Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 255 (24.11.1932)
- Date
- 1932-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1 Nr. 255 — 24. November 1932 DIE STIMME Seite f».- ... .. ....■■■■■■" ——■■■■■■ ....... — ......... .......■■ IM. - Zionisten! Meldet Eudi Wühlei am 4. Dezember die »Zionistische Liste« Üstcn/fflAicr S)r. Deilder {fwiedmann, {Robert Atlcto, 3>r. Tos. XdnenAas Der «Zionistischen Liste» steht diesmal die «Nichtnationale Liste» gegenüber. Die Vertreter der «Zionistischen Liste» sagen euch klar und offen, was sie sind. Die Vertreter der «Nichtnationalen Liste» aber sagen nur, wassienichtsindl Menschen, die nicht sagen können und wollen, was sie lind, sind Menschen ohne Fähigkeit, ohne Ziel oder haben einen Makel zu verbergen. Im Privatleben meldet man solche Menschen, im öffentlichen Leben haben sie gewiß nichts zu suchen. Die «Zionistische Liste» ist von einer Organisation aufgestellt, die seit 35 Jahren nur jüdisch arbeitet, nicht nur in Wien, in der ganzen Welt, zur Ehre und zum Wohle des Judentums. Sie ist also das natürliche Produkt des einheitlichen, jüdischen Willens. Die «Nichtnationale Liste» ist das Produkt nichtjüdischen, fremden Willens. Ueber Weisung und im Amtsbüro des ausdem Judentum ausgetretenen Nationalrates Pr. Danneberg haben sich die «Union österreichischer Juden» und die «Werktätigen Juden» vereinigt und die «Nichtnationale Liste» gebildet. Die «Union», Ableger der deutschliberalen Partei und Vertreterin der Großbourgeoisie, und die «Werktätigen», das Wahlinstrument einer klassenkämpferischen und freidenkerischen Arbeiterpartei, Der Vertreter des Hauses Rothschild, Bettelheim, und der Kommunist Leo Rath auf einer Liste. Juden und Jüdinnen! Wollt ihr diese unnatürliche, unjüdische, fremden Zwecken dienende Koalition in euer jüdisches Haus, in die Judengemeinde, einziehen lassen? Wachet darüber, daß das jüdische Haus, die Juden* gemeinde, rein bleibt, nur einem Willen unterworfen, dem jüdischen Willen. Was haben Deutsch* liberalismus und Klassenkampf in der Judengemeinde zu suchen? Rettet die j ü d i s c h e J u g e n d, die Zukunft unseres jüdischen Volkes! Unter der Herrschaft des «deutschen Liberalismus» der «Union» hat sich die jüdische Jugend massenhaft taufen lassen, unter dem Einfluß des kommunistischen Freidenkertums der «Werktätigen» tritt.sie aus der Judengemeinde aus, wird sie «konfessionslos». Die bisher in der Gemeinde herrschende «Union» hat den jüdischen Jugendunterricht, den Religionsunterricht, einem «werktätigen» Inspektor unterstellt. Das allen Wiener Juden leider zu gut bekannte Resultat: Ein jüdischer Religionsunterricht, welcher die Jugend nicht beim Judentum hält, sondern vom Judentum abstößt. Der Zionismus Theodor Herzls hat uns die Jugend zurückerobert. Seine glühende Begeisterung für ein treues, stolzes Judentum hat die Jugend vor der Massentaufe gerettet, er allein kann sie vor dem Massenaustritt bewahren. Hütet die Judengemeinde, auf daß nicht der Geist des Abfalles seinen Einzug halte. Wahret unser heiligstes Gut, unsere Jugend! In einer Zeit, da das österreichische Judentum aufsörgstepolitischundwirtschaftlich mißhandelt wird, da man unsere Jugend auf den Hochschulen täglich mißhandelt, die jüdischen Gewerbetreibenden, Arbeiter und Angestellten rücksichtslos und schamlos boykottiert, steht die von der «Union» und den «Werktätigen» geleitete Judengemeinde untätig abseits. Ganz im Geiste des unionistisclien «Liberalismus»», der sich nie jüdisch exponieren wollte, und Im Geiste jenes «Werktätigen-Sozialismus», der keine «Judenschutztruppe» sein will. Aber das Judentum braucht einen Schutz, braucht eine «Judenschutztruppe». Das sieht heute auch jeder ehrliche, noch jüdisch fühlende Liberale oder Sozialdemokrat ein. Die Judengemeinde muß alle Ihre Kräfte elnsetzen, die Jugend vor Mißhandlung und den Kaufmann, Gewerbetreibenden und Angestellten vor dem Boykott zu schützen. Die Vertreter der «Zionistischen Liste» bekennen sich offen und frei zu dem Grundsatz der jüdischen Politik in der jüdischen Gemeinde, einer Politik, welche in der Kultusgemeindc und durch die Kultusgemeinde dem' politischen und wirtschaftlichen Schutze der Juden dienen und für Ihre staatsbürgerliche Gleichstellung auf allen Gebieten arbeiten will. Hinter jeder Liste muß nicht nur ein gutes Programm, hinter ihr müssen auch bekannte und erprobte Kandidaten stehen. Die Oeffentlichkelt muß wissen, wen sie wählt. Wie ist damit bei der «Nichtnationalen Liste» bestellt? Von achtzehn «unioiiistteclven» Kultusvorstehem kandidiert auch nicht ein einziger mehr! Geht da alles mit rechten Dingen zu? Wo sind die «Erprobten» und «Bekannten»? Haben sie so ganz versagt oder haben sie sich, angewidert von der k a p i t a 1 i s t i s c hsoziallstlsch - orthodox - freidenkerischen Koalition, zurückgezogen? Prüfet die Bewerber der «Zionistischen Liste»! Keiner, der nicht sein ganzes Leben hindurch auf einem Gebiet des jüdischen Lebens seine Pflicht erfüllt hätte. Von den Männern, die im alten Kultusvorstande mit Referaten betraut waren, keiner, der nicht mit Einsatz aller Kräfte, die mit dem Posten verbundene Arbeit verrichtet hätte, sei es auf dem Gebiete der Verwaltung und Finanzierung der Gemeinde, sei es im Ressort der Fürsorge, des Unterrichtes, des Versorgungshauses, des Spitals usw* Soweit sie es unter der unlonlstisch-werktätigen Majorität konnten, haben sie beste Leistungen vollbracht Sie haben bewiesen, daß ehrlicher, jüdischer Idealismus und ehrliche, jüdische, praktische Arbeit Hand in Hand gehen. Jüdische Wähler und Wählerinnen! Stimmet gegen Abfall und Austritt, für treues, stolzes Judentum! Stimmt gegen eine kapitalistisch-sozjalistisch-freldenkerisch-orthodoxe Mischmaschpartei, die ihr Programm verschweigt, die nur sagt, was sie nicht ist, gegen Unbekannte und Unerprobte, Gegen die Versorger fremder Interessen. Die «Zionistische Liste» sagt was sie Vier Jahre lang haben die Leuchten der «Nichtnationalen Liste» den Weg zu den Wählermassen nicht gesucht. Jetzt müssen sie es versuchen, denn sie haben zwar kein Programm, dafür aber einen unstillbaren Ehrgeiz. Wenn sie der Wahrheit die Ehre geben würden, müßten sie sagen: «Lieber Kultus Wähler! Wir haben uns nicht allzu sehr angestrengt. Diese schrecklichen Zionisten haben in der Gemeinde mehr gearbeitet, als ihrer Zahl entsprach. Wie sollen wir es Ihnen sagen, lieber Kultuswähler? Also: Wir waren unser 18 Mann. Elf davon kandidieren nicht mehr. Warum? Das wissen die Götter, aber auch unsere Wähler. Dafür bieten wir Ihnen etwas Neues, Sensationelles: Die «Werktätigen Juden». Darunter befindet sich wohl ein gewesener Kommunist, nach Gottes unerforschlichem Rat aber auch ein Gesalbter vom Hause Rothschild, was wahrlich kein Bettel ist! Wir haben auch Jugend, und zwar als Saalschutz. Es könnte doch, Gott behüte, ein Zionist einen Zwischenruf machen. Gleich packt ihn unser Saalschutz und befördert ihn an die frische Luft. Wir sind stolz auf unseren Saalschutz. Er besteht zwar mitunter auch aus sozialdemokratischen Schutzbündlern, die unserer Religionsgesellschaft nicht angehören, manchmal setzen unsere Beschützer auch Gummiknüttel in Aktion. Das ist nicht billig. Das kostet S 3.— pro Mann und Versammlung und dabei hat Rothschild uns nur 10.000 S gegeben. Und ob sie es glauben oder nicht! Aus der Kassa der sozialdemokratischen Partei haben wir nichts bekommen, Wir haben es auch nicht nötig, diesmal zahlt die Bourgeoisie die Kosten. Wenn wir diesmal dezimiert werden — nur die schrecklichen Zionisten werden daran schuld sein.» So müßte ein Kandidat der «Nichtnationalen Liste» sprechen. Das geht aber denn doch nicht und deswegen schimpft er und verleumdet. Die ältesten Ladenhüter müssen herhalten, und so erzählt er in den Wählerversammlungen, die Zionisten seien Landesverräter. Wir fragen Herrn Regierungsrat Dr. Lenk, der sich zu solchen unerhörten Behauptungen verstiegen hat, auf welchen Schlachtfeldern er für Oesterreich geblutet hat und wo denn dieses Zion liegt, für das er im Tempel betet — wenn er betet. Hier wird mit den heiligsten Gefühlen des jüdischen Volkes, die ohne Unterschied der Partei in Palästina ein heiliges Ideal erblicken, Schindluder getrieben. Wir Zionisten bekennen offen, daß wir in Palästina die nationale Heimstätte für das jüdische Volk schaffen wollen. Wir haben diese Notwendigkeit zu einer Zeit erkannt, da unsere Gegner uno insbesondere die Herren von der «Union» uns einreden wollten, daß wir hier wie in Abrahams Schoß gesichert leben und daß der Antisemitismus eine sterbende Erin Euren Bezirken zur Milerhell iür die Kultosgemeinnewakieni i s t und wem sie dient. Ihre Männer kämpfen mH offenem Visier, Wählet am 4. Dezember die «ZIONISTISCHE LISTE» Listenführer: Dr. Desider Friedmann, Ing. Robert Stricker, Dr. Josef Löwenherz. An alle Sprengelleifer und -Leiterinnen! Sonntag, den 2 7. November findet um pünktlichst 10 Uhr vormittags die letzte Vollversammlung aller Bezirls- und Sprenge 11 e i t e r statt. Zu dieser SHzung haben alle Sr.- --;<-ii - r und -Leiterinnen verläßlichst zu erscheinen, da alle technischen Maßnahmen für den Wahltag getroffen werden. Die Liste der Strichler ist dem Bezirkswahlleiter vor der Sitzung zu über<:f-‘,'ien Zur gefälligen Beachtung! An die zionistische Wählerschaft! Folgende Firmen verpflichten sich, den Wahlfonds in nachstehender Weise zu stärken: Klassenlosstelle Nathan Deutsch, I., Köllnerhofgasse 6, für jedes verkaufte Vi Klassenlos, das von Zionisten bei ihm gekauft wird, S 2.— zur Verfügung zu stellen; Schuhhaus Jellinek, V., Margaretenstraße 76, und XVII., Kalvarienberggasse 51, von allen Einkäufen, die unter Berufung auf diese Vereinbarung bis 3. Dezember getätigt werden, fünf Prozent der Kaufsumme abzuführen; Eugen Prager, Engl. Herrenmode, feine Maßwäsche* I., Spiegelgasse 25, fünf Prozent der Kaufsumme dem Wahlfonds zuzuführen. Wolf Wagschal, Reiserequisiten, Taschner- und Lederwaren, Wien, VIII., Alserstraße 59, von allen Einkäufen, die unter Berufung auf diese Vereinbarung bis 3. Dezember getätigt werden, fünf Prozent der Kaufsumme abzuführen. Zur Nachahmung empfohlen! scheinung sei. Wer hat Recht behalten, die Zionist« oder die Anti-Zionisten? Und so ist es uns gelungen, trotz aller Prügel, die uns von den Gegnern vor die Füße geworfen wurden, Palästina als Heimstätte für; das jüdische Volk durch internationale Verträge sichern zu lassen. Heute leben 200.000 Juden in Palästina, arbeiten als Bauern auf den Feldern, entwässern Sümpfe und bauen Straßen. Sie kennen keine Arbeitslosigkeit und sprechen hebräisch. Voll Bewunderung blickt die gesamte Kulturwelt auf unsere ungeheuren Leistungen m Palästina. Wir empfehlen den Herren von der Union und von den Werktätigen ins Zionistische Landeskomitee zu kommen und sich den Parteienverkehr anzusehen. Täglich kommen 30 bis 60 Personen, (keine Zionisten!), Kaufleute, Ingenieure, Angestellte und Arbeiter, und bitten uns flehentlich, ihnen die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen; und da haben die «Nichtnationalen» den traurigen Mut, den Palästina-Aufbau ins Lächerliche zu zerren. Aber dies genügt nicht den patentierten Ueberpatrioten! Die «Nichtnationalen» sagen dem Wähler: Wenp Du die «Zionistische Liste wählst, dann werden «Hunderte von Millionen» als «Subventionen für den Aufbau Palästinas» der Kassa der Kultusgemeinde entzogen werden. Wir wollen vielleicht annehmen, daß die Herren von der «Union» noch in Kronen rech- TREUHflll DGESELLSCHAH Canaan Trusteeshlp Co.. Jerusalem niDß’nB’ien man ö%n> blAtol Informationen, Ideen, Vorschläge, Pläne l«I6l Programme, Kostenvoranschläge, kACMVIlft d'e Gründung, Abwicklung, Leitung und KHQSIwr9 Ueberwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel. Vertreter für Oesterreich: Ludwig Gutmann, Wien, L, Fleischmarkt 22, 11., Ul., 56. Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher odar telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung. VerlewiKliiiMitti« als Wahlmcfhode Ein Wort dev Abwehr ft