Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 258 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. t5$ — 15. Dezember 1932 DTE STIMME SfN» T 4 Palästina-Rundschau Die Einwanderung «eH ununterbrochen weiter Paläsflnabrief Von Hnuicin Spnlalkoiistpondcnftn Jerusalem, anfangs Dezember 1932. Palästina ist von dem in anderen Ländern so überaus aktuellen Problem der Arbeitslosigkeit verschont geblieben, im Gegenteil macht sich auf gewissen Gebieten ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Auch der High Commissioner berichtete vor der Mandatskommission in G e ti f über die in Palästina herrschende gute ökonomische Lage. Diesen Tatsachen konnten sich auch die Immigrationsbehörden nicht verschließen. Sie bewilligten 4500 neue Zertifikate (3000 für männliche, 1500 ftir weibliche Immigranten), die die Einwanderungsabteilung der Jewish Agency im letzten Monat den Palästina-Aemtern in den verschiedenen Ländern zur Verfügung stellen konnte und die sich auf die Zeit vom Oktober 1932 bis April 1933 verteilen. In diesem Zusammenhang mag ein Vergleich der Immigration in den Monaten Jänner bis September 1932, deren Ziffern jetzt vorliegen, mit denen derselben Periode des Vorjahres von Interesse sein. Die Zahl der jüdischen Immigranten hat sich (mit 6275 gegen 2955) mehr als verdoppelt. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß es sich hiebei nicht ausschließlich um neue Immigranten handelt, sondern daß sich eine große Anzahl dieser Leute bereits ohne AufenthaJtsbewilligung im Lande befand. Die Zahl derer, die nachträglich das Recht des dauernden Aufenthaltes erhielten und als «Immigranten* registriert wurden, beträgt 3070 (gegen 437 im Vorjahre). Wirklich neue Einwanderer bleiben demnach 3205 (gegen 2518), was eine Erhöhung von zirka 25 Prozent bedeutet. Auch die Zahl der Immigranten mit einem Vermögen von mindestens 1000 Pfund, deren wir 505 gegen 162 zu verzeichnen hatten, ist erheblich gestiegen. Zum Kapitel der neuen Alija gehört auch die Einrichtung der sogenannten Arbeiterlager in oder bei den Pflanzungskolonien, die die immigrierenden Arbeiter sofort nach ihrer Ankunft absorbieren, ohne daß sie die von der Jewish Agency in den Hafenstädten Jaffa und Haifa errichteten Immigrationsheime in Anspruch zu nehmen brauchen. Für die Gründung solcher Arbeiterlager hat der Keren Kajemeth aus seinem Bodenbesitz in der Nähe oder innerhalb der Pflanzungskolonien gewisse Flächen reserviert, auf denen von der Jewish Agency Wohngclegenheiten für die Arbeiter errichtet werden. Diese nehmen die Neuankömmlinge auf, und das Vorhandensein solcher Lager hat sich für alle Beteiligten als ein wahrer Segen erwiesen: für die Kolonisten, denen an Ort und Stelle jüdische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, für die Arbeiter, denen sich am Orte ihrer Beschäftigung die notwendige Unterkunftsmöglichkeit bietet, so daß sie weder Zeit noch Geld durch die Suche nach Arbeit vergeuden müssen. Im Zusammenhang mit der neuen Einwanderung hat sich ein so großes Bedürfnis nach diesen Arbeiterlagern herausgestellt, daß die im Besitze des Keren Kajemeth befindlichen Flächen, die für diesen Zweck geeignet sind, nicht ausreichen. Aus diesem Grunde hat der Keren Kajemeth beschlossen, ungeachtet der hohen Preise für Boden m der Nähe der Kolonien weitere Grundstücke für Arbeiterlager zu erwerben. Bei R e c h o w o t h, Petach Tikwa, Raanana, lr Schalom und Chedera sollen Parzellen für die Unterbringung von weiteren zirka 1100 Arbeitern erworben werden, so daß die Arbeiterlager im Lande mehr als 2000 Menschen Platz bieten werden. Die Wiedereröffnung der Schulen der Jewish Agency Infolge der sich ständig festigenden wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in Erez Israel entwickelt sich in den letzten Jahren innerhalb des Jischuw die Bereitwilligkeit, den Unterhalt der Institutionen des Unterrichts- und Gesundheitswesens auf die eigenen Schultern zu nehmen, um dadurch das Budget der zionistischen Exekutive für die Bedürfnisse der Kolonisation freizumachen. Man ist schließlich zu dem Beschluß gelangt, das gesamte Unterrichtswesen der «Knesseth Israel»*), die als legale Körperschaft mit dem *) Das organisierte palästinensische Judentum, dessen Exekutivorgan der Waad Leumi (Nationalrat) ist. Rechte der Steuererhebung konstituiert wurde, zu übergeben. Zu dem Budget für die Aufrechterhaltung des Schulwerkes sollen die folgenden Gremien beitragen: Die Exekutive der Jewish Agency mit den Mitteln des Keren Hajessod, die Stadt- und Kolonialverwaltungen durch Aufbringung der Schulgelder, ferner die Regierung, die bereits in den letzten Dimstiertoaltuitgeii 2} * i U bi cf» 1 m h non 2)t nallang taoHrlnin mtdi Soridj&fle ohne iebtoebe Stalen. etoeittueü «ufe »tat« 9t»»c*i«U>anii »tar ttnnw tantfl. ®«r» t»b« t H «L* n»»oU)«H«vi|(b« 0iftc sn * — 12% ttwtttfit'nfcanalti ©r. 90. ©ai». 1. ftitmerg. 13 td. r?K>«Sh Jahren ihren Beitrag für das hebräische Schulwerk erhöht hat. In Anbetracht ihrer schwierigen Finanzlage sah sich indessen die Jewish Agency zu der Erklärung gezwungen, daß sie für ihren Anteil an der Finanzierung des Schulwesens die von den Lehrern gewünschten Garantien nicht geben könne, und es bestand die Gefahr, daß die Schulen geschlossen bleiben werden. Die Verhandlungen, die im Gefühl der Verantwortung aller Beteiligten für diese wichtige öffentliche Angelegenheit geführt wurden, führten endlich zu einem Ausweg, so daß alle palästinensischen Schulen, wenn auch verspätet, den Unterricht aufgenommen haben. Wasser in Javniel in Javniel, einer der ersten Kolonien der Palestine Jewish Colonisation Association (PICA), hat man in einer Tiefe von 100 Metern eine Quelle entdeckt, die pro Stunde 150 bis 200 Kubikmeter Wasser liefert. Um die Wichtigkeit dieses Fundes entsprechend zu bewerten, muß man sich die Lage der galiläischen Siedlungen vergegenwärtigen. Wie die Praxis erwiesen hat, sind zwei Vorbedingungen für die Kolonisation in Palästina unerläßlich: die Sanierung des Bodens und die Beschaffung von Wasser, ohne das eine gesunde ökonomische Entwicklung landwirtschaftlicher Siedlungen nicht denkbar ist. Denn der Bauer kann bei der reinen Getreidewirtschaft sein Auskommen nicht finden; er muß die Möglichkeit haben, auch andere Wirtschaftszweige und bewässerte Kulturen zu betreiben. In den von der PICA in Ober- und Untergaliläa gegründeten Siedlungen sind diese Vorbedingungen bisher nicht erfüllt worden. In Obergaliläa herrscht noch heute der Schrecken der Malaria, weil die Sümpfe nicht trockengelegt wurden. Mischmar Hämek z. B. Dr. Chaim Arlosoroff, der politische Dezernent der Palästina-Exekutive, veröffentlicht folgende Erklärung: „Der Warschauer «Moment», Nr. 205, enthält einen von Berlow gezeichneten Artikel zur Frage des Legislative Council, der die Andeutung enthält, der High Commissioner habe, bevor er nach Genf ging, von mir die Zusicherung erhalten, daß sich die Exekutive dem Plan des Legislative Council nicht widersetzen werde. Der Artikelschreiber behauptet, ich hätte eine solche Erklärung als Entgelt für Zertifikate und andere praktische Vorteile gegeben, und er stützt diese seine Behauptung durch den Hinweis auf ein ähnliches Versprechen, das angeblich von mir in Betreff der Einkommensteuer gegeben worden sei. Es ist dies eine safhr einfache Methode, eine Unwahrheit durch eine andere zu stützen. Die von mir in der Plenarsitzung des Waad Leumi vorgelegten Dokumente haben über jeden Zweifel hinaus die Falschheit der Behauptung dargetan, daß die Exekutive sich mit der Einfühlung der Einkommensteuer in Palästina einverstanden erklärt hätte. Aus den Dokumenten geht hervor, daß die Exekutive sich in dieser Hinsicht absolut freie Hand gelassen habe und daß ich von Anfang an sowohl dem High Commissioner wie dem Schatzmeister unmißverständlich erklärt hatte, daß die Exekutive in dieser Sache keine Stellung nehmen werde, bis nicht alle jüdischen Interessenten gehört worden sind. Zur Frage des Legislative Council erkläre ich hierdurch, daß die erwähnte Behauptung im Ich offeriere folgende Palttaiina-Pvodukie: Jaffa-Orangen pro kg S 1.20 Jaffa-Grape Fruit pro Stück von S —.40 aufwärts Schemen-Olivenöl pro kg S 3.90, *4 kg S 2.— Schenren-Toiletteseife (6 Sorten) pro Stück von S —.55 aufwärts Chedera-Honig (in Becher) pro *4 kg S 1.—, Vs kg (in Glas) S 2.20 Karmel-Weine (6 Sorten) 1 Flasche von S 2.80 aufwärts Franko Haus gegen Kassa bei Uebernahme SAMUEL HALPERN, WIEN, II., FÖRSTERGASSE 0 Telephon A 46-4-12 ■st noch immer von diestm krankhd? iieimg'^’icht und konnte sich aus diesem Grunde nicht entwickeln. Ferner sind die PICA-Kolonien in der Hauptsache auf einen Wirtschaftszweig, Getreidebau, basiert, und obwohl die Kolonisten in Galiläa eine dreimal so große Fläche als die des Ernek oder anderer zionistischer Siedlungen besitzen — manche bewirtschaften 300 bis 500 Dunam —. war ihre ökonomische Lage bis auf den heutigen Tag eine schlechte, weil Getreidebau allein nicht genügend abwirft. Anders hingegen ist die Entwicklung der durch die zionistischen Fonds gegründeten Siedlungen gewesen. Es wurden umfangreiche Sanierungtarbeitert durchgeführt, ehe man den Boden der Kolonisation übergab. Es sei nur an das heute blühende Nahalal erinnert, ein Ort, der nicht nur von arabischen, sondern auch von robusten deutschen Bauern, die hier eine Siedlung zu gründen versuchten, verlassen wurde, weil die Malaria zu große Opfer an Menschenleben forderte. Als der K. K, L. diesen Boden käuflich erwarb, war cs seine erste Sorge, ihn von den Malariasümpfen zu befreien, was nur unter Aufwendung großer Geldmittel durchführbar war. Ferner haben di« zionistischen Fonds die von ihnen geschaffenen Siedlungen mit Wasser für Trink-, Tränk- und Bewässerungszwecke versorgt. Durch die Einführung der gemischten Wirtschaft hat die zionistische Kolonisation die Grundlage für die gedeihliche Entwicklung ihrer Siedlungen gelegt. Die Erträgnisse der Pflanzungskulturen, der Milchwirtschaft sowie Geflügel- und Bienenzucht machen heute einen wichtigen Posten in deren Einnahmenbudget aus. Man darf ruhig sagen, daß das Gelingen der zionistischen Kolonisation sich aiuf der Basis der gemischten Wirtschaft aufbaute. Die Grundbedingung für die gemischte Wirtschaft -ber ist Bewässerung. Jetzt ist nun die Verwaltung der PICA dem Beispiel der zionistischen Fonds gefolgt. Nach sechswöchigen Bohrversuchen mit einer großen Bohr* rnaschine wurde Wasser in Javniel gefunden, und dies darf für die dortigen, seit Jahren hart um ihre Existenz ringenden Siedlungen als Vorbote besserer Zeiten angesehen werden. Man hofft, daß damit nicht nur der Kolonie Javniel ermöglicht wird, Pflanzungen und gemischte Wirtschaft einzuführen, sondern auch für die übrigen Kolonien Galiläas eine Epoche ökonomischen Aufstiegs anbrechen wird. «Moment» und ähnliche anderswo veröffentlichte Dar* Stellungen glatte Unwahrheiten sind. Ich bedauere es, daß Rücksichten auf die politische Arbeit es mir nicht erlauben, alle Dokumente und Tatsachen der Oeffentlichkeit bekannt zu geben, um auf diese Weise Verleumder zum Schweigen zu bringen, deren böswillige mit falscher Darstellung arbeitende Kampagne das Ziel verfolgt, die zionistische Politik z u 81 ö r e n, deren ergebene Befürworter sie zu sein behaupten. Der Politischen Kommission des Kongresses wird die Wahrheit nicht vorenthalten bleiben. Inzwischen sollte es aber allen denkenden Zionisten klar sein, daß eine solche mit Unwahrheit arbeitende Publizistik Teil eines Feldzuges wohlüberlegter Verleumdung und Schmähung gegen die zionistische Arbeiterschaft und ihre Wortführer ist, der darum so giftig und rücksichtslos geführt wird, well die politische Vertretung in der Exekutive gegenwärtig einem Mitglied der Arbeiterpartei anvertraut ist.“ Kurze Wirfschaftsnachrichfen Die jüdischen Industrien produzieren bereite Waren im Werte von 2,000.000 Pfund pro Jahr und beschäftigen zirka 8000 Arbeiter, Damit hat sich die Industrie in ihrer materiellen Auswirkung an erste Stelle der Wirtschaft gestellt. Die türkische Tabakregie plant, wie die arabische Presse berichtet, die Errichtung einer Zigarettenfabrik in Haifa. Die palästinensischen P lanzer. deren Produktionsabsatz auf Schwierigkeiten stieß, hoffen, dadurch einen Aufschwung ihrer Produktion zu erreichen. Im abgelaufenen Berichtsjahr 1931/1932 haben die jüdischen Farmer Palästinas nicht weniger als 4,000.000 Eier auf die Märkte gebracht. Das bedeutet eine 20prozentige Zunahme gegenüber dem Vorjahr. Anfangs Jänner 1933 weiden die Strompreise ist Palästina um 10 bis 15 Prozent reduziert werden. Da* wird sowohl im Hause, als besonders in der Preiserstel'ung bei den Industrieprodukten eine bedeutende Erleichterung bieten. Für das Jahr 1934 ist eine weitere Ermäßigung vorgesehen. Die «S h e m e n»-Oelfabrik in Haifa hat ihren Betrieb bedeutend vergrößern können. Die Oelpressen der Fabrik werden jetzt durch volle 24 Stunden täglich —- in drei Schichten — im Betrieb erhalten werden. Die Fabrik exportiert hauptsächlich Oel und Toilettseifc. Die Absatzgebiet# sind Syrien, Rumänien, Südafrika, Indien und viele ander# Länder. In Bene Brak ist eine Perlmutter-Knopffabrik errichtet worden. Das Rohmaterial wird im Huleh-See g#> wonnen. Die Hetze gesen die Palästina- Exekutive Erklärung Dr. Arlosoroffs t