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Die Stimme · 1932-12-22 · Heft 259 (22.12.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 259 (22.12.1932)
Date
1932-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 259 — 22. Dezember 1932 DIE STIMME Seite 8 Fflrsorgeräte und aller externen Mitglieder der verschiedenen Kommissionen der Kultusgemeinde warme Worte des Dankes und der Anerkennung. Die Dankeskumdgebungen wurden vom Plenum einmütig mit lebhaftem Beifall votiert. Namens der ausscheidenden Vorstandsmitglieder erwiderte mit herzlichsten Dankesworten Herr Kommerzialrat Moriz Reif. Der Vorsitzende, Präsident Prof. Dr. Alois Pick, nahm den Anlaß der öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes wahr, um den Amtsdirektor und Ernten Sekretär Reg.-Rat Guido Fuchsgelb anläßlich der Vollendung des 35. Dienstjahres auch namens des Plenums des Kultusvorstandes unter Würdigung der ausgezeichneten Dienstleistung des Jubilars zu beglückwünschen. Nach Dankes- Nach durchkämpfer Kultuswahl drängt sich ein Schwall begeisterter zionistischer Jugend vor dem Portal des Hauses Judengemeinde Wien und harrt auf den Ausgang des Endskrutiniums. Schon aber weiß man es seit Stunden in der ganzen Stadt, daß der Sieg unser, daß Herzls Parole, auch diese Gemeinde in Israel und vor allem s i e zu erobern, erfüllt ist. Vom First des Hauses rauscht, in Enthusiasmus gehißt, die blauweiße Fahne. Tausendfältige Erinnerung an 34 Jahre harten, erbitterten Ringens steigt auf. Manche Episode hebt sich aus den flutenden Wogen der Erinnerung klarer hervor. Am 3. Parteitag der Zionisten Oesterreichs zu Wien, 1902, war es, als ich als Mitglied des Landeskomitees das Referat über die Aufgaben der jüdischen Gemeinde hielt. Es war wie ein Strahl der Verklärung, als der Führer eintrat, um der Beratung zu folgen. Beschämt und zugleich beglückt stand ich dann vor ihm, als er den Wunsch ausgesprochen, mich kennenzulernen. Dennoch hielt ich mich auch seither von ihm fern, um das Pathos der Distanz zu wahren; er hat mich aber nicht vergessen. Noch im Februar 1904 ließ er mich, damals Distriktsmann für Innerösterreich, kommen und sprach die ernsten Worte: «Die Parnassim haben sich gegen ihr eigen Blut, das jüdische Volk von Wien, durch das reaktionärste Wahlrecht feindlich verschanzt. Wir Zionisten können diesen Eisenwall böser Borniertheit mit dem Stimmzettel nicht brechen. Die Regierung wird gewiß mehr Verständnis für das Wesen einer jüdischen Gemeinde haben. Arbeiten sie eine umfassende Kritik des Kultusstatuts und der Wahlordnung aus und legen sie ein Reformprojekt mit allgemeinem Wahlrecht vorl Ich wills der Regierung bringen und ihr Gerechtigkeitssinn wird es oktroieren.» — Doch Herzl war damals schon vom Tod gezeichnet; vergebens suchte er jetzt Heilung; im Juli ging er für Immer von uns. Der Kahal gab ihm ein Ehrengrab und wähnte mit ihm den Zionismus eingesargt. Kühner denn je erhoben sie ihr Haupt. Als Herzl noch lebte, hatte es der Gemeindepräsident Dr. Alfred Stern gewagt, den Waisen von Kischinew, diesen ärmsten Opfern des Pogroms, welche von Beikind durch Oesterreich nach Erez geführt wurden, jede Hilfe zu verweigern. Denn die Waisen seien keine Waisen und das ganze ein von den Zionisten zu Propagandazwecken arrangierter «Kinderkreuzzug“. Und nun wagten sie noch mehr. Als das zaristische Rußland in würgender Geldnot eine neue Anleihe auflegte, die «Pogromanleihe», wie man sie überall hieß, da war es der repräsentativste Mann des Kahal: Theodor Ritter von Thaussig, welcher als Gouverneur der Bodenkreditanstalt die österreichische Tranche der Anleihe übernahm. Wir Zionisten tobten. Der Kahal aber lehnte es ab, in die Privatsphäre des adeligen Bankiers einzugreifen. Da strömten wir — wie heute unser Nachwuchs — in die Seitenstettengasse, die Taschen dick mit Kopeken gefüllt, um sie auf den Sitzungstisch zu werfen. Eine Sturmdeputation, darunter Hugo Zuckermann — nachmals unser Barde Im Weltkrieg — und ich drang bei Dr. Stern ein. Der raunte uns zu, Thaussig sei für das Judentum unentbehrlich, denn er würde für Hilsner, das Opfer des Ritualmordbilbels von Polna, höchstenorts Begnadigung erwirken. «Keine Gnade,» schrien wir zurück, «nur Recht!» Thaussig mußte gehen, doch sein Ungeist blieb. Als das allgemeine Wahlrecht im österreichischen Parlament eingeftihrt werden sollte und die volksbewußten Juden nach eigener Vertretung riefen, wurde sie von diesem Haus aus vereitelt. Und als die von der Schlachta brotlos gemachten gaUzischen Schänker in anklagender Demonstration über die Ringstraße zogen, Abraliainovlu-Sdiihe II., TaborslraOe 33 bietet jetzt eine enorme Auswahl in feinsten und besten Schuhen, erste Markenware bei unvergleichlich billigen Preisen ipirtseome am sann. Udiaiaarar m 12« auf». Worten des Amtsdirektors Rcg.-Rat Fuchsgelb wurde die Sitzung geschlossen. Zu diesem Bericht und angesichts der Sonntagsereignisse im Warenhaus Gerngroß und vor dem Geschäftshaus Krupnik erfahren wir noch, daß seitens des Präsidiums der Kultusgemeinde auch in den letzten Tagen der Woche und besonders am Sonntag, den 18. d. M., vormittags, beim Polizeipräsidium interveniert wurde, weil trotz der zugesagten Maßnahmen zur Nachtzeit in verschiedenen Wiener Bezirken die Aktionen der Nationalsozialisten ihre Fortsetzung fanden. Noch am Sonntag vormittags wurde seitens der Polizei die Zusicherung gegeben, daß in energischer Weise gegen den Unfug der Hakenkreuzter eingeschritten wird. verkrochen sich die Parnassin in den letzten Winkel. Auch der Weltkrieg lehrte sie nichts. Die «Polischen», welche nach dem Westen und in die Reichshauptstadt Die letzten Wochen haben in Palästina eine gewisse Verschärfung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gezeitigt, weiche sich in unliebsamen Konflikten entladen hat, deren Fortdauer der Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes nicht förderlich wäre. Es ist klar, daß es Aufgabe aller verantwortungsbewußten Instanzen sein muß, hier vermittelnd einzuwirken und zu einer endgültigen Lösung der Schwierigkeiten beizutragen. Es ist begreiflich, daß die jüdische Presse zu den Vorgängen ausführlich Stellung nimmt. Auch wir haben wiederholt hierüber berichtet. Wir sind allerdings der Ansicht, daß es der Sache nicht nutzbringend ist, wenn in die Behandlung dieser Frage eine scharfmacherische Tonart hineingetragen wird, wie es leider da und dort geschieht. Die Angelegenheit selbst ist bekannt: die Einstellung einer revisionistischen Arbeiterin führte zu einem Streik in der Jerusalemer Biskuitfabrik Frumin, worauf Frumin weitere revisionistische Arbeiter einstellte, die von den Streikenden mit Brachialgewalt überfallen wurden. Es gab Verwundungen, gerichtliche Verurteilungen und als weitere unliebsame Folgen eine erhöhte Spannung zwischen den Unternehmern und der Histadruth. In der letzten Nummer der «Jüdischen Rundschau» nimmt der Führer der deutschen Revisionisten Richard L i c h t h e i m von revisionistischem Standpunkte zu dieser Frage Stellung. Es ist jedenfalls erfreulich und beispielgebend, daß diese Diskussion (die «Jüdische Rundschau» reagiert auf Lichtheims Aufsatz) in ruhiger und sachlicher Weise erfolgt. Nach Lichtheim war der Streik bei Frumin kein Lohnkampf, sondern ein «politischer» Streik, weil die Einstellung einer revisionistischen Arbeiterin sein unmittelbarer Anlaß war, der «natürlich» zur Folge hatte, daß sich der Fabrik weitere revisionistische Arbeiter zur Verfügung stellten. Der Kernpunkt der Frage ist also, ob es zulässig sei, daß die Histadruth nur ihr angeschlossene Arbeiter in Palästina dulden wolle. Wohl habe Ben Gurion (siehe unsere vorige Nummer, «Die Stimme», 15. Dezember, Seite 8) erklärt, die Histadruth sei stets bereit gewesen, gemischte Arbeitsnachweise aus Vertretern der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der nationalen Institutionen errichten zu helfen, aber als Vertreter der Arbeitnehmer sei wiederum die Histadruth gemeint. Ebenso verhalte es sich mit der Forderung der «Linken», es dürften nur «organisierte Arbeit» verwendet werden, weil von «unorganisierter» zu «billiger» (arabischer) Arbeit nur ein Schritt sei — denn hinter dem Ausdruck «organisierte Arbeit» verberge sich das Verlangen, daß die in Palästina zuzulassenden jüdischen Arbeiter in der Histadruth organisiert sein müßten. Dieser Anspruch der Histadruth auf Ausschließlichkeit dürfe aber nicht geduldet werden, um so weniger, als jene keine unpolitische Gewerkschaft, sondern eine Partei sei, die sich in deutlichem Gegensatz zu anderen zionistischen Parteien befinde. gausttertoaitungen ® i . I d) I ■ ' H ® C ■lillRflll Itiotll and) Dorftftfiffe ofine ieHttehe 8fn|tm cBentuca «adp öd«« Qlnocric.bBna ofttr tiamt kann. ®«r» ge»« ., i „ ui.. QD»otlie:i«rt'<ke ©an *■ s — l2«/o ftcolt ttttttftottftlti Dr. ÖL 1 ftttmorg, 13 %•!. R au »30 fliehen mußten, wurden vom Kahal schnöde verleugnet und nur wir Zionisten mit Anitta Müller und Doktor Schwarz-Hiller waren es, welche die Ehre jüdischen Brudersinns gerettet haben. Zur Zeit des Umsturzes hätten wir sie mit nassen Fetzen von ihren kurulischen Stühlen jagen können. Derlei war damals im Schwung. Doch gerade da, in der Stunde der Versuchung, bewährten wir uns als wahre Demokraten Wir konnten getrost warten, bis das Volk reif wird für die Größe unserer Idee, für den aufrechten Mut im Sinne Herzls. Nun ist der Tag da, das jüdische Volk von Wien steht hinter uns. Sieg! Wir aber wollen nicht stolz, nicht übermütig sein. Laßt uns den Lorbeer auf das stille Grab in Döbling legen! Sein Genius, der uns den Weg bis hieher gewiesen, er wird uns helfen, auch das Nationalheim aufzurichten io Erez Israel. vor, wie kompliziert diese Angelegenheit ist, und zwar darum, weil sich ein wirtschaftlicher Gegensatz zwischen Unternehmern und Arbeitern mit einem politischen Konflikt zwischen Histadruth und Revisionismus kreuzt. Daß die Unternehmer, welche die Kraft der Histadruth schwächen wollen, bei der kleinen Gruppe revisionistischer Arbeiter Hilfe suchen und finden, wird auf keiner Seite bestritten werden, ebenso wie es Tatsache ist, daß sich die sehr wenigen revisionistischen Arbeiter orientalischer Juden, die noch schwer zu organisieren sind, in ihrem Kampf gegen die Histadruth bedienen. Die Histadruth hat letztens erst offiziell erklärt, daß sie auf dem Standpunkte einer Proportion a- I e n Berücksichtigung aller Arbeiterorganisationen steht. Mit Recht hebt die «Jüdische Rundschau» hervor, daß es für geordnete Arbeitsvermittlung bisher nur e i n Organ gibt, und zwar die von der Histadruth geschaffenen Arbeitsämter, die allen gemeldeteir1- Arbeitern nach dem Turnus Arbeit vermitteln. Ein' anderes ist es also, wenn die Revisionisten Arbeiter-*11 gruppen bilden, welche sich gegen diese Arbeitsämter den Unternehmern in diesem Kampfe darbieten, denn es ist klar, daß dadurch jede organisierte Arbeit und Arbeitsvermittlung untergraben und die Position der Arbeiterschaft gefährdet wird. Die Absicht der Revisionisten mag eine rein politische sein, der Effekt ist ein anderer. Hier nützt auch der Hinweis nicht, daß die Revisionisten unter den gleichen Bedingungen arbeiten wie die Arbeiter der Histadruth; man muß verstehen, daß die Arbeiterschaft Palästinas ihre Arbeitsämter verteidigt. Man darf nicht vergessen, daß Palästina bisher ein Land ohne soziale Gesetzgebung ist. Dieser Umstand : erhöht die Bedeutung einer organisierten Arbeiterschaft, deren Organisation darum besondere Aufgaben erwachsen und die den einzigen sozialen Schutz des Arbeiters bildet. Man braucht gewiß nicht allen Maßregeln der «Linken» zuzustimmen, aber diesen Gesichtspunkt müßten alle zionistischen Gruppen richtig einschätzen und nicht zuletzt jene, welche mit besonderem Nachdruck auf hundertprozentiger jüdischer Arbeit bestehen. Es ist gewiß tief bedauerlich, daß der Konflikt bis zu Bruderkampf und Verwundungen geführt hat, eine Kampfesweise, die unter keinen Umständen gebilligt werden kann. Es wird notwendig sein, daß sich die nationalen Instanzen in Palästina mit der Schlichtung der Angelegenheit und der endgültigen Regelung des Problems sehr ernsthaft befassen. Die von den Revisionisten eingeschlagene Methode ist keinesfalls ein Weg, der zu einer Ordnung der Dinge führt: man will die Schlagkraft der der Zweiten Internationale angeschlossenen, «den Weizmannismus stützenden» Histadruth lähmen und unterwühlt daher die bisher einzig bestehende Institution, welche für geordnete Arbeitsbeschaffung und Arbeiterfürsorge zu sorgen vermag und den Kampf um die jüdische Arbeit —-■ eine Lebensfrage des Aufbauwerkes — erfolgreich führt, b. s. Aus Lichtheims eigener Darstellung geht her- Montag, den 26. Dezember 1932, 8 Uhr abends, im Ver^insheim VIII., Bennoplatz 1 a MaUUabäevfeiev Lichterzünden: Oberkantor Gerson Margulies. Festrede; Dr. Desider Friedmann« Humoristische Vorträge: Benzion bi gal 1, Mitglied der Jüdischen Künstlerspiele. Violinvof» träge: Frau Dr. Frieda Blatt.Herzberg. Regiebeitrag S 1.— Nach «ler Kultuswahlschlacht Ertnaenmoen von Dr. Eaon Michael Zwei« (Jerusalem) Sozialer oder politischer Konflikt 1

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