valuta angewandten Torturen. Auch aus Moskau erreichte Biallk ein Appell, die Judenheit zum Proteste in großem Maßstabe gegen die Valuta-Tortur ln Rußland zu veranlassen. Heizmann—Leiter des Instituts für Landwirtschaft an der Jerusalemer Professor Chaim W e i z in a n n, dessen Rede über die hebräische Universität am Skopusberge auf der Jahrestagung der Londoner Freunde der hebräischen Universität wir an anderer Stelle unseres Blattes veröffentlichten, hat sich, wie Sir Philipp Hartog, der die Tagung leitete, mitteilte, bereit erklärt, nach Jerusalem zu gehen, um die Leitung des neuen, der hebräischen Universität angegliederten Instituts für Landwirtschaft zu übernehmen. Sokolow-StraOe in der Kolonie Htriliah Jerusalem. Nahum So ko low, Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, besuchte die Jüdischen Kolonien und wurde In Petacn Tikwah, Raanana, HerzHah und In anderen judäischen Kolonien und Scharon- Siedlungen mit großer Begeisterung empfangen, die Kolonie H e r z 11 a b benannte eine Straße nach Sokolow. Adolf Fviedemann | Wie wir bei Redaktionsschluß erfahren, verschied Mittwoch nachts in Amsterdam Dr. Adolf Friedemann an den Folgen einer Mittelohrentzündung im Alter von 61 Jahren. Die zionistische Bewegung betrauert ln dem Verstorbener eines ihrer ältesten aktiven Mitglieder, einen aus der kleinen Zahl derer, die vor fast 40 Jahren die zionistische Bewegung in Deutschland geschaffen haben. Adolf Friedemann gehörte zu den intimen Mitarbeitern Theodor Herzls und war auch sein erster Biograph. Er gehörte dem Zionistischen Aktlons- Comit6 18 Jahre hindurch, von 1902 bis 1920, an. Seit 1920 stand Herr Dr. Friedemann an der Spitze des Keren Hajessod in Holland und hat die Idee des Keren Hajessod im holländischen Judentum mit großem Erfo’g durchgesetzt. Die erschütternde Nachricht von seinem plötzlichen Hinscheiden wird in weiten Kreisen der zionistischen Bewegung und weit darüber hinaus tie e Trauer hervorrufen. Den Angehörigen des Verstorbenen wendet sich die innige Teilnahme der ganzen zionistischen Welt zu. Die Beisetzung Dr. Friedemanns fand am Montag, dem 26 Dezember, in Berlin auf dem jüdischen Fr edhof, statt. Brodetsky beim englischen Gesandten in Warschau Warschau. Prof. Selig Brodetsky besuchte den englischen Gesandten in Warschau, mit dem er sich über die Lage des Zionismus und die Position der Juden unterhielt. Der Gesandte stattete Brodetsky in seinem Hotel einen Gegenbesuch ab. Brodetsky wohnte einer Sitzung des Keren Hajessod- Direktoriums bei, besuchte eine Reihe jüdischer und zionistischer Institutionen und empfing eine Abordnung des Weitmakkabi. Brodetsky hielt Beratungen mit den Führern der zionistischen Fraktionen ab und nahm an einer Ihm zu Ehren veranstalteten großen Keren Hajessod-Kundgebung teil, wobei er in einem Referat die aktuellen Probleme der zionistischen Bewegung beleuchtete. Von Warschau begab sich Brodetsky nach Rumänien. Schriftenreihe des %fonlstlschen Landeskomitees Im Laufe dieser Woche erscheint eine neue Broschüre: «Problem des allgemeinen Zionismus» mit Beiträgen von Prof. Brodetsky, London» und Dr. Schwarzbart, Krakau. Preis pro Exemplar 20 Groschen, Von der Broschüre Dr. R u f e I s e n: «Z u r Z ionist i s c h e n Ideologie» ist noch eine beschränkte Anzahl von Exemplaren zunt Preise von 10 Groschen pro Exemplar vorhanden. Beide Broschüren können gegen Barzahlung im Sekretariate des Zionistischen Landeskomitees angefordert werden. Sigmund Wedisberg gefforben Soeben erhalten wir vom Präsidium des K, k. L. die Nachricht, daß Gg. Sigmund Wechsberg verschieden ist. Wir werden in der nächsten Nummer eine Würdigung dieses prachtvollen Menschen und Zionisten bringen. Das Begräbnis findet Freitag, den 30. Dezember um 1 Uhr nachmittags, Zentralfriedhof, IV. Tor, statt. Juden, spende! Baume im enajes Walde zwecks Komplettierung desselben

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