Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 256 (1.12.1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3054010--3248-3058748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wir. 256 — f. Dezember 1932 DIE STIMME Seite « Chafcs S'uint.'iy. dm 18. Dezember d findet anläßlich um fiinttcii \\ icihTkt.'hr des 1 J.st'iges unseres inivergoß- Oberrnb’vn.-rs Prof. Z P. Chajes ein Graogang statt. Zionisten Wiens, ehret das Andenken des großen Führers und sorget aus d’ese.n Anlaß liir d;e Komplettierung des Chajes-Waldes. Mus dem dunkelsten Deutschland Wer einen Juden ioiatshiägi, beerbi ihn Wieder wüste nationalsozialistische Judenhetze Berlin. Der Deutsche Volksgemeinschaftsdienst teilt mit: Wie immer, wenn sich die N. S. D. A. P. in einer komplizierten Situation befindet, verstärkt sich auch jetzt wieder die nationalsozialistische Judenhetze. In einer Versammlung der nationalsozialistischen Buchhändler-Zunft in Berlin erklärte am 22. November d. J. der Referent Denecke u. a.: «Wenn der Jude sieht, daß sein Geschäft nicht mehr so viel abwirft, wird er von selbst zu einer Auflösung des Warenhauses schreiten. Denn selber arbeiten will der Jude ja nie. Wenn wir dem Juden die Existenzmöglichkeiten derartig beschneiden, wird er unser Land fluchtartig verlassen und sich wahrscheinlich schnellstens nach Frankreich begeben. Hinzukommen muß, daß kein Jude die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten darf, daß er nicht nach freiem Ermessen Handel treiben darf, daß er nicht Beamter werden kann, daß er nicht in deutscher Sprache Zeitungen und dergleichen schreiben darf. Wir schützen das Privateigentum und anerkennen es, doch gibt es hier eine Ausnahme; kommt so zum Beispiel ein krummnasiger, plattfüßiger Hund zu uns mit einem großen Aktienkapital, sei es ein Jude, der erst vor kurzer Zeit im Kaftan mit seinen Pajes aus dem Osten gekommen ist, dann nehmen wir ihm seine Aktienpakete ab und geben ihm nur 4 bis 5 Aktien wieder, damit er von diesem Gelde seine Reise nach Jerusalem bezahlen kann.» Durch einen Zwischenruf forderte während dieser Ausführungen ein Anwesender den Redner auf, man »olle den Juden jede Erwerbsmöglichkeit nehmen, dann würden sie ä tempo verschwinden. Darauf erklärte Denecke wörtlich : «Damit würden Sie ja die Judenfrage sofort lösen. Dann brauchte ich ja gar nicht erst den kurzen Gesetzentwurf einzureichen: Wer einen Juden totschlägt, beerbt ihn.» Dazu bemerkt der «Deutsche Volksgemeinschaftsdienst»: «Das ist doch eine Sprache, wie sie in solcher Heftigkeit selbst in nationalsozialistischen Versammlungen bisher -Uim war. Nach uns zugegangenen zuverlässigen Mitteilungen muß auch festgestellt werden, daß die N. S. D. A. P.-Führung in den Kreisen der immer ungeduldiger werdenden SA. da und dort eine regelrechte Progromstimmung zu entfachen sucht, ganz abgesehen von der nach wie vor in unverminderter Stärke andauernden von Anfang an hauptsächlich gegen die Juden gerichtete Hetze nationalsozialistischer Blätter vom Schlage des ,,Stürmer“.» Schwarze Listen für Hochschullehrer in Deutschland Berlin. Der «Berliner Börsen-Courier» teilt mit: «ln einem von der Leipziger Studentenschaft veranstalteten Arbeitslager kursierte ein nationalsozialistischer Fragebogen, der unter der Marke „Vertraulich“ die Studenten auffordert, über die politische Einstellung der Hochschullehrer Angaben zu machen. Es wird da gefragt: Welche Dozenten sind Juden, welche haben jüdisches Blut, welche sind arisch, haben aber Jüdinnen zu Frauen (Mädchenname der Frau?), welche sind als Freimaurer bekannt (mit Angabe der Loge), welche sind Marxisten usw. Auch nach Angehörigen anderer Parteien sowie nach eingeschriebenen Nationalsozialisten und nach Neutralen wird gefragt, sowie danach, welche Dozenten Ausländer sind und welchem Volke sie zugehören. Der ausgefüllte Fragebogen soll vom „Hochschulgruf“ unterzeichnet werden, ist also dadurch eindeutig als nationalsozialistisches Machwerk gekennzeichnet. Das vorliegende Exemplar ist von verschiedenen Studenten teilweise ausgefüllt, aber in einer so dilettantischen und verschiedentlich ganz offensichtsichtlich fehlerhaften Art, daß man nicht begreifen kann, daß auf Grund derartig unreifer und schlecht unterrichteter Aeußerungen erfahrene Gelehrte beurteilt werden.» Polizeiaktion gegen die „Jüdiche Kulturgesellschaft“ in Berlin Berlin. Dienstag abends nahm die Abteilung 1 des Polizeipräsidiums eine überraschende Aktion gegen die «Jüdische Kuifrurgesellsc h af t», früher «Jüdischer Arbeiter-Kulturklub», vor. Zwei Schupowagen fuhren vor dem Klub beim in der Kleinen Präsidentenstraße 3 vor, die Beamten drangen in da-s Lokal ein und untersuchten sämtliche 48 anwsend'en Mitglieder, die sieh teils zu einer Sitzung über Klubangelegenheilten, teils zu geselligem Beisammensein eingebunden hatten, nach Paß und Waffen. Anwesende, unter ihnen auch Kranen und Mädchen, die sieh nicht ausweisen konnten, wurden ins PoU/dpräsdiimi gebracht und in Haft behalten. Lieber diie Ursache dieser Polizeiaktion bestellt noch keine Klarheit. Das «12-Uhr-Mittagsblntt: drückt Erstaunen darüber a.us, daß die Polizei in solcher Weise gegen einen völlig unpolitischen geselligen Verein für mittellose Menschen vorgeht. Heitere Kundgebungen gegen Professor Cohn in Breslau Feuterwerkskörper explodieren vor der Privatwohnung Cohns! — Haßlledar in den Straßen — Prof. Cohn hielt ungestört i zwei Vorlesungen ab Breslau, ln der Nacht zum Freitag, den 25. November, , explodierte vor dem Hause Wölfeistraße 1.6, in dem sich die j Wohnung des Universitätsprofessors Dr. Ernst Cohn befindet, ein Feuerwerkskörper mit lauter Detonation, richtet• atber keinen besonderen Schaden an. Professor Dr. Ernst Cohn nahm am 25. November seine infolge der nationalsozialistischen Demonstrationen unterbrochenen Vorlesungen wieder auf, nachdem er mit dien praktischen Uebungen schon nach der Wiedereröffnung der Universität am Mittwoch begonnen hatte. Die Vorlesungen um 9 Uhr und um 11 Uhr verliefen in voller Ruhe. Um 12.30 Uhr aber sammelte sich in dem Durchgang hinter dom Portal II der Universität eine Menschenmenge an, die in der LI eher za hl aus nichtstudentischen Elementen bestand, und sang nationalsozialistische Kampf- und Hetzlieder. Einer Aufforderung des Rektors, den Lärm zu unterlassen, leisteten die Versammelten nicht Folge. Daraufhin rief der Rektor Polizei ins Haus, die den Durchgang säuberte. Die Menge zog stich nun in das benachbarte Konviktgebäude zurück. Universität abermals geschlossen — Für das ganze Wintersemester? Breslau. Rektor und Senat der Breslauer Universität haben verfügt, daß die Universität vorläufig abermals geschlossen werde, nachdem die Kundgebungen gegen Professor Cohn nicht auf hören. Es wird darüber beraten, ob Den antisemitischen Radauhelden an der Wiener Universität ist anscheinend der Canossagang ihres Rektors und die letzte diplomatische Blamage der österreichischen Regierung ihretwegen noch nicht ausgiebig genug. Eine Woche lang rlimliche Ausnahme zu sei nund ihrem Zweck entsprechend Lehrstätte zu bilden, während in Ost und West, in Breslau, Debreczin und . in Warschar wüste antisemitische Studentenausschreitungen vor sich gehen, ist für die Wiener Alma mater doch zu viel. Denn nun versuchen die Nazistudenten schon wieder zu stänkern und Unruhen zu stiften. Seit einigen Tagen behindern sie jüdische Hörer am Besuch der Vorlesung des Prof. W o e ß an d#er juridischen Fakultät. Bei dieser Gelegenheit konnte man die vorausgesehene Feststellung machen, daß die Antisemitischer Exzeß in der rumänischen Kammer Cuza aus der Kammer ausgeschlossen Bukarest, 29. November. ln der Kammer interpellierte dier jüdische Abgeordnete Weißman« wegen der Agitation unter der rumänischen Studentenschaft und führte an, daß eine Zeitung in Jassy sich in besonders heftiger Sprache gegen das Judentum wende und auch Ritualmordgescliichten kolportiere. Der Sohn des Rassen.sch.utzführers Prof. Cuza, Jon Cuiza, bestritt die Angaben Weißman ns, worauf zwischen den beiden ein Wortwechsel entstand, in dessen Verlauf Cuiza auf die Rednertribüne stürzte und dem Abgeordneten Weiß mann drei Schläge ins Gesicht versetzte. Mehrere Abgeordnete sprangen herbei und trennten die beiden. Cuza wurde vom Disziplinarausschuß der Kammer von 20 Sitzungen ausgeschlossen. Arabische Nazis in Palästina Jerusalem. Die arabischen Zeitungen teilen mit, daß sich gegenwärtig die arabische Jugend in Legionen, die den Namen «Reiter der arabischen Halbinsel» führen, organisiert und sowohl die Organisationsfarm, als auch einen Teil des Programms der deutschen Nationalsozialisten, u. a. auch die Gegnerschaft zu den Juden, mit übernimmt. Canaan Trusieeship Co., Jerusalem mDömoiBN man ro Ö^TPYT» bl AftAft Informationen. Ideen, Vorschläge, Pläne ■ 1 Programme, Kostenvoranschläge, d'c Gründung, Abwicklung, Leitung und fif ■ Ueberwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel. Vertreter für Oesterreich: Ludwig Gutmann, Wien, I- Fleischmarkt 22, II., III., 56. Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder tt?.25-7-7<n eun bcniicßung liir das WiMitcrscniestcr riiiiiiuioiir erfolgen soll. Nazistudenten und SA-Leute belagerten die Universität, bildeten Sprechchöre, sangen Hetzlieder und hinderten stundenlang Prof. Cohn am Verlassen der Universität. Erst als berittene Polizei die Straßen räumte, konnte sich Cohn in seine Wohnung begeben. Bei Räumung des Konviktgebäudes griffen Studenten die Polizei an. Schupoposten für die Synagoge in der Prinzregentenstraße Berlin. In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen Anschläge auf Berliner Synagogen verübt werden. In der vergangenen Nacht wurden zum dritten Male innerhalb weniger Tage» mehrere Fensterscheiben der Synagoge in der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf durch Steinwürfe zertrümmert. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Polizei hat beschlossen, in der Umgebung der Synagoge in der Prinzregentenstraße nachts einen besonderen Schupoposten zum Schutz des Gotteshauses patrouillieren zu lassen. neueingeführte Universitätswache vollkommen versagte, so daß die Hakenkreuzler daraus ihr Kapital schlagen werden. Es ist an der Wiener Universität heute ein offenes Geheimnis, daß die Hakenkreuzler f ü r d i e nächste Zeit wieder zu einem schärferen Vorstoß rüsten. Auf diese Vorbereitungen machen wir bereits jetzt aufmerksam, um den akademischen Behörden die Ausrede, daß sie unvorbereitet gewesen sind, von vornherein vorwegzuzunehmen. W i r haben wiederum rechtzeitig gewarnt. Das Wort haben die Herren Abel und R i nt e 1 e n. Ministerpräsident Herriot leitet das Bankett der internationalen Konferenz der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus Paris. Ministerpräsident Herriot hat sich bereit erklärt, den Vorsitz in dem im Rahmen der internationalen Konferenz der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus s tut Windenden Bankett zu führen. Die Teilnahme französischer Premiers an solchem Banketten wird bereits traditionell; im vergangenen Jahre wurde das Bankett der Liga von Joseph CaillauX geleitet. Als Redner auf dem diesjährigen Bankett sind ai*- gemeldet: Romain Rolland, Henri. Barbusse und Victor Margiuerite. £au8berlt)o!tungen »üro."1'*1*5 I ■Bei ’iibfctyluft oon 33eiu>altungsaiiHeägeii aud) tBorlAUffe offne iebtaebe 8tafen, eucutucU aud) ohne Ginucclelbung ober 2lnmc hung. 33er* . gebe i., t ., UI.. bQPolbeharifdie Sätje ,*u 8 — 12% I ftcaliiätenhanälei ©r. 9R. <pais, 1- 2Ucm«rg. 13 I .Tel. n 21=5=30 _I Vor neuen HakenkveuzkrawaUen an dev Wiener Universität Unsere Hakenkreuzler rühren sich wieder Fl« in Euren Bezirken zur mit* arbeit liir die Kultus* gemeindeuiahieoi