Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 259 (22.12.1932)
- Date
- 1932-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3054013--3284-3058787- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■> Seite 6 DIE STIMME Nr. 259 -- 22. Dezember 1932 Die zionistische Exekutive berichtigt: Wir erhalten vom Mitglied der Exekutive (London) Prof. S. B r o a e t s k y die untenstehende Abschrift einer a.n die «Neue Wel t» gesandten Berichtigung mit der Bitte um Veröffentlichung. (Die Red.) 574.-! London, 14. Dezember 1932. Herrn Robert Stricker, Chefredakteur der «Neuen Welt», Wien. Sehr geehrter Herr Chefredakteur! Erst vor einigen Tagen wurde ich auf einen in der Nummer Ihres Blattes vom 11. November erschienenen Artikel «Eine sonderbare Kampagne», aus der Feder des Herrn Dr. H. Rosenblum, aufmerksam gemacht, gegen dessen journalistische Methoden ich schon vor einigen Monaten rn den Spalten Ihrer Zeitung Stellung nehmen mußte. Ich bin allzusehr beschäftigt und messe solchen journalistischen Erzeugnissen im allgemeinen nicht genug Bedeutung zu, um mich mit ihnen dauernd zu befassen. Die letzte Leistung des Herrn Rosenblum scheint mir aber ftir diese Methode so charakteristisch zu sein, daß es sich verlohnt, auf die krassesten Entstellungen und willkürlichen Deutungen von wahren und angeblichen Tatsachen durch diesen Herrn hinzuweisen, der sich berufen fühlt, andere der Brunnenvergiftung anzuklagen. Auf alle unbegründeten Behauptungen und Kombinationen dieses Artikels einzugehen, verbietet mir die Rücksicht auf meine Zeit und auf den Raum, den ich in Ihrem geschätzten Blatte beanspruchen darf. Ich unterstreiche das, damit aus dieser Tatsache nicht gefolgert wird, als ob ich die hier nicht berührten Belruipt’jni'en indirekt zugeben würde. Ich muß mich darauf beschränken, die allerunsinnigsten Angriffe auf mich und meine Kollegen zurückzuweisen. 1. Der Artikelschreiber glaubt aus der Tatsache, daß die Proteste gegen die Beschlüsse der Wiener Revisionistischen WeTtkonferenz aus verschiedenen Weltteilen kommen, schließen zu dürfen, daß es sich um eine von einer zentralen Hand dirigierte Aktion handelt. Er behauptet positiv, daß diese zentrale Hand die Exekutive sei, hinter der Dr. Weizmann stehe. Beweise für diese Behauptung zu erbringen, hält sich der Artikelschreiber nicht für verpflichtet. Ihm genügen unbegründete Hypothesen, die durch ihre sensa.ionelle Aufmachung der Wahrheit nicht um ein Haar näher kommen. Und die Wahrheit ist, daß die Diskussionen und Beschlüsse über die Beziehungen der Revisionisten zur Zionistischen Weltorganisaton in allen zionistischen Kreisen verschiedener Länder Beunruhigung und Unzufriedenheit hervorgerufen haben, die u. a. auch in entsprechenden Schreiben an die Exekutive ihren Ausdruck gefunden haben. Daß die Exekutive diese Akion inauguxert habe, ist eine glatte Erfindung des Artikelschreibers. 2 Es scheint mir äußerst kühn, wenn der Artikelschreiber die Behauptung, daß die Revisionistische Weltkönferenz der revisionistischen Disziplin gegenüber der Disziplin der Zionistischen Organisation den Vorrang verliehen habe, als Lüge, ja als Brunnenvergiftung bezeichnet. Hat doch «Die Neue Welt» in Nr. 261 vom 16. September 1932 wörtlich berichtet: «Die Abstimmung über Calais wurde in zwei Teile gefeilt. Der eine betraf den Primat der revisionistischen Disziplin, der einstimmig angenommen wurde...» Diese Tatsache wird nicht dadurch aus der Welt geschafft, daß im Leitartikel derselben Nummer dieser Bericht als gefälscht bezeichnet wurde. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der Primat der revisionistischen Disziplin zwar nicht in einem positiven Beschluß der Konferenz ausgesprochen wurde, daß aber — was auf dasselbe herauskommt — in einer Interpellationsbeantwortung ex praesidio die Disziplin in der Zionistischen Organisaton als nichtexistierend erklärt und eine Disziplinpflicht gegenüber der Revisionistischen Union in einem besonderen Beschluß festgelegt wurde. Der Sinn dieser Interpellationsbeantwortung wird jetzt allerdings verschiedentlich gedeutet, und zwar io den Reihen der Revisionisten selbst. Gewisse polemische Aeußerungen des «Raswjet», den man wohl als das revisionistische Zentralorgan ansprechen darf, deuten daiauf hin, daß höchste revisionistische Stellen die als Lügen und Brunnenvergiftung bezeichnete Interpretation für die einzig richtige haken. Abgesehen davon ist es auch unrichtig, die Sache so darzustellen, als ob es sich m dem Konflikt zwischen den Revisionisten und der Zionistischen Organisation ausschließlich um die Frage handeln würde, ob die revisionistische Weltkonferenz in Wien der Primat der Disziplin der Revisionistischen Union ausgesprochen habe oder nicht. Eine schule für Körperbildung 1PUDIE MEIN Diplomierte üymnastikiehrerin der Schule Hellerau, VL Theobaldgasse 19 (Ecke Mariahllferstraße 27, Mpzzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Kurstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden m den verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. nicht minder berechtigte Beunruhigung haben in der zionistischen Öffentlichkeit die revisionistschen Beschlüsse über die von der Zionistischen Organisation unabhängige und in keiner Weise kontrollierte außenpolitische Tätigkeit sowie über das Calais-Abkommen hervorgertifen. Diese Beschlüsse können von der Primatfrage kaum getrennt werden. Es hat aber keinen Zweck, die Debatte über diese Frage jetzt fortzusetzen, da der Kongreßanwalt auf Grund der Wiener Beschlüsse die Anklage gegen den revisionistischen Sonderverband beim Ehrengericht der Zionistischen Organisation erhoben hat. 3. Die Behauptung, daß die Protestresolution der Engtish Zionist Federation auf mein Eingreifen beschlossen wurde und daß ich eine schärfere Formulierung gefordert hatte, ist unwahr. Die Frage wurde nicht auf Grund meiner Initiative auf die Tagesordnung gesetzt. Ich habe mich allerdings an der betreffenden Sitzung in meiner Eigenschaft als Mitglied der Leitung der English Zionist Federation beteiligt und selbstverständlich für die Resolution gestimmt. Die Behauptung, daß ich bei dieser Gelegenheit verlangt hätte, daß «in der Resolution die Forderung nach Ausschluß der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation klar umschreiben werde,» ist unwahr. Ebenso ist die Behauptung, daß Ich die mir zugeschriebene «Banntätigkeit» gegen die Revisionisten auf Länder außerhalb Englands ausgedehnt habe, ein von keinen Skrupeln beschwertes Produkt der üppigen Phantasie des Artikelschreibers. 4. Herr Rosenblum, dem als Beamten der revisionistischen Zentrale die Korrespondenz der Exekutive mit dem Sonderverband der Revisionisten genau bekannt sein muß, erlaubt sich der Exekutive auf Grund dieser Korrespondenz vorzuwerfen, sie treibe dem revisionistischen Sonderverband gegenüber eine «in ultimativer Sprache gekleidete Provokationspoütik». Der Artikelschreiber weiß genau, daß die Exekutive dauernd bemüht war und ist, eine wirkliche Klärung des Verhältnisses der Zionisten-Revisionisten zur Zionistischen Weltorganisation auf Grund unserer Statuten und der Beschlüsse des Aktionskomitees herbeizuführen. Er weiß ebenso, daß die revisionistische Zentrale auf die klaren Fragen der Exekutive dauernd ausweichende und zweideu* tige Antworten erteilt hat. Wir können es ruhig der zionistischen Oe fen'.lichkeit überlassen, über das Verhalten der Exekutive auf Grund der gesamten Korrespondenz, sowie sie veröffentlicht ist, zu urteilen. 5. Es ist nicht das erstemal, daß der Versuch unternommen wird, Schritte der Exekutive dadurch zu diskreditieren, daß man behauptet, sie seien bei Unkenntnis eines Teiles der Exekutive oder gar des Präsidenten der Organisation gefaßt worden. In dem in Rede stehenden Artikel wird dieser Versuch wiederholt. Ich stelle fest, daß diese Behauptung vollkommen aus der Luft gegriffen ist. 6. Zum i: Muß noch zwei nebensächliche Punkte, die aber für die thode charakteristisch sind, deren sich eine gewisse Journalistik bedient, um ihr mißliebige Personen oder Körperschaften in Mißkredit zu bringen. Herr Rosenblum weiß genau, daß es sich bei dem «speziellen Bevollmächtigten» des Keren Hajessod, dessen unglücklich formulierte Aeußerung er nach dem «Near East» zitiert, um einen jungen Menschen handelt, der nichts mit der politischen Arbeit der Exekutive zu tun hat und der auch zum erstenmal für den Keren Hajessod tätig ist. Er muß genau wissen, daß es sich bei dieser Aeußerung nicht darum gehandelt hat, «den Herrn Passfield zu decken,» sondern darum, der zionistischen Welt klar zu machen, daß neben den politischen Faktoren ihre finanzielle Opferwilligkeit für die nationalen Finanzinstitute der ausschlaggebendste Faktor im Aufbau Erez Israels ist. Und Herr Rosenblum weiß ferner ganz genau, daß die Exekutive öffentlich erklärt hat, daß die fragliche Aeußerung des Herrn Myers unrichtig und unautorisiert war. Er hat es nicht für seine Pflicht gehalten, seinen Lesern von dieser Erklärung der Exekutive Kenntnis zu geben; das würde ihm ja sein ganzes Konzept verderben, Dieser Art von Journalistik ist es wirklich angemessen, auf Grund von Aeußerungen, die einer der Herausgeber des «Near East» über die angeblichen Erklärungen von «maßgebender zionistischer Seite» und über «jüdische Kronzeugen» getan haben «soll», die zionistische Exekutive anzuschwärzen. Ich glaube aber nicht, daß diese Methoden den wahren Interessen des Zionismus, denen ja auch Ihr Blatt dienen will, zuträglich sein können. Ich bin der letzte, der grundsätzliche Auseinandersetzungen innerhalb der Bewegung irgendwie verhindern wollte. Wer dies nicht ohne Verdrehungen von Tatsachen und Verunglimpfung von Personen und Körperschaften zu tun vermag, richtet sich selbst. Ich erlaube mir, der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß Sie, sehr geehrter Herr Chefredakteur, im Interesse des öffentlichen Anstandes in unserer Bewegung die Fortsetzung einer derartigen Kampagne nicht zulassen werden. Mit vorzüglicher Hochachtung S. Brodetsky, Mitglied der Exekutive. In memoriam Dr. Asrlel Bension ln dem vor kurzem verstorbenen Dr. Ariel Bension hat der Keren Hayesod einen Mitarbeiter verloren, der seit vielen Jahren die Botschaft des Keren Hayesod in die fernsten Länder getragen hat und große Verdienste sich darum erworben hat, daß wichtige Teile speziell des seph irdischen Judentums sich durch den Keren Hayesod mit dem Aufbau der nationalen Heimstätte verbunden haben. In Jerusalem geboren, von sephardischem Ursprung, stammte er aus der Ibn Chasdai-Familie in Barcelona. Nachdem er seine erste Erziehung in Jerusalem genossen hatte, studierte er an europäischen Universitäten, speziell an schweizer und deutschen Universitäten. Eine Zeit Dr, Karl Hosenfeld MENORAH Starmgejagt, umhüllt von grauen Wolkenschatten, Gleitet unser Schiff durch wilde Meereswellen, Windgepeitschte Lichter uns den Weg erhellen, Niemals wird ihr Zauber, ihre Kraft ermatten. Ihnen wollen wir die Segel anvertrauen, Soll Orkan auch wüten, Nebel fallen dichter, Durch Galuthnacht führen uns Chanukah*Lichter, Die Menorah leuchtet hin zu Zions Auen. Sie entzündet Freih eits - Fackeln unerschrocken. Schmiedet Anker, steuert, tauscht mit uns zusammen, Wie am Jordan tönen die Befreiungsglocken. Hütet treu und tapfer die Menorah-Flamment Sollten Feindesarme je sie uns entlocken — Makkabäer-Heldengeist wird uns verdammen. CBsaaB9aaaaaa«aB9aaaa9S99aBsaBHaBBNHBi lang nahm er die Stelle eines Rabbiners in Mazedonien ein, widmete sich aber hierauf nur wissenschaftlicher Arbeit und veröffentlichte verschiedene Werke in hebräischer und deutscher Sprache. Nachdem er mH dem Keren Hayesod in Verbindung getreten war, besuchte er die wichtigsten sephardischen Zentren im Laufe der Jahre und sein Name wurde in allen Gemeinden von Algerien, Tunis und Marokko bis Aegypten und Bagdad und weiter bis nach Indien und China bekannt. Auch nach Südamerika trug er zu den sephardischen Juden die Kunde vom Neuen Erez Israel. Unermüdlich, werbend und aufklärend und gleichzeitig der schweren Aufgabe dienend, auch von den sephardischen Juden Mittel für den gemeinsamen Aufbau des nationalen Heims zu gewinnen. Auch in Spanien und Portugal, in Frankreich und England wirkte er unter den sephardischen Gemeinden, in den letzten Jahren begleitet von seiner Frau und Arbeitsgenossin Frau Ida Bension. Seine Tätigkeit für die nationalen Interessen ist um so höher einzuschätzen, da in seinem engsten Freundes- und Verwandtenkreise bekannt war, daß in den letzten Jahren schon eine schwere Krankheit seine Gesundheit erschüttert hatte, eine Krankheit, der er jetzt nach längerem Leiden in Paris erlegen ist. Während seiner Krankheit erschien in einem englischen Verlag sein Buch «The Zohar in Moslem and Christian Spaln». Dieses Buch fand in einem großen Teil der lüdischen und der Fachpresse große Anerkennung. Für seine spanische Arbeit über den Zohar wurde er zum Mitglied der Spanische« Akademie für Geschichte erwählt. Herr Dr. Bension hoffte, sich jetzt mehr literarischen und wissenschaftlichen Arbeite« widmen zu können. Auch dieser Hoffnung des erst 46-jährige« Mannes hat der Tod ein frühes Ende bereitet. Eduard Bernstein gestorben Eduard Bernstein, der bedeutendste Theoretiker de* Sozialismus der alten Generation, ist am Sonntag, den 18. Dezember, 2 Uhr nachmittags, kurz vor Vollendung seines 83. Lebensjahres, in seiner Berliner Wohnung an Altersschwäche verstorben. In den Pausen, in denen der mit dem Tode Ringende relativ von Beschwernissen frei war, nahm er regen Anteil an seiner Umgebung, den politischen Geschehnissen und freute sich der musikalischen Darbietungen, di« ihm Freunde zur Zerstreuung boten. Mit seinem Schwiegersohn Professor C h a j e s, e:uemr Neffen des verstorbenen Wiener Oberrabbiners Zewi Perez C h a j e s, und anderen Personen seiner Umgebung führte er politische und philosophische Gespäche und berührte dabei auch seine in den letzten Jahrzehnten wiederholt präzisierte Stellung zum Judentum und der Judenfrage. Eduard Bernstein wurde am 6. Jänner 1850 in Berlin als Sohn eines Lokomotivführers geboren Ein Bruder seine« Vaters war der sehr popu’äre politische und naturwissemscha fliehe Schriftsteller Aron Bernstein, der Mitbegründer der Jüdischen Reformpeme:nde in Berlin war ' Erzeugung und Reparatur von j Pyjama, ~ , Hemden An-erieung nach Maß Spezialist: Arzte- und Pflegerinnenm&ntel Strümpfe repassieren, stopfen, anstrieken Beile Ausführung Billigste Preise u/üscheoeschült Anna und diariha Epstein Wien. Vlll., Shudagusse 30 Telephon B 40-7-78 Nächst Alserstraße Zionistische BexivUssekiion - Frauengruppe Maviahilf-Neubau am 28* Descmbev 4932, 8'/2 Uhr abends im Hotel Palace, VI, Mariahilferstraße Nr. 99. Entree S 2*—, Jugendliche S l-— Programm: Lichteranzünden: Herr Kriegsmann mit Chor. Festrede: Herr Dr. E M. Zweig (Jerusalem). Akademie unter Mitwirkung von Frau Dulitzkaja, Frl, Kenee Friedmann, Violinvirtuose Lebovici, Dr. Oskar Teller und anderer hervorrauender Künstler, J a s % Preis* und ßallontans 00666729