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Die Stimme · 1932-10-27 · Heft 251 (27.10.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 251 (27.10.1932)
Date
1932-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 0 DIE STIMME Nr. 251 — 27. Oktober 103t Dio .Stimme4 über alles Das jüdische Museum In Worms Worms am Rhein ist nicht nur die Nibelungen-, Domtmd Luther-Stadt, es birgt in seinen Mauern auch den ältesten israelitischen Friedhof Deutschlands und ehrwürdige, 000jährige Synagoge, das älteste jüdische Gotteshaus auf deutschem Boden. Vor dem gotischen Frauenbau der Synagoge wurde um 1625 eine Vorhalle erbaut, in deren Obergeschoß der Ratssaal der jüdischen Gemeinde eingerichtet wurde. Dieser altertümliche Ratssaal hat die kunst- und kulturgeschichtlich wertvollen Sammlungen der jüdischen Gemeinde, die von J. Kiefer neu geordnet wurden, angenommen. Es ist die Eigenart dieses Museums, daß alle Gegenstände zur Wormser Jugendgemeinde irgendwelche Beziehungen haben oder aus ihrer Mitte hervorgegangen sind. Zur Geschichte der Juden am Rhein bietet die Sammlung sehr viel wertvolles Material. Glanzstücke des Museums sind die beiden Machsorim (Gebetbücher von 1272) mit den ganzseitigen romantischen Miniaturmalereien. Kostbare Zeugen jüdischer Buchmalerei sind die Thorarollen aus sechts Jahrhunderten. Thoravorhänge aus der Zeit um 1700 — herrliche Erzeugnisse rheinischer Textilfabrikntion — zeigen auf dunklem Samtgrund kostbare Stickereien in Gold und Silber. Die reiche Sammlung kultischen Silbergeräts zeigt, daß auch im einstigen Ghetto künstlerische Tradition eine Pflegestätte hatte. * Jüdische Funde aus der Römerzeit In Transylvanlen Im Aufträge der Universität Cluj hat Prof. Daicovici in dem Gebiete, wo seinerzeit die Hauptstadt der römischen Provinz Dacia in Siebenbürgen stand, Ausgrabungen gemacht. Diese Ausgrabungen, deren Resultate gegenwärtig in wissenschaftlicher Bearbeitung sind und demnächst veröffentlicht werden, haben eine ganze Reihe besonders interessanter Resultate zutage gefördert. Unter anderem hat Professor Daicovici zwei Votivtafeln mit griechischen Inschriften gefunden, welche von damaligen römischen Beamten gewidmet wurden. Diese beiden Inschriften rühren von jüdischen Beamten der damaligen römischen Verwaltung her. Die Veröffentlichung dieser Inschriften wird in Kurzem erfolgen. Sie sind deutliche Beweise, daß in der römischen Provinz Dacien schon damals jüdische Beamte angesiedelt waren. Es ist besonders pikant, darauf hinzuweisen, daß die heutige herrschende Bevölkerung sich einerseits auf ihren römischen Ursprung beruft, anderseits aber jüdische Beamte ausräuchert, die im alten Rom zulässig gewesen sind. # Ein anderes wichtiges Buch ist «Jüdische Flieger im Weltkriege» von Dr. Felix A. Theilhaber, einem Mitglied des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Nicht weniger als 168 jüdische Flieger kämpften während des Weltkrieges in der Deutschen Armee, 30 von ihnen starben den Heldentod. Theilliabers Buch ist ein erschütterndes Dokument und widerlegt die Lüge von der «jüdischen Feigheit». In Wien würde kürzlich der «Bund jüdischer Frontsoldaten» gegründet. Wir empfehlen seiner Leitung, so wie dem «Reichsound jüdischer Frontsoldaten» alle erreichbaren Daten über jüdische Soldaten, die auf österreichischer Seite gekämpft haben, zu sammeln und zu veröffentlichen. Das wäre eine verdienstvolle Tat. Unser bester Freund und Bundesbruder Artur Glogau ist uns für immer entrissen worden. Fassungslos, tieftrauernd geben wir allen unseren Freunden Nachricht hievon. Z. G. V. Hasmonäa-Brünn HABONEH-Wlen Z. G. V. Jordania-Wien Kartell zionistischer technischer Verbindungen Bielitz-Brünn-Wien Von der hebräischen Universität Sassoon-David-Lehrstuhl für Kunst und Archäologie des Nahen Ostens an der hebräischen Universität Jerusalem. Das Kuratorium der Hebräischen Universität hat auf seiner Mitte August abgehaltenen Tagung auf Vorschlag üjs Akademischen Rates der Universität das Angebot von Sir Percival David, der die Baronie Englands und Indiens besitzt, an der Hebräischen Universität in Jerusalem einen Lehrstuhl für Kunst und Archäologie des Nahen Ostens für eine Zeitdauer von acht Jahren zu errichten, angenommen. Durch die Errichtung dieses Lehrstuhls, der den Namen von Sir Sassoon David, dem verstorbenen Vater des Stifters &ir Percival David, führen wird, wird an dem Institut für orientalische Studien der Hebräischen Universität die erste Dauerprofessur geschaffen. Aufgabe des neuen Lehrstuhls wird Erforschung und Lehre der Kunst und Archäologie des Nahen Ostens mit besonderer Berücksichtigung der moslemitischen Periode sein. Palästina und die ihm benachbarten Länder werden im Mittelpunkt dieser Sludien stehen. Sir Sassoon David, zu dessen Andenken der Lehrstuhl errichtet wird, war MitgFed jener großen, verwandtschaftlich untereinander verbundenen Familien David, Sassoon und Ezra, die in der Wirtschaft Bengaiiens und anderer Teile Indiens sovrie Ch:nas eine so große Rolle gespielt haben. Er wurde 1819 in Bombay als Sohn des führenden Mitgliedes der jüdischen Gemeinde, J. David, geboren. Er verbrachte mehrere Jahre in China als Leiter des China-Zweiges der Firma E. D. Sassoon & Co. 1885 gründete er seine eigene Firma und wurde der führende Baumwollgarnhändler von Bombay. 1905 war er Scheriff von Bombay, 1909 Mitglied des Rates des Vizekönigs von Indien, me-hrere Jahre war er i Bevollmächtigter der Regierung in der Stadtverwaltung von I Bombay, 1921 und 1922 war er Präsident der Stadtverwaltung. Er starb 1926 im Alter von 77 Jahren. Der Stifter des Lehrstuhls, Sir Percival Victor David, wurde 1892 geboren und übernahm im Jahre 1926 die Geschäfte seines Vaters. Sir Percivai David hat sich hohe Verdienste um Kunst und Wissenschaft erworben. Er unterstützte Ausgrabungsexpeditionen in Irak, Palästina und Korea. Als Ehrenmitglied des Pekinger Nationalmuoeunis hat er viele chinesische Kunstschätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. An der Londoner Universität hat er eine Dozentur für chinesisches Kunstwissen und Archäologie ins Leben gerufen. Das Kuratorium der Universität hat zum Inhaber des Lehrstuhls Dr. E. A. Mayer ernannt, der die Berufung annahm und Anfang Jänner 1933 die Verwaltung der Lehrkanzel übernehmen wird. Dr. A. L. Mayer war früher Bibliothekar am Orientalischen Institut der Wiener Universität und später der Berliner Staatsbibliothek. Seit 1921 wirkt er im Altertumsressort der palästinensischen Regierung und ist gleichzeitig Dozent für islamische Archäologie und Kunst an der Universität. Er hat zahlreiche Arbeiten über die alte Geschichte Palästinas und Uebersetzungen orientalischer Texte veröffentlicht. Auch liegen von ihm Arbeiten über die Ausgrabung der Dritten Mauer von Jerusalem vor. Als Präsident der Palestinc Oriental Society veranstaltete er vor einigen Jahren die erste Ausstellung islamischer Heraldik in lerusalem. Seit 1930 ist er korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. Er ist auch Ehrenmitglied des Internationalen Kuratoriums der American Heraidry Society. Abt Uebernahme des Lehrstuhls scheidet er aus den Diensten der Palästina-Regierung aus. Sir Herbert Samuel über Palästina Ein Vorwort %u einem Palästina-Buch t London. Sir Herbert Samuel, dessen Persönlichkeit hn Zusammenhang mit der Niederlegung des Postens als Innenminister der naFonaien Regierung durch ihn im Mittelpunkt der politischen Erörterungen in der Welt stand, hat zu einem Buch von M. J. Landa, «Palästina, wie es ist», ein Vorwort geschrieben, in welchem er Palästina «eines der faszinierendsten Länder» nennt und dann ungefähr ausführt: Seihst in der rapid sich entwickelnden Welt von heute gibt es kein Land, das in so kurzer Zeit so fundamentale Aenderungen durchgemacht hat und so ausgeprägt den Stempel des Ueberganges trägt, wie Palästina. Es gibt kein Land, das so voll ist von Vergangenheit und Zukunft, zwischen denen die Gegenwart nichts als Bindeglied ist: bewußtes Streben, Vergangenes neu zu beleben und Künftiges zu planen und zu bauen. So ist Palästina voll von schule für Körperbildung mmi mim Diplomierte Gymnastikiehrerin der Schule Hellerati, VI., Theobaidgasse 19 (Ecke Mariahilferstraße 27, Mezzanin), Telephon A 39-3-45 ilymnastik, Rhythmische Gymnastik, Tanz (Akrobatik Ballett) Kurse für Kinder, Damen und Herren Kurstage: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 21 Uhr. An den anderen Tagen: Kurse und Einzelstunden jn den verschvdenen Bv/rken. (iuiscnem. uieser Uuiscnei» berechtigt für eine unverbindliche Probestunde nur Dienstag, Mittwoch und Freitag von 0 bis 21 Uhr, Problemen: wirtschaftlichen, politischen, rassischen und religiösen, die alle zur Lösung drängen. Das Land ist voll vorwärtsireibender Aktivität, weithin leuchtendem Enthusiasmus, aber auch heftiger Feindseligkeit. Was immer die Juden tun, sie tun es mit größerer Intensität als andere Menschen. D e außerordentliche jüdische Anstrengung im Nachkriegspalästina brachte Ergebnisse, denen gegenüber niemand gleichgültig sein kann. Unter dem Durcheinander und dem Zwist, die sich aus dem Zusammenstoß dieser Kräfte mit dem früheren Palästina ergeben, geht eine stetige, ruhige und fortwirkende Arbeit — landwirtschaftlich, industriell, intellektuell — vor sich, an der d'e Araber ebenso wie die Juden teilhaben, wobei über allem eine angestrengt arbeitende englische Verwaltung — ehrlich, wohlwollend, tätig, manchmal gehetzt, aber immer geduldig — präsidiert. Das Vorwort schl'eßt mit einer überaus anerkennenden Charakteristik der Arbeit Landas und einem sehr optimistischen Ausblick auf die Möglichkeiten Palästinas. Jiumoristisdke £cfze Gewähr Zu Rabbi Meier Simcho in Dwinsk kam eine Frau und wehklagte: «Mein Mann ist krank, die Aerzte sagen, er habe noch drei Tage zu leben.» — «Drei Tage,» gab der Rabbi zurück, «ein glücklicher Mensch; wer gibt mir die Gewähr, daß ich noch einen Tag zu leben habe?» Wohltätigkeit «Sind Sie nicht derselbe, der schon im vorigen Jahre zu den Jaun tatiwim zu mir kam und einen Franken erhielt?» — «Jawohl, mein Herr, aber den habe ich inzwischen verbraucht 1» GroBheischftauerai SIEGM. KORN MEHL Zentrale iX, Bergeasse l*>, lei. A lu, A 16*9-34 Lieferant -Ür Heilanstalten Abteilungen für i&'^-Fleiech unter Aufsicht des Ehrwürdigen tfaobinats der Israelitischen Kudusgemeinde Wien 4utaau«leiiunf) «onemo* iX, Berpgasse p XVH» WShrinverstraße iv Palästina Palästinensische Wirfschaffsnofizen Orangen-Export. In der abgelaufenen Saison 1931/32 wurden insgesamt 3,631 541 Kisten Orangen, um 1,16t 093 Kisten meh<r als im Vorjahre exportiert. An diesem Export waren beteiligt: Großbritannien (Unit. Kingdom) .... 70.5W Deutschland .18.0 Skandinav. Länder.3.7, Rumänien.2.8 „ Holland. 13„ Aegypten .0.1 „ Von den oben erwähnten exportierten Orangen stammten zirka 1,500 000 Kisten aus jüdischen Pardessim. Es waren folgende Kolonien hauptsächlich an der Produktion beteiligt: Petach-Tikwah mit. 700000 Kisten Reehoboth .. 200.030 „ Neß-Z;onah .. 240 000 „ Kischon Lezion . 82 000 „ Ramat Gan .. 52 000 „ Hederah .. 160.000 * Von dem Gesamtareal, das mit Citrusfrüchten bebaut ist und zirka 140 000 Dunam ausmacht, sind zirka 80000 Dunam in jüdischen Händen. Noch im Jahre 1926 waren nur 17.000 Dunam jüdischer Orangenboden. Neuerdings sollen ungefähr weitere 10.000 Dunam von Juden der Orangenbepflanzung zugeführt worden sein. Fischzucht. Sowohl in Haifa wie Jaffa und Tiberias wird eifrigst Fischerei betrieben. Palästina konsumiert zirka 3000 Tonnett Fische jährlich, doch kann die Inlandsproduktion nur ein Drittel des Bedarfes decken, während für nicht weniger alt LP 65.000 jährlich Fische und Fischprodukte importiert werden. Die Juden haben an diesem Erwerbszweig nur einen geringen Anteil, doch ist hier noch ein großes Betätigungsfeld. Orangenkistenfabrikation. Die Fabrikation von Orangenkisten nimmt stetig zu. Et wurden große Maschineninvestitionen gemacht und die Zahl der bei d.eser Arbeit Beschäftigten hat sich im letzten Jahr verdoppelt. Konfektionsindustrie. Die Anzahl der Wäsche- und Kleiderkonfektionsanstalten nimmt ständig zu. Es fehlt den Unternehmern an Betriebskapital. Lederindustrie. Die allgemeine Lage in diesem Erwerbszweig Ist zufriedenstellend. Im letzten Jahr haben sich zwei bemerkenswerte Fälle ergeben. Erstens wurde die «Keter», die im Jahrt 1930 ihren Betrieb gesperrt hatte, wieder eröffnet. Sie beschäftigt ständig 35 Arbeiter. Zweitens die Eröffnung der Verkaufsläden von «Bata». Die scharfe Konkurrenz, die von dieser Gesellscha t ausging, war eint ernste Bedrohung der heimischen Industrie. Nach einem erbitterten Kampf hat sich eine Situation ergeben, daß die heimischen Produzenten doch die allgemeine Sympathie der Bevölkerung eroberten und auch eine Steigerung des Einfuhrzolles hat die Situation der palästinensischen Produzenten gebessert. Der Export der im Lande erzeugten Leinenschuhe nach Syrien wair wegen der allgemeinen Depression etwas schwächer. Die Gerbindustrie, die einige Jahre sehr darnieder- Iag, hat sich im Jahre 1931 wieder belebt. Die besonders gute Qualität der inländischen Fabrikate war von großer Bedeutung. Sohlenleder, der hauptsächlichste Artikel, hat auch durch die Erhöhung des Einfuhrzolles an Rentabilität gewonnen. Ee wäre noch Betätigungsmöglichkeit für die Erzeugung von Oberleder besserer Qualität. Die Erzeugung von L e d e r t a s c h e n ist der gesuchteste Zweig in dieser Industrie. Die «Zetge»-Fabr;k, die bedeutendste Fabrik in Tel-Awiw, beschäftigt 36 Arbeiter und versorgt den heimischen Markt sowohl als auch den Export nach den Nachbarländern. Auch andere kleine Unternehmungen sind geschaffen worden, die sich mit der Herstellung von Koffern und Reiseartikeln beschäftigen. Der Zoll für das Rohmaterial wurde auf Wunsch der beteiligten Kreist jüngst von 60 auf 49 Mils pro Kilo reduziert. iSuf^orien Der Ausschluß der Revisionisten Wie uns unser Sofioter Berichterstatter mitleilt, ist <Ht von «Jewish Chronicle» gebrachte und von uns wieder gegebene Nachricht, daß Revisionisten wegen Unterstützung kommunistischer Gemeinderatskandidaten aus der Zionistischen Organisation ausgeschlossen worden seien, unrichtig» Der Ausschluß aus der Zionistischen Organisation erfolgte vielmehr wegen eines Disziplinhrtiches, begangen durch Aufstellung einer Gegenliste gegen die von der Zionistischen Organisation Bulgariens zum Kongreß der jüdischen Gemeinde! Bulgariens aufgestellte Liste. lltUlliIIIUlli UIIIDll^ Bestrenommierte Küche im neueröffneten Gassenlokal II.. Hammer Pumsiaiioasse 3. Tel. A 48-6-82

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