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Die Stimme · 1932-12-01 · Heft 256 (1.12.1932) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 256 (1.12.1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMMfc Nr. 256 1. Dezember 1932 stattete eine Extraausgabe mit gefährlichem Hetzinhalt; sie wurde von der Polizei verboten. Am Montag, den 28. November haben sich die judenfeindlichen Ausschreitungen in Lemberg in verstärktem Maße wiederholt. Studenten, vom Straßenmob unterstützt, griffen zahlreiche Juden in den Straßen an und schlugen sie nieder. Mitglieder der jüdischen Selbstschutzorganisationen stellten sich mehrfach den Angreifern entgegen. Es gab auf beiden Steien Verletzte, von denen mehrere ins Krankenkhaus gebracht werden mußten. In zahlreichen jüdischen Läden wurden die Fensterscheiben eingeschlagen, im jüdischen Viertel wurden die Läden geplündert. Die meisten Läden wurden geschlossen. Am Abend wurden die hölzernen Gebäude auf dem großen jüdischen Sportplatz angezündet. Der Brand, der weithin sichtbar war, vermehrte die Panik. An der Universität und an s ä m tlichen Hochschulen wurden die Vorlesungen unterbrochen. Der Bäckergehilfe Katz, der den Studenten Greczkowski tödlich verletzt hatte, wird vor ein Standgericht gestellt werden. In Lemberg wurde eine Nachrichtensperre eingeführt, es ist sehr schwer, authentische Informationen über die Vorgänge in der Stadt zu erhalten. Man nimmt in Warschau an, daß die Ausschreitungen in Lemberg einen größeren Umfang, als gemeldet, angenommen haben. Bericht eines Augenzeugen Ein Lemberger Bürger, der gestern Lemberg verlassen hat und in Wien sich vorübergehend aufhält, teilte unserem Berichterstatter folgendes mit: Lemberg machte in den letzten zwei Tagen den Eindruck einer von Pogromen heimgesuchten Stadt. In allen Straßen wurde förmlich eine Razzia nach Juden und jüdisch aussehenden Passanten von polnischen Akademikern und dunklen Elementen aus den Vorstädten planmäßig organisiert. Alle Geschäfte und Lokale sind gesperrt. An den Universitäten wurden die Studenten blutig geschlagen und hinausgeprügelt. Bis zum Zeitpunkt meiner Abreise zählte man über 100 Verwundete, worunter auch viele Frauen sind. Die jüdische Bevölkerung setzte sich jedoch in außerordentlich mutiger Weise zur Wehr und überall vermochte sie die pogromartigen Ueberfälle der Huligans zunichte zu machen. Man muß auch feststellen, daß die polnischen Behörden alles anwenden, um die Unruhen im Keime zu ersticken. Die Polizei, die durch das Militär verstärkt wurde, schreitet überall mit rücksichtsloser Strenge ein. Der Anlaß der Unruhen war ein nichtiger. Während eines Renkontres zwischen christlichen Akademikern und drei jüdischen Hilfsarbeitern setzten sich die Juden zur Wehr, wobei ein Akademiker während des Geplänkels schwer verwundet wurde. Dies gab den Anlaß zu den Unruhen, die plötzlich einen pogromartigen Umfang annahmen. Infolge der Unruhen wurden alle Hochschulen in Lemberg gesperrt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diesmal der Pogrom politische Hintergründe hat und die Drahtzieher desselben in den polnisch-nationaldemokratischen Kreisen zu suchen sind. Die Regierung wird hoffentÜL!, wie bisher, alles anwenden, um das beschämende Beispiel eines Pogromlandes zu vermeiden. Gerade während der Unruhen fand am Bahnhof eine machtvolle Manifestation der Juden anläßlich der Abreise eines Transportes von Chaluzim nach Palästina statt. Die Juden Lembergs sind wohl durch die Ereignisse der letzten Tage schwer betroffen, diese Ereignisse stoßen jedoch auf die außerordentliche Zähigkeit und überaus tapfere Gegenwehr, die einen Trost bedeuten in dieser schweren Zeit. Cecen den Legislative Council Danksagung Außerstande für das mir anläßh h des Ablebens meines inni stgelie! ten Vaters ausgedrückte Beileid einzeln zu danken, spreche ich hiefür auf diesem Wege ai en Freunden, üäs en und Vereinen meinen innigsten Dank aus. S. Buchebaum Cafetier Die Meinung, daß die demokratische üeffentlichkeit durch die jüdische Gegnerschaft gegenüber einer Demokratie in Palästina ungünstig beeinflußt werden könnte — führte Brodetsky weiter aus — ist nicht stichhältig; denn jeder weiß, daß Demokratie Beteiligung an der Regierung eines Landes bedeutet. Es könne darum keine Demokratie geben, die nicht auf der fundamentalen Verfassung Palästinas, nämlich auf Mandat und Jüdischem Nationalheim, basiert. Zum Schluß äußerte sich Brodetsky über die Haltung der Palästina-Regierung in der Frage der bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten jüdischen Beamten und Arbeiter. Es sei dies, sagte er, auch eine politische und nicht nur eine religiöse Frage. Der Sabbath ist im Palästina-Mandat als jüdischer Ruhetag anerkannt, die Regierung ist verpflichtet, Beamten, Angestellten und Arbeitern die Möglichkeit zur Haftung des Sabbath zu geben. Brodefzky beim neuen Unfersfaafsfekrefär für die Kolonien London. Professor Dr. Selig Brodetsky, Leiter der Londoner Exekutive der Jewish Agency, besuchte den neu ernannten Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl of Plymouth, dem auch die Angelegenheiten der Mandatsländer unterstehen, und erörterte mit ihm verschiedene, die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Palästina betreffende Angelegenheiten. Berl Locker, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, ist aus Palästina, wo er eine Zeitiang geweilt hat, nach London zurückgekehrt. Resolution der englischen Zionisten London. Der Exekutiv-Rat der zionistischen Föderation für Großbritannien und Irland hielt bei Anwesenheit des Mitgliedes der Exekutive der Jewish Agency, Professor Dr. Selig Brodetsky, eine Sitzung ab, in der eine Resolution des Inhalts angenommen wurde, daß der Exekutivrat die «ermutigende Erklärung des High Commissioner vor der Mandatskommission des Völkerbundes über die Lage in Palästina begrüßt», aber der ernsten Befürchtung hinsichtlich des Planes zur Errichtung eines Legislative-Council in Palästina Ausdruck gibt, da eine Verwirklichung dieses Planes einen ernsten Rückschlag in der jetzigen erfreulichen Entwicklung des Landes herbeiführen müßte. Der Exekutivrat ist der Ueberzeugung, es sei noch nicht an der Zeit, eine so tiefgreifende Aenderung in der Verfassung Palästinas während des jetzigen Entwicklungsstadiums des jüdischen Nationalheims eintreten zu lassen. Professor Brodetsky über Legislative Council London. Professor Dr. Selig Brodetsky, Leiter der Exekutive der Jewish Agency in London, hielt in einer Versammlung des Londoner zionistischen Kreises Brondesbury-Cricklewood eine Ansprache, in der er sich auch mit dem Plan der englischen Regierung, einen Legislative Council in Palästina zu schaffen, befaßte. Er wolle, sagte er, jedes Mißverständnis hinsichtlich der legalen Position der Juden in Palästina im Zusammenhang mit der kürzlich im Unterhaus gestellten Frage, betreffend Schutz der jüdischen Minderheitenrechte in Palästina, zerstreuen. Der Status der Juden in Palästina sei keineswegs der einer Minderheit. Die Errichtung des Jüdischen Nationalheims ist durch ein internationales Gesetz beschlossen worden, in welchem die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina anerkannt wird. In dem Churchill-Weißbuch vom Jahre 1922 wird ausdrücklich festgestellt, daß die Juden nach Palästina auf Grund eines Rechtes und nicht als Geduldete gehen. Es sind, fuhr Brodetsky fort, weder der Jewish Agency noch irgendeiner mit ihr verbundenen Institution oder Persönlichkeit irgendwelche konkrete Vorschläge, betreffend Legislative Council, gemacht worden; die Frage wird jetzt von den Regierungen in Jerusalem und in London lediglich prinzipiell erörtert. Die Jewish Agency nimmt In der Frage des Legislative Council die gleiche Haltung ein wie vor 2y2 Jahren; nichts hat sich seitdem ereignet, was ihr Grund gegeben hätte, ihre Haltung in dieser Frage zu ändern. Die zionistische Exekutive ist nach dieser Richtung hin durch definitive Beschlüsse des Zionistischen Aktions-Comitees und des Administrative Committee der Jewish Agency gebunden. Gerne hat sich die Zionistische Exekutive binden lassen, denn es handelt sich um die wichtigste aller Palästina-Streitfragen, eine Frage von weitreichender Wirkung und nicht vorauszusehender Entwicklung. Eine solche Frage darf nicht der Entscheidung durch einige wenige Personen und deren Verantwortung überlassen bleiben. m KA/5ER5TR. 123 K. ÄLSERSTFl. 6 S 16 - S18 - S 20 Jlatkum fo&otow und £eo JEoizftin in Palästina Jerusalem, Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Nahum S o k o 1 o w, und der Präsident des Zionistenkongresses und des zionistischen Aktions -Comitees, Leo M o t z k i n, sind am 24. November in Jerusalem eingetroffen. Sie wurden in Ludd von den Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Chaim Arlosoroff, H. Farbstein und Emanuel N e u m a n, von dem großen hebräischen Dichter Chaim Nacbman B i a 1 i k, dem Bürgermeister von Tel-Awiw Mayer Dizengoff und Vertretern aller Parteien und Organisationen des Jischuw begrüßt. Auf dem Jerusalemer Bahnhof wurden die Gäste vom Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, M. M. U s s i s c h k i n, den Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency, der Exekutive des Waad Leumi, dem polnischen Generalkonsul in Jerusalem und einer großen Menschenmenge begrüßt. Auf seiner Fahrt nach Palästina ging Nahum Sokolow am vergangenen Montag in Alexandria an Land und wurde dort von einer großen Abordnung der jüdischen Gemeinde und der lokalen Zionistischen Organisation empfangen. Am selben Abend hielt Nahum Sokolow bei einer öffentlichen zionistischen Kundgebung in Alexandria eine Ansprache, die von der rie* sigen Zuhörerschaft mit Jubel aufgenommen wurde. Sokolow beim High Commissioner Jerusalem. Nahum Sokolow besuchte in Begleitung von Dr. Chaim Arlosoroff den High Commissioner Sir Arthur Wauchope und besprach mit ihm wichtige Angelegenheiten Palästinas. Der High Commissioner, der sich am 26. November nach Aegypten begab, lud Sokolow für die Zeit unmittelbar nach der Rückkehr zu einem weiteren Besuch ein, um mit ihm die Erörterung der Palästina-Angelegenheiten fortzusetzen. Lord Melchett führt das Herb seims Vaters fort London. Der junge Lord Melchett eröffnete die Melohett-Gedäohtnishatte in dem Hause der Talmud Torah in der Conwnerclai Road und enthüllte eine Gedenktafel für seinen Vater, den ersten Lord Melchett, einstigen Sir Alfred Mond. Der Chief Rabbi von England Dr. J. H. Hertz leitete die reftgkfee Weihe und gedachte der Tätigkeit des Verstorbenen als Vorsitzender des Appeal Committee der Talmud Torah und als Mitarbeiter am dem Wiederaufbau von Erez Israel. . _ Der junge Lord Melchett führte aus: Ich weiß, wie tief und aufrichtig meines Vaters Sympathie für das Werk der Talmud Torah war. Auch die Arbeit für die Rückkehr Israels im sein Land war für Ihn nicht Sac/he des Ehrgeizes, sie war ihm Sache tiefsten Glaubens an die Wiedererstehung de-i jüdschen Kultur, die noch einmal der Welt Großes schenken wird. Für mich, schloß Lord Mekhett, wie für meine Schwester Lady Erleigh bedeutet es einen großen Vorzug^ das Werk unseres Vaters auf den verschiedenen Gabiebea des jüdischen Lebens und iim Besonderen für Palästina weiterzuführen. Palästina-Abteilung auf der britischen Reicht» aussfellung London. Am 16. Dezember 1932 wird der Minister für die Dominions J. H. Thomas im Grosvenor House eine von der British Commonwealth League organisierte Reichsausstellung (Empire Exhibition and Market) eröffnen. Die Ausheilung wird eine umfassende Schau der Produkte der englischen Dominions und Kolonien bieten, der im Hinblick auf die Ottawa-Konferenz eine große Bedeutung beigemessen wird. Auf der Ausstellung wird eine von der Präsidentin der Organisation zionistischer Frauen (WIZO), Frau I. M. Sief^ eingerichtete Palästina-Abteilung zu sehen sein, deren Patronat Frau Sieff, Lady Herbert Samuel, Lord und Lady Melchett innehabe«. *- *• "ÄJ:" Zionistische Liste /

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