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Die Stimme · 1932-12-01 · Heft 256 (1.12.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 256 (1.12.1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Stile 4 DIE STIMME Nr. 256 — I. Dezember 1032 Zionisten lasset Euch nicht irreführen, wählet die einzige zionistische Liste, Listenfi'ilirer Dr. Uesider Eriedmann, Oberbaurat Stricker, Dr. Josef Löwenherz Prof. Weidmann über Palästinas (Rolle im heutigen füdisdken Jtebcn London. Aut der Jahrestagung der Internationalen Föderation zionistischer Frauen (WIZO) hielt Dr. Chaim W e i z m a n n eine Ansprache, in der er ungefähr ausführte: Palästina ist heute im Aufstieg, es ist aus dem Stadium des Experiments heraus. Viel Geld und Geist haben wir seit 1920 in das Land geleitet, in den zwölf Jahren haben Juden 40 Millionen Pfund nach Palästina gebracht. Der Aufstieg begann mit der Liquidierung des Passfield-Regimes, das der Entwicklung Palästinas hemmend im Wege stand. Es ist kein Zweifel, daß die heutigen Tendenzen in der Palästina-Administration der jüdischen Arbeit günstiger sind. Es Ist traurig, aber wahr: Palästina wird auf den Ruinen der jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Welt auf gebaut. Einst dachten wir anders; wir glaubten, je besser es den Juden in den Diaspora-Ländern gehen wird, um so mehr werden sie für den Aufbau Palästinas tun. Wir glaubten, daß der Aufbau nicht aus Schwäche, sondern aus Kraft gespeist werden wird. Aber es ist anders gekommen: Gerade aus den Ländern, in denen sich die Lage der Juden immer tragischer gestaltete, fließen Geld und Energien nach Palästina. Ein Trost für die Juden in der heutigen schweren Zeit wesen, Bergbau, Stahl usw. — nie Wurzel geschlagen hat, sondern sich in jenen Tausenden kleineren Industrien betätigt hat, die der Krise zum großen Teil nicht widerstehen konnten. So hat man denn auch heute eine Auswanderung von Juden aus Amerika festzustellen. Mancher amerikanische Jude glaubt, daß er das, was ihm von dem Zusammenbruch geblieben ist, in Tel- Awiw sicherer anlegen könne als in New York. Palästinas Rolle ist heute weit bedeutender, als wir sie uns bei Beginn der Arbeit für das Nationalheim vorstellten. Palästina wird nicht nur das jüdische Nationalheim, sondern geradezu der letzte Ausweg des Judentums; die letzte Möglichkeit, ein lebendiges Ganzes zu bleiben. Diese ermutigende Entwicklung Palästinas wird vielleicht nicht für immer fortdauern, jede Entwicklung muß mit Wcchselfällen, mit Rückschlägen rechnen. Die Rückschläge aber werden die Entwicklung des Nationalheims nicht zum Stillstand bringen. Wenn man mich fragt, was ich mir für Palästina wünsche, ich würde antworten: Eine Lage, in der eine Wiederholung der Ereignisse von 1929 absolut unmöglich wäre. Diesem Stadium nähern wir uns rapide. Geht die jetzige Entwicklung noch drei oder vier Jahre weiter, dann werden wir sagen dürfen, daß wir uns behaupten. Dann wird aber auch die interessanteste und zugleich problemreichste Epoche eingetreten sein: wir werden uns mit den Arabern an einen Tisch setzen, um mit ihnen ein gerechtes Arrangement zu treffen. Die Zeit ist nahe, wo wir den englischen Soldaten werden sagen können: Wir können uns Schon selbst behaupten. Wir werden zwar auch dann noch nicht den jüdischen Staat haben, aber einen Punkt, von dem aus die nächste Generation wird starten können. GedenUfeier für die im Krieae gefallenen Juden in Baden bei Wien Sensaiionetie Ansprachen ist der Glaube an unsere Unzerstörbarkeit Ueber die Lage der Juden in Rußland führte Doktor Weizmann u. a. aus: Manche glauben, daß die Judenfrage in Rußland gelöst ist. Allerdings gibt es in Rußland keine Judenfrage, weil dort Juden als Juden nicht existieren können. Und wahrscheinlich wird es dort in zehn Jahren noch weniger eine Judenfrage geben. Denn wo es keine Juden gibt, gibt es keine Judenfrage. Im zarischen Rußland existierte eine jüdische Gemeinschaft von sechs Millionen Seelen, die ein starkes Zentrum hoher Tradition, Religion und Literatur darstellte. Aus diesem Reservoir floß ein ständiger Strom in die westlichen Länder. Hier war der Kern der zionistischen Bewegung, hier waren nicht Offiziere, hier war die Armee. Heuteist diese gewaltige Gemeinschaft einem Prozeß der Zerstörung und der Assimilation unterworfen. Die Gemeinschaft existiert als solche nicht mehr, die Juden bilden isolierte kleine Gruppen, Hebräisch ist ausgerottet, Chaluzim werden in die Gefängnisse geworfen. Diese Verfolgten bilden aber nur eine auserlesene Minderheit. Die große Mehrheit befindet sich in einem Prozeß der Auflösung, der, wenn er andauert, in zwanzig Jahren die jüdische Gemeinschaft Rußlands fast zum Verschwinden bringen wird. In den kleineren Staaten steigt die nationalistische Flut und droht alles, was von jüdischer Kultur geblieben ist, aufzulösen. Nebenher geht der wirtschaftliche Auflösungsprozeß, der besonders in Polen ungeheures Elend für die jüdische Bevölkerung im Gefolge hat. Die amerikanische Judenheit, die noch vor drei Jahren große Summen für die unterdrückten jüdischen Gemeinden in der Alten Welt verwendet hat, kann heute kaum sich selbst helfen. Von der Krise in Amerika ist das jüdische Element besonders stark betroffen, weil es in den eigentlichen Fundamenten des amerikanischen Wirtschaftslebens — Landwirtschaft, Großindustrie, Eisenbahn- Reiset mii uns nach Palästina! Unsere beiden Gesellschaftsreisen am 25. Oktober (Führung: Ing. J. Ornstein) und am 8. November (Führung: Dr. Nathan Honig) waren komplett, kein Schiffsplatz blieb unbesetzt. Für die nächsten Reisen sind uns die besten 2- und 4-Bettkabinen auf den großen, 8500-t-Damplern «Italia» und «Brasile» reserviert. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben. Melden Sie sich daher möglichst bald als Reiseteilnehmer an! Unsere Reisen werden auch in Hinkunft von der «Pag» r. G. m. b. H. organisiert — dies bedeutet für Sie: Durchführung aller notwendigen Vorarbeiten, beste Unterbringung auf Bahn, Schiff und in Palästina, sachkundige Führung im Lande, aber auch: Anbahnung wirtschaftlicher Verbindungen :n Palästina, Studium geschäftlicher Möglichkeiten und Prüfung der Frage: «Kann Ich mir in Palästina eine Existenz schaffen?» Reisen Sie mit uns — Sie werden zufrieden sein! Sie reisen mit uns bequem und — billig! Die nächsten Reisetermine: 13. Dezember 1932. 21. Februar 1933 (Purim in Palästina), 28. März 1933 (Pessach in Palästina). im Juli 1 9 3 3 wird überdies eine besonders ermäßigte Reise für Jugendliche (Studenten) arrangiert! Dauer: Wien—Wien 4 Wochen, mit anschließender Aegyptenreise 5 Wochen, eventuell länger. Die Zahl der schon jetzt vorgemerkten Interessenten für diese Reise ist groß —- die der reservierten Plätze beschränkt; daher müssen Sie sich jetzt einen Platz sichern! Anmeldungen in der Verwaltung der «Stimme». Der Bund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Baden veranstaltete Sonntag, den 27. November, beim Heldendenkmal am jüdischen Friedhof ln Baden eine Gedenkfeier für die im Weltkrieg gefallenen Juden, die einen äußerst eindrucksvollen und würdigen Verlauf nahm. Die Feier, an der fast 1000 Personen teilnahmen, wurde in der Zeremonienhalle mit einem Gebet für die Gefallenen der Stadit Baden durch Oberkantor Richter eingeleitet. Nach der Gedenkrede des Fekirabbiners Prof. Dr. Arnold Frankfurter, der des jüdischen Heldentums vor dem Feinde gedachte und gegen den Haß und den boshaften Ausstreuungen der Feinde des Judentums, gegen den Vorwurf der Feigheit und Drückebergerei flammenden Protest erhob, begaben sich die Teilnehmer zum Heldendenkmal auf den Friedhof. Dort begrüßte namens der Ortsgruppe Baden Redakteur A. Weiß die Anwesenden, insbesondere den Bürgermeister der Stadt Baden Minister u. D. Josef K o 11 m a n n, den Bezirkshauptmann Dr.- Ru p p reC-h t, den VfeebflFgermeister und Kommandanten der Frontkämpfervercinigung Badens Dr. Julius Hahn, die Generäle der alten Armee Exzellenz Fmlt. Weiß T i h a n y-M aienprugg, Gemeinderat General Fischer von See als Obmann des österreichischen Offiziersverbandes, General Lewandovsky, Major G e r & t u r f e r, den Gymnasialdirektor Gemeinde- und Schulrat Dr. Sulzenb ach er, den Präsidenten des Landesverbandes ehemaliger Krieger Ntederösterreicbs und Obmann des Verbandes ehemaliger 84er Josef Gärtner, den Beztrksgnuppenleiter ehemaliger Krieger P a m p e r 1, den Obmann des Deutschmeisterbundes von Baden. Ferner waren vertreten der Reichsbund der Kriegsopfer, der Ortsgruppe Baden und Traiskirchen, der österreichische Train verband durch Cafetier Franz E b r u s t e r, der Bund ehemaliger Kriegsgefangener Badens. Aus Wien war eine 400Mannstarke Abordnung des B. J. F. mnt dem Bundesführer General Emil Sommer und dem Bundesvorstand erschienen. Außerdem waren anwesend: Kultuspräsident Anton Stern, Präsident Ludwig Lackenbacher, Dr. Rudolf Lackenb a c h e r u. v. a. m. Redakteur A. Weiß legte nach seiner eindrucksvollen Gedenkrede namens der Ortsgruppe Baden einen Kranz nieder. Bundesführer General Sommer wies auf die Heldentaten der jüdischen Soldaten hin und legte das Gelöbnis ab, daß der Bund jüdischer Frontsoldaten nach wie vor seine Bürgerpflichten erfüllen wolle. Bürgermeister Minister a. D. Kollmann anerkannte die Staatstreue der Juden und ihre Leistungen vor dem Feinde und brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß endlich Friede die Bürger des Landes zur gemeinsamen Arbeit zusammenführen möge. Mit den Worten «Nur wer den Frieden sucht wird siegen» schloß er seine wirkungsvolle Rede. Sensationell wirkten die Worte des Obmannes der Badener Frontkämpfer, Vizebürgermeister Dr. Hahn. Dessen bewußt, daß er sich durch sein Erscheinen mit einer Deputation bei den jüdischen Frontsoldaten Angriffen aussetzt, hält er es trotzdem für seine Pflicht, denjenigen, die mit ihnen fürs Vaterland gekämpft haben, die gebührende Ehre zu erweisen. «Als wir gegen den Feind zogen,» rief Dr. Hahn aus, «wurde auch nicht nach der Konfession gefragt, Christ und Jude haben als Kameraden Schulter an Schulter gekämpft und gelitten. Wenn wir alles Trennende beiseite schieben würden, dann könnte vieles besser sein.» Hierauf legte Dr. Hahn einen Kranz nieder. General Fischer von See wies in seinen schlichten Worten darauf hin, daß cs in der alten Armee keinen konfessionellen Haß gab, alle waren Kameraden im Dienste fürs Vaterland. Nach einem ergreifenden Totengebet des Oberkantors SCHULE FÜR KÖRPERBILDUNG TRUDE MEIN Diplomierte Gymnastiklehrerin der Schule Hellerau, VI., Theobaldgasse 19 (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Kurstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden jn den verschiedenen Bezirken. Gutschein. Dieser Gutschein berechtigt für etne unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. Simon Weiß vom Wiener X. Gemeindebezirk schloß die erhebende Feier, die bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck hmterließ, mit dem alten ehrwürdigen Seolengebet (Kadisch), gesprochen vom Präsidenten Ludwig Lackenbacher. Nach der Feier formierten sich die ausgerückten Kameraden um den rangältesten anwesenden Fmlt. Exz'-Iknz Weiß, die Ehrenbezeigung zu leisten. Der FeldniarschaH schritt die Front ab, in welcher besonders reich dekorierte Kameraden mnt goldenen Tapferkeitsmedaillen und Kronenorden auffielen. Robert Politzer. Die R. j. F.-Kundgebung im Rundfunk bekanntgegeben Berlin. Die Kundgebung des R.j.P. anläßlich der Ueber* gäbe des Gedenkbuches an die deutsche OeffentHohkeit wurde am gleichen Abend noch durch den Berliner Rundfunk bekanntgegeben, außerdem hat der größte Teil der deutschen Presse ausführlichen Bericht über die Feier gebracht. Die erste Auflage des Gefallenengedenkbuches vergriffen Berlin. Die erste Auflage des Gefallenengedenkbuches des Reichsibundes jüdischer Frontsoldaten ist bereits, kaum 14 Tage nach dem Erscheinen des Buches, vergriffen. Und dies, obwohl die Verbreitung lediglich durch die Organisationen des R. j. F. selbst und noch nicht einmal auf buchhändlerischem Wege erfolgt ist. Die zweite Auflage ist schon in Angriff genommen und wird baldigst zur Ausgabe gelangen, 40 Rabbiner aus Rußland kommen nach Palästina Jerusalem. Die Palästina-Regierung hat dem Rabbinat in Jerusalem 40 Einreise-Visa für ausländische Rabbiner zur Verfügung ges*2Üt. Das Rabbinat wird die meisten liieser Visa nach Rußland schicken, damit russischen Rabbinern mit ihren Familien die Möglichkeit gegeben werden sich in Palästina anzusiedeln. Europareise Dr. Werner Senators Jerusalem. Dr. Werner Senator, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, dem das Einwanderungsdepartement der Exekutive unterstellt ist, verläßt Ende Novembet Palästina, um sich auf eine Tour zu begeben, die Ihn durch Polen, Rumänien, Griechenland und andere europäische Länder führen wird. Dr. Senator wird die Frage der jüdischen Wanderung aus diesen Ländern nach Palästina studieren. Aus der Provinz Aus St. Pölten wird der «Stimme» geschrieben: Am 15. November fand eine von der Z. O. G. veranstaltete Balfour-Feier statt. Herr Professor Freud aus Wie« hielt die Festrede. Am 22. November fand die X. Generalversammlung der Z. O. G. statt. Nach den von dem Obmann der Ortsgruppe gehaltenen Rechenschaftsberichten erfolgte die Wahl, welche folgendes Resultat ergab: Präsident: Ing. Leo Holzer, ln den Ausschuß wurden gewählt die Herren: Schächter Hahn Viktor, Hahn Hermann, W o z a s e k Rudolf, Lederer Hugo, A 11 i n a Arthur, Simon Marci, Körner Julius, G ewing Rudolf, Dr. Alfred Körner, Frl. Else Müller, Herr Dr. Körner hielt ein kurzes Referat, welches mit Beifall zur Kenntnis genommen wurde. Die Generalversammlung hat eine Anzahl Neuerungen vorgeschlagen, wodurch das zionistische Leben in St. Pölten vertieft werden soll. Zu bemerke« wäre, daß zahlreiche Gäste von auswärts an der Generalversammlung teilnahmen. Zionistische Ortsgruppe Graz faßte in ihrer letzten Generalversammlung die folgende Resolution Die diesjährige Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Graz entbietet den Zionistea Wiens anläßlich der kommenden Wahlen in die Kuitusgemeinde den Brudergruß und wünscht ein volle« Gelingen. Die Generalversammlung der Zionistische« Ortsgruppe gibt ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, daß es allen Gutwilligen gelungen ist, die zur endlichen Erreichung der Volksgemeinde nötige Einigkeit herbeizutiiltfUC

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