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Die Stimme · 1932-12-22 · Heft 259 (22.12.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 259 (22.12.1932)
Date
1932-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr, 259 — 23. Dezember 1932 DIE STIMME StMt T Palästina-Rundschau Dos BeUmnints dn Arbeiter zw den Nationalen Fonds Jerusalem, im Dezember 1932. Auf ihrer «weiten Vertreterversammlung, die flnfjwgs Ptvtmber hl TeJ»Awiw stattfand, ergab die Arbeiterschaft IM PiW etfiff starken Partei im entschlossenen Vormarsch auf ejn klar umräsenes Ziel. Der Verlauf der Tagung bewteP* dal der Zusammenschluß der einzelnen Tele der Arbeiterschaft su einer großen Front um so fester geworden Id« da diese Front sich heut« schwer bedroht fühlt und alle ftre Krifte auf die Abwehr der Gefahr konzentrieren muß. Fant alle Konterenzreden waren auf den gleichen Ton ge- Stmmti die Arbeite reehaft ist nieht gegen das »flvete Kapital, aber sie mul sieh dagegen sur Wehr Mtiim« vom privaten Kapital verdrängt zu werden. Dieser Kampf um lelbsbehsuptung ist <-»das klang aus allen Reden wieder und gab der Tagung einen stark ethischen Charakter nicht nur ein Kampf um die Interessen eines bestimmten Itendes. sondern es ist der Kampf um die Reinerhaltung des afonletiseHen Gedenkens. Der Zionismus ist, wie IM Kaznelson in seinem großen Referat betonte, untrennbar verknüpft mit dam Gedanken der produktiven Arbeit, und — da» hoben auch ander« Redner immer wieder hervor «* wer an die Stelle der produktiven Arbeit den Gewinn aatvt, wer an die Stelle von unveränderlichen Werten und ArbsitsmOgliehkeiten für eine möglichst große Anzahl jüdiaehar Menschen die Konjunktur stellen mochte, der verfälscht den Sinn des zionistischem Gedankens- Gerade in einer Zeit, in der die Gefahr besteht, daß der Wert Palästinas nach der Hßhe der Gewinnprozente berechnet wird, die der Boden •bwirft, muß auf den Wert, den dte Arbeit selbst für das jüdiseHs Volk hat, hingewiesen werden. Die Schaffung nicht von hohen Gewinn*, sondern von hohen Arbcitsmdglichkciten ist die Forderung, in der aieh tuf dieser Tagung alle Meinungen begegneten, Aus der «trsngen Abgrenzung der zionistischen Arbeiter- Ideologie gegenüber der KepitsHßtenddeoJogie erwuchs ©in Bekenntnis der Arbeiter zur Treue gegenüber der Zionistischen Organisitaon, wie wir es nie zuvor in dieser Kraft und Eindsutigksit gehört Haben. Der Arbeiterschaft, die im schweren Kampf« um ihre Selbstbehauptung steht, ist es klar geworden, daß sie Jederzeit ihre stärkste Stütze von den zionistischen Fonds empfangen hat und daß in demselben Augenblick, in dem versucht wird, das Interesse <Jqf Juden den Fond« su entziehen und an den Platz des konzentriertem Voifcsvermägm viele private Kapitalen zu setzen, die Exiatens des jüdischen Arbeiters in Palästina und mit ihr die Exlstefli dss reinen Zionismus bedroht ist- Da« vielleicht größte aktive Ergebnis dieser Tagung war daher der Entschluß der Arbeiterschaft, aus ganzer Kraft Keren Ksjemeth und Keren Hajepgpd su unterstütze i-, Auch die von den Arbeitern selbst geschaffenen Unternehmungen wie «Nlr», der Arbeiterbodenfonds, und «Jachin», die Pflanzungskooperative, sollen gestützt werden, um sich gegen da# private Kapital zu verteidigen, aber die Basis dieser Unternehmungen, ohne d*e ihr Ausbau unmöglich wird, b'lden — wie besonders Elieser Schochst, einer der Reifsten und Erfahrensten au» den Kreisen der Arbeiter betont« — die nationalen Ponds. Wenn diese heute wicht In voller Kraft dwtehen, so trifft nach Meinung der Parteiführer ein Teil der Schuld hieran die Arbeiterschaft, w .che nicht genug Kraft zur Verteidigung der Zionistischen Organ'sation hergegeben hat. Dkse Scharte auszuwetzen, tot nunmehr ihre Pflicht. In seinem Referat zollte Beri Kaznelson den Ulstungen der Fonds warme Anerkennung, Er verwies auf die Gefahr, dl© fn der engen Verknüpfung privatkapitailetl* •eher Unternehmungen nwt der Jeweiligen Konjunktur liegt. Dte Arbeiter, sagte er, sind keineswegs gegen die Orangensucht, in der heute Hochkonjunktur herrscht, aber Palästina und der Zionismus können sich auf diese Konjunkturwirtschaft allein nicht verlassen, sondern müssen Wert« schaffen, die ziemlich unabhängig von allen Konjunkturschwankungen sind. Solche Werte zu schaffen, ist jederzeit das Beitreben des Keren Hajessod gewesen, auch wem» ihr« Anlage größere Mittel und Geduld erforderte und der Gewinn ki jedem Falle geringer bleiben mußte als bei den Pflanzungen, für die ohnehin nur begrenzte Teile des Landes in Betracht kommen, während der Zionismus das Streben haben Gemeinsam mit der «Ppr” »*0. m. fc.H. haben wir OW«ber <98? 8 Paläftinevelien erfolgreich durehgeführt. Wegen des lebhaften Interesses weiter Kreise veranstalten wir«l»P8l»r*«iitdMß wieder Palästlnerreisen unter der Devise Puvlm und Peneeh in Pelätiine ww b«eon<fer* günstiger* RoqßNfonett. Näheres in der Verwaltung der »Stimme«, muß, möglichst weite Teile des Landes — such die, welche nicht für Pflanzungen in Betracht kommen — in jüdischen Besitz zu nehmen. in seiner gemäßigten, aber entschiedenen Art verweist Kaznelson auf die schweren 8chäden, welche das Prlvatkapitaj mit sich gebracht hat: das Vermittlerwesen mit seiner immanenten Oefahr des Spekuiantentums und die Geringschätzung der jüdischen Arbeit, die verbunden ist mit einer mangelnden Anerkennung für dte zionistischen Fonds. Kaznelson wehrte sich gegen die Auffassung, die sich immer mehr geltend macht, ah ob die Fonds fast ausschließlich zum Wohle der Arbeiter existierten. Er zeigte, wie auch privatwirtschafttiche Industrie- und Handelskreise es durchaus nicht verschmähen, wenn sie an dl« Gründung einer Industrie- oder einer Agrarbank denken, «ich an zionistische Kreise zu wenden und öffentlich« Mittel für «Ich selbst zu beanspruchen. Den deutlichsten Beweis, daß die Tätigkeit der Fonds keineswegs nur den Arbeitern zugute kommt, liefert der Beitrag des Keren H «J« M o d zum Aufbau von T e 1 - A w i w. In dieser Stadt, di« an gebIIeh ein Musterbeispiel prlvatwirtsehaftlicher Unternehmung bildet, hat der Keren Hajessod große Summen für Straßenbau und andere öffentliche Zwecke hergegeben, er hat nach den Unruhen von 1P2U den Aufbau des Viertels Nerdia ermöglicht, und durch «ein« Darlehen sind noch andere Viertel Beh. konz. Realbüro ING. N. MUHLUUER Kauf und VürkRUf von Rwlitäton, Hypotheken I., II. und I|i. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Ucbüudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasße 2ß Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2,, Vorgartenstr. 130, Tel. R-41-8-88 entstanden. Diese Verdienste des Keren Hajessod hat Tel- Awiw ebenso schnell vergessen wie die großen Summen,, die er im Erziah unga» und Gesundheitswesen investiert hat. (Kaznelson hätte noch hinzufügen können, daß auch an der Elektrifizierung von Tel-Awlw der Keren Hajessod einen st&iiken Anteil hat.) Auch die Tej- Awiwer Industrie, vom großen Silikat-Werk bis zu kleineren Betrieben hätten nicht ohne Unterstützung aus öffentlichen Mitteln entstehen können. Diese Betonung der Leistungen unseres Fonds — fast ißt man geneigt zu sagen: diese Besinnung auf die Leisten* gen unserer Fonds — findet sich auch bei den meisten DJgr kussionsrednem der Tagung. Die Kurzsichtigkeit einer Politik, welche nur an den Zuzug einer neuen Einwanderer* Schicht mit Mitteln denkt, ohne sich zu fragen, woher denn die Möglichkeit für eine Verwurzelung der Kinder derjenigen Siedler kommen soll, di« sich bereits im Lande befinden, beleuchtet B e n a r i. Auch für die Kinder des Mittelstandes muß Boden, müssen Möglichkeiten zur Bearbeitung des Bodens geschaffen werden, und dafür wird die Pflanzungszone bald zu eng werden. Wollen wir den Zionismus er. halten, so brauchen wir nicht nur die Einwanderung älterer Leute mit einigem Vermögen, aber ohne Vorbereitung zu körperlicher Arbeit, sondern wir brauchen dazu die Söhne der C h a 1 u i i m, die bereit sind, den Boden in schwerer, entb«hrung«reicher Arbeit selbst vorzubereiten, bi« er Früchte trägt, Wie aussichtsreich das Werk der Erziehung einer zweiten Generation Ist, das erweist sich aus dem Beispiel von Kfar Chas&idim, wo viele der ersten Generation scheitern mußten, bi« eine zweite Generation heranwuchs, die mit dem Boden und der Arbeit bereits verbunden war. Auch Levenstein betont, daß es sich nicht um hohe Gewinne für einige wenige, sqndenn um Arbeitsbeschaffung für viele handelt, und daß die« allein die Aufgabe de6 Volksvermöge-ns sein kann. Einzelne Kapitalisten wären niemals to die Wüst« des Emek gegangen oder hätten dort niemals ein auf Kleinsiedlung begründetes Nahalal erbaut; die Arbeiter mit ihrer Bereitschaft zu dornen* voller Arbeit taten es, und durch sie entstand ein Nahalal, d«s zahlreichen anderen Arbeitern Lebensmögliehkeiten erschloß. Daß der Arbeiter die Verbindung des Volkes mit dem Boden hemteHt, beweist auch 4m Btispie! der 9MHM| beiter sich nieht an der Industriearbeit genügen liefteffi MR» dem einen neuen landwirtschaftlichen Stützpunkt in dteMft Gebiet des Landes schufen. Bei diesen Rednern wie auch bei Kuschnir, Ben Gurion, Schochat gipfeln di« Ausführungen in «ifW» Vorwurf an die Arbeiterschaft, daß sie bisher nickt genug Gescher in der Nähe des Ruthenberg?Werkss, wo die Arzur Stärkung der Fonds getan hat und in der Ermahnung, in Zukunft — unbeschadet des Ausbaues ihrer eigenen fnstituionen wie «Nir» und «Jachin» — ihre Werbekraft den öffentlichen Fonds zu widmen. Wie ernst es ihnen mit ihrem Willen zur Stärkung des Keren Hajessod lat, geht au» Efrats Vorschlag hervor, daß die älteren Siedlungen so bald wie möglich unabhängig sein und dem Ker«n Hajessod alljährlich einen bestimmten Betrag der vorgeschobnen Gelder zurückzahlen sollen, damit er die Hände für di« Altaledlung neuer Chaluzim freibekommt. Gewiß hat es auch auf dieser Tagung Stimmen der Kritik an der Tätigkeit des Keren Hajesaod gegeben, aber im ganzen gewann man den Eindruck, daß in ihm die Al* belterschaft den Träger desselben hundertprozentigen?i0* nismus sicht, der auch ihr Zionismus ist — im Gegensatz su der acht- bis neunprozentigen Kapitalanlage, die heut« viel« Menschen in Palästina suchen und die sie irrtümfleherweiae ebenfalls «Zionismus» nennen, Dem Beobachter gab die Tagung auf« neue Zuversicht zu der hohen moralischen Kraft, die in der palästintniifCheP Arbeiterschaft lebt. Wenn sie ihr Versprechen wahr macht und die Werbung für die zionistischen Fond« mH tM«*«* Kraft beseelt, so wird die Fondspropaganda aufs neue a einem nationalen Erziebungswerk von hohem sittlichen Wert werden. H. H, Thon. Die wachsende Bedeutung Tel-Awiws Ein Wirtachaftsberieht in den Monaten Jänner bis September 1933 wurd« in Tel-Awiw im Häuserbau nicht weniger als 334.000 Pfund Investiert. Dieser Betrag bedeutet bereits einen Vorsprung von jo Prosen* gegenüber dem Gesamtbetrag«, der im abgelaufenen Jahr 1931 in Häusern angelegt wurde. Sowohl die Tcf-AWlwSr Und Jftffaer Handelskammer ' als auch zahlreiche Jaffaer Geschäftsleute haben ihre Bureaus nach T#*Awiw verlegt, so daß der Verkehr aul dem Tel*Awiwer Bahnhof sich bereits versechsfacht hat, Diese beiden kurzen Meldungen deuten mir gnn? allgemein an, wie sehr sich die Bedeutung Tel-Awiws für da* Wirtschaftsleben Palästinas gehoben hat. Die dauernde Einwanderung nicht nur von Chaluwim, sondern, wie weiter« Berichte melden, auch von Kapitalist« l, die ihre »ßligegrüm* deten Unternehmungen fast ausnahmslos nach Td-Awiw: verlegen, geben das Tempo an, in dem sich diese Stadt von Stunde zu Stunde vergrößert, Sicherlich wird veit ernsten Stellen auf die Gefahren hingewiesen werden, di« eine solche rapide Vergrößerung auf jedem Gebiet mit §iek bringen. Daß es sich aber dabei nicht um ein# Schein*- konjumktur handelt, wenn auch in solchen Zeiten eine über das Maß hinausgehende Bodenspekulation leider nicht zu verhindern ist und auch sicherlich manche Neugründmg den Folgen der Ueberstürzung zum Opfer falten wird, däS zeigt doch ein soeben veröffentlichter Situationsbericht de« «Manchester Guardian Comereial» vorn seinem Mitarbeiter Mr. Machin nach seiner Palästlnaretee über die große B«*- deutumg dieser Stadt und seine« Handels, Mr. M a c h i n erklärt, daß z, B. in Palästina ein großer Bedarf nach Textilien vorhanden ist, daß aber dl« britische» Erzeugnisse nicht entsprechend abgesetzt werden. Di# Ursache liegt erstens in der Konkurrenz seitens dar biflige» tschechischen Erzeugnisse sowohl in Meterware als auch in fertiger Konfektion. Dann beherrscht in einigen Artikeln die italienische Produktion den ganzen vorderasiatischen Markt. Und dazu kommt jetzt di« wahre Ueberschwemiflung der Märkte mit japanische? Ware, die vor altem von den Arabern gerne gekauft werden. Japanisch« große Uptep» nebmungen haben in Haifa ihr« Vertretungen und disponier re» von ihren großen Stocks, die sie in Porträte »nft* legt haben, in kurzer Zeit für ihre Käufer d«s gwamte# vorderen Orients, Es sei schwer, für den Verkauf «britischer Waren» zu werben, da die Preise der englischen Fabriken zu hoch seien, Auch beklagt man sich, daß die englisch«» Samstaer, den 31. Dezember 1932, veranstaltet die zionistische Be» zlrkssektion Leopoldstadt Im Pestsaal des Hotel „Continental“, II,, Taborstraße 6, einen mU V>( 0#tdm Zone Die Festrede hält Dr. |osef löwenherz. Karten Im Vorverkauf bei den Sektionsmitalledern und tm Sckrehulat, \L Praterstraße 13, Mezzanin, I, Stiege (Uoyd-Hof) R 44-3-45

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