Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 257 (8.12.1932)
- Date
- 1932-12-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME. l\r. 63 i M. i».V fiere. Dr. Fredmnnn schloß seine, mit unbeschreiblicher Begeisterung aufgemunmcnen Aiisftiiinmgen mit dem hebräischen Segensspruch «Scliehecliejanu*. Dr. Löwenherz, der Führer in diesem Wahlkampfe, von mcht endenwollcndem Weltall begrüßt, bezeichnete das Wahlergebnis als einen historischen Wendepunkt in der Geschichte der Wiener Judengemeinde und erinnerte an die große Verantwortung, die nun den Zionisten durm diesen grandiosen Sieg erwachse. Dr. Löwenherz dankte in bewegten Worten alten für ihre ausgezeichnete Mitarbeit. Zum Schluß sprach Oberbaurat Stricker, der im Namen der Revisionisten den Dank für die loyal«. Zusammenarbeit mit den «Allgemeinen Zionisten"' nusspr.icli. Mit stürmischen Ovationen für die zionistischen Führer und dem Absingen der Hati-kwah schloß die denkwürdige, ad hoc improvisierte Siegesfeier. j. r. SCHULE FÜR KÖRPEPBILDUNQ TRUDE KLEIN Diplomierte Uyiimasfiklshrerin de, Schule Melk-ran, VI., Theobaldgasse 19 (Eck e« Mirahilfcrstraßi. 27, Mezzanin!, Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (AkroiviMi, Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Knrstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 I hi. An den anderen Tagen: Kurse und Ein/elstundn m den verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr Ein Sturm auf die Kultusgemeinde Lembergs Eine Erinnerung aus dem Jahre 1909 Wir waren jung und der Sturmhauch einer revolutionären Epoche beflügelte unseren Willen. Mit dem Mut von Desperados und dem Trotz jugendlicher Enthusiasten trugen wir den Kampf um das neue Judentum in die entlegensten Gebiete Galiziens und der Bukowina. Doch während unsere Seelen vor Tatendrang und Begeisterung erglühten, inndiisterte überall die jüdische Gasse das SkJavenerbe assimilatorischer Führerschaft. Da schaltete und waltete, tief ins jüdische Leben verkrampft, eine unübersehbare Schar polnisch-jüdischer Moschkos, die vom Franzensring in Wien bis weit Über Czernowitz den jüdischen Seelenschacher trieben. Das Polentum war ihnen Trumpf und die Juden nur Mittel zur rücksichtslosen Machtentfaltung. Würdelos und kriecherisch verkauften sie den jeweiligen Parteien jüdische Stimmen und hurtig verkrochen sie sich, wenn es um jüdische Interessen ging. Wir waren jung und wurden als weltfremde Fanatiker verschrien. Wir durften nur in Wort und Schrift unsere Empörung hinausschreien, deren Saat erst nach Jahren aufzugehen begann. Nur einmal kam es zum wirklichen Sturme auf die Lemberger Kultusgemeinde, einem Sturme, der diese Feste des polnischen Assimilantentums beinahe in Trümmer gelegt hätte. Da waren es die damaligen Matadoren Dr. Byk, Ko lisch er und Loewenstein, die im Jahre 1906 sämtliche Kultusräte und polnisch-jüdischen Abgeordneten nach Lemberg zu einer Abwehrkundgebung beriefen, gegen die bevorstehende Einführung des allgemeinen Wahlrechtes im österreichischen Parlament, welche das Polentum bedrohen könnte. Schergendienste dem militanten Polentum zu leisten war ja Lebensinhalt dieses sklavischen Geschmeißes und so mußten es gerade Juden sein, die sich der demokratischen Welle der Neuzeit entgegenstemmen sollten. Das Polentum sah sich in Gefahr und so wurden vor allem jüdische Beschützer und Protestler vorgeschoben. In aller Heimlichkeit kamen sie zusammen und in aller Heimlichkeit trafen auch wir unsere Vorbereitungen. Scharenweise schlichen wir durch die dunklen Gassen an das wuchtig schimmernde Kultusgebäude heran und als ringsherum «alle Zugänge vor Unberufenen abgeriegelt wurden, stürmten wir mit Stöcken und Steinen gegen die geschlossenen Fenster, Tore und Läden. Im Nu brach das Eingangstor unter dem Ansturm der wildtobenden Menge und unter Schreien und Fluchen stürmten die außer Rand und Band geratenen Jungen die Treppe bis in den Sitzungssaal. Es gab kein Zurück! Alles wurde über den Haufen gerannt. Die zu Tode erschrockenen Wortführer des Ase-imilantentums wurden unter Gejohle durch Tore und Türen gewaltsam hinausgedrängt. Fensterläden wurden aufgerissen, auf dem Balkon eine blau-weiße Standarte gehißt und von hier aus hielten Leo Reich und Adolf Stand begeisterte Ansprachen an die jubelnde, singende und vom wahren Taumel der Freude geschüttelte Menge, die indessen auf der Straße ins riesenhafte anschwoll. So wurde zum erstenmal die Bastille des polnischen Assimilantentums gestürmt. Allerdings dauerte der Taumel nicht lange, da bald eine brutale Soldateska die Menge auseinandertrieb. Und so mancher von uns wurde mit blutendem Kopf in die nächste Polizeiwachstube gezerrt. Doch die Folgen dieses Sturmes blieben nicht aus. Wir gewannen die Herzen der Jugend und in dieser Stunde schoß eine Flamme der Begeisterung in die Seele eines Gerson Zippers, der von nun an sein Leben dem Volke zu weihen öffentlich beschwor. Die Moschkos verkrochen sich, als das allgemeine Wahlrecht gegen den Willen der polnischen Schlachzizen eingeführt wurde. Als nach einem Jahre die allgemeine Wahl stattfand, da zogen unter jubelnder Begeisterung der Judenmassen fünf jüdisch-nationale Abgeordnete zum erstenmal ins österreichische Parlament ein. Der Sturm auf die Lemberger Kultusstube war nur eine Episode. Doch eine, die wie ein aufzuckendes Flammenzeicheh zum Sinnbild einer Epoche wird. Z. F. F. Juden Cesterreicfks: t fit et dasAndenfcetiSrof.thaicsI Am 20. Kislcw (19 Dezember) sind es fünf Jahre, daß unser unvergeßFchsr Führer, Oberrabbiner Prof. Dr. Zwi Perez Chajes, für immer die Augen geschlossen hat. Jede von uns weiß, was Cnajes für das gesamte Judentum1, insbesondere für den Zionismus, bedeutet und geleistet hat. Es ist Pflicht aller J u d e n, diesen großen Mann durch ein Denkmal, das dauernder als Erz und Stein ist, zu ehren. In diesem Sinne hat der Keren Kajemeth (Jüdischer Nationalfonds) Oesterreichs beschlossen, den seinerzeit angeregten, jetzt bereits bestehenden, aber noch nicht vollständigen Chajes-Wald in Erez Israel zu komplettieren und d‘e Arbeit für dieses Ziel in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit zu stellen. Es sind verschiedene Aktionen genlant, für welche die Mitarbeit aller Juden erbeten wird, die Chajes ehren und den Aufbau Erez Israels fördern wollen. Juden, stiftet Bäume lür den Chajes-Wald! Für den Keren Kajemeth: Adolf Böhm. Für das Zionistische Landeskomitee: Dr. Oskar Grünbaum. Für die Union der Zionisten-Revisionisten: Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Für den Landesverband «Misrachi»: Rabbiner Salomon Friedmann Für die Zionistische Frauenorganisation «Wizo»: Frau Soplve Löwenherz. Für den Verband radikaler Zionisten: Dr. Leopo!d Plaschkes. Für Ichud «Poale Zion — Hitachduth»; Mendel Singer, Verlautbarung des zionistischen Landeskomitees Das Zionistische Landeskomitee verlautbart: 1. Das Zionistische Landeskomitee überläßt die Veranstaltung von Makkabäerfeiern heuer den Bezirkssektionen. Die Feiern haben in möglichst weitem Rahmen stattzufinden; Festredner sind rechtzeitig beim Landeskomitee anzufordern. 2. Das Landeskomitee stellt auch den Bethäusern über Wunsch Festredner zu Chanukkahfeiern zur Verfügung. 3. Am 18. Dezember d. J. versammeln sich die Zionisten Wiens am Grabe des verewigten Oberrabbiners Z. P. Chajes anläßlich der 5. Wiederkehr seines Todestages. Beh. konz. Realbüro ING. M. MÜHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken!„ II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, üebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Am 18. Dezember d. J., um 4 Uhr nachmittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasse eine Trauerandacht für den verewigten Oberrabbiner statt. Sämtliche zionistischen Organisationen, insbesondere die studentischen Organisationen und Jugendorganisationen werdei» eingeladen, an dieser Trauerfeier teilzunehmen. Nähere Weisungen bezüglich des Grabbesuches und des Trauergottesdienstes werden noch folgen. 4. In der Zeit vom 1. bis 3. Jänner 1933 wird Herr Prof. S. Brodetsky, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in London, als Gast des Zionistischen Landeskomitees ln Wien weilen. Außer anderen Veranstaltungen wird während dieser Zeit eine Sitzung des Parteirates und ein öffentlicher Vortrag unseres Gastes stattfinden. 5. Der nächste ordentliche Delegiertentag wird ungefähr Ende Jänner 1933 stattfinden. Die letzte Frist zur Einzahlung der Parteisteuer wird hiemit auf den 10. Jännei 1933 festgesetzt. Der Wahltermin wird gesondert verlautbart werden. 6. Das Zionistische Landeskomitee arbeitet zusammen mit den Bczirkssektionen ein Programm für eine intensive Werbetätigkeit aus. Nähere Weisungen folgen. Dr. Oskar GrUnbaum. Sabine Passweg. Dr. Michael Steinberg. Nachklänge zur Wahlkampagne Eine denkwürdige Versammlung Unter den vielen Versammlungen. die die zionistis«.h? Partei im Laufe der Wahlkampagne abgelialtcn, gab cs manche, die nicht nur durch den Massenzustrom der\Vii!ur, sondern auch durch besonders glänzende Redner ausgezeichnet waren. Sie hier einzeln aimifiihren, hieße viele Meetings beschreiben. Aber einer kleinen Versammlung soll hier wegen des ganz zufälligen Zusammentreffens der Referenten, die zu unseren ältesten und bewährtesten Gesinnungsgenossen zählen, gedacht werden. Am Vorabend des Wahltages war nämlich eine Versammlung im Cafe Orient (Praierstraße) angesetzt, und seltsamerweise begegneten sich dort, ohne daß einer vom andern wußte, folgende Gesinnungsgenossen als Redner: Dr. Viktor Keilner, Direktor des C h a j e s - R e a 1 g y m n a s i u m s, Kultusvorsteher Dr. I. H. Körner, Ehrenpräsident der Hakoah, Dr. Egon Michael Zweig (Jerusalem), der Schöpfer unseres Kultusgemeindeprogramms und einer der verdienstvollsten Mitarbeiter des Jüdischen Nationalfonds, und Alfred M a y, der seit Beginn des modernen Zionismus in seinen Reihen steht und an allen bishcr'gen Kultuswahlkämpfen unserer Partei aktiv teilgenommen hat. §ehr. langsam füllte sich der Saal, so daß der Beginn hinausgeschoben werden mußte. Endlich übernimmt Doktor Zweig den Vorsitz und erteilt Dr. Kellner das Wort: In gewohnt meisterhafter und überaus geistvoller Weise zeichnet dieser die theoretischen und ideologischen Grundlagen der nationalen Idee bei den Juden und das Ewige im jüdischen Volksbewußtsein. Seine auf besonders hohem Niveau stehenden Ausführungen, die die Hörer aufhorchen ließen, fanden große Zustimmung. Hierauf referierte Dr. Körner in die Zuhörer immer packenden und fesselnden Worten über die Tätigkeit der zionistischen Mandatare. Reicher und starker Beifall belohnt ihn. Nun schildert Herr M a y dem mit Spannung lauschenden Auditorium einzelne Kapitel der Geschichte der Warner Juden und ihrer Gemeinde. Er zeigt auf, wie diese war, ist und sein soll, setzt sich mit den Änwürfen der Gegner auseinander, zerfasert diese und führt sie an der Hand des jüdischen Schrifttums ad absurdum. Zum Schlüsse erzählt Dr. Zweig in seiner bekannt sachlichen und die Hörer zum Lauschen zwingenden Art vom Leben in Erez Israel. Die ganze Versammlung ist fasziniert von diesen Ausführungen über den neuen Jischuw und dankt seinem Vertreter mit viel Beifall. Dieser Abend war wirklich nicht nur wegen der Referenten, sondern auch wegen des hohen Niveaus ihrer Ausführungen einer der denkwürdigsten der d:esiühr;gcn Wahlkampagne. Ein jüdischer Wähler. Regierungsverordnung über S chächf Verbots* frage Prag, 4. Dezember. Wie aus Regierungskreisen verlautet, beabsichtigt man, durch eine Regierungsverordnung die strittige Frage des Schächtvcrbotes zu regeln. Diese Regelung wird, wie es heißt, durch die wiederholten Streitfälle hervorge* rufen, die entstehen, wenn Stadtgeme’nden in Böhmen Schächtverbotsbeschlüsse annehmen (Aussig, Eger), dlt dann auf Grund von Protesten der lokalen jüdischen Gemeinden durch Entscheidung der Landesbehörden aufgehoben werden müssen. Die Regierungsverordnung wird, wie die J. T. A. erfährt, von der Voraussetzung ausgehen, daß, wie die anderen religiösen Gebräuche, auch die rituelle Schlachtung ln der Staatsverfassung verankert und durch diese geschützt ist. Canaan Irosteeshlp Co., Jerusalem n’iDSnaiB« men?w_ ö»'wn» K* gA|A| Informationen, Ideen, Vorschläge, Pläne KP ■ 13 V Programme, Kostenvoranschläge, hAWIPfll die Gründung, Abw.cklung, Leitung und UCIdVigl Ueberwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel. Vertreter für Oesterreich: Ludwig Gut mann, Wien, L Fie.schmarkt 22, II., UI., 56. Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephon scher (R-25-7-79) Vereinbarung.