Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 258 (15.12.1932)
- Date
- 1932-12-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite s DIE STIMME Nr. 258 — 15. Dezember 1932 Die neuen zionistischen Mandatare vor ihren Wählern Imposante Kundgebung der jüdischen der „Zionistischen Liste“ Letzten Donnerstag fand im Hotel Continental ne von der «Zionistischen Listen einberufene Siegesfeier statt, die sich zw c 'i gratis ^»'ii zionistischen Manifestation der Wiener jüdischer. I’t\ Gerung gestaltete. Schon lange hat Wien nicht eine ahn.w he Kundgebung erlebt. Schon lange sah man nicht so große zionistische Alassen zusammen strömen wie diesmal. Lange vor Beginn mußte der große Festsaal polizeilich gesperrt werden und im Spicgelsaal eine Para'ldversammlung abgehaltcn werden. Trotzdem konnten Hunderte von Menschen nicht mehr Einlaß finden Die Stimmung in beiden Versammlungen war eine begeisterte. Die Freude über den errungenen grandiosen Sieg der «Zionistischen Liste':- hatte die Menge in einen wahren Beifallstaumri versetzt. Minutenlange Beifallsstürme unterbrachen immer wieder die Ausführungen de-- einzelnen Redner. Die neu&zwählten zionistischen Kultusvorstehei erschienen in beiden Versammlungen am Rednerpult, um den Versammelten den Dank der «Zionistischen Liste» für die bewiesene Treue auszudrücken und sie zur weiteren unermüdlichen Gefolgschaft anzueifem Die Arbeit im neuen Kultusvorstande brauchte nicht erst erläutert zu werden Das zionistische Programm ist so klar und eindeutig, daß es der zionistischen Wählerschaft nicht erst erklärt werden muß, die künftige Aröeit im neuen Kultusvorstand ist durch das Programm so genau festgelegt, daß es nur der unumwundenen Versicherung der zionistischen Mandatare bedurfte, keinen Finger breit von diesem Programm abzugehen, aber auch alle, die außeohab dieses Programmes stehen, im Interesse der Gemeinde und f Ci r die Gemeinde, zur Mitarbeit heranzuziehen. Freilich wurde diese Versicherung von Männern gegeben, die durch jahrzehntelange unermüdliche Arbeit für die jüdische Sache den jüdischen Massen keine Fremden sind Sie versicherten die Wähler daß sie ständig mit ihnen in Kontakt hieben werden und forderten sie zur weiteren Mitarbeit auf. damit aus dem Sieg des 4. Dezember 1932 neue Kräfte un-d Segnungen für das Wiener Judentum erwachsen. Als Redner waren der Reihe nach die Kandidaten der tZionistischen Liste» angekündigt. Eröffnet wurde die Versammlung mit kurzen einleitenden Worten durch das älteste Mitglied der neugewählten zionistischen Kultusmandatare, Börserat J. H. \V a 11 u c h. Dr. Desider Friedman n, stürmisch bejubelt, beschäftigte sich mit den Kampfmethoden der Gegner und meinte, daß noch nie ein Wahlkampf so erbittert und mit so häßlichen Unwahrheiten geführt worden ist wie diesmal von seiten der «Union» und der «Werktätigen». Redner bedauert, daß dieser Hetze einzelner Scharfmacher innerhalb der «Union» nicht entgegengetreten wurde, dies um so mehr, da die «Union»-Vorsteher die Arbeit der zionistischen Mandatare genau kennen. Die Hoffnung der Gegner, daß die Zion-isten wegen ihrer weltanschaulichen Differenzierungen in Gruppen leichter zu schlagen sein werden, hat sich als trügerisch erwiesen. Ueber alle Parteiunterschiede hinweg w«ren Allgemeine Zionisten und Revisionisten im Kampfe gegen die Assimilation einig und der Erfolg war auf ihrer Seite. Er sprach die Hoffnung aus, daß nach weiteren vier Jahren intensiver zionistischer Arbeit Wien noch zionistischer sein werde. Der neue Kultusvorstand, Dr. Oskar G r ü n b a u m, Präsident des Zionistischen Landeskomitees, analysierte in temoeramentvoller Rede die Haltung der «Union» und geißelte in scharfen Worten ihren demagogisch geführten Wahlkampf. Er erinnerte an all die gruseligen Märchen, die die «Union» nicht müde geworden war, den Wählern aufzutischen von der «Drückebergerei» der Juden im Weltkrieg bis zu den «vaterlandslosen Gesellen». Al! diese Lügen sind schmählich zusammengebrochen, und auf festen Füßen steht die zionistische Majorität in der Wiener Kultusstube. Doktor Grünhaum glaubt nicht daran, daß es Juden gibt, die bisher für das Wohl der Gemeinde gearbeitet und nun, da die Mandatszahl ihrer Partei zusammengeschrumpft ist, das Interesse an der Entwicklung dieser Gemeinde verlieren. «Wir werden» — ruft Dr. Grünbaum aus — «der kleinen Zahl der Abtretenden zehntausende Neueintretende entgegenstellen.» Dr. Jakob Ehrlich erinnerte an die Kämpfe um die Eroberung der Wiener Kultusgemeinde in der Zeit Theodor Herzls, als ein Häuflein Unentwegter den damals nahezu aussichtslosen Kampf begann, obwohl die Niederlage unausbleiblich war. Wie anders der grandiose Sieg des 4. Dezember 1932. Trotz der ungeheuren Anspannung unserer Gegner, die uns mit unwürdigen Argumenten bekämpften, nur weil wir die Einheit des jüdischen Volkes erstreben. Oberbaurat Stricker dankte den Juden für ihr aufrechtes Eintreten für die «Zionistische Liste» und für den Mut, den sie angesichts der demagogischen Arbeit der Gegner, die vor keinem M'ttel zurückscheuten, um Verwirrung und Angst in die jüdischen Massen zu tragen, an den Tag legten Dr. Löwenherz, Vizepräsident der Kultusgemeinde, von einem nichtendenwollenden Beifallssturm begrüßt, spricht von der Bedeutung des Wahlerfolges und betont, daß die Zionisten kein Parteiregime in der Gemeinde aufrichten wollen, daß es den Zionisten ferneliegt, einen Ge- •irwiungswechsel der Beamten zu verlangen. Was verlangt wird, ist vollste Pflichterfüllung. Der Kampf gegen den Antisemitismus müsse mit aller Energie geführt Bevölkerung anläßlich des Kultuswahlkrieges werden. Dr. Löwenherz kündigt schon für den nächsten Tag eine Intervention der zionistischen Mandatare in einer antisemitischen Angelegenheit an. Dr. Löwenherz beglückwünscht die «Misrachi», die nun die einzige wahre Vertreterin der Wener Orthodoxie darsteJIt. Er entbietet seinen Gruß der «Poale Zion», die so erfolgreich neben der «Zionistischen Liste» kämpfte. Nach Dr. Löwenberz sprach in kurzen Worten der Fürsorgereferent der Gemeinde, Dr. Isidor K1 a b e r. deren Ausklang die Forderung nach intensiver Arbeit durch die Mandatare und der Unterstützung durch die jüdische Bevölkerung war. Ein Ereignis cfie hebräische Rede Prof. Raths. Die Hebräisch verstehende Jugend jubelt ihm zu, als er von der Wichtigkeit jüdischen Geistes im Schulwesen spricht. Mit lauterhobener Stimme gibt Siegfried G r a u b a r t das Versprechen ab, das rhm geschenkte Vertrauen als neuer Xultusvorsteher nach Kräften zu rechtfertigen. Es sprachen noch Max Schiffmann, Ingenieui Buchbinder, die der Jugend für die Mitarbeit dankten. Zum Schluß noch Dr. Rybaczewski. im Spiegelsaal .lielt außer den bereits erwähnten Rednern Dr. J. H. Körner ein ausführliches Referat über die Arbeit in der Gemeinde, das oft durch Beifall unterbrochen wu'de. Mit dem Absingen der Hatikwah schlossen die zwei d e n k wü r d i ge n Kundgebungen. Worte des Gedenkens für Ministerialrat Dr. Bernhard Fuchs s. A. Bernhard Fuchs hat nun ausgekämpft und Ist in die Ewigkeit abberufen worden. Seine Freunde und Verehrer betrauern in ihm einen stets hilfsbereiten, im Grunde seines Wesens gütigen Menschen. Er sah in jedem Journalisten seinen Kollegen und die Herzlichkeit, mit der er jeden Berufsgenossen entgegenkam, war gewinnend. Obwohl er eine öffentliche Betätigung in jüdischen Dingen nie ausgeübt hat, nahm er an allen Erscheinungen des jüdischen Lebens das lebhafteste Interesse. Er war dem Judentum mit allen Fasern seines Herzens ergeben und wem es vergönnt war, das Leben dieses unendlich treuen jüdischen Menschen zu beobachten, dem wird sein Andenken immer in tiefster Rührung vor Augen stehen. Der Sohn eines namhaften pädagogischen Schriftstellers, war er Hörer an der fheologischen Anstalt und zählte zu den Lieblingsschülern Professor Sahwarzs. Doch der Rabbinerberuf war ihm nicht Schicksal'bestimmung. Bernhard Fuchs schlug später die journalistische Laufbahn ein und lenkte bald die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich. Er trat in den Staatsdienst und brachte es bis zum Stellvertreter des Chefs des Pressedienstes. Aber auch in dieser, vom Judentum völlig abseits gelegenen Tätigkeit, nahm sein jüdisches Bewußtsein nicht ab. Bernhard Fuchs verkörperte in sich den bescheidenen Gelehrten und wahrhaften Journalisten, wie sie in unseren Tagen nicht oft anzutreffen sind. Das Judentum hat durch seinen Tod einen großen Verlust erlitten. Daß Männer wie Seipel und Schober den Verdiensten Bernhard Fuchs Anerkennung zollten, war ein Kidusch ha-Schem. Wärmstes und innigstes Gefühl gilt seiner Gattin, seinen Kindern und seinen Geschwistern. Chajim Bloch. Besuch Prof. Brodetsky Das Mitglied der Zionistischen Exekutive, London, Prof. S. Brodetsky, wird vom 1. bis 3. Jänner 1933 in Wien weilen, ln dieser Zeit wird der Genannte einen öffentlichen Vortrag halten und außerdem vor dem Parteirate ein Referat halten. Weiters wird Prof. Brodetsky Gelegenheit nehmen, zu einer Aussprache mit den Wiener Gruppen der Sonderverbände und den Leitern der Fonds. Das nähere Programm wird in der nächsten Nummer der «Stimme» verlautbart werden. Chajes-Grabgang Alle Jugendverbände werden aufgefordert, Sonntag, den 18. Dezember 1932, l/210 Uhr vormittags, sich zum Ordnerdienst beim Chajes- Grabgang, Zentralfriedhof fl. Tor' i ti z ufinden. Palästina Oie ArbeiterHonflihte In einer in Te!-Awiw von der Allgemeinen Jüdische* Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth) veranstalteten Pressekonferenz erklärte der Histaduithführer Ben G urion: Alle Arbeiterkonfiikte in Palästina könnten binnen fünf Minuten aus der Welt geschafft werden, wenn der Verband jüdischer Landwirte und der Verband jüdischer Fabrikanten sich verpflichten würden', in ihren Betrieben mnr jüdische Arbeiter zu beschädigen und sich in Arbeitsfragen der Entscheidung ehier nationalen jüdischen Körperschaft als Arbeitsschiedsgericht unterzuordnen. Die Histadruth ihrerseits erklärt sich bereit, Entscheide eines solchen Schiedsgerichtes anzuerkennen. Die Histadruth war immer bereit, gemischte Arbeitsnachweise errichten zu helfen, in denen Vertreter der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der nationalen jüdischen Institutionen sitzen sol’en. Die Histadruth hat noch im vergangenen Jahre eiiu-n of iziellen Beschluß, betreffend Verständigung mit den anderen Arbeiterinnper in Palästina, zur Vermeidung von Unruhen gefaßt Vorschlag iür einen Bevolkerungsaustousch zwischen dem Irak und Palast na Bombay. Die in Bombay erscheinende «Times of I n d i a» eröffentlieht einen Bericht ans Basra im Irak, in dem der Plan eines Austausches von in Bagdad und Basra lebenden Juden gegen Araber in Palästina erörtert wird. Bin solcher Austausch würde im Hinblick auf die schnelle Annäherung der Länder Irak und Palästina aneinander im Zusammenhang mit dem Bau der Petroleum-Rölirenleitung zwischen Nord-Irak und Haifa jetzt durchführbar 6ein. Der Gedanke räumlicher Versetzungen größerer Bevölkern ngsmassen hat heute für die Welt des nahen Ostens seine Schrecken verloren, nachdem cfie diesbezüglichen Erfahrungen mit Griechen und Türken gute gewesen sind. In dem überwiegend mosdemitischen Irak lebt eine große und einflußreiche jüdische Minderheit, m Bagdad gibt es 50.000 Juden. Im Irak würden arabische Einwanderer aus Palästina sehr willkommen sein. Zur Beschäftigung dieser Arbeiter müssen aber Kapitalien investiert werden, die vielleicht mit Hilfe der Zionisten zu beschaffen wär^n. Dafür würde in Palästina ein solider jüdischer Block inmitten einer sonst völlig arabischen Welt errichtet werden. Zum jüngsten Bodenkonflikt Der stellvertretende Distriktskommissär des palästinensischen Norddistrikts hat bekanntlich in einem Bodenstreit zwischen dem Kavaran-Beduinenstamm einerseits und dem Keren Kajemetb, der Haifa Bay-Developement Co. und def Bavside L and Corp. anderseits, den Bescheid herausgegeben, daß den Beduinen, die 10 000 Dunam von dem den erwähnten Gesellschaften gehörenden Boden beanspruchten, 3500 Dunam dieses Bodens übergeben werden sollen. Diese Maßnahme, die gemäß dem neuen Verfahren nur den provisorischen Besitz regelt, ist von der jüdischen Oeffentlichkeit vielfach mißverstanden worden Die Leitung des Jüdischen Nationalfonds veröffentlicht daher eine Erklärung, in der mitseteilt wird, daß der Entscheid des Vizedistriktskommissar» kein endgültiger sei, sondern nur eine administrative Maßnahme darstelle, die n-ur bis zur Verkündung einer gerichtlichen Entscheidung Gültigkeit hat. Da» umstrittene Land ist noch keineswegs in arabische Hände übengegangen, sondern es verbleibt im Eigentum des KKL. und der erwähnten zwei anderen jüdischen Körperschaften^ Der RechtsfaM wird vor das Oberste Gericht Palästi°as kommen, welches bisher sämtliche Bodenstreitigkeiten im Gebiet der Hai'abucht zugunsten des Jüdischen Nationalfonds entschiede*! hat. Die neue Orangen-Saison Palästinas Die Gesamt-O ränge n-Emte der kommenden Saison wird aur 4,000 000 Kisten geschätzt. Davon entfallen 2 bl» 2% Millionen Kisten jüdischer Pflanzungen, Petach-Tikwah hat in diseem Jahr eine Ernte von 8,50000 Kisten. Rechoboth 320.000, Neß-Zionah 310 000, Riscon Le Zion 120 000. Aber auch die jungen Pflanzungen der Sharonebene, wie Herzliah und Rananah sind schon an der Ernte beteiligt. Die Hälfte der Ernte, das sind 2,000 000 Kisten, ist bereits verkauft Die erzielten Preise sind befriedigend. Auch mit Sowietrußland sind palästinensische Pflanzer in Unterhandlung getreten, um den Export nach Sowjetrußland zu ermöglichen. Auch Kanada, das Land, das pro Kopf der Bevölkerung der größte Abnehmer von Früchten ist, wird für die Abnahme von Palästina-Orangen interessiert und hat für die künftige Entwicklung der Orangenpflanzungen in Palästina enorme Bedeutung. Zur Komplettierung einer jüdischen Bibliothek werden die folgenden Bücher und Schriften benötigt: Haschomer» (Jahrgang 1918 Nr. 10) Heinrich G r a e t z : «Geschichte der Juden», Volksausgabe, Band II, eventuell gegen Band 1 Adolf Böhm : «Geschichte des Zionismus», I. Teil Psalmen in Mendelssohnscher Uebersetzung. Angebote und Zuschriften an die Redaktion dieses Blates erbeten. «Kfar-Makkabi»-Preisausschreiben: «Warum eine Makkablsledlung?» Die beiden prägnantesten Antworten, bezw. Definierungen der zu schaffenden «Makkabisiedlung» werden in der nächstwöchigen «Stimme» veröffentlicht. — Wir spenden auf den Namen ihrer Vetfasser je einen Baum im Chajes-Wald, die übrigen Einsender erhalten Trostpreise. Letzter Einsendetermin: Dienstag, der 20. Dezember 1932, 12 Uhr mittags, an die Redaktion. Fördert die Arbeit zionistischer Mädchen! Bei der Gewerbeschau der Z. M. V. Mirjam, I., Jordangasse 7, in deren Rahmen auch eine Ausstellung palästinensischer Produkte sowie des Blimdeninstituts Hohe Warte zu sehen ist, finden Sie Gelegenheit, gewerbliche Erzeugnisse aller Art, vof allem der Mode, Haushalt und Kunst, billigst zu ktufttb Täglich bi» Sonntag 9 bis 6 Uhr geöffnet. haben wir bei den Kultuswamen gekämpft und gesiegt jetzt gilt es um jeden Abonnenten und 1 nserenten für ff DIE STIMME I# Werbet Abonnenten und Inserenten «onisicn: „die stimme u käm fen. Werbet Abonnenten und Inserenten für ll