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Die Stimme · 1932-10-27 · Heft 251 (27.10.1932) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 251 (27.10.1932)
Date
1932-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 1/1U blLvliAc. Nr. 2öl Oktober 193fc Dos Wegen der jüdischen Lebensauffassung Don Prof. Dp. Alber! ElnfMIn Unter der Ueb*T?chrift «Gibt es eine jüdische Weltanschauung*, veröffentlicht die New Yorker Zeitschrift «Opinion» u. a. die folgenden Aeußenungen Professor Albert Einsteins: tEine jüdische Weltanschauung im philosophischen Sinne gibt es nach meiner Meinung nicht. Judentum scheint mir fast ausschließlich die moralische Einstellung im L^ben und zum Leben zu betreffen. Judentum scheint mir der Inbegriff der im jüdischen Volke lebendigen Lebenseinstellung zu sein. Thora und Talmud sind für mich nur die wichtigsten Zeugnisse für das Walter der jüdischen Lebensauffassung in früherer Zeit. Das Wesen der jüdischen Lebensauffassung scheint mir zu sein: Bejahung des Lebens aller Geschöpfe Leben des Individuums hat nur Sinn im Dienste der Verschönerung und Veredelung des Lebens aller Lebendigen. Leben ist heilig, d. h. der höchste Wert, von dem alle Wertungen abhanden. Die Heiligung des überindividuellen Lebens bringt die Verehrung aller Geistigen mit sich, ein besonders charakteristischer Zug der jüdischen Tradition. Es steckt aber noch etwas anderes in der jüdischen Tradition, was sich in manchen Psalmen so herrlich offenbart, nämlich eine Art trunkene Freude und Verwunderung über die Schönheit und unbegreifliche Erhabenheit dieser Welt, von der der Mensch eben noch eine schwache Ahnung erlangen kann. Es ist das Gefühl, aus welchem auch wahre Forschung ihre geistige Kraft schöpft, das sich aber auch in dem Gesang der Vögel zu äußern scheint. Dies scheint mir der sublimste Gehalt der Gottes-Idee zu sein. Ist nun das Gesagte für das Judentum charakteristisch? Lebt es auch sonstwo unter anderem Namen? Rein lebt es nirgends, auch im Judentum nicht, wo viel Buchstabenkultus die reine Lehre verdunkelt. Aber ich sehe doch Im Judenr tum eine ihrer lebendigsten und reinsten Realisierungen. Dies gilt besonders von dem Grundsatz der Heiligung des Lebens. Es ist bemerkenswert, daß in dem Gebot der Heiligung des Sabbats auch das Ruhen der Tiere ausdrücklich eingeschlossen war, so sehr fühlte man die Forderung der Solidarität des Lebenden als Ideal. Noch viel stärker kommt die Forderung der Solidarität aller Menschen zum Ausdruck, und es ist kein Zufall, daß die sozialistischen Forderungen großenteils von Juden ausgingen. Wie sehr aber auch das Bewußtsein von der Heiligkeit des Lebens im jüdischen Volke lebendig ist, wird sehr schön durch ein Sätzchen veranschaulicht, das Walther Rathenau mir gegenüber einmal in einem Gespräch äußerte: .„.Wenn ein Jude sagt, er gehe zu seinem Vergnügen’ auf die 'Jagd, so lifgt er." Einfacher kann man dem Bewußtsein von der Heiligkeit und Verbundenheit des Lebens, wte es im jüdischen Volke lebt, nicht Ausdruck geben.» Beh. konz. Realbüro ING. M. MÜHLBÄUER Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypotheken 1., II. und 111. Sätze, Bau- und Zwischenkredite, Gebäudeverwaltung Büro: 2., Leopoldsgasse 26 Tel. A-49-2-47 Wohnung: 2., Vorgartenstr. 150, Tel. R-41-8-88 Feuilleton Otto Abeles Fahrt durch Ostgalizien (Aus einem Tagebucn ) Die Kerzen von Tarnopol Wohlgepflegt und stattlich, überraschend schön sind die Hauptstraßen von Tarnopol. Diese Stadt, wiederholt zerschossen, in Brand gesteckt, geplündert, hat man im Vorjahre aus Anlaß einer Ausstellung auf Glanz hergenchtet. Das Pflaster ist blank, die Rasenflächen und Beete der Anlagen sind beinahe großstädtisch. Und so noble Ruhebänke, wie in Tarnopol, habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Aber dort unten, wo aus dem Teich Sumpfgeruch aufsteigt und das heisere Schreien der Frösche in der Dämmerung zu ekstatischen Anklagen anschwillt — dort in den Niederungen enthüllt sich «Tarnopol von rückwärts». Ein Knäuel lachhaft zerdrückter Gassen, zerbeulter Dächer, die sich tief Uber geschundene triefende Mauern neigen. Kein freundlicher Anblick. Nur, daß just hier in dieser verkrampften Enge des Ghettos — auch die Juden- •tadt Tarnopol hat noch ihr besonderes Judenviertei — eben erst, nämlich vor dem Juli 1914 das wirklich jüdische Leben pulsierte. Von einem Ausflugsorte sah ich das Profil des Judenviertels in der Judenstadt. Es ist räumlich abgesondert von der Haskalah-Burg, der berühmten Perl-Synagoge, und ihr Wahrzeichen ist die alte Schule, die mächtig aui einen Hügel gesetzt ist, ein scharfkantiger, monumentaler Steinblock, wie vom Himmel gefallen. Um dieses Haus der Lehre scharen sich viele «weihedunkle Schulen», wie sie Hugo luckermann nannte, darunter manche edle Klaus. UetmcIiKi Zionismus — Eine Analyse Van Prof. S. Brodefskv (lenden) Schluß. *) Das unabänderliche Programm des Allgemeinen Zionismus kann nur so erklärt werden: Stetiges Bestreben auf politischem Gebiet, stetiger Fortschritt in der praktischen Aufbauarbeit in Palästina, Beharren auf nationaler Einheit im jüdischen Leben und auf dem Hebräischen als Nationalsprache in Palästina und ln der Galuth. Alle Pfade, die zur Verwirklichung dieses Programms führen, liegen innerhalb des Tätigkeitsgebietes des Allgemeinen Zionismus. Daraus ergibt sich, daß der Allgemeine Zionismus von Zeit zu Zeit auf die Umstände und Bedürfnisse der Gegenwart abgestellt werden kann und muß. Kann dieser Pan- Zionismus die Jugend anziehen? Das Fehlen eines Nachwuchses ist der größte Vorwurf der gegen die Träger eines Ideals erhoben werden kann, und dieser Vorwurf ist so oft gegen den Allgemeinen Zionismus erhoben worden, daß die Allgemeinen Zionisten hierüber sehr nachdenklich, mißtrauisch und argwöhnisch geworden sind. Tatsächlich ist das Fehlen von jugendlichen Anhängern des Allgemeinen Zionismus eine Sage, die auf theoretischen Vorurteilen basiert. Manche Zionisten betrachten die allgemeine Weltsituation und die in der Psyche der Jugend verankerten Tendenzen und glauben, daß die Jugend nicht herangezogen werden soll, und sie gehen einen Schritt weiter und glauben, daß der Allgemeine Zionismus die Jugend nicht anzieht. Sie argumentieren folgendermaßen: Im allgemeinen wird die Jugend durch das glitzernde, himmelanstrebende Neue und Sensationelle angezogen; sie kann nur eine Flagge von greller Farbe tragen um? antwortet nur auf zündenden Kampfruf. Sie braucht Efreme, wie Kommunismus, Faschismus, Nationalsozialismus. Deshalb muß man der jüdischen Jugend irgendeine besondere Attraktion oder einen Köder bieten, um sie zur Mitarbeit anzueifern. Der Arbeiterzionismus bietet der jüdischen Jugend das Ideal des Sozialismus. Der Revisionismus bietet einen Supernationalismus, der keine Erwägungen des Tatsächlichen kennt. Der Misrachismus bietet ein religiöses Ideal, das Enthusiasmus entflammen und Opferfreude entfachen kann. Was kann der Allgemeine Zionismus bieten? Ich glaube fest, daß ein besonderes anziehungskräftiges Lockmittel weder notwendig noch wünschenswert ist. Es gibt kein glühenderes Ideal für Juden, ob jung oder alt, als den reinen, einfachen Zionismus, keinen glühenderen Nationalismus als die schwere Arbeit des Wiederaufbaues Palästinas, keinen größeren Ansporn für Enthusiasmus und Opferfreude als die Befreiung der jüdischen Nation. W i r brauchen keine Neuauflage und keinen Nachtrag zum Zionismus. Es ist wahr, daß die Welt eine Periode von Exzessen durchmacht. Stolze, wilde Ideale dominieren. Rund um uns ertönt der Schiachtenlärm zwischen gegnerischen Extremen, aber diese lärmenden Extreme sind nicht zur Vorherrschaft bestimmt und als das ewige Volk sehen wir Juden hinter die kurze Periode, die dieser Sieg vorübergehender Leidenschaften dauern wird, der vielleicht heute die Welt beherrscht, aber morgen schon vergessen sein wird. Jüdischer Nationalismus ist nicht das Resultat der nationalen Methoden des 19. Jahrhunderts und wird sich nicht vor den räsch wechselnden politischen Moden des UO; Jahrhunderts beugen. Zionismus ist der Ausdruck von 19 Jahrhunderten jüdischer Hoffnung auf nationale Freiheit. Nicht dynastische Eroberung oder imperialistische Ausdehnung, aber Befreiung von physischer und moralischer Sklaverei ist sein Ziel. Zionismus kann sich nicht dazu herabiassen, den Modebedürfnissen des Tages nachzulaufen. Er kann auf keinem anderen Motiv als dem der Erhaltung der jüdischen Nation basieren. Er kann zeitgenössische Methoden und Ideen benutzen und Vorteil aus zeitgenössischen Gelegenheiten ziehen, aber er muß sich freihalten von zeitgenössischem Unrat. Er muß die dauernden, ewigen Werte der jüdischen Nation hochhalten. Wenn es wahr wäre, daß unsere jüdische Jugend auch solche Köder braucht, die auf den alten Extremen der politischen Tagesmode basieren, welche der Allgemeine Zionismus, das ist Zionismus in reinster Form, ihr nicht bieten kann, auch dann würde ich zu den Allgemeinen Zionisten sagen: «Betreibt eure Politik des Gleichgewichtes und des #) Siehe «Die Stimme» vom 13. und 20. d. M. gesunden Verstandes weiter, bis die Verbannung des Geistes, die den extremen Schiagworten anhaftet, gewichen ist.» Tatsächlich hat aber eine solche Verbannung des Verstandes im Judentum nicht Platz gegriffen. Unser Volk ist geistig gesund geblieben und die Darstellungen über die Uepopularität des Allgemeinen Zionismus und seinen Mange! an jugendlicher Anhängerschaft .sind hauptsäclii ch das Ergebnis eines Minderwertigkeitskomplexes, den d,e Allgemeinen Zionisten auf das laute Geschrei unserer zionistischen Parteien bekommen haben. Zehntausende junger Zionisten gibt es, die stolz sind, zum Allgemeinen Zionismus zu gehören, und viele Zehntausende harren der Beachtung und Organisierung. Es ist wahr, daß wir Allgemeine Zionisten leider unsere Jugend vernachlässigt haben. Während der letzten zehn oder zwölf Jahre waren wir so emsig beschäftigt, Geldmittel für das Palästinawerk zu sammeln, daß wir vergaßen, daß der beste Schutz aller unserer nationalen Interessen, inklusive Finanzen, die Verbreitung zionistischen Wissens und die Leidenschaft für den Zionismus unter den jüdischen Massen, besonders der jüdischen Jugend, ist. Die sofortigen Bedürfnisse Palästinas waren groß und wir opferten ihnen unsere Jugend. Ein anderer Fehler, den wir machten, bestand darin, daß wir den Glauben, daß die Arbeiter- und Misrachiparteien sich persönlich für die Palästinakolonisation und Einwanderung interessieren, während die Allgemeinen Zionisten kein solches Interesse zeigen, tolerierten, ja sogar ermutigten. Die Anschauung ist geläufig geworden, daß die Allgemeinen Zionisten Geld sammeln, während die Arbeiter- und Misrachizionisten es ausgeben. Das muß unverzüglich geändert werden. ln der gegenwärtigen Lage der jüdischen Welt fühlt sich unsere Jugend deshalb so sehr zum Zionismus hingezogen, weil sie direkt und persönlich an der Rückkehr nach Palästina Anteil nimmt; denn abgesehen davon, daß die Juden in der Besiedlung Palästinas das einzige zuverlässige Mittel für den Aufbau der jüdischen Zukunft sehen, gibt es einen besonderen Grund dafür, warum die jüdische Jugend nach persönlicher Identifizierung mit Palästina Verlangen trägt. Die jüdische Jugend ist besonders durch die allgemeine heutige Weltlage enerviert. Die Juden werden immer mehr und mehr aus demr Wirtschaftsleben gedrängt; insbesondere die jüdische Jugend steht vor der Gefahr, aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet zu werden, ln einer Welt, in der für jedermann immer weniger Beschäftigung existiert, ist der Jude der letzte, dem man Aufmerksamkeit schenkt, und der erste in der Armee der Unerwünscht e n. Besondere Geistesgaben, Handfertigkeiten, größerer Fleiß und treuere Dienste scheinen der jüdischen Jugend, die nach einem bescheidenen Ausweg für ihre Energien sucht, nichts zu nützen. Von wo soll der junge Jude Hilfe und Unterstützung bekommen? Er braucht Palästina als persönliche Befreiung und persönliche Zufluchtsstätte. Diejenigen, die der jüdischen Jugend einreden wollen, daß Palästina keine wirkliche Aussicht auf Ruhe bringt, stoßen. sie zurück in Verzweiflung lind schwarze Pläne. Alles gute, das junge Juden über Palästina hören, gibt ihnen die Ueberzeugung, daß der Zionismus die Rettung des Judentums ist. Einige Eihwandererzertifikate, die an eine jüdische Gemeinschaft geschickt werden, sind für diese Gemeinschaft ein neues Befreiungsfest, ein inaonamnDmaaDDDODQanaDDDoixiooDmanD Erzeugung und Reparatur von Herren- und Damenwäsche, Pyjamas, Blusen, Kleider, Hemden Anfertigung kj nach Maß Spezialität: Aerzte- und Pflegerinnen-Mäntel. Strümpfe repassieren, stopfen, anstricken. Beste Ausfüh rung Billigste Preise Wäschegeschäft Macourek Nathf. ANNA EPSTEIN Wien, Vlil., Skodagasie Nr. 30 (nächst Alserstraße) Telephon B 40-7-78 FreLiag-Abend, ein heißer, heller Abend, war ich Zaungast. Auf Betpulten, in den Hängeleuchtern, am Almemor, an den Wänden brannten viele Kerzen. Fünfmal, zehnmal so viele Kerzen brannten, als Betende an den Pulten standen. Die Schulen sind leer, die große Synagoge ist leer. Die Kerzen sind Totenlichter der sterbenden Judenstadt. In Tarnopol gibt es eine große Kaserne, erbaut in der Zeit vor dem Wiener Kongreß, da die Stadt noch dem Zaren gehörte. Am Tor der Umfassungsmauer sind zwei barbarische Masken in den Stein gehauen. Sie grinsen hohnvoll: «Die Schulen sterben — so vernichtet man Euch!» Ueber die Hauptstraße klappern die Hufe der kleinen, zottigen Pferde. Heute ist Trachtenfest des rumänischen Bauernvolkes. Es leuchten die Buntstickereien der Mädchen, es flattern die Haarbänder, es glänzen die Gürtel, die Waffengürtel der Reiter mit den Kosakenmützen. Diese sind nicht unterzukriegen, diese sitzen auf der Erde, auf ihrer Erde. Die Sünde «Boryslaw» Boryslaw ist unsere Schande, unsere jüdische Schande. Zwischen den ungezählten Bohrtürmen, die in Borysliaws entschwundener Glanzzeit schwere Reichtümer in jüdische Privatkassen pumpten, kleben die elendsten menschlichen Behausungen, die ich jemals m einer städtischen Siedlung sah. Armut ist hier noch um einige Grade ärmer als anderswo, der ganze Ort von 40.000 Bewohnern sieht nicht stattlicher aus als ein Ablagerungsfeld für Mist, Scherben und Gerümpel. Hier haben jüdische Petroleure das Geld gescheffelt. Die meisten kamen nur, ihre Angelegenheit zu betreiben und wurden niemals seßhaft. Kein Müderungsgrund. Sie haben hier nach glücklichen Bohrungen in schmierigen Buden den Champagner in Strömen fließen lassen und Orgien gefeiert. Aber den Ort, auf welchem jüdische Schwerarbeiter schuften, ungezählte kleine Beamte hinter Schreibpulton sitzen, wo so viele Vermittler, Kleinkautleute, Handwerker, Gewerbetreibende Kinder zeugen und aufziehen, — den Flecken Erde, dessen Schätze ihnen alle Luxusstatten, alle Nobelbäder, alle Spielsäle geöffnet, alles erdenkliche Wohlleben verstattet haben, beließen sie in einem Zustand, der den Besucher erschrecken macht. Eine Menschensiedlung, die aussieht, als hätte sie der Aussatz befallen. Die Krankheitserreger waren skrupellose Gewinnsucht, VoJksentfremdung, Unbildung. Und nun ist der Geldzauber dahin. Die jüdischen Petroleure sind verarmt und völlig zugrunde gegangen, die wenigen, welche noch auf halber Höhe stehen, haben der jüdischen Bevölkerung gegenüber schwerste Aufgaben zu erfüllen und leisten viel. Nicht daran zu denken, daß in dieser Periode der Verarmung gutgemacht oder auch nur linde verhüllt werden könnte, was in verflossenen Jahrzehnten hier verbrochen wurde. Das schauerliche Denkmal jüdischer Sünde bleibt. Zwei Sackträger — Bärte, Schläfenlocken, Hüte und vor allem die abgearbeiteten runden Rücken vom Mehlstauh weiß gefärbt — tragen eine schwarze Truhe über die Boryslawer Gasse, welche just an dieser Stelle aufgerissen ist und die Eingeweide von Boryslaw zeigt. Da unten, im Bauch der Naphtastadt, laufen die Röhren, durch welche der kostbare Stoff in die Sammelbecken fließt, schamhaft tief unter dem Dreck, in dem sich die Boryslawer Kinder und Hunde wälzen. Die Leichenträger über dem geöffneten Bauch von Boryslaw — dieses Bild hat sich mir in der Stunde der Ankunft ins Gemüt eingebrannt. So verbrachte ich meine Tage, kalte unwirsche Boryslawer Mai-Tage. Zwischen versorgten Menschen, denen kein freundlicher Anblick, kein anmutiger Stadtwinke!, kein Endchen Komfort die traurige Zeit erhellt. (Fortsetzung folgt) HS Q

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