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Die Stimme · 1932-11-10 · Heft 253 (10.11.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 253 (10.11.1932)
Date
1932-11-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 i isr. 2o3 — 1U. November HM2 Die Siiuatlon der deuischen Juden nach dem 6. November Der Pressedienst des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veröffentlicht nach den Wahlen zum Reichstag am 6. November eine Mitteilung, der zu entnehmen ist. daß der Vorabend des Wahltages mit einem grellen antisemitischen Schlußakkord geendet hat. Als die N. S. D. A. P, merkte, daß die Skepsis in ihren alten Wählerschichten gegenüber der Partei stark geworden sei, versuchte sie noch einmal, alle Zweifler, alle Schwankenden durch die alte Rattenfängermelodie des Judenhasses wieder hinter die Parteifahne zu bringen. Riesenplakate in allen Farben schrieen von den Anschlagsäulen herab: Papen ver- Judet! Stahlhelm verjudetl Der Zentralverein Eintreiber der Juden zur Stimmabgabe für die Deutschnationale Volkspartei! ln Massenauflagen trugen Sonderzeltungen. Flugblätter, Flugzettel die antisemitische Verhetzung durch Straßen- und Hauspropaganda In Millionen Familien. Dann, jäh abbrechend, die Stille des Wahltages, und nun — das Ergebnis: ein starker Einbruch ln die nationalsozialistische Phalanx. Nach Jahren unaufhörlichen Anstiegs mehr als nur ein Stillstand: eine Niederlage. Eine Schlacht gegen den Nationalsozialismus ist gewonnen, aber der Sieg gegen ihn ist noch nicht errungen. Der Stimmenrückgang der Nationalsozialisten, heißt es ln der Mitteilung weiter, beweist, daß eine große Zahl von Menschen, die unter Verleugnung Ihrer sozialen Herkunft und politischen Gesinnung zum Nationalsozialismus gekommen waren, kritisch und hellhörig geworden ist. Diese Entwicklung wird mit dem 6, November keineswegs abgeschlossen sein. Die Menschen, deren Widerspruch sich an dem Mißverhältnis von Versprechen und Verwirklichung Im Nationalsozialismus entzündet haben mag, sind von der unausgesetzten antisemitischen Verhetzung, der sie zur Vernebelung ihres Bewußtseins und zur Einschläferung ihres kritischen Geistes ausgesetzt waren, nicht beeinflußt geblieben. Sie stellen einen starken Gefahrenherd für alle Gruppen dar, in die sie sich jetzt eingliedern. Mit welcher Mehrheit das Kabinett auch gebildet werden wird, an dem politischen Kurs der gegenwärtigen Regierung dürfte sich nach der Zusammensetzung des neuen Reichstages kaum etwas ändern. Für die deutschen Juden ist deshalb die allgemein Im Tempel Emanu-El zu New York wurde in diesen Tagen die Jahresversammlung der Palestine Economic Corporation abgehalten. Die Corporation tntstand 1926 durch Zusammenlegung der Palästina- Werte des Joint Distribution Committee und der Palestine Cooperatlve Company. Den Vorsitz auf der Jahresversammlung führte der Ehrenpräsident der Palestine Economic Corporation, Felix M. Warburg, der u. a. ausführte: In einer Zeit, in der Industrie-Standard und Arbeitslage in fast allen Ländern sich verschlechtert haben, ist Palästina in der Lage, vorwärts und aufwärts zu schreiten. Diese erstaunliche Tatsache kann nur auf die sorgfältige Auswahl der Menschen und die Wachheit unseres Volkes zurückgeführt werden. Und nicht allein durch die Leistungen, sondern auch durch die Art, wie die Leistungen zustande kommen, durch den Standard, den wir aufgestellt haben, haben wir uns die Achtung der Außenwelt und das Vertrauen jener, die Geld ln Palästina investiert haben, errungen. Ungeachtet der Verschiedenheit in Rasse und Glauben *CHULE FÜR KÖRPER BILDUNG IPUDiE MEIN Diplomierte Gymnastiklehrerin der Schute Hellerau, VI., Theobaldgasse 19 (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 Gymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herfen Kuretage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Ein/Hshmden in den verschiedenen B'v’r'-en. Gutschein. Dieser üuischein berechtigt tür eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. politische Situation unverändert. Eines kann aber unter staatspolltischen Gesichtspunkten auch an dieser Steile gesagt werden: Die Regierung der Autorität erhält ihre Autorität nur, wenn sie gegen alle die Autorität untergrabenden Vorgänge gleichmäßig stark bleibt. Das Judentum kann deswegen erwarten, daß alle gegen die Existenz, Leben, Ehre, Eigentum des einzelnen Juden gerichteten Tendenzen an Ordnungsmaßnahmen der Regierung ihre Schranken finden werden. Das Kabinett, dessen Führung so oft zum Ausdruck brachte, daß es sich in seinen Maßnahmen auf den unterbewußten Willen des Volkes stütze, kann diesmal sogar in seinem Verhalten gegenüber dem Judenhaß sich auf die tatsächlichen Ergebnisse des Wahlkampfes stützen; denn es gibt auch auf weitestgehender Mandatsarithmetik keine Mehrheit von Gruppen und Parteien, die den Antisemitismus, die staatsbürgerliche Entrechtung der deutschen Juden auf ihre Fahne geschrieben hätten. Für die deutschen Juden ergeben sich aus dieser Entwicklung wichtige Erkenntnisse. Die Aufklärungsarbeit muß an den Grundlagen festhaiten, die da lauten: der Anspruch des deutschen Judentums auf Gleichberechtigung, Gleichbewertung und Olelchachtung ist unabhängig von Parteikonstellationen, unabhängig von Regierungsprogrammen. Nur eine solche, nach diesen unzerstörbaren Grundrechten sich richtende Arbeit wird die Zeit überdauern, in der sie geschieht, und wird damit auch das deutsche Judentum die Zeiten überdauern lassen, in denen eine aufgewühlte Umwelt und eine wirtschaftliche Krise von unerhörtem Ausmaße gefährdende und verhängnisvolle Wirkungen gegen uns wachrufen. Achfvna I PRIMA RINDFLEISCH aus eigener Schlachtung, jede Sorte per kg nur S 2-40 ne-1 jtqk pinatwi nnn Biummann (Prater) 11., moiRereisir. 4. Tel. r 40-7-bi steht heute dieses kleine Land Palästina auf eigenen Füßen. Ich zweifle nicht, daß beim Fortschreiten dieser Entwicklung sich die Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung günstig gestalten werden und daß der aufrichtige Wunsch unseres Volkes, eine Zusammenarbeit mit der in der gleichen Richtung arbeitenden arabischen Bevölkerung zu erreichen, erfüllt werden wird. Ich verweise Insbesondere auf die gemeinsamen Anstrengungen, bessere Absatzverhältnisse für Urangen zu schaffen. In diesem Zusammenhänge spreche ich das Bedauern darüber aus, daß unser palästinensisches Obst wegen einer angeblich gefährlichen Obstkrankheit nicht nach den Vereinigten Staaten gebracht werden darf. Ich gestehe gern, daß ich hier aus eigenem Interesse spreche, denn meine, in einem Orangenhain ln Palästina gemachte Investierung ist vom finanziellen Standpunkt höchst befriedigend. Ich habe in Palästina wirkliche Profite erzielt, die günstiger sind als bei vielen meiner Investierungen ln Amerika. Warburg schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß Palästina-Orangen bald nach Amerika eingeführt werden würden. Der Geschäftsbericht Berroard Ftexner, der Vorsitzende des Ratet, auf deseen Initiative die Corporation gebildet wurde, führt« ungefähr aus: Die Corporation hat die in ihrem Prospekt vom Jahre 1926 gemachte Voraussage verwirklicht: Sie hat nicht allein ihr ursprüngliches Kapital Intakt erhalten, sondern auch das später investierte Kapital ist erhalten geblieben, ja sogar ein Ueberschuß konnte erzielt werden. Die Geschichte unserer Tätigkeit In den ersten sechs Jahren unseres Bestehens wird in ihrem Ergebnisse erst erzählt werden können, wenn mehrere unserer Investierungen in größeren Industrieprojekten Palästinas, die noch nicht voll entwickelt sind, beginnen werden, Profit abzuwerfen. Ich verweise auf unsere Investierungen im King David-Hotel, in der Palestine Potash Ltd, und im Bodenbesitz an der Haifabucht. Das Kapital der Gesellschaft hat sich von 763 000 Dollar bei der Gründung auf fast 3 Millionen Dollar erhöht; der Uebersrbuß beträgt 90.000 Dollar, die Gesamtreserve beläuft skttt auf über 2 Millionen Dollar. Die Gesellschaft hat keilte Schulden Flexner wies als Beispiel des wirtschaftlichen Fortschrittes in Palästina darauf hin, daß in der letzten Orangen- »alson 3,452.000 Kisten Orangen im W ert von 1,639 000 Pfund (gegen 2,857.000 Kisten Orangen im Werte von 857.000 Pfund im Jahre 1930) verschifft wurden. Die Palestine Potash Ltd-"Verfügt über ein Aktienkapital von 323.000 Pfund. Er, Flexner, und Felix M. Warburg. die größten Aktionäre der Palestine Potash Ltd., sind im Board vertreten. Flexner äußerte sich anerkennend über di« Leitung der Potash-Oeseilschaft durch Nuvomeyski und erwähnte, daß die Gesellschaft einen großen Teil der Bedürfnisse Großbritanniens an Brenn deckt und Schiffsladungen in Kali nach den Vereinigten Staaten und nach verschiedenen anderen Ländern verschifft. Julius Sinion, der Präsident der Palestine Economic Corporation (der sich sofort nach der Tagung zu seinem alljährlichen Besuch nach Palästina begab), erklärte es als das Ziel der Corporation, «die wirtschaftlichen Grundlagen jüdischer Siedlung in Palästina zu stärken». Das wichtigste Unternehmen ist die Citrus-Industrie. Die Verpackung»- und Absatzmethoden wurden verbessert. Zusammen mit der PICA wurde da« Bewässerungssystem vervollkommnet. Nicht weniger wichtig ist che'Ausbeute der wertvollen Mineralien des Toten Meeres. Die Corporation hat sich deswegen an der Palestine Potash Ltd. beteiligt. Im Hinblick darauf, daß Halte als das zukünftige Industriezentrum Palästinas anzuaprechen ist, hat die Gesellschaft 5000 Dutiam des wertvollsten Bodens an der Haitabucht für industrielle Entwicklung in Reserve genommen. Der wirtschaftlich schwächere Teil der jüdischen Bevölkerung wird durch Kredite gestützt. Die Gesellschaft beteiligte sich an der Efrtchtmi'g der Central Bank of Cooperatlve Institution« und an den Kreditoperationen der Palestine Mortgage and Credit Bank Ltd. Wir haben uns mit dem Problem befaßt, wre der landwirtschaftliche zu einem Kleinpächter gemacht werden kann; wir haben auch hierin Erfolge erzielt. Bnumucl Mohl, früher New York, jetzt geschäftsführender Direktor der drei Tochterinstitutionen der Corporation, Palestine Mortgage and Credit Bank Ltd., Bayside Land Corporation Ltd. und Loan Bank Ltd., führte aus: Hauptziel der Corporation ln ihrem Kreditsystem sei es, jenen Einzelpersonen zu helfen, die ihre im Auöiande erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen ln KieInindustrien in Palästina verwerten. Von Anfang an waren gewöhnliche kommerzielle Diskontkredite aus dem Operationsgebiet der Gesellschaft ausgeschlossen, Anleihen wurden nur gewährt, wo erhöhte Produktion und infolgedessen erhöhte Beschäftigung von Arbeitern erwartet werden konnten. Die Höhe der Darlehen bewegten -sich zwischen 50 und 500 Pfund, das Durctischnlttsdatlehen war 203 Pfund. Die Rückzahlungsfrlst bewegte sich zwischen neun Monaten und 3% Jahren, die Durchschnittsffist war 2% Jahre. Di« Zinsen >'n Höhe von 8 Prozent wurden gleichzeitig mit den Ratenrüokzahlungen entrichtet. Mohl berichtete auch über Darlehen an landwirtschaftliche Arbeiter, Errichtung von Arbeitervorstädten an der Halfabucht und anderes mehr. Harry Viteles, früher in Philadelphia, jetzt Generaldirektor der Central Bank of Cooperative Institutions in Palästina, berichtete über die Tätigkeit der von ihm verwalteten Institution. Die noch 1922 geäußerte Befürchtung, daß sich bei dem Absatz der Produkte der jüdischen Kolonisten Schwierigkeiten ergeben könnten, hat sich als grundlos erwiesen. Die Milchproduktion hat »ich um 4,500.000 Quart (1 Quart 1.136 Liter) erhöht, die Einfuhr von Eiern nach Palästina hat sich von 20 Millionen auf weniger als 7 Millionen verringert. Man hofft, daß Palästina in diesem Herbst Eier nach Europa wird transportieren können. Der Grapefruitexport hat sich von 5000 Kisten vor settos Jahren auf 150.000 Kisten in der vergangenen Saison erhöht. Man hofft, daß die Jewiah Agency-Siedlungen im Nurisdistriikt im Jordantal in der Lage sein werden, Ihre Grapefruit auf europäische Märkte einen Monat früher, als die Grapefruit aus anderen Ländern eintrifft, zu bringen. Mehr als 50 Prozent der von der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas konsumierten. Gemüsemenge werden von den jüdischen Kolonisten im Lande produziert. Exportversuche in Kartoffeln und Tomaten nach England und Frankreich erwiesen sich als erfolgreich. Frisches Gemüse ist jetzt das ganze Jahr hindurch erhältlich. Erdbeeren gibt es während fünf Monaten im Jahre. Qualität und Größe der ins Ausland verschifften Bananen stehen hinter denen der kanarischen Inseln und Westindiens nicht zurück. Die Central Bank gewährt« Anleihen ln Höhe von 900.000 Dollar im vergangenen Jahre (gegen 150.000 Im Geschäftsjahr 1922/ 1923) an verschiedene kooperative Unternehmungen. Von den im letzten Jahrzehnt gewährten Darlehen in der Gesamthöhe von 6 Millionen [>oflar gingen 4 Millionen an die Landwirtschaft, 90 Prozent der im abgelaufenen Geschäftsjahr abgegebenen Kredite wurden bar rückgezahlt. Außer diesen kurzfristigen Darlehen gewährte die Central Bank langfristig« Darlehen in Höhe von 775.000 Dollar. Die Zinssätze dieser Bank sind immer noch die niedrigsten in Palästina. — Viteles schloß mit einer Darstellung des Standes der kooperativen Bewegung in Palästina, High Commissioner Sir Arthur Wauchope int Kreise der zionistischen Führer in London Der gegenwärtig In London weilende High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, der sich demnächst zu den Palästina-Verhandlungen der Mandatskommission des Völkerbundes nach Oenf begibt, war am 27. Oktober abends Ehrengast des Palästina-Klubs bei einem Intimen Diner, das von Norman ßentwich, früherem Jusfizchefsekretär der Palästina-Regierung und jetzigem Inhaber des Weizmann-Lehrstuhles an der Jerusalemer Universität, geleitet wurde. Der frühere Präsident der Jewisli Agency, Dr. Chaim Weizmann, hielt an den Ehrengast eine Ansprache, in der er die grauenvolle Not des jüdischen Volkes in der Diaspora schilderte und darauf hinwies, daß die einzige Hoffnung dieses gequälten Volkes Palästina sei. Nach Weizmann sprachen in dem gleichen Sinne Lord Melchett und der jetzige Präsident der Jewish Agency, Nahum Sokoiow. Dem Diner wohnten Sir Herbert Samuel, Robert Wa!ev-Co'’en, Sir Philip Hartog und andere bekannte Persönlichkeiten bei. In seiner Antwortredc erklärte High Commissioner Sir An.iur Wauchope, er habe während seiner bisherigen Amtszeit In Palästina die Palästina-Bevölkerung lieben gelernt. Voranzeige! Samstag, den 19. November, Nachtvorstellung ln Schäffers Tonkino, VI., Mariahilferstraße 37. Beginn II Uhr nachts. Zur Aufführung gelangt «Dreyfus». Der Qesamteriös fließt dem Wahlfonds der «Zionistischen Liste» zu. Palästina sieht auf eigenen Füßen Ansorarhe von Felix M. Warburg auf der Jahresversammlung der Palest ne economic Corporation in New York

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