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Die Stimme · 1932-10-27 · Heft 251 (27.10.1932) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 251 (27.10.1932)
Date
1932-10-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. »töl — 2/. Oktober 1932 DIE STIMME Seite 9 neues Pessach. Wenn eine Person aus einem Dorf nach Palästina fährt, leben die anderen von der Gnade des Glückes des einen Ausersehenen und hoffen, daß auch auf die Zurückgebliebenen ein ähnlicher Glücksstrahl fallen wird. Auch im Westen, wo diese schreckliche Not vielleicht nicht so arg rst, ist ein neuer Geist über die jüdische Jugend gekommen. Es ist eine allgemeine Erscheinung unter jungen Juden, daß sie spontan alles über Bord werfen, was sie an die Galuth bindet, nach Palästina fahren und ein neues Leben beginnen. Wissenschaftler, Rechtsanwälte, Geschäftsleute, Arbeiter fühlen die große Nutzlosigkeit ihrer Arbeit in der Galuth, sie fühlen, daß in Palästina etwas Großes im Kommen ist: Eine Nation — ihre eigene Nation — die sich einen Ruhelatz nach neunzehn Jahrhunderten der erbannung und des Leidens sucht und ein Unter der schwersten Last der Nachkriegszeit keucht die Menschheit an den Leidensstationen ihres Weges vorbei, deren letzte noch lange nicht zu sehen ist. Am Ende des bürgerlichen Jahres macht sie eine Bilanz ihrer schwindenden Kraftreserven und der mageren Zukunftshoffnungen. Auf der Judenheit der Welt wuchtet aber außerdem noch die spezielle Judennot. Am Ende des jüdischen Jahres muß auf diese das forschende Auge gerichtet werden. Mit der Bilanz der vom auswärtigen Feind angerichteten Vernichtung muß aber auch eine Abrechnung nach innen erfolgen. Klarheit der Lage im Kriegsterrain muß geschaffen werden, damit aus der vernichtenden Umklammerung ein Ausweg gefunden wird. * Vor einer Generation erlebte die in dem Traum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, von Fortschritt, Liberalismus und Assimilation selig versunkene Judenheit von West- und Mitteleuropa einen schweren Schock. Der Ausbruch des Antisemitismus im Lande der großen Revolution, hundert Jahre nach der Proklamation der Menschenrechte, das Auftreten der Vorläufer des Hitlerismus: Schönerer und Lueger in Oesterreich, Stöcker und Ahlwardt in Deutschland, hundert Jahre nach Mendelssohn, fünfzig Jahre nach der Märzrevolution,. erschütterten die Judenheit. Aufgeschreckt und zerstört hielt sie inne und wurde daran erinnert, daß trotz Assimilation und Mischehen, trotz Taufe und anderer Arten von Fahnenflucht — der mittelalterliche Judenhaß lebt und ln jedem Augenblick lichterloh aufflackern kann. Damals schuf Herzl den modernen Zionismus und proklamierte seinen Plan der Lösung der Judenfrage. Seit bald 40 Jahren führt nun der aktivste Tei. des nationalen Judentums, welcher die Kader der zionistischen Organisation ausfüllt, einen Kampf nach zwei Fronten und auf zwei Schlachtfeldern: In Palästina wurde unter den schwierigsten Bedingungen ein Werk geschaffen, welches jedem ehrlichen Gegner die höchste Anerkennung abringt. Dies geschah im Kampfe mit der Natur, unter dem Widerstande der Araber und angesichts des kühlen Indifferentismus von sieben Achtel der jüdischen Nation. Im G a I u t h mußte der Zionismus den größten Teil des politischen und ökonomischen Abwehrkampfes gegen den Vernichtungskreuzzug der Feinde auf sich nehmen, von dem nichtzionistischen Teile der Juden wenig unterstützt und sehr oft gehemmt und bekämpft. Trotz aller dieser Widerwärtigkeiten während des Jahrzehntelangen schweren Ringens zeigt der Zionismus noch immer die wahrlich große Geduld, indem er den Gegnern und den lauwarmen Indifferenten ohne Unterlaß den Nachweis zu führen versucht, daß der Zionismus die einzige Lösung des Judenproblems darstellt, daß die «vom Berge Zion kommende Thora» dem Judentum das Heil bringt. Nach dem Kriege kamen in Mitteleuropa auf dem Gebiete der Judenfrage Ereignisse, welche eigentlich für sich allein genügen sollten, auch den bisher ganz blinden jüdischen Politikern antizionistischer Färbung die Augen zu öffnen. In zwei Staaten, in denen sich die Assimilation am stärksten durchgesetzt hat, wo die Gleichberechtigung am weitesten, nicht nur auf dem Papier, sondern auch in Wirklichkeit durchgeführt war, in Ungarn und in Deutschland, zeigt sich wieder einmal, und zwar in ganz brutaler, mittelalterlicher Form, die Hinfälligkeit assimilatorischer Hoffnungen und der ganzen Emanzipationsideologie. Das «erwachende Deutschland» Hitlers, in welchem kaum 1 Prozent Juden wohnen, und das «erwachende Ungarn», haben wieder die vor einem Menschenalter proklamierten Grundvoraussetzungen des Zionismus bestätigt, ebenso wie das bis jetzt geschaffene Aufbauwerk in Palästina die Schlußfolgerungen des Zionismus und die Richtigkeit seiner Lösung beweisen. Trotz allem wird aber von gegnerischer Seite noch immer an dem Zionismus gemäkelt und durch verschiedene Formen einer rein negativen Kritik, sei es am Aufbau Palästinas, sei es an der Landespolitik, eine Heim für die Entfaltung ihrer gesamten Kräfte und Energien. Der Allgemeine Zionismus muß der jüdischen Jugend diese Botschaft eines neuen jüdischen Lebens bringen, das nicht durch ewige Beschränkungen eingedämmt Ist, sondern gesegnet ist mit der Freude an einem Aufbauwerk, das ungeahnte Perspektiven eröffnet Dann wird der Allgemeine Zionismus sicherlich mehr jüdische Jugend an sich ziehen und ihrer loyalen Gefolgschaft sicher sein. * Bekanntmachung. Von nun an werden in der «Stimm e» die offiziellen Nachrichten des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten erscheinen. Rechtfertigung der eigenen Untätigkeit oder Gegnerschaft versucht. Unsere Gegner begnügen sich mit der sehr bequemen Art der Negation. Nietzsche sagt irgendwo, der Negierende sei der Parasit des Bejahenden. Es wäre nun vielleicht an der Zeit, angesichts der neuen Bestätigung der Prämissen des Zionismus durch die Ereignisse in Deutschland und Ungarn, durch den Antisemitismus in anderen Ländern und durch die wirtschaftlichen Erschütterungen speziell des jüdischen Volksorganismus durch die Weltkrise, auch die Formen unserer Auseinandersetzung mit den Gegnern, die Formen unserer Propaganda einer Revision zu unterziehen. Es wäre Zeit, damit aufzuhören, den bequemen Gegnern die Vorzüge des zionistischen Planes nachzuweisen, sondern w i r müßten einmal als die ungeduldigen Frager von ihnen verlangen, daß sie ihren Plan der Lösung vorlegen. In dem historischen Prozeß um die Zukunft und die Führung des jüdischen Volkes müßte einmal — wie dies in gerichtlichen Prozessen der Fall ist — die Frage derUeberwälzung der Beweislast angeschnitten werden. Hören wir einmal auf, immer noch diejenigen zu sein, die sich abmühen, denen, die nicht verstehen oder nicht einmal fragen wollen, die Richtigkeit unseres Standpunktes zu beweisen, und verlangen wir von den Gegnern die Vorlegung ihres Rezeptes, welches wir selbstverständlich an der Hand der jüdischen Geschichte und speziell der Geschehnisse der letzten Jahrzehnte unter die Lupe nehmen werden. Und da wird sich zeigen, daß die bürgerlichen Assimilations-Theoretiker und Zionistengegner überhaupt keinen Plan mehr zur Lösung der Judenfrage haben, nach den unzähligen Bankrotten, welche sie in verschiedenen Ländern erlitten haben. Der Bolschewismus mit seiner bizantinisch-starren, marxistischen Dogmatik erklärt zwar auch, die Judenfrage durch sein Allheilmittel lösen zu können und stellt E Bei fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmung, schweren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch früh nüchtern ein Glas natürliches «Franz-Josef- Bitterwasser zu trinken. Unsere erste". hat Wien unter Führung von Herrn Ing. J. Ornstem am 25. Oktober verlassen; die zweite Gesellschaftsreise geht am 8. Nov. 1932 nach Palästina ab 2 He.:.ronplätze sind noch frei — die Damenpläize komplett. Eine dritte Reisegesellschaft fahrt am 13. Dez. 1932 von Wien nach Palästina welche sowohl das Land besichtigen, als auch wirtschaftliche Möglichkeiten in Haifa, Tel-Awiw und Jerusalem studieren will. Für diese Reise sind uns sehr gute Kabinen auf der «Italia» (8500 Tonnen-Dampfer) reserviert. 1933 werden wieder durch die «Pag» n, G. m. b. H. in Wien zwei Frllhjahrs-Palästina-Reisen organisiert,?u daß die Reiseteilnehmer Purim und Pessach in Palästina verbringen können. Auch für diese Fahrten stehen uns auf «Italia» und «Brasüa» schöne Kabinen zur Verfügung. Die Abreisen von Wien erfolgen am 21. Februar und am 28. N8rz die Rückkehr nach Wien erfolgt vier Wochen später, die Führung in Palästina dauert 17 Tage. Anmeldungen für alle diese und für die sehr ermäßigten Studentenreisen im Sommer 1933 schon jetzt in der Verwaltung unseres Blattes. IMimi' TREUHAUDGESELLSCHAFl CflMM Troslccshlp Co„ Jerusalem nießnoiBN man rwa llaf Ail Informationen, Ideen, Vorschläge, Plänen IIQTvi I Programme, Kostenvoranschläge, die Gründung, Abwicklung, Leitung und UAiiwIpI Ueberwachung von Unternehmungen oder Geschäften in Erez Israel. Vertreter für Oesterreich: Ludwig Gatmann, Wien, L Fleischmarkt 22, IL, III., 56. Mündliche Besprechung nach vorheriger schriftlicher oder telephonischer (R-25-7-79) Vereinbarung. den Kreml dem Moriahberge entgegen. Begonnen hat er mit der — Zerstörung nicht nur der jüdischen Religion, sondern auch mit der in Jahrhunderten geschaffenen jüdischen Kultur, mit der Vernichtung des jüdischen Volkslebens und des Kleinbürgertums als Träger desselben. Der Bolschewismus tut dasselbe in rot, was die Liberalen in anderen Farben gemacht haben: er schafft nur bei den Juden, nicht bei den anderen Völkern die — Assimilation . . . Aber abgesehen von allen anderen Schäden — eines Ist sicher: vom Kreml kommt keine Freiheit und die von ihm ausgehenden Lehren und Methoden des Druckes können vielleicht vom robusten Organismus des russischen Muschik — wer weiß wie lange noch — ertragen werden, nicht aber von den Juden. Trotz gegenseitiger Phrasen führt der Kreml in bezug auf das jüdische Volk konsequent durch ein Zerfließen im «roten Meer» des Kommunismus eine völlige Zersetzung des Judentums und Aufgehen im Russentum durch. Er predigt durch die Emissäre den «Untergang des Judentums» mit einer — Zwischenstation in Biro-Bidschan, dessen Fiasko, gerade wie die Kolonisation an anderen Orten Rußlands, in ökonomischer Hinsicht beinahe sicher, während der nationale Untergang dieser Enklaven in fremder Umgebung keinem Zweifel unterliegt. Dabei Ist das Wiederaufflackern des blutigsten Antisemitismus in der Zukunft gar nicht ausgeschlossen. * * * Zusammenfassend glauben wir also, daß es an der Zeit ist, die Beweislast in dem Kampfe mit den Gegnern auf diese zu überwälzen und frei von der Bürde des ewigen Ueberzeugens steuern wir, gestützt und ermutigt durch die sich mehrenden historischen Beweise für die unerschütterlichen Voraussetzungen des Zionismus, unserem Ziel entgegen. Einem schon im Galuth zu kräftigenden Judentum, das als freies Volk ln seinem eigenen Lahde das potentiell schon vorhandene Nationalheim ausbauen soll. Glossen Synagogenvereln „Braune Schul“ G. m. b. H. oder ein Minjan schlecht getaufter Juden Dem Berliner «Angriff» sowie der Stahlhelmzeitung gmg vor den hohen Feiertagen ein Inserat mit der Bitte um Aufnahme zu. Das Inserat wurde leider nicht gebracht. Der bekannt günstige Wind wehte uns aber eine Abschrift zu, die wir nun gerne veröffentlichen. Synagogenverein «Braune Schul G. m. b. H.», München, Tel.-Adrese: Judenschul Braunhaus. Deutschfühiende Pgs. jüdischen Blutest Wir wenden uns an Euch mit der Aufforderung, uns Eure Adressen umgehend mitzuteilen. Die Unterzeichneten beabsichtigen, zu den Hohen Feiertagen einen eigenen Gottesdienst einzurichten, wir sind aber leider erst neun Mann und wir suchen auf diesem nicht mehr ungewöhnlichem Wege noch ein Mitglied, damit wir wenigstens ein Minjan sind. Die Predigt hält Rabbiner L)r. T r ebitsch-Lincoln, während die aus dem Rundfunk her bekannte schöne Stimme unseres Freundes Arnold Bronnen die kantoralen Funktionen versieht, H a n u s s e n hat es auf sich genommen, nach den Sternen zu sehen, damit wir wissen, wann man anfängt. Für gute Ordnung »m Betlokal sorgt unser Freund Düsterberg. Werni auch die Plätze an der Misrachwand nur für Pgs vorgesehen sind, haben wir doch gegen die Teilnahme Harzburger Mitkämpfer nichts einzuwenden. Für Alijes ist bestens gesorgt, vorgesehen sind Dr. S a a I f e 1 d t. Len* geb. Levi, Borchardt-MUnchen, Dr. Go 11heiner Soelling-Seligsohn. Sollte die Anzahl der Meldungen unsere Erwartungen übersteigen, bestände die Möglichkeit, im Scherlhaus m Berlin einen zweiten Gottesdienst einzurichten. Wir betonen noch, daß unser Ritus in jeder Beziehung gänzlich verändert ist. Die Kol-Nidre-Melodie wird nach dem Vorschlag von Bronnen mit dem Text des Horst-Wesel-Liede* gesungen. Das «AlChet» haben wir gänzlich gestrichen da man damit gar nicht mehr fertig wird. Heil Hitler und Leschonoh Tauwohl Komitee schlecht getaufter Juden. Überwälzung der Bewelslast Von Dr. Richard Ringel

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