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Die Stimme · 1932-11-10 · Heft 253 (10.11.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 253 (10.11.1932)
Date
1932-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 253 — 10. November 1932 DIB STIMME Seite 5 Die Frai i Der lllsdei Goncinde Zu den bevorstehenden KuUuswaMen Von Ov. Amalie Kavtiov So groß die Erfolge waren, die die nationale Bewegung im Judentum in den letzten Jahren aufzuweisen hatte, so bedeutsam und wichtig sind die Ziele, die es für sie noch zu erringen gibt. Vor allem gilt es u. a., nationalen Geist überall dort in alle jene jüdischen Verbände und Organisationen hineinzutragen, wo dies bisher noch nicht oder nur in ungenügendefii Maße der Fall war. In erster Reihe betrifft dies die kulbusgemeinde. Ihre Autorität, die Mittel, über die sie verfügt, die Personen, die sie erhält, dürfen nicht gegen den Volksgedanken verwendet werden, sagt schon Theodor Herzl in seiner zweiten Kongreßrede im Jahre 1898. Seinen Worten die Tat folgen zu lassen, aus der jüdischen Kultusgerneinde eme jüdische Volksgemeinde zu machen, kurz, die Eroberung der Gemeinde ist heute mehr denn je ein brennendes Problem. Ist doch erst die Macht über die jüdische Gemeinde auch die wirkliche Gewähr für ein wahrhaft jüdisches, auf eigenen Kulturwerten aufbauendes Schaffen. Mehr und dringender denn je kommt es gerade heute darauf an, die Kultusgerneinde dahin zu führen, daß sie das wirkliche Zentrum jüdisch-nationalen Lebens wird. Ihr obliegt es, dafür zu sorgen, daß ihre Mitglieder im nationalen Geiste erzogen und geschult als vollwertige, ihrer Nationalität bewußte Juden ins Leben hinaustreten. Nur dann, wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, wird es möglich sein, aller Unbill und allen das Judentum bedrohenden Gefahren Trotz zu bieten. Auf welche Weise die Gemeinschaft der Juden, die Kultusgemeinde, ihr Erziehungswerk und den ganzen ihr obliegenden Pflichtenkreis erfüllt, kann und darf vor allem der jüdischen Frau nicht gleichgültig sein. War es doch stets die jüdische Frau, die als Hort jüdischer Tradition sich um Pflege und Erweckung jüdischen Geistes bemüht hat. Geleitet von dem Bewußtsein, daß nur in dei Erziehung ihrer Kinder im jüdischen Geiste die Zhkunft ihres Volkes Hegt, hat die jüdische Frau immer schon ihren Ein luß in Haus und Familie in diesem Sinne ausgeübt. Sie wird n cht zögern, diesen Einfluß auch im öffentlichen Leben geltend zu machen und im Kampf um die Kultusgemeinde auf die Waagschale zu werfen. Sie wird dies um so eher tun, als sie dessen sicher sein kann daß, wenn die Führung der Gemeinde ln jüdisch-nationale Hände übergeht, sie viel mehr als bisher zur Mitbestimmung und Teilnahme an den Arbeiten der Kultusgemeinde herangezogen werden wird. Die Schaltung eines allgemeinen aktiven uffd passiven Wahlrechtes ohne Unterschied der Geschlechter wird auch der jüdischen Frau den Weg öffnen, ihren Einfluß auf all den Gebieten ausüben zu können, die Ihr im Leben zustehen. Ueberall, wo ein verstehendes Frauenherz, wo milde Frauenhände Wohltaten und Wunder wirken können, bei der Erziehung der Kinder und Jugend, in den Hospitälern und Pflegehäusern, überall dort muß es ein Gebot der Stunde sein, die Leitung den jüdischen Frauen anzuvertrauen Will man die Ausbildung und Unterweisung unserer Jugend im nationalen Geiste durchführen, so wird man nicht umhin können, die Verantwortung dafür einer Frau zu überlassen. Ebenso wird gerade eine jüdische Frau sich besonders dafür einsetzen, daß die unter ihrer Leitung stehenden Fürsorgeeinrichtungen wirklich allen Anforderungen gerecht werden. Es bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß auch die so wichtige Pflege des Sabbaths wie auch die HochhaJtung aller übrigen Feiertage gerade seitens der jüdischen Frau gefordert und auch am besten durchgefühirt wird. Erfordernis der Zeit ist es daher, alles, was mit den Pflichtenkreisen der Frau zusammenhängt, so also Erziehung, Fürsorge und Mildtätigkeit, in Frauenhände zu legen. Vermag doch niemand so in die Tiefen der menschlichen Seele einzudringen, mit so großem Verständnis, su warmem Empfinden Not und Elend zu lindern wie eine Frau. Niemand Einsichtiger wird sich der Erkenntnis verschließen, daß eine solche Anteilnahme der Frau am öffentlichen Leben innerhalb der Gemeinde nur von Vorteilen sein kann. Um so verständlicher mag es erscheinen, wenn die jüdische Frauenwelt von heute von sich aus immer lauter die Forderung erhebt, gehört zu werden und ihren Teil an der Leitung der Kultusgemeinde zu erhalten. Der Augenblick, der die jüdische Frau ruft, mitzuentscheiden, wie sich das Schicksal ihrer Gemeinde in der Reiset mit uns nach Palästina! Unsere beiden Gesellschaftsreisen am 25. Oktober (Führung: Ing. J. Ornstein) und am 8. November (Führung: Dr. Nathan Honig) waren komplett, kein Schiffsplatz blieb unbesetzt. Für die nächsten Reisen sind uns die besten 2- und 4-Bettkablnen auf den großen, 8500-t-Dampfern «Italia» und «Brasile» reserviert. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben. Melden Sie sich daher möglichst bald als Reiseteilnehmer an! Unsere Reisen werden auch iin Hinkunft von der «Pag» r. G. m. b. H. organisiert — dies bedeutet für Sie: Durchführung aller notwendigen Vorarbeiten, beste Unterbringung aut Bahn, Schiff und in Palästina, sachkundige Führung im Lande, aber auch: Anbahnung wirtschaftlicher Verbindungen in Palästina, Studium geschäftlicher Möglichkeiten und Prüfung der Frage: «Kann Ich mir in Palästina eine Existenz schaffen?» Reisen Sie mit uns — Sie werden zufrieden sein! Sie reisen mit uns bequem und — billig! Die nächsten Reisetermine: 13. Dezember 193 2. 21. Februar 1933 (Purim in Palästina), 28. März 1933 (Pessach in Palästina). Im Juli 1933 wird überdies eine besonders ermäßigte Reise für Jugendliche (Studenten; arrangiert! Dauer: Wien—Wien 4 Wochen, inil anschließender Aegyptenreise 5 Wochen, eventuell länger. Die Zahl der schon jetzt vargemerkten Interessenten für diese Reise ist groß — die der reservierten Plätze beschränkt; daher müssen Sie sich jetzt einen Platz sichern 1 Anmeldungen in der Verwaltung der «Stimme». nächsten Zukunft gestalten soll, ist jetzt gekommen. Es wird nicht zuletzt an ihr liegen, als der berufensten Hüterin der jüdischen Tradition, als der Stütze und Trägerin nationaler Ideen dafür zu sorgen, das diese Entscheidung so ausfällt, daß die Kultusgemeinde zur wirklichen Volksgemein- Beh. konz. Realbüro ING. N. MUHLBAUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 schaff wird. Wie stets in der Geschichte ihres Volkes wird auch dieser Moment die jüdische Frau gewappnet und bereit finden. Erbauliches von dev Rguddh Die «Jüdische Presse», die sich als «Organ» für die Interessen des orthodoxen Judentums bezeichnet, in Wirklichkeit aber das Leibblatt der Trennungsorthodoxie und der Agudah ist, hat ln ihrer vorletzten Nummer den Führern der Wiener Orthodoxie ihr Schweigen zu der Frage der Stellungnahme zu den Wiener Kultuswahlen zum Vorwurf gemacht. Nun haben sich die Führer beeilt, und «während noch die vorwöchige Ausgabe der „Jüdischen Presse” im Druck war, haben Agudah und Adass Jisroel-Schiffschul ihre Stellungnahme in der Richtung festgelegt», daß diese zwei orthodoxen jüdischen Körperschaften beschlossen haben, keine Kandidaten für die Wahl in die Kultusgemeinde aufzus t e 11 en. Ein Beschluß, der wohl als der vernünftigste bezeichnet werden kann, der von dieser Partei in den letzten Jahren gefaßt wurde. Anschließend an die .Veröffentlichung dieser offiziellen Erklärungen bringt nun die «Jüdische Presse» eine Reihe von Aeußerungen bisheriger agudistischer Kulturvorsteher. Alle, alle, die da in der «Jüdischen Presse» zu Worte kommen, stimmen eine wahre Jeregcfcttin’s familicn-pension . Hatiimii täglich 5-Uhr-lee SEMMERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhanfc Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U-27-6-24 miade an über ihre, ach, nun endgültig verlorenen Kultusvorstehermandate. Und mit Schmerz stellen alle resigniert fest, daß ihre nunmehrige zwölfjährige Tätigkeit in der Wiener Kultusstube, bei allem Entgegenkommen und Verständnis für ihre Interessen seitens der ihnen nahestehenden Gruppe — will sagen, trotz des Wahlbündnisses mit der Union — die Position des orthodoxen Judentums nicht um ein Jota gebessert habe. Das heißt: Da die Postulate dieser orthodoxen Gruppen nach Schaffung einer Trennungsgemeinde nicht erfüllt werden konnten, sehen sie nun «keinen Zweck mehr in der Belassung ihrer Vertreter im Vorstande der Kultusgemeinde». Der Verzicht auf jede Kandidatur wird mit diesem und jenem erlittenen Fiasko begründet. So weit, so gut! Was aber nun die von der Agudah als einer nichtwahlwerbenden Partei bezogene Stellung zu den Kultuswahlen betrifft, so sind manche Erklärungen dieser Herren von der Pfarr- bis zur Schiffgasse von solch unglaublicher Demagogie, die man selbst dieser Partei nicht zugetraut hätte. Wie immer schießt Herr Wolf Pappenheim den Vogel ab. Sein Haß gegen den Zionismus ist jedenfalls größer als seine Liebe zur Orthodoxie. Denn nur aus einer unergründlichen Haßquelle können solche Worte hervorströmen, solche Schlüsse gezogen werden. Nachdem auch er auf die schmerzliche Tatsache hinwies, daß in den letzten zwölf Jahren die Position der von ihm geführten Austrittsfraktion (Trennungsorthodoxie) sich um nichts gebessert habe, zieht er die Konsequenzen, indem er seine Gruppe in die Position von vor 1920 zurückführt. Bevor dies jedoch der Fall ist, erinnert er sich an sein Programm, durch welches er als Bundesgenosse der Union in den Kultusvorstand vor zwölf Jahren eingezogen war, und ruft aus: «Da leider die Nationalen die Volksgemeindeanstreben, inderdasReligiöse kaum entsprechende Pflege finden kann, werden bewußte, orthodoxe Juden (von uns gesperrt — Red.) a n t i n a t i o n a 1 stimmen können.» Also tritt der Agudahführer, der G—tt nicht voll auszusprechen wagt, für jene Partei ein, die weltanschaulich gegen jedes religiöse Regen und Streben eingestellt i s t, tritt der hundertprozentig orthodoxes Judentum repräsentieren wollende Agudahführer für die Entsendung von Männern in den Wiener KultusvoFStand ein, die notorisch einer antireligiösen Partei angehören. «Es müsste Sturm gelaufen werden gegen die Nationalen, da in ihrer angestrebten Volksgemeinde das Religiöse keine entsprechende Pflege finden kann.» Dafür bietet wohl nur die Partei der werktätigen Juden, die bei Wählerversammlungen andersgesinnte Juden durch .lichtjüdische Schutzbündler an die Luft setzen läßt, dafür bietet die bisherige religiöse Betätigung des ehemaligen Kommunisten, des Sekretär Leo Rath, und die Union, der Bundesgenosse der Agudah von gestern, feste Gewähr. Dieselbe Union, die sich so warm durch einen ihrer Exponenten für das fortschrittliche religiöse Judentum in Wien und für den Sonntagsgottesdienst mit Schallplatten, ohne Hutbedeckung und Damenchor in jüngster Zeit eingesetzt hat. Diese Parteien erscheinen wohl den Männern, die eine Spaltung der Gemeinde als ihr Lebensziel betrachten, am ehesten berufen, für die entsprechende Pflege des Religiösen in der jüdischen Gemeinde zu sorgen. In einem Punkt ist der Wunsch der Trennungsorthodoxie verständlich. Haben die werktätigen Juden mit der nach religiöser Reformation sich so sehnenden Union wirklich eine entscheidende Position in der jüdischen Gemeinde errungen, dann können die Anhänger der Trennungsorthodoxie sich nahe ihrem Ziele, der Erfüllung der Trennungsgemeinde sehen. Dieses warme Eintreten für eine Partei, deren Programm den Prinzipien des wahren gesetzestreuen Wiener Judentums Hohn spricht, ist bei der politischen Haltung der Agudah, die ihre Stimmen bei den vorletzten Parlamentswahlen der antisemitischen und antimarxistischen Einheitsliste gegeben hat, nicht weiter verwunderlich. Aber das wirklich orthodoxe Judentum wird sich nicht auf diesen Irrweg führen lassen. Das weiß, wo sein richtiger Platz ist. Die gesetzestreuen Juden und die Kultuswahlen Vom Verband der Sabbatfreunde «Sohomre Schabbos» erhalten wir eine Zuschrift, die einen Aufruf an die gesetzestreue Judenschaft enthält, bei den künftigen Kultuswahlen alle wahlwerbenden Parteien auf die Not der sabbaterhaltenden Judenschaft aufmerksam zu machen und sie zu einer besonderen Berücksichtigung dieser Not und des schweren Existenzkampfes, den die strenggläubigen Juden zu führen haben, zu veranlassen. Der Aufruf schließt mit dem Appell an die Parteien, den Kultusvorstand zur tatkräftigsten Unterstützung der Bestrebungen auf Erreichung einer Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Schulbesuch an Sabbaten und jüdischen Feiertagen zu veranlassen. * Wir geben dieser Veröffentlichung um so lieber Raum, als es gerade die zionistischen Mandatare sind, die sich diese Forderungen der gesetzestreuen Juden längst zu eigen gemacht und diese Forderungen längst Gemeingut der wahlwerbenden «Zionistischen Liste» geworden sind. Die Red. Bei der Israelitischen Kultusgemeinde Klagenfurt kommt die Stelle eines Rabbiners zur Neubesetzung. Zur Anstellung ist erforderlich: Nachweis def österreichischen Staatsbürgerschaft, Berechtigung zur Erteilung des öffentlichen Religionsunterrichtes an Volks- und Mittelschulen, Nachweis der mit Erfolg absolvierten seminaristischen Vorbildung, Eignung zum Prediger und Vorbeter. — Bewerber, die Kaboles für Groß- und Klein-Schechita haben und ln ähnlicher Stellung bereits tätig waren, werden bevorzugt Offerte, denen alle erforderlichen Belege, Zeugnisse und Lichtbild anzuschließen sind, sind bis 15. Dezember 1932 an die Israelitische Kultusgerneinde Klagenfurt, zu Händen des Herrn Präses Nathan Kriegsfeld, Klagenfurt, einzureichen. 1325

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