Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 5 (1932)
- Issue
- Heft 255 (24.11.1932)
- Date
- 1932-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053963-3054009--3236-3058735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 2 DIE STIMME Nr. 255 — 24. November 1932 Um den Legislative-Council Bfkl&viiiMi des Kolonlenmlnlsfer* CunllffeLlsfer Im IlMittihaut London, ln der Sitzung des englischen Unterhauses am 16. November richtete Colonel Josiah Wedgwood an den Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, die Frage, ob die Palestine Local Government BH1 auch das Recht der Minderheiten in den örtlichen SHbstverwaltungsorganen wahrnehme; wenn ja, in welcher Weise. Ferner fragte Wedgwood, ob die Reg erung nicht einsehe, daß im Hinblick auf die indischen Verfassungsschwierigkeiten den jüdischen und arabischen Einwohnern Palästinas eine SefbstverwaHungsinstitution nicht früher angeboten werden solle, als beide Teile sie selbst wünschen. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Der Entwurf der Palestine Local Covemcment Ordinance enthält keine besondere Verfügung zum Schutze der Minderheitenrechte. Ich weiß nicht, ob eine solche Verfügung notwendig ist. Jedenfalls erscheint es mir übereilt, die Angelegenheit hier zu erörtern, da der Entwurf der Ordinance wahrscheinlich in Zusammenabeit mit den lokalen Behörden verbessert werden wird. Was die Fage des Legislative Council betrifft, fuhr Sir Cunliffe-Lister fort, weise ich Colonel Wedgwood auf eine vom High Commissioner für Palästina Sir Arthur Wauchope mit Billigung der Regierung am 10. November vor der Mandatskommission des Völkerbundes gemachte Erklärung hin. Colonel Wedgwood: Glaubt nicht die Regierung, zur Unordnung beizutragen, wenn sie eine Verfassung aufoktroyiert, wenn das Volk sie nicht will? Sir Philip Cunliffe-Lister: Nein. Hier fiel das jüdische Llnterhausmitglied Barnett Jänner sofort mit der Frage ein: Wird der Kolonien minister, bevor irgendein definitiver Schritt in der gewiesenen Richtung ergriffen wird, darauf sehen, daß die Angelegenheit vor das Unterhaus gebracht wird? Sir Philip Cuntiffe-Lister: Ich bin nicht in der Lage, ein solches Versprechen zu geben Im übrigen ist der .geeignete Anlaß zur Besprechung von Fragen der Verwaltung irgendeines Mandatsterritorkims oder einer Kolonie die Abstimmung über die Position des Colonial Office. Die vom High Commissioner ln Genf abgegebene Erklärung war eindeutig und basierte vollkommen auf den Grundlinien der Politik der verflossenen Regierung und ihrer Vorgängerinnen. Colonel Wedgwood: Wird die jüdische Minderheit ln Palästina in der Verfassung die gleichen Rechte und Privilegien besitzen, wie sie die mohammedanische Minderheit in der indischen Verfassung hatte? Sir Philip Cunliffe-Lister: Ich halte diese Frage für übereilt. Natürlich wird inan, wenn irgendeine Verfassung, betreffend Legislative Council zur Erwägung stehen wird, mit äußerster Sorgfalt darauf sehen, daß während des Vorbercitungsstadiums alle Interessenten zu Rate gezogen werden. Ich kann Colone] Wedgwood versichern, daß der High Commissioner in seiner detaillierten Erklärung gegenüber der Mandatskommission keinen Zweifel daran Heß daß in allem, was unternommen werden wird, die Bestimmungen des Mandates vollkommen aufrechterhalten werden würden. Eine Aeußeeung SoUolows Paris. Die Pariser jiddische Tageszeitung «H a j n t» bringt ein Interview mit Nahum So ko low, Präsidenten der Jewish Agency, über den Stand der Frage eines Legislative Council in Palästina. Sokolow erklärt in dem Interview, (He Zionistische Exekutive habe sich während ihrer Verhandlungen mit dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, in London bemüht, diesen davon zu überzeugen, daß die Schaffung eines Legislative Council dem Lande nicht dienlich sein könne. Diese Bemühungen blieben erfolglos. Er, Sokolow, habe auch mit den MitgHedern des englischen Kabinetts über die Angelegenheit gesprochen und ihnen gegenüber den ablehnenden Standpunkt der Exekutive dargelegt. Die Regierung aber halte an ihrem Entschluß fest, den Legislative Council zu schaffen. Trotzdem werden noch mehrere Jahre verstreichen, bis ein Gesetzgebender Rat ln Palästina in Tätigkeit wird treten können; zunächst werden ja die lokalen Selbstverwaltungsinstittitionen eingerichtet und Wahlen durchgeführt werden müssen. Patäsiinaberichi dev englischen Regierung an den Völkerbund ... London, Das-Auswärtige Amt der englischen Regierung teßrgab soeben der Oeffentlichkeit den von ihr dem Völker- Gundsrate übermittelten und von der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes während ihrer gegenwärtigen Tagung in Genf geprüften Bericht über d:e Verwaltung Palästinas und Transjordaniens im Jahre 1931. Der Bericht erwähnt die Ernennung von Sir Arthur Wauchope tum High Commissioner als Nachfolger von Sir John Chancellor, teilt die «Beurlaubung» Nornian Bentwichs von seinem Amt als Oberstaatsanwalt, sowie mehrere andere administrative Aenderungen mit und fährt dann fort: 'Zum Punkte «Oeffentiiche Sicherheit» ist mitzuteilen, daß im Verlauf des Berichtsjahres ernstere Unruhen nicht stattgefunden haben, zu erwähnen wäre bloß eine am 23. August 1931 von der Bevölkerung von Nablus veranstaltete Demonstration als Folge der Erregung, die durch Artikel m der arabischen Presse über Errichtung von Waffen- Arsenalen in isolierten jüdischen Siedlungen verursacht wurde. Die Polizei wurde mit Steinen beworfen, von denen der diensttuende Offizier und mehrere seiner Leute getroffen wurden. Die Polizei trieb die Menge mit ihren Knüppeln auseinander, ein kleiner Teil der Polizeileute mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen. Tote waren nicht zu beklagen. Elf der Demonstranten wurden durch Stockschläge, drei durch Schüsse verletzt. Politik Das Kapitel «Politik» beginnt mit der Mitteilung des Briefes des Premierministers Macdonald an Dr. Weizma n n vom 13. Februar 1931, dessen Zweck es — so wird im Bericht festgesteltt — war, gewisse falsche Auffassungen und Mißverständnisse, die sich aus dem Weißbuch vom Oktober 1930 ergeben hatten, zu beseitigen. Im August 1931 trat der Direktor of Development Lewis French sein Amt an. Im Bericht wird der Text des Passfield-Telegramms, betreffend Development Scheine, wiedergegeben und hinsichtlich der «Maßnahmen, die seit 1920 ergriffen wurden, um Palästina unter solche politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen zu stellen, die die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims sichern sollen, sowie hinsichtlich der Politik, die die Mandatarmacht und die Palästina-Regierung nach dieser Richtung verfolgen», bemerkt, daß diese Momente in dem Bericht für das Jahr 1930 ausführlich belOOJuden beschäftigt worden; Ende 1930 betrug die Zahl der beschäftigten Juden 183. Ende 1931 schon 340. Die Arbeiten bei den Wegeba-uten Haifa—Akko und Jaffa—Haifa wurden zum Teil an Juden vergeben und diesen höhere Löhne als den bei den gleichen Arbeiten beschäftigten Arabern gezahlt. An dem Bau der Kndoorie Agricultural School in Mt. Tabor sind zumeist Juden beschäftigt. Vertreter der Exekutive der Jewish Agency und der General Federation of Jewish Laboui wurden von der Regierung mit der Anwerbung der von den Departements benötigten jüdischen Arbeiter betraut. Jewish Agency schrieben und definert worden sind. Der Bericht fährt fort: Die Volkszählung von 1931 .zeigte, daß sich die jüdische Bevölkerung Palästinas seit der vorangegangenen Volkszählung von 6 5.5 70 auf 17 5.0 0 6, also um etwa 170 Prozent, erhöht hat — für einen Zeitraum von nur elf Jahren ein beispielloser Fortschritt in einem Lande neuer Siedlung. Dies ist ein in die Augen springender Fortschritt in der Errichtung des Jüdischen Nationalhelms. Die jüdische Arbeiterschaft ist besonders an der Revision der Arbeitsgesetzgebung Interessiert, die gegenwärtig von einer Regierungskommission ausgearbeitet wird. Die Festsetzung des jüdischen Anteils an der Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten unter Berücksichtigung des jüdischen Beitrages zu den staatlichen Einkünften wird zwischen der Exekutive der Jewish Agency und dem Schatzamt der Regierung erörtert. Das Schatzamt stellte der Exekutive alle einschlägigen finanziellen Statistiken zur Verfügung. An den Arbeiten beim Haifaer Hafenbau waren weitere Ueber die Arbeit der Jewish Agency heißt es in diesem Bericht: Im Berichtsjahre wurde die Jewish Agency von der Palästina-Regierung in Fragen der Einwanderung und der Volkszählung sowie in verschiedenen anderen Angelegenheiten zu Rate gezogen. Im jüdischen Jahre 5690 (1. Oktober 1930 bis 30. September 1931) verausgabten die Jewish Agency, der Ernergency Fund for Palestine und die Hebräische Universität 797.000 Pfund für soziale, kultureilt und wirtschaftliche Zwecke. Im jüdischen Jahre 5691 erwarb der Jüdische Nationalfonds 9978 Dunam ländlichen Bodens und hart so seinen Besitz auf 288.605 Dunam Boden erhöht. Der Nationalfonds hat die Trockenlegung seines Bodens in der Haifa-Bucht beendet und in verschiedenen Siedlungen Wasserleitungs- und Bewässerungssysteme installiert. Er hart die Aufforstung von Hügeln und Sümpfen fortgeführt und insgesamt 6000 Dunam nut" 1,250.000 Bäumen bepflanzt. Die Jewish Agency hat Bewhsserungsarbeiten rrri: einem Kostenaufwand von über 20.000 Pfund durchgeführt und damit die Kultivierung von 4200 Dunam Boden mit Grape Fruits, Gemüse lind Futtermitteln in der Esdraelon-Ebene und im Jordan-Tal vorbereitet. In vielen Kolonien hat sie landwirtschaftliche Gebäude errichtet. Die Finanzdepression im Ausland hatte eine ungünstige Wirkung auf die Fondssammlung zwecks Ansiedlung von Immigranten: die Gelegenheiten für die Beschäftigung von Arbeitern haben sich derr.gp;näß verringert, das Bedürfnis nach Einwanderung neuer Arbeiter war gering. Andererseits hat die Schwierigkeit, befried'gende Investitionsmöglichkeiten fiir Kapital in andeien Ländern zu finden, eine Anzahl kleiner Kapitalisten veranlaßt, ihr Augenmerk Palästina zuzuwenden. Meist wurden Kapitalien in Boden, mehr noch in Bauten angelegt: die Investierung in Orangen- Plantagen hat nachgelassen. Im Verlauf von 1931 haben sich nicht viele Kaufleute oder Ladenbesitzer von irgendwelcher Bedeutung neu etanliert. Die Palästina-Einwanderung blieb in den letzten fünf Jahren im ganzen genommen relativ konstant. 1931 erhielten 5533 Einwanderer, davon 4075 Juden, die Erlaubnis zur Ansiedlung in Palästina. Die Durchschnittseinwanderung in den vorangegangenen vier janren war 4920 (3771) juden. Die jüdische Gemeinschaft in Palästina war angesichts der Weitdepression und der Unterbrechung des Zuflusses neuen jüdischen Kapitals und jüdischer Spenden hauptsächlich auf ihre eigene wirtschaftliche Potenz angewiesen; die wirtschaftlichen Errungenschaften wurden mit einem Erfolg erhalten, der sehr für den Grad der Unabhängigkeit von auswärtiger. Unterstützung, den die Gemeinschaft erlangt hatte, spricht. . . ..j. Die zentrale Agudas jisroirf fiat sich iim die gesonderte ' Anerkdmrufig ihrer Kongregation In der 1926 verkündeten Religions Communities Organisation Ordinance beworben, sie töroert die Befugnis, ihre Mitglieder zu besteuern und in Angelegenheiten des persönlichen Status entscheiden zu können. Die Regierung war nicht in der Lage, dieser Forderung nachzukommen, da sie überzeugt ist, daß nichts in den Jewish Communitv Regulations vorhanden ist, das die Rechte oder Freiheit der Mitglieder der Agudas Jisroel verletzen oder sie daran hindern könnte, ihre kommunalen Ob- ' liegenheiten auf ihre eigene Weise zu erfüllen, sofern sich diese den Geboten der gurten Ordnung anpassen. Im Berichtsjahr haben jüdische Interessenten weniger Boden erworben als in den letzten elf fahren. Insgesamt wurden im Jahre 1931 von Juden 41.226 Dunam landwirtschaftlichen Bodens gekauft, davon 22.641 Dunam von jüdischen Verkäufern. Der Gehurtenstand zeigt wenig Stand von 36 auf 1000 aus dem lahre erreicht. Die Säuglingssterblichkeit etwas abgenommen. Aenderumg. Der hohe 1926 wurde nicht mehr hat gegenüber 1929 fit Bll -tVD llbUiUUlUIII UIIIHI103 Bestrenommierte Küche im neueröttneten Gassenlokal II.. Hammer rurgsiaiigasae 3. Tel. A 48-6 02 Die zwei ftaaten neuren größten amerihanisdken haben Juden zu &oui>er- Da Richter Henry Horner als demokratischer Kandidat mit überwältigender Stimmenmehrheit zum Gouverneur des Staates Illinois, dessen Hauptstadit Chicago ist, gewählt wurde, haben die beiden größten Staaten Nordamerikas, New York (Herbert Lehman) und Illinois, jüdische Gouverneure. Außerdem gibt es in zwei anderen Staaten jüdische Gouverneure: Julius M. Meier im Staate Oregon, Arthur Seligmann im Staate New Mexiko. Illinois ist nich nur de»- zweitgrößte Staat Nordamerikas, sondern hat auch die zweitgrößte jüdische Bevölkerung; die Hauptstadt des Staates, Clrcago, hat eine jüdische Bevölkerung von rund 400.000 Seelen und beherbergt demnach die drittgrößte jüdische Gemeinde der Welt. * Richter Henry Horner wurde am 30. November 1878 in Chicago als Sohn von Solomon Horner, einem aus Deutschland eingewanderten Juden, geboren. Mit eigentlich jüdischen Angelegenheiten hat sich Richter Horner nur wenig beschäftigen können. 1914 wurde er zum Richter gewählt und 1918, 1922, 192(3 und 1930 wiedergewählt. 12 Juden in den Kongreß der Vereinigten Staaten gewählt New Yörk, Außer den bei den letzten Wahlen in den Vereinigten Staaten gewählten vier jüdischen Gouverneuren — Herbert Lehman in New York, Henry Horner in Illinois, Arthur Seligman in New Mexiko und Julius Meier in Oregon — wurden am gleichen Tage 12 Juden, davon fünf aus 'New York, zwei aus New Jersey, einer aus Pennsylvania, einer aus Kalifornien, einer aus Wisconsin, einer aus Illinois und einer aus Co » n e c t i c u t, in den Kongreß der Vereinigten Staaten gewählt. Die fünf New Yorker Kongreßmitglieder sind E. Ceüer, S. Dickstein, W. I. Sirovich, T. A. Peyser lind S. O. Bloom, die anderen sind isaac Bacharach aus Atlantic City, Richter Harry Joelson Patterson und Henry Ellenbogen aus Pittsburg, Richter Joseph Padway aut Milwaukee, Frau Florence Kahn aus San Francisco, A. Sabbath aus Chicago und Hermann Koppermann aus Connecticut. Hi KAI5ER5TR. 123 #. ÄLSERSTR. 6 S 16 - S18 - S 20 59