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Die Stimme · 1932-11-10 · Heft 253 (10.11.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 253 (10.11.1932)
Date
1932-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 253 — 10. November 1032 DIE STIMME Seit« *i n , Jung-Juda erwache! Von Sude QtUaMtoh Der ganze deutsche Kulturkreis feiert in diesem Jahre den 100. Todestag Goethes. Der Mann, der einem Volke neue Ideengänge gewiesen hat, wird gefeiert. Die Weimarer keramische Fabrik kommt der geforderten Herstellung von Ooethe-Büsten nicht nach; — von den Regierungen begonnen, bis in die untersten Volksschtilklassen werden Goethe-Feiern abgehalten; — Geld fließt in Strömen für Goethes Werke, für Goethe-Denkmäler; — und aus jeder deutschen Gasse InAmerika bis i n j e d e d e u t s c h e G a s s e in China erschallt es: Goethe! Goethe! Ein Volk begeistert sich bis in seine entlegensten Fühler für einen Mann und vergöttert ihn! Rußland. — Rußland geht der Vollendung des Fünfjahrplanes entgegen. Ein Volk hat sich ein Ziel gesetzt und lebt und stirbt dafür. Der russische Bauer aus Wladiwostok am Stillen Ozean und der russische Bauer im Ural, Tag und Nacht sehen und träumen sie nur von vollendeten Maschinen, von erntereichen Feldern und Wirtschaftsgebäuden, von Maschinen und Feldern ... Ein Volk begeistert sich für ein Werk, hungert dafür und vergöttert es. — Und mehr als das ausländische Russentum, eine ganze Welt horcht auf und zählt die Tage, die zur Vollendung fehlen. Palästina. — Palästina begeht heuer ein ungewöhnliches Jubiläum: es feiert sich selbst. Ein Stück Land tritt in seinem neuen Gewand den 50. Oeburtstag an. Das Skelett, die Stütze des Gänzen, der Keren Kajemeth, besteht 30 Jahre. Nicht unbekannt ist die Wunder anmutende Geschichte von dem entfernten, stein- und felswüstendurchsetzten Kanaan bis zum Land des Verkehrs mit dem vorderen Orient, bis zur jüdischen Stadt, zur hebräischen Umgangssprache, zur hebräischen Tageszeitung, zur Eroberung des Orangenweltmarktes, zur Makkabiah! Ein Freuden- und Begeisterungstaumel erfaßt das palästinensische Judentum; Kinder, die tagtäglich den werdenden Judenstaat vor Augen haben, träumen schon von einem erlösten Volk! Erschalltesaberausjederjüdlschen Oassein Amerika bis in jede jüdische 0 a s s e i n C h 1 n a n a c h derErlösung des Bodens, nach Palästina? Ist das jüdische Volk •chon bereit, sich blind für ein Werk — für seine eigene Erlösung! — zu begeistern? zu hungern? es zu vergöttern? Sich bedingungslos in den Marsch der Nation einzureihen, wie es der Russe tut, und der Deutsche, und jeder andere? Und wenn nicht heute, wann denn? Und wenn nicht wir, wer denn als w i r , die heranwachsende Generation, die so leicht begeisterungsfähige Jugend? Haben w i r es noch nötig, uns für anderer Völker Ideale zu begeistern, dem judenfeindlichen Fünfjahrplan Jubel zuzurufen, dem judenfeindlichen Goethe-Volk fort und fort Menschen abtreten zu müssen, oder genügt die Tatsache, daß in einem Zeitraum von 50 Jahren, geschichtlich gesprochen also in einem Augenblick, ein Land entstand, das heute, wie kein zweites Gebiet auf der Erde, der Wirtschaftsnot zu trotzen imstande ist, zu dem, außer dem Großteil des ausländischen Judentums — dem Galuthjudentum —, eine ganze Welt staunend emporblickt, um auch w i r uns endlich dafür zu begeistern? Und sollten wir nicht diese Begeisterung sofort in mitaufbauende Energie verwandeln, als sie an judenfeindliche Ideen zu verschwenden? Die Mitarbeit für den Keren Kajemeth gibt uns vor unserer persönlichen Verbindung mit dem Land diese Möglichkeit. Wir, die Jugend, können noch durch Verknüpfung von internsten FamllienfestUchkeiten und Canaan frusieeship Co., lern aicm moftnöiBK man ms 11 M Informationen, Ideen, Vorschläge, Pläne II VI Vl I Programme, Kostenvoranschläge, hAtAMll die Gründung, Abwicklung, Leitung und ■PWwo 8fV Ueberwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel. Vertreter für Oesterreich: Ludwig Outmann, Wien, L, Fleischmarkt 22, tl., III., 56. Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung. Feierlichkeiten mit dem Land neues jüdisches Leben in das jüdische Haus bringen. Es reiht uns diese Mitarbeit dann als Glied in die nationale Kette, indem wir durch unsere Mitarbeit für das ganze Schicksal des Volkes mitverantwortlich werden und sie korrigiert sozusagen unser Golusschicksai, das darin besteht, daß unser ganzes Leben als Mensch dem Wohle des Landes und des Volkes gewidmet ist, in dessen Mitte wir leben, und nicht dem eigenen jüdischen Volke. Nur w i r können es ändern; und wir müssen es ändern: Jung -Juda, erwache! Wissen Sie schon, daß das Hauptbureau des Keren Kajemeth ui Jerusalem in drei Hauptabteilungen zerfällt? daß die eine Abteilung die Finanzabteiluug, fie zweite die Bodenabteüung und die dritte die Propagandaabteilung ist? daß die Korrespondenz zwischen Hauptbureau und Landesstellen lediglich in fünf Sprachen geführt wird, und zwar: Hebräisch, Jiddisch, Englisch, Deutsch und Französisch? daß daß oif'ziehe Organ dis Fonds der «Karnenu» ist, der monatlich erscheint? daß das Hauptburcau soeben Briefpapier mit Palästlmaansichten herstellen ließ? daß das Hauptbureau soeben Postkarten mit hebräischen Liedern als Aufdruck herstellen ließ?, daß im Hauptbureau ein Herzl-Zimmef eingerichtet wurde, in dem Mobilien aus Hefzls Wohnung und Erinnerungen an Herzl aufbewahrt und gezeigt werden? daß es auch einen Briand- und Washington-Wald gibt? daß die durch den K. K. L. neuangepflanzten Bäume insgesamt ein Territorium bedecken, das der Größe von ganz Hietzing gleichkommt? daß die Universität in Jerusalem, das Technikum in Haifa, das Herzl-Gynmasium in Tel-Awiw und viele Regierungsgebäude in Palästian aut K. K. L.-Boden stehen? daß der Besitz des Keren Kajemeth an Boden gleichkommt der Oröße des dritten Teiles von Oesterreich oder der Summe aus den Bundesländern Salzburg und Niederösterreich zusammen? Generalversammlung der Histadruth Iwrith Dienstag, den 18. Oktober 1932, fand in den Räumen der zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt die diesjährige, sehr stark besuchte ordentliche Generalversammlung der Histadruth Iwrith statt. Der Präsident, Herr Doktor David Roth bl um, eröffnete die Versammlung, begrüßte die Erschienenen, dankte allen Mitgliedern des Ausschusses für ihre ersprießliche Mitarbeit und übergab die Leitung dem zum Tagesvorsitzenden gewählten Herrn Doktor Tartako wer Nachdem ein in sehr schmeichelhaften Worten für die Tätigkeit der Histadruth gehaltener Brief des Oberrabbinerstellvertreters Dr. F e ti c h t w a n g verlesen wurde, erstattete Herr M. Ungarteld in einer ausführlichen Rede den Rechenschaftsbericht, dem wir folgende Daten entnehmen: Die Anzahl der Mitglieder der Histadruth beträgt 743. Es fanden 61 protokollarisch festgehaltene Ausschußsitzungen und 53 Veranstaltungen statt. Es wurden 296 Briefe gewechselt und 5100 Einladungen versandt 7000 Flugzettel wurden verteilt. Das defizitlose Jahresbudget betrug S 8662—. Die Propaganda der Hebrälsierungsidee wurde auf das energischeste betrieben Auf dem Delegiertentage der Österrechischen Zionisten wurde über «Die Weltunion der Hebräer» von der Dichterin E1 i s c h e w a und Herrn Dr Rotbblum referiert. Die Propagandatätigkeit erlangte den Höhepunkt ln der hebräischen Woche und im Hebräertag. Durch die zur ständigen Einrichtung gewordenen Konferenzen der Rabbiner und Religionslehrer, an denen sich auoh die Mitglieder des Inspektorates der israelitischen Kultusgemeinde beteiligten, wurde die Idee der Hebräisierung in weitestem Maße gefördert. Einen glücklichen Auftakt für die Tätigkeit der Histadruth bildeten die Empfänge zu Ehren berühmter palästinensischer Gäste und deren Vorträge. Die Bialik-Tage leben noch in der Erinnerung aller Wiener Juden und werden sicherlich als historisches Ereignis ln der Geschichte der Wiener Judenschaft bleiben. Auch die anläßlich des Bialikbesuches eingeleitete Aktion für das hebräische Buch war von Erfolg gekrönt. Wirkungsvoll gestalteten sich auch die Empfinge Mir die Dichterin E I i s c h e w a und die Dichter S c h 1 o n s k y, Steinmann und G r ü n b e r g. Die Histadruth erteilte an zwei hebräische Kurse Geldsubventionen. 294 Slaim wurden verkauft. An die Brith-Zentrale in Berlin wurden S 370.— überwiesen, die Rubrik «Die hebräische Bewegung» und das hebräische Buch in der «Stimme» wurde von der Histadruth eingeführt. In der am 15. September 1932 stattgehabten Konferenz des Weltrates der Brith Iwrith Olamith entschieden die Stimme der beiden österreichischen Mitglieder Dr. Tartakower und Ungarfeid für die Abhaltung des Hebräerkongresses im Frühjahr 1933 in Palästina. Hierauf hielt Dr. Rothblum ein ausführliches Referat über das künftige Arbeitsprogramm. Er ging vom Standpunkte au«, daß die Ziele der Histadruth aus dem engen Rahmen eines Vereines oder selbst Verbandes in die großen Massen des jüdischen Volkes getragen werden müssen, um zur hebräischen Bewegung zu werden. Deshalb muß die Arbeit der Histadruth ziel-bewußt und auf möglichst breiteste Basis gestellt werden. Es ist daher anzustrefeen: Erfassung aller Hebräer in Wien und Ihre Elnglie- Jahrzeitlicht Ein Jahrzehnt Symbol das Kerzenlicht Mit ihrem Schein das tote Antlitz erblicht. Es durchhaucht Erinnerungen an die, die wir besessen, Die begraben sind, um sie zu vergessen. Es brennt ganz leise und traurig fort, Als käme es von selbst aus dem Orabesort Zu den Lieben, die ihrer gedenken, Um einen Öruß aus dem Jenseits zu schenken. Es leuchtet und wirft einen matten Schein, Es flimmert und flimmert und wird dann ganz klein. Dann flackert es auf und tischt gleich aus, Genau wie ein Leben, wenn die Seele geht aus. Musia Offenberger. daß die Einnahmen m Oesterreich gegenüber allen anderen Ländern um 25 Prozent gestiegen sind? daß in Transsylvanien jedes Mitglied der Wizo zu Purim einen Baum spendete? daß bereits vier Goldene Bücher vollendet sind und ein fünftes eröffnet wurde? daß der Keren Kajemeth mit der internationalen Versicherungsgesellschaft Phönix» einen Vertrag geschlossen hat, demnach man sich zugunsten des 1. N. F. versichern lassen kann, woraus dem K. K. L. jährlich beträchtlich« Summen zukommen. Erika Spitzer. Das beste Buch der Saison Es gibt ein Buch, das im vergangenen Jahre in seiner englischen Ausgabe allein 663.000 Exemplare absetzte. Die Gesamtauflage in allen anderen Sprachen geht in die Millionen. Wer Ist der glückliche Autor? Wie heißt das Buch? Der Autor ist, wie man es haben will, Gott, Moses, die Propheten oder unbekannte Schriftsteller, die im Solde der herrschenden Klasse «Opium für das Volk», also Religion verzapften. Wie das Buch heißt, ist nun unschwer zu erraten: Es ist die Bibel. Nach dem Berichte der «British and Foreign Bible Society» wurden im letzten Jahre 663.000 Bibelexemplare in englischer Sprache und einige Millionen in anderen Sprachen verkauft, nicht verteilt. Als die Bibelgesellschaft im Jahre 1804 gegründet wurde, war die Bibel bereits in 72 Sprachen übersetzt. Heute liegen Uebersetzungen in 900 Sprachen und Dialekte vor. In Mitteleuropa läßt nach dem Berichte der Bibelgesellschaft der Bibelabsatz zu wünschen übrig. Was auch ganz selbstverständlich ist. Für die Nazi ist doch die Bibel eine «jüdische Mache» und di« Bibel der Deutschen sind heute Osaf Hitler und Feuerzunge (Ersatz ftir den brennenden Dornbusch) Göbbels. derurng in die Histadruth. Dies soll erreicht werden durch eine energische Agitation in Wort und Schrift, in Versammlungen, Veranstaltungen, Familienkreisen und durch die Heranziehung der gesamten jüdischen Presse. Ferner durch zu ernennende Vertrauensmänner der Histadruth bei allen zionistischen Verbänden, Sektionen, Jugendbünden usw. Gründung von Minjanim für den Daf Iwri Jomi nach den Vorschlägen des Herrn Dr. Tartakower, Gründung von Kursen für Erwachsene und Anfänger und Aktivierung der passiven Lehrer. Einflußnahme auf das Erziehungswesen, Anregungen bei Eltern, Erziehungsinstituten, Rabbinern, Lehrern und anderen Erziehungsfaktoren zugunsten def hebräischen Sprache und Kultur, Pflege der Konferenz der Rabbiner und Religionslehrer. Der abtretenden Leitung wurde über Antrag des Herrn Dr. Klarmann Vertrauen und Dank ausgesprochen und Decharge erteilt. ln die neue Leitungen wurden einhellig gewählt die Herren: Dr. David Rothblum (Präsident), Dr. Ch. Tartakower, Prof. M. Rath, P*od. Dr. M. Papo, Dr. S. Ho ro witz, Dr. M. E. Klarmann, f. i)u* litzky, M. Rosen, M. Ungarfeld. Das hebräische Buch L'kewer Ismael von Urlel Halperin. 46 Selten, Ow-Verlag, Tel-Awlw. 2. Auflage. Ein junger Schriftsteller versucht dem Andenken der auf so tierische Weise durch die Hand Ismael ums Leben gekommenen Chaluzim Johannan Stahl und Salie Sohar ein literarisches Denkmal zu errichten. Viel Liebe, Leid und Haß in jeder Zeile. Denn das Ereignis war nicht nur Unglück für Israel, sondern auch böses Symptom für Ismael und sein Verhältnis zum aufjauch2enden jungen Judentum in def historischen Heimat. Halperin hat manches aus Tagores Feder ins Hebräische übertragen. Der Einfluß des Meisters ist in der Kürze und Wucht so manchen Satzes nicht zu verkennen. Wenn die Zeichen nicht trügen, haben wir einen Debütanten von Talent kennengelemt. der viel verspricht. RaDDi j. l Fiseiimann (Jerusalem) spricmi Sonntag, den 13. d. M., 10 Uhr vormittags, im großen Featsiaal des Hotel Continental, II., Taborstraße 8, g/^ »mm mm mm » GroBe der Religiösen Liste Jisracm“ Redner: Rabbi J. L. Fischmann, Jerusalem, Mitglied des zion. A. C. und des Councils der jewish Agency, Präsident des Waad Harasohi der Misrachi-Weltorganisation, Rabb* Sal. Frledmnnn, Dr. M. Rosenberg, V. Bauminger, Dr. $. Rappaport, Dr. J. Rosner. jmwii vaiiri ~ m mrsuii Die hebräische Bewegung 0101320191480100 4915

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