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Die Stimme · 1932-10-20 · Heft 250 (20.10.1932) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 250 (20.10.1932)
Date
1932-10-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seffe 6 DIE STIMME INI'. 40Ü — äu. UlMUUCr 1932! I; universell. Er ist der Zionismus eines Jeden In den. Er lehnt es ab, dem grundlegenden zionistischen Programm, in welchem ohnehin alles enthalten ist, ein neues binzuzufiigen, welches bedeutende Oefnhren für die nationalen Interessen mit sich bringt. Auch die Notwendigkeit der Erhaltung traditionell jüdischen Leben« und Denken« Ist Im fundamentalen zionistischen Programm enthaften, aber ihre Vorkämpfer dürfen nicht Privilegien gegenüber denjenigen Juden verlangen, die nicht mit ihnen konform gehen. Chaluziuth ist die unerläßliche Voraussetzung des zionistischen nationalen Aufbaues, aber sie darf nicht hi der Art definiert werden, daß die armen nichtsoziahstlschen jüdischen Arbeiter, die Rettung so dringend wie andere Elemente unseres Volkes notwendig haben" und deren Dienste für das nationale Heimatland den von anderen geleisteten gleichzustellen sind, hintangesetzf werden. Private jüdische Unternehmungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Zionismus, die alle unsere Unterstützung und Hilfe verdienen; aber es geht nicht an, Privatinteresse in Gegensatz zu Chaluziuth und zu den nationalen Kolonisationsbestrebungen zu bringen. Allgemeiner Zionismus Ist daher ein vollkommener Zionismus, ein Panz’onismus, der alle Meinungs- und Interessenschattierungen umfaßt, der mit allen Phasen der Pa'ästlna-Arbeit zu Identifizieren Ist und der für die vollkommene Einheit alles zionistischen Bestrebens arbeitet. Er ist ein Teil der Funktion der Misrachi, afs zionistischer Missionär tätig zu sein, um religiös lebende Juden, die außerhalb des zionistischen Lagers stehen, in die Gemeinde der immer mehr anwachsenden religiösen Zionisten zu im Zentrum der Propaganda der führenden arabischen Kreise in Palästina steht die Bodenfrage. Sie ist nach außen ein Kampfruf gegen die Juden und nach Innen ein zwiespältiges und widerspruchsvolles Problem. Die Realitäten kommen ihr, der Führung, auf diesem Gebiete nicht entgegen. So beschloß sie, ein reales Kampfmittel, eine «Arabische Volkskasse», zu schaffen für die «Auslösung des Bodens», damit dieser den Juden nicht ln die Hände fallen soll. Für diese Sache wurde seit Monaten eine ausgedehnte Propaganda gemacht und der 16. September als Stich- und Sammeltag für die Volkskasse bestimmt. Dem zu diesem Zwecke gebildeten Zentralkomitee gehören die führenden Persönlichkeiten an. Die Jugend und viele Frauen wurden im ganzen Lande mobilisiert. Die Vorbeter und Prediger in den Moscheen und die arabischen christlichen Priester beeinflußten das Volk. Die Zeitungen warben seit langer Zeit mit Nachdruck für den nationalen Gedanken. Am Sammeltag widmeten sie der Sache die ganze Nummer und brachten Aeußerungen der prominenten Führer über die Bedeutung des Tages. Sie wandten alle in Europa geübten bildlichen und psychologischen Beeinflussungsmittel an. In Haifa ruhten am 16. September drei Zigarettenfabriken, um den Arbeitern die Möglichkeit zu geben, sich an der Sammeltätigkeit zu beteiligen. Für Sammelgruppen und Orte wurden Preise für höchste Leistungen ausgesetzt. Die Regierung hat ihren Beamten gestattet, für den Zweck zu spenden. In dem Aufruf der arabischen Exekutive hieß es: «Die zionistische Gefahr wird mit Jedem Tag stärker. Wir müssen infolgdedessen praktische Maßnahmen ergreifen und schöpferische Wege beschreiten, um ihre Absichten zu hemmen und ihre Hoffnungen zunichte zu machen. Nach langen und reiflichen Ueberlegungen wurde beschlossen, einen Volksfonds zu gründen, der die stärkste Basis bilden wird, auf der sich die arabischen Anstrengungenstützen werden, um den Boden zu retten. Die Spenden werden ausschließlich dem Bodenkauf gewidmet sein.» Und das Ergebnis ~? Die Führer senken die Köpfe. Die Zeitung «Al- Islamia» schätzt — wohl noch reichlich optimistisch, genaue Angaben sind bisher nicht erschienen — das Gesamtergebnis auf 1000 Pfund. Sie nennt den «Tag» einen «Tag des Skandals». «70.000 Araber brachten nicht mehr als diesen kleinen Betrag auf, während ein einzelner Jude zehntausende Pfund spendet. Ein solches Volk ist nicht wert, daß es lebt.» Und «Marat al Shark» sah in dem «Tag» eine letzte Prüfung für die Führer, ob sie des Restes von Vertrauen, das sie genossen, noch würdig seien. Gemeint ist wohl der Hinweis, daß bei den führenden Kreisen sich das Gros des Volksvermögens befindet. Haifa sammelte 100 Pfund. Das Lokalkomitee beschloß — einigermaßen bezeichnend für die internen Vertrauensverhältnisse — das Geld nicht dem Zentralkomitee auszuhändigen, sondern bei der Arabischen Bank zu hinterlegen, bis eine Konferenz darüber entscheiden wird, was damit geschehen soll. Gleiche Beschlüsse wurden in Nablus, dem extrem-nationalen Zentrum, und in Azah gefaßt. In Nazareth fand überhaupt keine Sammlung statt. Die oben zitierte «Al- Islamia» läßt sich aus Chewron, einem zweiten nationalen Zentrum, das vollständige Fiasko der Aktion melden. Das Blatt, verwirrt und ratlos, fand schließlich den wahren Schuldigen an der Niederlage heraus — es sind die Juden. bringen. Der Arbeiterzionist muß tätig sein wie ein zionistischer Missionär, dessen Zweck es ist, Juden, die sich für Arbeit und sozialistische Methoden interessieren, für die immer mehr an wachsende zionistisch-sozialistische Gemeinde arrzuwerben. Aber eine große Anzahl von Juden nimmt keine Stellung zum jüdischen Leben ein, und es int die Aufgabe der Allgemeinen Zionisten, diese Menschen in die zionistische Bewegung zu bringen. Der Allgemeine Zionismus sieht also die zionistischen Parteien als zentripetale und nicht als zentrifugale Kräfte und sich selbst als das zentrale Glied in der vielverzweigten zionistischen Kette. Es ist das historische Privileg der Allgemeinen Zionisten geworden, die Hauptarbeiter für die Fonds der Bewegung zu sein. Von den Reihen der Allgemeinen Zionisten sind die meisten palästinensischen Privaitainternehmungen ansgegangen. Es Ist für das Gedeihen der Bewegung notwendig, daß der Allgemeine Zionismus diese Lasten weiter trügt. Es war der Vorzug des Allgemeinen Zionismus, In prominenter Weise an der Führerschaft In der Bewegung in der Vergangenheit teüzunehmen, und es Ist eine unumgängliche Forderung, daß ein beträchtlicher Anteil an der zionistischen Leitung Allgemeinen Zionisten auch zukünftig übertragen wird. Sie sind dazu berufen, auf Grund Ihres allumfassenden Programme« die Bewegung so zu führen, daß nicht die eine oder die andere Sette mehr bevorzugt wird. Sie sind dazu berufen, die Bewegung geradeaus vorwärts zur höchsten nationalen Vollendung zu führen. (Schluß folgt.) Hunderttausend Dunam Boden suchen einen Käufer Matakal Pascha P a i s, das Oberhaupt der Beni- Sachar Beduinen in Transjordanien, befindet sich in einer schweren finanziellen Lage. Mehrere Mißerntejahre brachten den Stamm in Schulden. Die Regierung drängt auf Bezahlung der rückständigen Steuern. Matakal Pais hat im ganzen 6000 Pfund Schulden, aber 100.000 Dunam zur Verfügung. Er steht vor der Alternative Beschaffung des Geldes oder vor der Ge¬ .JKliinit litt™ Bestrenommierte Küche im II., Hammer Purgsiaiigasse 3, Tel. a 48-8*82 fahr, daß der Besitz unter den Hammer kommt. Der Scheich will also den Boden verkaufen oder eine Anleihe aufnehmen. Da verbreitete sich das Gerücht, die Juden wären daran, den Boden Mataka Pais zu kaufen. Die palästinensischen arabischen Zeitungen erhoben ein großes Geschrei über nationalen Verrat. Hunderttausend Dunam — und die Zionisten haben auch in Transjordanien Fuß gefaßt. Ais der Beduinenscheich vor einigen Monaten auf der Hilfesuche nach Jerusalem kam, wurde er von einem Vertreter des «Aharam» aufgesucht und über den Zweck seines Besuches zur Rede gestellt. «Ich bin gekommen,» erklärt der Pascha, «um mit den arabischen Führern und den arabischen Kapitalisten in Verbindung zu treten, daß sie meine Beduinen aus dem Druck befreien. Ich werde mich an jeden vermögenden Araber wenden, von dem ich irgendeine Hilfe erhoffen kann und damit ich nicht gezwungen bin, den Boden an Fremde zu verkaufen. Leider habe ich bisher nicht einen einzigen Araber gefunden, der bereit gewesen wäre, mir hundert Pfund auf einen Monat zu leihen. Ich wandte mich an die Bank Ottoman, doch sie lehnte ab.» Der Journalist: «Ist es wahr, daß du mit den Zionisten wegen Verkaufs eines Teiles deines Bodens unterhandelt hast, um dich damit aus deiner Geldnot zu befreien? Und wer sind die Leute, auf die Dr. Arlosoroff, der Präsident der Jewish-Agency ln seiner Londoner Rede andeutete, daß sie Verhandlungen mit der Agency führten und daß die Sache nur infolge Mangels an Mitteln nicht durchgeführt werden könnte?» Der Pascha erwiderte, daß er mit den Zionisten keine Verhandlungen geführt habe und er fügte verzweifelt hinzu: Falls sich die Not verstärken und sich weder ein arabischer noch ein christlicher Reflektant finden sollte, der den Beni-Sachar eine Anleihe gibt oder einen Teil ihres Bodens kauft, so werde er gezwungen sein, den Boden an die Juden, und sogar an Affen zu verkaufen. Der Journalist: «Um Himmelswillen, das darfst du nicht tun. Du darfst nicht die Hand dazu bieten, daß die Juden in Transjordanien eindringen.» Der Pascha: «Aber was machen? Bitte, rate mir!» Und der Zeitungsmann gibt ihm allerhand Ratschläge, die nur den Fehler haben, daß sie zu nichts führen können, und spricht ihm dabei lang ins Gewissen. Da sagte der Pascha: Berührte die Sache nur mich, es würde sich ein Freund finden, der für meinen Unterhalt sorgen würde. Aber es handelt sich um viele Frauen und Kinder, um einen ganzen Stamm, der von Not und Verlängerung bedroht ist. Infolgedessen appelliere er an die nationalen Anstalten, ihm zu Hilfe zu kommen. Er verlange kein Almosen. Er biete seinen Boden zum Kauf oder als Pfand. Und er fügte zum Schluß hinzu: Meine Stammesgenossen werden noch ein Jahr warten und versuchen, sich so lange durchzuhungern. Vielleicht finden die nationalen Kreise derweil einen Ausweg. Ist das Jahr herum — dann weiß nur Allah, was geschehen wird. Als vor kurzem die in Amman erscheinende Zeitung «AI Ordon» die Nachricht brachte, die Ottoman Bank habe sich bereit erklärt, 6000 bis 8000 Pfund an die Beni-Sechar-Beduinen auf längere Zeit und zu mäßigen Zinsen zu leihen, schien die Angelegenheit doch eine befriedigende Lösung gefunden zu haben. Da meldete aber nach wenigen Tagen «Al Jamen» aus Amman, daß jene Nachricht den Tatsachen nicht entspreche. Ch. H. Oef Srtiulhonfliht in Palästina beigelegt Baldige Wiedereröffnung der hebräischen Schulen Jerusalem. In der am 11. Oktober abends abgehaltenen Sondersitzung des Waad Leu ml, der auch Vertreter der Jewish Agency und anderer an der Regelung des Schulproblems interessierter Instanzen des Jischuw teilnalimen, wurde in der Frage der Kontrolle des hebräischen Schulwesens in Palästina ein Kompromiß erreicht, durch welches der seit sechs Monate herrschende Schulkonflikt beigelegt worden ist. Es ist vorgesehen, daß die Schulen schon in sehr kurzer Zeit, spätestens in zwei Wochen, wiedereröffnet werden. Das Kompromiß wurde auf der folgenden Grundlage geschlossen: Die Schulen unterstehen im allgemeinen der Kontrolle des Waad Leumi. Jedoch wird die unmittelbare Kontrolle von einer fünfgliedrigen Schulkommission ausgeiibt, die sich aus zwei Vertretern des Waad Leumi, einem Vertreter der Exekutive der Jewish Agency, einem Mitglied des Magistrats von Tel-Awiw und einem Vertreter des Elternverbandes der jüdischen Kolonisten zusammensetzt. Die Verteilung der neuen Einreiseiertifikafe Jerusalem. «Official Gazette» vom 13. Oktober bestätigt die JTA-Mcldung, daß die Palästina-Regierung der Jewish Agency 4500 Einwanderungszertif.kate auf Grund der Arbeiterschedule für das Halbjahr Oktober 1932 bis März 1933 zur Verfügung gestellt hat «Officiai Gazette» fügt ergänzend hinzu, daß 2700 Zertifikate für Männer im Alter von 18 b;s 35 Jahren, 1500 Zertifikate ür unverheiratete Frauen deif gleichen Altersstufe und 300 Zertifikate für Männer im Alter von 35 bis 45 Jahren bestimmt sind. Polen als Absatzgebiet für Palästina-Produkte Tel-Awiw. Die polnische Regierung hat für das letzte Jahresviertel 1932 die Bewilligung zur Einfuhr von 700 Tonnen Orangen, 20 Tonnen Bananen, 65 Tonnen Wein, 10 Tonnen Nüssen aus Palästina nach Polen erteilt. Die Mutter Dr. Leo Reichs gestorben Im Alter von 96 Jahren starb in Wien vor einigen Tagen die Mutter des unvergeßlichen Führers des polnischen Judentums, Dr. Leo R e i c h, Frau Cliaje Reich. Sie stammte aus einer sehr vornehmen jüdischen Familie und hatte das Glück, den ungewöhnlichen Aufstieg ihres Lieblingssohnes als Sejmdeputierten, Präsidenten des jüdischen Sejm-Klubs und Mitglied internationaler jüdischer Vereinigungen zu erleben. Mit Rücksicht auf ihr Alter wurde ihr der vor drei Jahren erfolgte Tod ihres jüngsten Sohnes verheimlicht, so daß die Verstorbene ahnungslos die letzten Jahrhe in Sehnsucht nach dem Sohn, dessen Abwesenheit man ihr unter verschiedenen Ausflüchten zu erklären versuchte, verbrachte. Die Verstorbene hinterließ noch zwei Kinder, und zwar den Industriellen Nathan Reich und Frau Dische. Am offenen Grabe der Verstorbenen sprach der Enkel der Toten, Rabbiner Universitätsprofessor Doktor Herzog, Graz, ergreifende Abschiedsworte. Kennen Sie Togal? Togaltabletten sind ein rasch und sicher wirkendes Mittel bei rheumatischen und gichtischen Beschwerden sowie Kopfschmerzen. Die große Beliebtheit verdankt Togal den vielen ausgezeichneten Erfolgen, die zahlreiche Aerzte und Kliniken mit diesem Präparat erzielten. Togal ist stark harnsäurelösend und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. Es wirkt ferner in hohem Maße als inneres Antiseptikum. Jeder Apotheker führt Togal. GroQfteiscimauerel SIEGM. KORNMEHL Zentrale »X, Bergpasse 1**. le>. A u. 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