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Die Stimme · 1932-12-15 · Heft 258 (15.12.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 258 (15.12.1932)
Date
1932-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 0 DIE STIMME Nr. 258 — 15. Dezember tflSS SfiMfcnfcnbellMe ** ..Stimme" Dev llidische Hochschulausschuß Von Dr. Vikiov Kornmehl Unmittelbar nach dem Krieg hatte die begeisternde Idee von einer Zusammenfassung aller jüdisch-studentischen Kräfte zu einem Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs bald Erfolge aufzuweisen, denn es gelang, die bestehenden jüdischen Fachvereine, den J. A. Juristenverein, den A. V. J. Mediziner, den J. A. Philosophenverein, den J. A. Technikerverband, die Vereinigung jüdischer Hörer an der Hochschule für Welthandel, den J. A. V. «Theologia» und alle zionistischen Verbindungen und Vereine unter einen Hut zu bringen. Welch große Leistung durch die Schaffung des Oesamtverbandes jüdischer Hochschüler vollbracht wurde, kann jeder ermessen, der die Bedeutung einer zentralen jüdischen Studentenorganisation erkennt. Die Exekutive dieses Verbandes wurde einer Leitung, dem Jüdischen Hochschulausschuß, der alljährlich von den Delegierten aller Gruppen gewählt wird, übergeben. Dem Jüdischen Hochschulausschuß obliegen nun vor allem organisatorische, kulturelle und wirtschaftliche Aufgaben, die Im Rahmen eines Fachvereines oder einer zionistischen Korporation woihl nicht geleistet werden können. Die organisatorische Einheit der jüdischen Studentenschaft wurde im Laufe des letzten Jahres bewerkstelligt, durch Schaffung eines jüdisch-studentischen Zentralorganes, der «Stimme des Studenten“, die allen Mitgliedern kostenlos zugesandt wird, durch Zentralisierung aller Veranstaltungen wie Führungen, Exkursionen, Ausflüge, gesellschaftliche Zusammenkünfte usw., durch Bildung eines Sportamtes, das allen Mitgliedern zu äußerst günstigen Be- Das Weltstudentenwerk (engl. «International Student Service»), hat dem ihm angeschtossenen «Weltverband det jüdischen Studentenschaft» mehrere Arbeitsplätze in seinen Arbeitslagern zur Verfügung gestellt. Als Mitglied der «Judäa» nahm ich am Arbeitslager in Bakkeveen, Friesland, teil Die Arbeit war vom «Verein zur Errichtung von Volkshochschulen in Holland» eingerichtet worden. Ein holländischer Idealist hat ein großes Areal Heideland zur Errichtung einer Volikshochschulanlage gespendet, wobei die Anfangsarbeiten in Form eines Arbeitslagers Studenten übergeben wurden. An der Organisierung des Lagers nahm auch die holländische Studentenvereinigung S. J. D. (Studiosi Juvare delectamur) teH, die viele Juden zu ihren Mitgliedern zählt. Es wurde neun Wochen lang in drei Etappen gearbeitet. An Jeder Etappe beteiligten sich unge ähr 50 Studenten und 10 Studentinnen, letztere sorgten für die Küche. Gearbeitet wurde von 5 Uhr früh bis 1 Uhr 30 Minuten mit zwei Unterbrechungen. Der freie Teil des Tages wurde mit Unterhaltungen die von der Vergnügungskommission vorgeschlagen wurden, an denen die Teilnahme freiwillig war, ausgefülK. Was das Verhältnis der Studenten untereinander betrifft, so war es das denkbar beste. An meiner Etappe nahmen 15 Ausländei teil. Alle nationalen Klüfte wurden mit Selbstverständlichkeit überbrückt. «Wenn sich die Nationen so verständen wie ihre Vertreter hn Arbeitslager, so gebe es keine Notwendigkeit für einen Völkerbund.» Diese Worte schrieb mir ein Schweizer Kamerad. Antisemitismus konnte man auch nicht beobachten. Dies mag wohl mit der Einstellung des Gastlandes in Verbindung stehen, ln Hol'and gibt es keinen Antisemitismus. Die Hakenkreuzlerei Deutschlands wird verspottet und die Männer, die sich stolz zunr Judentum bekennen, sind geachtet. Für uns Studenten war das Lager ein Erlebnis, das zur Bildung unserer Persönlichkeit viel beitrug. Das Lager wurde von vielen Leuten besichtigt und besonders das Freilufttheater fand die Anerkennung vieler Fachleute. Besten Eindruck machte die Arbeit auf die in der SCHULE FUP KÖRPE P BILDUNG TRUDE KUEIN Diplomierte Gymnastiklehrerin der Schule Heüerau, VL, Theobaldgasse 19 (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Korstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Emzelstunden in den verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. dingungen die Ausübung ln fast allen Sportarten bietet und durch Anlage einer Karthotek sämtlicher Mitglieder der Judäa. Weitere Aufgaben des Jüdischen Hochschulausschusses wird es sein, ein zentrales Heim, welches der Sammelpunkt der gesamten jüdisdhen Studentenschaft sein soll, zu schaffen. Der kulturellen Aufgabe entledigt sich der Jüdische Hochschulausschuß dadurch, daß er Vorträge über allgemeine jüdische und zionistische Fragen mit anschließenden Diskussionen veranstaltet, Sprachkurse und Arbeitsgemeinschaften bildet, die vor allem das allgemeine und das jüdische Wissen der Studentenschaft bereichern sollen. Selbstverständlich hat die jüdische Studentenschaft auch Pflichten gegenüber ihrem Volke und hat daher alle Bestrebungen einen jüdischen Staat In Palästina aufzubauen zu fördern. An wirtschaftlichen Institutionen stehen der jüdischen Studentenschaft schon seit langem die Mensa academlca judaica, IX., Zimmermannplatz 8, das Studentenheim ln Grinzing, Kranken-, Not-, Darlehens- und Inskriptionsfonds, die Stellenvermittlung, das Rechtsschutzbureau und unentgeltliche ärztliche Hilfe zur Verfügung. Nicht unerwähnt soll die schwierige Aufgabe der Vertretung der jüdischen Studentenschaft gegenüber den Hochschulbehörden bleiben, sowie auch die Vertretung gegenüber den jüdischen Organisationen und den internationalen Studentenverbänden. Umgebung wohnende Bauernschaft. Der Bauer sah, daß der Student, dem er so viel Mißtrauen entgegenbrachte, wie er die Picke zu gebrauchen versteht. Am Kontakt mit den Bauern war es den Organisatoren sehr gelegen, da die Volkshochschulen den Zweck haben, den friesischen Bauernstand kulturell zu heben. Das Lager gelang Vorkommen und alle Teilnehmer erinnern sich gerne an die fröhliche Arbeit in der friesischen Heide. Ji&ademistfier Verein füdisdker Jtlediziner IX., Wnhringerstraße 15 Der A. V. J. M. begann seine Arbeit für das Wintersemester mit Eröffnung seiner Inskriptionsberatungsstelle, die von ungefähr 1.50 neu eintretenden Mitgliedern in Anspruch genommen wurde und täglich, mit Ausnahme von Samstag und Sonntag, allen Interessenten zur Verfügung stand. Mittwoch, den 26. Oktober, fand eine zahlreich besuchte Exkursion in die Schwechater Brauerei statt Der am 22. November von uns veranstaltete Vortrag des Herrn Prof Dr. Oswald Schwarz: «Moderne Wiener Psychologie Freud und Adler» wurde zu einem großen Erfolg. Die am 24. November abgehaltene Generalversammlung ergab die Wahl des Kollegen Heinrich Heller zum Obmann. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr veranstalten wir in den Radstädter Tauern einen Skikurs, dessen Kosten inkl. Fahrt, Verpflegung und Lehrkurs zirka S 60. —betragen werden. Nähere Auskünfte darüber in den Amtsstunden, Montag, Mittwoch, Freitag von 2 bis 3 Uhr. JttdiscA-aftadevniscftcr Juristenverein IX., Liechtensteinstraße 30 Amtsstundenänderung: Unsere Amtsstunden finde« von nun an Dienstag und Donnerstag von 19 bis 20 Uhr statt. Ein von uns am 13. November unternommener Ausflug nahm trotz des kühlen Wetters einen sehr anregenden Verlauf. Um Kandidaten zur II. Staatsprüfung das Eindringen;n die Materie zu erleichtern und gleichzeitig eine Wiederholung des Stoffes zu ermöglichen, findet schon in der nächsten Zeit unter der Leitung des Koll. Dr. Jakob Hirni eine Arbeitsgemeinschaft statt. Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist, ersuchen wir die Interessenten, sich ehebakt'gst vonmerken zu lassen. Ebenso sind wir bere't, für Kolloquien Vocbereitungstmd Wiederhotung9kurse aus sämtlichen Gebieten des Jusstudiums entsprechende Lehrer zu stellen, wenn sich mindestens fünf Kol'egen melden. Zur Pflege der Geselligkeit beabsichtigen wir, in unserem Hehn ein Ping-Pongturnier zu veranstalten, zu dem wir auch Kollegen aus anderen Verbänden der Judäa herzlichst ein laden. Wir ersuchen die Kolleginnen und Kollegen, die den Mitgliedsbeitrag für das Wintersemester 1932/33 noch nicht geleistet haben oder mit den Brbliotheksgebühren im Rückstand sind, ehebaldigst ihrer Pflicht nachzukommen. Jüdisch - aftademlscA« Verein „STAcotoSia" In der am Montag, den 28. November, stattgefundenen Generalversammlung wunden folgende Kollegen io den Ausschuß gewählt: Zum Präses David Ochs, weiterhin die Kollegen Josef Bahad, Josua Horowitz, Dr. Moses Landau, Hein» rieh Kaufmann, David Birnbaum, Markus Günsberi um! Hersch Mermelstein. Der abtretende Präses Koll. Josef Babad wurde in Anerkennung seiner Verdunste um die «Theologia» zum Ehrenmitg'ied ernannt; auf seinen Namen wurde ein Baum für den K. K L gespendet Wir beabsichtigen, in den nächsten Wochen Vorträge aus dem Gebiete dpr jüdischen Geschichte und Literatur zu veranstalten. Näheres in den nächsten Mitteilungen. Vereinigung jüdischer Jiörer an der Jiodkstfmte für Weit- Handel ln der konstituierenden Ausscfuißs:tzung wurde folgend# Verteilung der Referate vorgenommen: Obmann: Josef Zime^ Obmannsteüvertreter und Kassa: Kalman Singer, Organisation-. Paul Raber, Bibliothek: Norbert Wand. Max Zuckermann, Erich Ble’ch, Kutur und Anschlagkasten: Michael Herling, Schrift über: Markus Schlängel. Unsere 3000 Bände starke Fachbibliothek steht unseren Mitgliedern zur Verfügung Bihl!o:heksstunden vorläufig jeden Dienstag von 19 bis 20 Uhr. In der Präsidialstunde, die jeden Mittwoch von 19 hl# 20 Uhr stattfindet, können Kol'egen jede gewünschte Auskunft erhalten sowie anfällige Gesuche (Mensa-, Krankheits-, Wohnbeiträge usw.) überreichen. Ueber vielfache Anfragen unserer Mitglieder, warum (fie Vereinigung bei der feierlichen lnaugurat:on nicht anwesend war, geben wir folgende Erklärung ab: Am 18. November erschienen wir heim Rektor und machten Se. Magnifizenz aufmerksam, daß nach einem Anschlag der Deutschen Studentenschaft allein der gesam'e Ordnungsdienst und die Anweisung der Plätze für Vereinigungen üherantwortet worden sei; was wir als Vers oB gegen die Gleichheit darlegten. Außerdem verlangten wir eine dem numerischen Verhä'tnis entsprechende Anzah’ von Studentenelniaßkarten Rektor Pro Ziegler feilte uns mit, dafl er über die Durchführung des Ordnungsdienstes nicht informiert sei und vers-nrach uns 20 Prozent der gesamten Studenteneinlaßkarten Anr 20. November erhalten wir jedoch eine so geringe Anzähl, daß wir uns sofort mit dem Rektor in Verbindung zu setzen bemühten, doch war uns dies im Laufe dieses als auch des nächsten Tages nich‘ mögl:ch. Da außerdem der Ordnungsdienst, trotz unseres Einspruches von der Deutschen Studentenschaft al'ein durehgefilhrt wurde, sah sich d'e Vertretung zu diesem Schritte gezwungen. Das Präsidium. yudisefk-aftademisefier &Mto» soipfienverein IX., Zimmer mannplatz 8 Anläßlich des 300. Geburtstages Bartich Spinozas vetfr anstabete der J. A. Philosophenverein, gemeinsam mit dem Jüdischen Hochschulausschuß, im Festsaale des Handeismuseums, IX., Berggasse 16, eine Spinoza-Feier. Die Festrede hielt Herr Dr. Walter Eckstein Thema: «Die Grundlage« der Philosophie Spinozas». In der nächsten Nummer def «Stimme des Studenten» werden wir den Vortrag bringen. Am 3. Dezember fand die ordentliche Generalversammlung statt, die Herrn Dr. I. Z. Kanner wiederum zum Obmann des Phtlosophenvereines wählte. JKittei fangen des Jüdischen Kocfiscüuiousscfius^es Einem lange gehegten Bedürfnis Rechnung tragend, gab der Jüdische Hochschifausschuß mit Beginn dieses Wintersemesters einen neuen Stud’enführer für sämtliche Wiener Hochschulen heraus Der mit einem Vorwort von Universitätspro essor Dr. Bernhard Geiger und einem interessanten Artikel über die Hebräische Universität in Jerusalem eingeleitete Führer vermittelt sowohl dem ncuinskrib'erten Studenten als auch älteren Kol'egen eine genaue Kenntnis sämtlicher Hochschulangelegenheiten. gibt ihm die Möglichkeit, den Weg zu seinen jüdischen Fachkollegen zu finden und zeigt ihm überdies ein Betätigungsfeld für Mitarbeit in jüdischen Fragen Nicht unerwähnt so’l bleiben, daß Hirn auch in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht volle Orientierung geboten wird Um den Kontakt mit den die Universität neu beziehenden Kollegen inniger zu gestalten, veoanstaltete der Jüdische Hochschu’ausschuß am 18. Oktober einen zahlreich besuchten Abituriententag, auf dem Herr Dr. Leo Goldhammer ein Referat über die Berufsaussichten des jüdischen Akademikers hielt. Herr Rabbiner Dr. A. Kaminka liest ab Mittwoch, den 7. Dezember d J. jede Woche im Hörsaal XXXIV der Universität um 7 Uhr abends ein äußerst lehrreiches und interessantes Kolleg aus dem Gebiete der jüd'schen Wissenschaft. Wir halten es für unsere PfFcht, die jüdischen Studenten auf diese einzige jüdische Vorlesung auf akademischem Boden ganz besonders aufmerksam zu machen, und fordern sämtliche Studierende au’, diese Vorlesung, die geeignet ist, den jüdischen Studenten mit der Geschichte und def Wissenschaft seines Volkes vertraut zu machen, zahlreich und regelmäßig zu besuchen. Diese Beilage wird allen unseren Mitgliedern kosten« 1 o s zugesandt. Die redaktionelle Leitung Hegt ln den Hände« des Jüdischen Hochschulausschusses, der um gefällige Beiträge aus Kotlegenkrel8en für seine nächste Nummer ersucht. Großfleischnauerei SIEGM. KORNMEHL "entrale IX, Berggasse IV, lei. A 1 p, A 16-9-34 Lieferant »ür Heilanstalten Abteilungen für igt^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdige« Wahbmats dsr Israelitische« Ku'tuscemeinde W en AulosustttUuno iooento» IX, Berrgasse t XVtli WährinverstfiBt 7* Vier Wochen in einem Studentenavbeitslagev Von cand. pfiü. Jakob Nagler i

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