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Die Stimme · 1932-12-29 · Heft 260 (29.12.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 260 (29.12.1932)
Date
1932-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35g V.b. b. BEZUGS- BEDINGUNG Oesterreich monatlich S I 50, viertel jährl. S 4 20, gänz jährl. . . . S 16- Deutschld. viertel jährl. - . . RM V- Tschechoelotvakei viertelj. . Kt 24- [uKOslavvten viertel jährl. . Din. 40 - Po eo vierteljähr lieh . Zloty 6 50 Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengo 4 20 Rumänien vierte) Öhrl,. . Lei 120 — ehrtgea Ausland vierteljährl- Schu. Franken 4 50 Jüdtsäke Zeitung Erscheint je e en Donnerstag Redaktion und Administration Wien, I., Kärntner Straße 28 Tel R 27 4-85 Postsparkassenkonti: Oesterr- D IB 546 Polen ... 101.199 ’lscbechoslowakei .500,230 Jugoslawien 40.879 5. Jahrgang Wien, Donnerstag, 29. Dezember 1932 (30. Kisleto 5693) Nummer 260 Prof. BvodeisUy in Wien Den Zionisten Oesterreichs gereicht es zur besonderen Freude, in der Person des Professors Brode ts k y ein Mitglied unserer höchsten zionistischen Instanz, als Gast zu begrüßen. Professor Brodetsky ist seit vielen Jahren mit der zionistischen Arbeit in England aktiv verbunden. Er gehörte dem . zionistischen Verein an der Universität Cambridge an, beteiligte sich in führender Weise an der zionistischen Jugendbewegung in England, bekleidet das Amt eines Vizepräsidenten der English Zionist Federation und entfaltet eine außerordentlich rührige rednerische Tätigkeit, die ihn mit beinahe allen Zentren jüdischer Siedlung, in England in Berührung brachte, Er Ist Mitglied des Kuratoriums und des Akademischen Rates der hebräischen Universität in Jerusalem, an deren Eröffnung et sich‘beteiligte und besuchte im Aufträge der Universität vor einigen Jahren die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er sich auch ah der Aktion des United Palestine Appe'al beteiligte. Dr. Seljg Brodetsky, im. Jahre 1888' in Otwiöpol. in der Ukraine geboren, kam a!§ fünfjährig^ Junge mit seinen Eltern nach England. Gleichzeitig mit dein ällgemejnen Unterricht, litt ftbäst Ertd. Londo.ns .empfing er einegründliche. Jüdisch-talmudische BHdling. Er studierte Mathematik an der Universität Cambridge, wo er eine Reihe von Auszeichnungen in mehreren Lehrgegenständen (darunter auch klassischen Wissenschaften und Hebräisch) erhielt, und im Jahre 1908 die höchste Auszeichnung für mathematische Studien — die nur einmal ,vorher (1£69) einem jüdischen Stu- | denten zuteil wurde — erlangte. Er verließ Cambridge mit dem TiteL eines M. A. (Magister Artium), im Jahre 1912, und begab sich zur Vervollständigung seiner Studien nach Leipzig, wo er zum Doktor der Philosophie promoviert wurde. Er kehrte dann nach England zurück, wurde Dozent für Mathematik an der Universität Bristol, dann außerordentlicher und im Jahre 1924 ordentlicher Professor der Mathematik an der Universität Leeds. Diese Lehrtätigkeit setzt Professor Brodetsky auch nach seiner späteren Berufung in die Exekutive andauernd fort. . Neben vielen wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte Dr. Brodetsky als größere Schriften: «Einleitung in d i e N o m o g r a p h i e», «Mechanische Prinzipien des Aeroplans», «Biographie von Sir I s a a.c Newton» und «Was ist die Mathematik». Professor Brodetsky gehörte jahrelang dem Actions Comite an und ist seit dem Jahre 1928 Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation und seit der Gründung der . Jewish. Agency auch Mitglied ihrer Exekutive, in der er das politische Ressort innehat. Wir sind überzeugt, .daß die Aussprache mit einem verantwortlichen Leiter der Zionistischen Weltorganisation gerade nach unserem Siege bei den letzten Wahlen zur Vereinheitlichung der zionistischen Front und zur Intensivierung unserer Tätigkeit in Oesterreich beitragen werde.! wortschreiben die Haltung des Joint Foreign Com- I mittee in dieser Frage und versicherte, daß die polnischen Behörden die notwendigen Schritte zur Sicherung der Ordnung ergriffen haben. Montefiore gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß die Haltung des polnischen Gesandten die gleiche sei wie die seiner Regierung, daß die höher gestellteri1, Beamten in Polen die Ausschreitungen beklagen, daß aber untergeordnete Organe ihre Vorgesetzten nicht unterstützen. So sehr die barbarischen Ausschreitungen in Polen geeignet sind, Entrüstung zu wecken, so habe sich das Committee in seinem. Brief an den polnischen Gesandten Zurückhaltung auferlegen müssen, da die polnische Regierung in.mindestens drei Ländern zugunsten ihrer verfolgten jüdischen Staatsangehörigen interveniert hat, wobei besonders auf die Aktion der polnischen Regierung zugunsten, polnischrjtidischer Staatsangehöriger in Deutschland hinzuweisen, ist. In der Aussprache kritisierte M. H. Davis, Präsident der Federation of Synagogues, sehr scharf die milde Sprache ’ des Joint. Foreign Committee in dem Brief an den polnischen Gesandten und wies auf das tadelnswerte Verhalten des Lemberger Wojwoden hin, der doch gewiß nicht ein untergeordneter Beamter genannt werden darf. Der Wojwode hat erst 24 Stunden nach Beginn der Ausschreitungen eingegriffen und die Warnungen der jüdischen Führer unbeachtet gelassen. Ein Jude, der mit einer blutenden Kopfverletzung sich zu einer Polizeistation schleppte und um Schütz bat, wurde dort äusgelacht. Davis förderte den Board auf, sich einer Jüdischen WeJtkonferenz an« zuschließen, damit eine geschlossene jüdische Aktion für den Schutz der Juden in Polen ergriffen werden könnte. > Palästina ein Lichtpunkt im Jüdischen Leben Tagung des Board öf Jewifh Deputies - D’Avigdor Goldfmid legt definitiv das Präfiden« tenamt nieder London. In der am Sonntag, den 17. Dezember, stattgefundenen Tagung des Board of Deputies of British Jews machte der Vorsitzende des Law and Parliamentary Committee, Lionel L. Cohen, die Mitteilung, daß die Bemühungen des Committee, 0. E. d'Avigdor Goldsmid zum Verbleiben auf seinem Präsidentenposten zu bewegen, erfolglos geblieben sind. Cohen und andere Redner würdigten sodann in Ansprachen'die siebenjährige Wirksamkeit Goldsmids als Präsidenten des Board, wobei, der Genugtuung Ausdruck gegeben wurde, daß Goldsmid wenigstens sein Amt: als, Vorsitzender; des Council der Jewish Agency beibehält. O. E. d’Avigdor Goldsmid ergriff, dann selbst das Wort, utn nochmals die Gründe seines Rücktritts darzulegen. Er gedachte , dabei mit Genugtuung der Teilnahme des Board an der Gründung der Jewish Agency und versicherte den Board seines weiterbestehenden tiefsten Interesses an den Arbeiten des Board. Die tage in Polen - Briefwechfe! mit dem polnifdien Gelandten Es gelangte sodann durch Leonard G. Montefiore der Bericht des Joint Foreign Committee über die jüngsten antisemitischen Ausschreitungen in Polen zur Verlesung. Der Bericht enthält eine Korrespondenz mit dem polnischen Gesandten in London, Skirmunt. In einem Schreiben des Cornmittees an den Gesandten wird der wachsenden Besorgnis um das Schicksal der Juden in Polen angesichts der sich häufenden antijüdischen Ausschreitungen in mehreren großen polnischen Städten Ausdruck gegeben. Wohl wird anerkannt, daß ohne eine energische Aktion der polnischen Polizeibehörden der Verlust an Leben und Eigentum der Juden weit größer gewesen wäre, dennoch bleibt der trübe Eindruck von den Vorgängen bestehen. Der polnische Gesandte würdigte in seinem Ant- Der Chefredakteur der «Jewish Times», Morris Myer, führte aus, die jetzige polnische Regierung stehe den Juden freundlich gegenüber, die Feinde der Juden seien zugleich Feinde der Regierung. Die Vorgänge in Polen seien nur Szenen in dem großen Drama der Juden Ost* europas. Tragödien ereignen sich auch in Deutschland, Oesterreich und Rumänien. Der Wirtschaftsboykott ist nicht minder schrecklich als die Ausschreitungen. Es sei Sache des jüdischen Volkes, die jüdische Tragödie in ihrer Gesamtheit anzupacken. Die Lage in Deuffchland Leonard G. Montefiore verlas dann den Bericht des Joint Foreign Committee über die Lage in Deutschland. Die politische Spannung in Deutschland ist nach der Bildung der neuen «Präsidialregierung» durch General von Sc h 1 ei’c h e r. gewichen. Ohne Unterbrechung aber wütet die antijüdische Boykottagitation durch die Nazis, und die wirtschaftliche Lage der deutschen Juden gibt weiterhin Anlaß zu schwerer Besorgnis. Die Behörden in Breslau nehmen gegenüber der m KÄI5ER5TR. A?J Alserstr. 6 S 16 - S18 - S 20- Vortrag Sonntag, den l.jänner 1933, präzise halb 9 Uhr abends im Saale des W S9 des Herrn Prof. Dr. Hotei Conunentai, ii., Taborstraße 4 Mitgliedes der Exekutive der Zion. Weltorganisation Das zionistische Aufbauwerk in Palästina und seine Zukunft“. S. Brodetsky 99 (Regiebeitrag) Montag, den 2. Jänner 1933, um 5 Uhr nachmittags im Festsaale des Alten Rathauses, I., Wipplingerstraße 8 innrai » s. m London „Jugend und Zionismus“ Uber: 2u beiden Vorträgen ergehen keine besonderen Einladungei

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