Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 257 (8.12.1932)
- Date
- 1932-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. l:o7 % PdSlHM'RlIIMbdMIl ' Palästinensische Bürgermeister gegen die geplante Munizipalitätenverordnung Jerusalem. Sechzehn palästinensische Bürgermeister, unter ihnen zwei Juden, von denen der eine der TebAwlwer Bürgermeister Mayer Dizengoff ist, haben sich am 28. November in Jerusalem zu einer Beratung zusammengefunden, in der beschlossen wurde, der vom High Commfesioner Sir Arthur W a u c h o p e in der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf angekündigten neuen Munizipalitäten-Verordnung als Vorläuferin des Palestine Legislative Council entschiedenste Opposition entgegenzusetzen. In der gefaßten Reso’ution wird die Verordnung als «unvereinbar mit der Würde und den Interessen der Palästina-Bevölkerung» bezeichnet. Zur Führung des Kampfes gegen die Einführung der Verordnung wurde ein Komitee eingesetzt, dem Mayer Dizengoff, ein anderer jüdischer Bürgermeister, und vier arabische Bürgermeister angehören. Der High Commissioner im Hause des Keren Kajemefh Jerusalem. Der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope stattete dem Hause des Keren Kajemeth einen elnstündigen Besuch ab. Er besichtigte die Bände des Goldenen Buches und das Herzl-Zimmer und gab seiner Bewunderung für das Werk des Keren Kajemeth Ausdruck. Er nahm Im Sitzungssaal des Keren Kajemeth den Tee ein. Dabei überreichte ihm M. M. Ussäschkin, der Präsident des Keren Kajemeth, ein Prachtalbum mit Illustrationen, betreffend das Tätigkeitsgebiet des Keren Kajemeth. Klage der Histadruth gegen Meer Grossman wird vor dem Kongreßgericht verhandelt Tel-Awiw. Die Allgemeine Jüdische Arbeiterfödenation Palästinas (Histadruth Haowditn) hat beim Gericht des Ziontetenkongresses Klage gegen den Vizepräsidenten der Weltunion der Zionisten-Revisionisten Meer Grossman in London und gegen das revisionistische Hauptorgan «Ras swjet» in Paris wegen verleumderischer Beleidigung erhoben. Inkriminiert werden ein Artikel Grossmans in der Warschauer jiddischen Tageszeitung «M o m e n t» und einige Artikel in «Rasswjet», in denen die Behauptung aufgestellt wurde, die Histadruth habe der Polizei die Namen von illegal in das Land gekommenen Revisionisten angegeben, um deren Ausweisung zu erwirken; auch hätten Führer der Histadruth erklärt, daß ihnen arabische Arbeiter lieber seien als revisionistische Arbeiter. Das Kongreßgericht wird Grossman und die Redaktion des «Rasswjet» auffordern, für diese Behauptungen Beweise zu erbringen. Der Führer der Histadruth Ben G u r 1 o n, der diese Mitteilung auf einer ln Tel-Awiw stattgefundenen Pressekonferenz der Histadruth gemacht hat, gab gegenüber den Pressevertretern die Versicherung ab, daß die Histadruth in keinem einzigen Falle sich geweigert hat. das Recht der revisionistischen Arbe Herauf Arbeit anzuerkennen. Er verlas Dokumente, aus denen hervorgeht, daß die Histadruth den Revisionisten einen Anteil am Arbeite* markt nach dem Verhältnis ihrer MitgHederzahl angeboten hat, damit ein Bruderkampf vermieden werde. Die Revisionisten wünschen einen neutralen Arbeiferverband in Palästina Jerusalem. In Tel-Awiw fand eine Massenversammlung der Revisionisten statt, in der der Stadtrat von Tel-Awiw durch Resolution aufgefordert wurde, einen neutralen Ar^ beiterverbaM als Mittel zur Beendigung des Krieges zwischen der Histadruth Haowdim einerseits und den revisionistischen und misnachisf'sehen Arbeiterkörperschaften anderseits zu schaffen. Mitglieder der Histadruth, die in der Versammlung gegen die Ausführungen der Redner protestierten, wurden gewaltsam aus dem Saal entfernt. Ein Vorstoß der Vereinigung jüdischer Fabrikanten Palästinas Jerusalem. Die Vereinigung jüdischer Fabrikanten Palästinas beschloß, die Stadtverwaltung von Tel-Awiw und den Jerusalemer jüdischen Gemeinderat aufzufordern, unpolitische Arbeitsnachweise zu errichten, die den Fabrikanten Arbeitskräfte ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit zuweisen sollen. Die Fabrikanten sollen verpflichtet werden, sich bei Bedarf nur an diese neutralen Arbeitsnachweise zu wenden. Dadurch eoH dem Konflikt zwischen Histadruth und anderen Arbeiterorganisationen, der sich für die Palästina-Industrie schädlich auswirkt, der Boden entzogen werden. Die Fabrikanten-Vereinigung hielt ln Jerusalem eine Pressekonferenz ab, in der erklärt wurde, die Fabrikanten wünschen nicht, einzig und allein auf die Histadruth angewiesen zu sein, sie wollen in Arbeitsfragen lieber mit unparteiischen und unpolitischen Steilen zu tun haben. Die Verteilung der Palästina-Zertifikate für Arbeiter und Handwerker Jerusalem. Die Jewish Agency hat die für Arbeiter und Handwerker bestimmten Einwanderungszertifikate für das laufende Jahr auf die einzelnen Länder wie folgt verteilt: Polen 1060 Arbeiter und 300 Handwerker; Rumänien 215 und 45; Litauen 195 und 18; Aden 130; Deutschland 90 und 23; Lettland 90 und 5; Tschechoslowakei 75 und 5; Griechen¬ Streng rituell mmmhaus Am Semmeringgebiet für Kinder und Erwachsene — 100 S 9tfigiger Aufenthalt Inklusive Reise Wien tour-retour — Eigene Ski- Rodel-Eislaufbahn — Gruppen große Ermäßigung — Auskunft: Schülerheim Eisenberg, Wien, II., Große Pfarrgasse Nr. 8 Telephon Nr. A 45-4-92 land 52 und 40; Amerika 40 und 25; Oesterreich 35 und 6; Rußland 30; Jugoslawien 30; die restlichen Zertifikate wurden auf 24 weitere Länder in Europa, Amerika und Asien verteilt. Die 1200 Zertifikate für Verwandte von Palästina- Einwohnern sind in den obigen Ziffern nicht einbegriffen. Die jüdischen Industrien in Palästina Jerusalem. Der Jahrcstagung der Vereinigung jüdischer Fabrikanten Palästinas lag ein Bericht vor, dem zu entnehmen ist, daß sich die Produktion der in jüdischen Händen befindlichen Industrien in Palästina jährlich auf zwei Millionen Pfund beläuft. Etwa 8000 jüdische Arbeiter sind in diesen Industrien beschäftigt, der jährliche Gesamtlohn beläuft sich auf 480.000 Pfund. ÄMe heutige Jugend tFaföstinaa Einen besonders interessanten Abend vermittelte vor kurzem die «Wizo» ihren Mitgliedern durch die Veranstaltung des Vortrages von Frau Irma Singer aus D a g a n j a n über «Die heutige Jugend Palästinas». Irma Singer, die feinfühlige Verfasserin des Märchenbuches «Das verschlossene Buch», verbindet ein besonders inniges und verständnisvolles Verhältnis mit der Jugend. In ihrem Vortrage zeigte sie, wie die Umgebung auf die Heranwachsende Generation einwirkt. So können wir in Palästina drei Arten von Jugend unterscheiden: die Jugend der privatwirtschaftlichen Kolonien, die Jugend der Kwuzoth und die Jugend der Städte. Grofineisciiliauerel S1EGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tei. A 1 i-t-W u. A 16-9-34 Lieferant *ür Heilanstalten Abteilungen für i^-Fleisch ' MtMMMIIi .'»» ' -»inggm jePnWW»”1 Aufsicht des Ehrwürdiget. .vabbmats der israelitischen Kultusgemeinde Wien «utozusfellung *osiemo* iA, Berggasse L XVIH. IVähringerstraße Vy ln den privatwirtechaftlichen Kolonien wachsen die Kinder in die Sorgen und Interessen der Eltern hinein, sie nehmen schon sehr früh teil an dem Leben der Erwachsenen, meist erhalten sie einen eigenen Au.gabenkreis, den sie gern und eifrig erfüllen. Im Gegensatz hiezu wird das Kind in der Kwuzah von allen Sorgen der Erwachsenen ferngehalten, das Kinderreich wird selbst in schweren Zeiten mit allem Nötigen versehen, damit die Kinder in ihrer physischen und seelischen Entwicklung nichts entbehren müssen Die Vortragende schilderte eingehend das Leben im Kinderhaus und in der Schule, die zugleich auch ein Heim der Jugendlichen darstellt. Was die Jugend in den Städten anbetrifft, so ist ihre geistige Einstellung selbstverständlich anders, als die der Jugend auf dem Lande. Es ist aber interessant, daß sich unter der Jugend der Städte ein starker Drang zur Landwirtschaft bemerkbar macht, der sich auch praktisch auswirkt. Durch eine Fülle psychologisch aufschlußreicher Details charakteriesierte Irma Singer das geistige Leben der palästinensischen Jugend, besonders auch das Verhältnis jüdischer und arabischer Kinder zueinander. Sie zeigte uns in ihrem Vortrag den festen Glauben des Jischuw an seine Jugend. Die Liebe und Verantwortung, die der jungen Generation entgegengebracht wird, ist in Erez besonders groß und allgemein. Sehen doch alle, Eltern und Nichteltern, in den Kindern die Gewähr für eine positive Entwicklung des üdischen Aufbauwerkes. Dr. Henriette Lichtenstein. Vortragszyklus des Prof. B. Oottlieb (Wien) ln Palästina Aus Jerusalem ward uns berichtet: Der bekannte Wiener Gelehrte und Arzt Prof. B. Go11lieb weilte in letzter Zeit in Palästina, wo er über Einladung der jüdischen Aerzteorganisation eine Reihe von Vorträgen für die jüdischen Zahnärzte hielt. Zu Ehren des Gastes fand ein Aerzteempfang in Jerusalem statt, bei welchem die Verdienste, die sich Prof. Gotttieb durch seine Vorträge um das Gesundheitswesen in Palästina erworben hat, die dankbarste Würdigung fanden. Prof. Gottlieb erklärte, daß nicht ihm zu danken sei, sondern daß er für die Gelegenheit dankbar sein müsse, die ihm geboten worden ist, der jüdischen Sache in Palästina zu nützen. Die leider zu kurze wissenschaftliche Wirksamkeit Prof. Gottliebs hat hier bei pn*»n Fachleuten die größte Anerkennung gefunden. Mobilisierung des Jischuw gegen den Legislative Council Jerusalem. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Palästinas faßte eine Resolution, in der die sofortige Einberufung der Assefath Hanlwcharim (Delegiertenversammlung der Knesseth Jisrael) und des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation gefordert wird, damit sich diese Instanzen mit dem Problem des Legislative Council befassen und Schritte unternehmen, um die Gefahr der Schaffung einer gesetzgebenden Körperschaft in Palästina in dieser noch unübersichtlichen Zeitepoche abzuwenden. Eine Abordnung der palästinensischen Revisionisten besuchte Nahum S o k o 1 o w, den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, um mit ihm die Lage im Zusammenhang mit der Ankündigung der Schaffung eines Legislative Council durch den High Commissioner Sir Arthur Wauchope in Genf zu erörtern. 40 Palästina-Einreisezertifikate für Oesterreich Das Wiener Palästina-Amt hat von dem Einwanderungsdepartement der Jewish Agency die Mitteilung erbalten, daß für das Halbjahr Oktober 1932—März 1933 dem Palästina- Amte Wien 40 Zertifikate zur Verfügung gestellt werden, und zwar: 25 für Chaluzim, 10 für Chaluzoth und 5 Zertifikate für Handwerker und Besitzer industrieller Kleinbetriebe. Es wird von der Einwanderirngsabtemng der Jewish Agency besonders darauf hingewiesen, daß unter «C h aluzim» Mitglieder chaluzisoher Organisationen verstanden and, die wenigstens eine einjährige Hachscharab-Ausbitdung erfahren haben. Auf die zionistische Erziehung der Chaluzim soll besonderes Gewicht gelegt werden. Von der Kategorie der Handwerker und Besitzer industrieller Kleinbetriebe sollen nur solche Bewerber ein Zertifikat erhalten, die als ausgesprochene Fachlcutein ihrem Beruf gelten können und sichere Aussichten auf eine Existenz in Palästina haben. Jeder Bewerber dieser Kategorie muß dem Palästina-Amt nachweisen, daß er im Besitze von wenigstens Pf. St. 150.— pro Familie ist. Die dem Wiener Palästina-Amte zur Verfügung gestellten Zertifikate sind für Bewerber zwischen 18 und 35 Jahren. Die deutsche Studentenschaft gesprengt Die Rasse-Sludenienordnung auf längere Zeit erledigt Die Deutsche Studentenschaft in Oesterreich Ist gesprengt. Die katholischen Hochschulausschüsse haben den Austritt aus der Deutschen Studentenschaft beschlossen. Damit verliert die «Deutsche Studentenschaft», die das Rassenprinzip nicht nur in den Vertretungen der österreichischen, sondern auch der relchsdeutschen Hochschulen durchzusetzen trachtete, auchdenletzten Schein ihres Anspruches auf Alleinvertretung. Damit wird auch die gesetzliche Einführung einer Studentenordnung auf Grund des Rassenprinzips auf längere Zeit erledigt sein. Den Anlaß zu dem Austritt der katholischen Verbindungen boten die blutigen Zusammenstöße, die sich am Freitag und Sonnabend bei dem Wiener Kreistag der Deutschen Studentenschaft ereigneten. Als der Rektor die Ordnung wiederherzustellen suchte, wurde er mit dem alten Kampfruf: «Schönerer!» niedergeschrien, «Ohne Juda, ohne Rom, bauenwlrAUdeutschlandsDo m!» Zur Sprengung der „Deuffdien Studentenfchaft“ erfahren wir aus jüdischen Hochschulkreisen folgendes: Am letzten Kreistag der Deutschen Studentenschaft ist es zu dem von unterrichteten Kreisen schon lange erwarteten Austritt der katholischen Studenten aus der «Deutschen Studentenschaft» gekommen. Die hochschulpolitische Wirkung dieser Zertrümmerung der «Deutschen Studentenschaft» ist vorläufig noch nicht abzusehen, stellt sie doch Regierung und Rektorat vor ganz neue Tatsachen. Die in der «Judäa» geeinte jüdische Studentenschaft sieht der weiteren Entwicklung der Dinge an den Hochschulen ruhigen Blutes entgegen. Sie wird, durch den Ausfall der Wahlen in die Kultusgemeinde, gestärkt, alles daran setzen, auch weiterhin kraftvoll die Rechte der jüdischen Studenten an den Hochschulen zu vertreten. üausüerttMltunge!! *Bci 31 b l $ l a h »oh Q3ciwaIfiiii99«Nftrfi||«B and) SorfftHffe oftne iebtoebe Stofen, cöcntuctt and) otme (flnoerleibung oder ÜMM«.fc»ii|. 9er* sede 1., III.. m«iliekarl|4t ®ftfte ab i — 12% ttealitfftettfcanalei ©r. ÖL ©als, 1. Sttcmcrg. IS ZtU R 21*5*30 i