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Die Stimme · 1932-10-20 · Heft 250 (20.10.1932) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 250 (20.10.1932)
Date
1932-10-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 250 — 20. Oktober 1932 DIE STIMME oaie 7 Di« .Stimm«' über all«* Zur Frage des Frauenwahlrechtes In die Kultusgetneinde Seit langer Zeit wird von jüdischen Frauen und auch seitens zionistischer Parteien die Forderung vertreten, daß auch den Frauen das Wahlrecht in die Kultusgemeinrie zustchen soll. In Wien haben zum Beispiel nur die selbständig erwerbstätigen Frauen das aktive Wahlrecht, nicht aber das passive Wahlrecht. Vom passiven Wahlrecht aber sind die Frauen ausgeschlossen. Die Zionisten in der Wiener Kultusgemeinde kämpfen bekanntlich für das Wahlrecht der Frauen. In Südafrika wurde kürzlich ein heftiger Kampf um das Wahlrecht der Frauen in die Kultusgemeinden geführt, endete aber mit der Niederlage der Anhänger des Frauenwahlrechtes. Die Generalversammlung des Synagogenrates der vereinigten jüdischen Gemeinden Südafrikas hat mit 34 gegen 34 Stimmen, also mit Stimmengleichheit, den Vorschlag, den Frauen Wahlrecht zu den Körperschaften der jüdischen Gemeinde zu geben, abgelehnt. Niedergang im lettländischen Judentum Der Statistik der lettländischen jüdischen Gemeinden ist zu entnehmen, daß sich innerhalb des lettländischen Judentums die Zahl der Geburten vermindert, während sich gleichzeitig die Zahl der Todesfälle erhöht; im Jahre 1932 war ein natürlicher Zuwachs der jüdischen Bevölkerung gar nicht mehr festzustellen. Im Jahre 1931 zählte man noch unter den Juden Lettlands 456 Geburten und 328 Sterbefälle; in der Zeit vom I. Jänner bis zum 20. September 1932 zählte man 375 Geburten und 378 Sterbefälle. Die Zahl der Eheschließungen hat sich infolge der Wirtschaftskrisis und der Arbeitslosigkeit stark vermindert; 1930 zählte man unter den Juden in Lettland 247, 1931 207 und in der Zeit vom 1. Jänner bis 20. September 1932 nur noch 175 Eheschließungen. Die Zahl der Mischehen unter den Juden Lettlands ist eine sehr geringe und überschreitet nicht im Jahre die Ziffer 10. Nach der Volkszählung 1920 lebten in Lettland unter 1,569.131 Einwohnern 79.644 Juden. 12.730 Juden Im Haag Amsterdam, Einem vor kurzem veröffentlichten Bericht der aschkenasisch-jiidischen Gemeinde des Haag ist zu entnehmen, daß die Zahl der jüdischen Bevölkerung des Haag 12.720 eSelen beträgt. Die Gemeinde zählt 3750 Steuerzahler. Im Jahre 1931 traten 236 Juden in die Gemeinde ein und 10 schieden aus. Dies alles.,. Ein Rabbi pflegte seine Schüler zu fragen: «Womit hast du heute deinen Tag verbracht?» Wenn er die Antwort erhielt: «Ich habe gelernt und ich habe gebetet», pflegte er zu sagen: Dies alles war für Gott und für deine Seele, aber was hast du für deine Mitmenschen getan?» AUSLANDSCHAU (Bulgarien Ausschluß von Revisionisten aus der Zionistischen Organisation Bulgariens Die Zionistische Organisation Bulgariens hat 13 Revisionisten aus der Zionistischen Organisation ausgeschlossen, darunter die Führer M. Arditi und M. Josifoff, weil sie bei den kürzlich in Sofia stattgefundenen Gemeindewahlen die kommunistischen Kandidaten der Allgemeinen Zionisten unterstützten. Infolge dieser sonderbaren Waffenhilfe wurden die kommunistischen Kandidaten gewählt. ^Deutschland Goebbels rühmt die Unbestechlichkeit eines Juden Berlin. Der «Angriff» des Dr. Goebbels vom 12. Oktober schildert den Kampf des Bücherrevisors Philipp Lachmann gegen den Staatssekretär Dr. Weismann mit folgenden Worten: «Im Jahre 1926 war der Bücherrevisor Philipp Lachmann anläß’ich seiner Sachverständigentätigkeit in der Strafsache Bartels, Holzmann und Genossen auf die Verfehlungen Weismanns gestoßen. Andere hätten aus Furcht geschw!egen. Der alte, arme Bücherrevisor aus der Elbinger Straße schwieg nicht. Er nahm den Kampf auf, er griff Weismann an. Man setzte ihm zu — gemein, niederträchtig... Die Berliner Handelskammer, die Herren v. Mendelssohn, M;chalski und Staatssekretär Oskar Meyer entzogen ihm die Bestallung als Bii herrevisor. Der Hunger sollte den alten Mann zwingen Juden warfen den Juden Lachmann aus Brot und Arbeit, weil er unerschrocken den Krebsschaden der Korruption aufdeckte. Philipp Lachmann nämlich ist Jude. Er bering das «Verbrechen», daß er um der Wahrheit willen für Sauberkeit des öffentlichen Lebens Sturin lief gegen einen der Großen in Israel. Jianada Energische Maßnahmen gegen Antisemitismus in Kanada Toronto. Der Premierminister der kanadischen Bundesregierung teilte dem jüdischen Deputierten E F. Singer, der sich bei ihm über die Duldung der antisemitischen Propaganda durch die Prov:ozregierung in Quebec und die Behauptung des Vizepräsidenten des Provinzparlamentes von Ontario, Armand Lavergne, von der Existenz eines jüdischen Ritnalmordcs beschwerte, mit, daß die Bundesregierung von Fahrt ins Blan-Welfie Erstmalig wir.l um S o n n t u g <1 i* u x o. Oktober I. J., eine gaiiziilg'gc lirli,>rrusclmiigsl'ulirl Ins Hluii Wriüe in _ Autobussen (Allwetter-Aimlch'swugeiu vcruiiMulteU Hei dieser Fuhrt mit unbekanntem Ziel werden etwa 200 km xurili kgelegt und /.ummdOKi io Orte besucht, die Jüdische Sehenswürdigkeiten uns früheren Jahrhunderten bewahren So wiril diese Fuhrt ins Blau Weiße, durch s e h ü u t e Land- » e li u f t e n führend zugleich (ielegenlieit bieten, einen Aussohnitt aus der 0 e « r hi c h t e der Juden i ii O e t e r r e I e h vor den Augen der gie ehgesinnten. das heißt ausachileßlloh Jüdischen Fahrtteilnelinier aufzurollen Ein fachkundiger Führer wird auf alle Sehenswürdigkeiten verweisen. Der F a Ii r |> i e i s betrügt pro Person, einschließlich Führung«- beitrug, ohne Verpf'egung, S 11 - für Kinder (halben Plats) 8 5 50. Die Durchführung der ..Fahrt ins Blau Weiße" liegt in Bünden der „Pag" reg (ieu ui b ii Wien, IM, l.undstraßer Gürtel 0. wo — in Anbetracht der b e s c h r ft ii k I e n Teilnehmeraahl — die Anmeldung baldigst vommehinen Ist! Die „F a Ii r t e u ins Blau Weiße“ werden — Jedesmal mH anderem Z eie - um letzten Kenn tag jede* Monats wiederholt; Teilnnlimorzuhl stets beschränkt, daher rechtzeitige Anmeldung zu empfehlen. Uiediugutigeu wie oben angegeben.) Kanada entschlossen sei, die antisemitische Hetze in Quebec auzurotten, wenn die Provinz,:alregierung dies nicht selbst tun sollte. Die Erklärung des Bundesregierungschefs ist eine deutliche Desavouierung der Proz:nzialrcgierung in Quebec, die die seit Jahren von der französischen Presse der Provinz betriebene antisemitische Hetze duldet. Dem Landsmannschafts-Verein der ##Dotinaev•• wünscht herzlichst 31B 10J Hermann Schwärs instand Rifualmordlegende in England Herr Ray Knight zieht seine Behauptung über Existenz eines jüdischen RStualmordes in aller Form zurück. London. «Hibbert Journal» brachte vor einiger Zeit einen Artikel von Ray Knight über «Falsche Bibelübersetzung». In einer Fußnote zum Artikel stellt Ray Knight die Behauptung auf, daß d’e These vom Vorhandensein eines jüdischen Ritualmordes von heutigen Gelehrten gestützt wird. Er wies insbesondere auf das Buch «Josephus und die Juden» des Amerikaners Dr. F. J. Foakes-Jackson hin. Daraufhin richtete Dr. Foakes-Jackson an den Herausgeber des «Hibbert Journal» eine Zuschrift, in der er seinem tiefsten Bedauern Ausdruck gibt, daß er von Knight mit der Ritualmordbeschuldigung gegen Juden in Verbindung gebracht worden war. Er habe in seinem Josephus-Buch nichts weiter behauptet, als daß schon zu Josephus’ Zeiten die Ritualmordbeschuldigung zuerst gegen die Christen, dann von den Christen gegen die Juden erhoben worden war. Keineswegs habe er behauptet, daß sich diese Beschuldigung auf :rgtndwelche Tatsachen stützen konnte. Auf Grund dieses Briefes hat «Hibbert Journab Herrn Ray Knight aufgefordert,, seine Behauptung zurückzuziehen. Knight veröffentlicht in der letzten Nummer des «Hibbert Journab die folgende Erklärung: «Im Hinblick darauf, daß die Behauptung, betreffend den Ritualmord unter den Juden auf Seite 596 des «Hibbert lournab vom Juli 1932 durch Beweise nicht zu belegen ist, ziehe ich im Einvernehmen mit dem Herausgeber die betreffende Bemerkung zurück.» ^olfisfina Gefängnis wegen Schofarblasens an der Klagemauer Jerusalem. Tausende von Juden beteten am Jom Kippur am der Klagemauer. Es kam zu keinerlei Störung. Bei Einbruch der Dunkelheit versuchte ein aus Polen stammender Revisionist namens Schloime Neimann nach dem Neila- Gottesdienst Schofar zu blasen. Neimann wurde sofort, da dies gegen eine die Klagemauer betreffende Verfügung der Palästina-Regierung verstößt, von der Polizei verhaftet. Der Schofar wurde beschlagnahmt. Nachdem Neimann auf Grund einer Intervention von Rabbi K o o k gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden war, wurde er später vom Gericht des Distriktskommissariats zu 21 Tagen Gefängnis verurteilt. Grundsteinlegung für das Keren-Hajessod-Haus Jerusalem. An der in Jerusalem stattfindenden Zeremonie der Grundsteinlegung für das Haus des Keren Hajessod werden Vertreter der Jewish Agency, der Zionsitischen Exekutive, des Keren Kajemeth und des Waad Leumi teilnehmen. Das Keren Hajessod-Haus wird in der unmittelbaren Nachbarschaft des Nationalfondshauses errichtet. ftoten Don Kaplanowicz, Chefredakteur des Wilnaer „Tog“, gestorben Wilna. Im Alter von 52 Jahren verstarb in Wilna der bekannte jiddische Schriftsteller und Publizist Don Kaplanowicz, Chefredakteur der Tageszeitung «Tog». In der Jugend stand er den russischen Revolutionären nahe und verbrachte längere Zeit als Verbannter in Sibirien. Er veröffentlichte mehrere Skizzen und Erzählungen in Buchform, die viel gelesen wurden. Israel Brandmann Absolvent der Hochschule ür Musik in Wien in Violine, Komposition und Kapellmeistersclmlp erteilt Unferridtf in Violine und in der gesamten Musiktheorie. Gesangskorepetit’on Wien, XIX., Hardtgasse 10 1, Tel, A 13-8 64. (Rumänien Antisemitische Exzesse am Jom Kippur Synagogenschändung in Be;z Bukarest. Die Synagoge in der Dworianskagasse zu Beiz (Nordmoldau) wurde am Jom Kippur von einer Gruppe von Htiligans geschändet, die sämtliche Fensterscheiben des Gotteshauses einwarf. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Polizei hat eine strenge Nachforschung nach den Synagogenschändern eingeleitet. Exzesse eines Kavallerieoffizters Bukarest. Die jüdische Bevölkerung von Tecuci ist wegen eines von einem Kavallerie-Oberleutnant arni Jom Kippur verübten Exzesses außerordentlich aufgebracht. Während der lom Kippur-Andacht fuhr der erst vor kurzem zur Tecucer Eskadron versetzte Oberleutnant Ghcorghe Matei mit einem Automobil vor die Synagoge, und zwar bis auf den Gehsteig und hielt den Wagen vor dem ihm im Weg stehenden Kaufmann Max Steiner an. Als Steiner den Gehsteig nicht verlassen wollte, sprang der Oberleutnant ab und mißhandelte Steiner mit der Kurbel des Autos. Sodann fuhr er nochmals in eine Gruppe vor der Synagoge stehender Juden in der offenkundigen Absicht, diese zu überfahren, und rief dabei: «Auf, Juden, nach Palästina!» (Rußland Die RiicKiuanderunB aus den jädlsciten in Souijetrueiaud dauert an Alarmierende Artikel der jiddisch-kommunistischen Presse Moskau. Die jiddisch-kommunistische Presse bringt alarmierende Artikel über die anhaltende Rückwanderung jüdischer Kolonisten aus den drei großen Zentren jüdischer landwirtschaftlicher Siedlungen, Biro-Bidschan, Krim und Ukraine. Die Zeitungen erheben Anklagen gegen die lokale Sowjetadministration in diesen Gebieten, die es verabsäumt hat, minimalste Bedingungen für eine normale Existenz der Neusiedler zu schaffen. Hauptsächlich fehlt es jetzt, wo der kalte Herbst herannaht und ein noch kälterer Winter droht, an Wohngelegenheiten, an machen Orten auch an Nahrungsmitteln. Den Mitgliedern de*. Kollektiven wurden die ihnen laut Verordnung der Regierung in Aussicht gestellten Vorschüsse zu Brot und Geld vorenthalten. Die Zeitungen fordern, daß die Kontrollkommission und di« Staatsanwaltschaft diejenigen Beamten, die durch ihren jede Entwicklung tötenden Bureaukratismus die Schuld an den eingetretenen Verhältnissen tragen, zur Verantwortung ziehe. Jom Kippur in Moskau Moskau. Am Jom Kippur waren die wenigen Synagogen in Moskau derart überfüllt, daß ungeheure Mengen Andächtiger wegen Mangels an Raum auf den Plätzen und Straßen vor den Synagogen an den Gottesdiensten Teilnahmen. Die jüdischen Kommunisten veranstalteten an Jom Kippur in Fabriken und in anderen Betrieben, die eine große Zahl Juden als Arbeiter beschäftigen, zehn antireligiöse Massen versam mlungen. Spanien Mißglückte Einwanderung Mehrere aeme jüdische Familien, die aus der Marmarosch (Rumänien) nach Spanien auswanderten, warnen in Briefen ihre Bekannten vor einer Einwanderung nach Spanien. Die Briefe legen dar, daß es .iir die Einwanderer unmöglich war, Arbeit zu finden und daß sie claltenach Hause zirücklcehren müssen. Konkursausschreiben Auf Grund der zwischen der Jewish Agency in Palästina und dem Lloyd Triestino in Triest geführten Verhandlungen hat der Lloyd Triestino nunmehr beschlossen, einen jüdischen Koch und Kochgehilfen für jede koschere Küche, die auf den nach Palästina verkehrenden Sclvffen demnächst eingerichtet wird, ab 26. Oktober 1932 anzustellen. Die Wahl und der Beschluß bezüglich der Auswahl der Kandidaten hängt vom Oberrabbinate in Tel-Awiw ab. Nachstehend die Konkursbedingungen. 1. Der Koch muß im Besitze eines Sitten- und religiösen Zeugnisses und durch angesehene Rabbiner (Geonim) diplomiert sein, und dieses Zeugnis muß seine Fähigkeit bekunden, eine koschere Küche auf den Schiffen zu leiten. 2. Ein Zeugnis, das Bin als Koch erster Güte bezeichnet, das auch detai,,!ert die Anzahl seiner Arbeitsjahre in seinem Berufe anführt. 3. Ein Zeugnis von absoluter Gesundheit. 4. Eine Abschrift des Geburtsscheines. 5. 2 Photogranhien. 6. Unter gleichen Bedingungen wird der Vorzug jenem Kandidaten gewährt, der bereits bei Schiitsgeseliscnafleu im Dienste stand. 7. Die Aufnahme erfolgt zur Probe. Nach seiner Bestätigung und Aufnahme als Koch hat die Gesellschaft das Recht, ihn nach vorhergegangener einmonatiger Kündigung zu entlassen. 8. Für den Koch wird ein Monatsgehalt von 1000 italien. Liren und für seinen Gehilfen ein Monatsgehalt von 400 italien. Liren festgesetzt. Beide erhalten Verköstigung und Nächtigung auf dem Schiffe gratis. 9. Dem Bewerber, dessen Offert angenommen wurde, werden durch den Lloyd Triestino die Eisenbahnfahrtauslagen 3. Klasse bezahlt. Im Falle der Entlassung bezahlt die Gesellschaft dem Entlassenen die Fahrkosten 3. Klasse retour. 10. Angebote sind zugleich mit den Zeugn:sabschriften beim Palästina- und Hafen-Amt der Jewish Agency füf Palästina in Triest (Adresse Via del Monte 7) eirizureichei* (Die Zeugnisse werden den Kandidaten nicht zurückgesteUt^ i 39 426239

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